Hervorgehobener Beitrag

Eine Sommernacht im Zelt

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Mama telefoniert mal wieder eine halbe Ewigkeit.
Als sie endlich ins Wohnzimmer kommt, sagt sie: „Tante Petra und Onkel Norbert möchten am Samstag nach München ins Theater. Sie würden Sophia und Maxi vorher zu uns bringen und am Sonntag wieder abholen – wenn wir einverstanden sind.“
„Natürlich sind wir einverstanden!“, rufen Lisa und Lukas sofort.
„Ich habe auch nichts dagegen“, sagt Papa. „Obwohl es bestimmt etwas anstrengend wird…“ Weiterlesen

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Hervorgehobener Beitrag

Mein Opa kann ganz schön anstrengend sein

Seit meine Oma gestorben ist, wohnt mein Opa ganz allein in der Wohnung unter uns. Er versorgt sich morgens und abends selbst. Zum Mittagessen kommt er immer zu uns herauf. Meine Mutter besorgt ihm auch die Wäsche, und sie hält seine Wohnung in Ordnung.

Wenn der Opa zum Essen kommt, stöhnen meine Eltern immer ein bisschen. Er hört nämlich sehr schlecht, weigert sich aber, sein Hörgerät zu tragen. Er sagt, dass er dann ganz genau sein eigenes Kauen hört und dass ihm das gar keinen Spaß macht. Dafür hören wir es alle umso deutlicher. Aber keiner von uns würde das jemals dem Opa sagen.

Wenn ich aus der Schule komme und beim Mittagessen meiner Mutter etwas erzählen möchte, dann komme ich nicht dazu. Der Opa erzählt nämlich ständig und immer dasselbe. Er erzählt von früher und vor allem von seinem Auto. Immer wieder das gleiche. Weiterlesen

Du kannst es doch

Immer, wenn Tina in der Schule etwas vorlesen sollte, bekam sie es mit der Angst. Dabei hatte sie diesmal zu Hause wirklich geübt. Ihre Mutter hatte gesagt: „Du musst üben, Kind!“ Und da hatte Tina sich hingesetzt und die ganze Geschichte gelesen, erst leise, dann laut: „Eine Stadtmaus ging spazieren und kam zu einer Feldmaus. Die legte ihr zu essen vor, was sie nur konnte…“ Weiterlesen

Jakob betet

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Vor dem Schlafengehen läuft Jakob noch einmal durch den Garten.

Erschaut den Apfelbaum an.

„Den hast du schön gemacht, wirklich wahr“, sagt Jakob.

Er riecht an den Rosen.

„Die hast du auch schön gemacht.“

Er kostet ein paar Erdbeeren.

„Mmm! Die hast du am schönsten gemacht. Danke“, sagt Jakob.

Dann geht er ins Haus.

Die Großmutter bringt ihn ins Bett.

„Und jetzt beten wir“, sagt die Großmutter.

„Ich habe schon gebetet“, sagt Jakob.

Lene Mayer-Skumanz

Stopp, nicht mit mir!

Heute kommt ein Polizist in den Kindergarten. Ein richtiger, echter Polizist. Alle Kinder sind schon ganz aufgeregt.

»Bringt der eine echte Kelle mit? So eine, mit der man Autos anhält?«, fragt Philipp.

»Und eine Trillerpfeife?«, fragt Carolin. Weiterlesen

Der seltsame Zweig

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Die kleine Meise wundert sich. Sie hat scharfe Augen. Saß da nicht eben eine Raupe am Birnbaum? Kroch langsam den Zweig hinauf? Natürlich, die kleine Meise hat es genau gesehen.
Aber auch die kleine Spannerraupe hat die Meise gesehen. Die kleine dicke Raupe will einmal ein Schmetterling werden. Sie hat noch viel vor. Sie muss noch sehr wachsen. Die Meise darf sie nicht verschlucken.
Gefahr! Die kleine Raupe spürt es sofort.
Sie klammert sich mit den Hinterbeinen fest an den Ast. Dann richtet sie den Leib starr auf und streckt ihn aus. So sieht sie wie ein kleiner brauner Zweig aus.
Die Raupe ist ein Zweig geworden, ein braunes Ästchen. Die kleine Meise guckt. Sie wartet. Nichts rührt sich. Die kleine Raupe bleibt starr und steif.
Die Meise schilpt, schließlich fliegt sie davon. Zweige! Nein, das ist kein gutes Futter. Zweige sind viel zu hart.
Die kleine Raupe rollt sich wieder zusammen und kriecht weiter den Ast hinauf. Sie will ein Schmetterling werden. Und sie kann gut Theaterspielen. Eine schlaue kleine Raupe.

Lisa-Marie Blum

Bitte, nimm mich in die Arme

Bitte, nimm mich in die Arme – John A. Rowe

Am einen Ende war Elvis, der Igel, borstig wie eine Scheuerbürste. Am anderen war er so stachlig wie ein Kaktus. Der kleine Elvis wünschte sich nichts sehnlicher, als in die Arme genommen zu werden. Weiterlesen

Die Sprache der Bäume

»Und hier die Hausaufgabe in Deutsch«, sagt Herr Lux, der Lehrer in der Klasse 4c. »Für morgen schreibt jeder eine Seite über ein Thema, das wichtig und interessant ist. Ihr dürft euch die Überschrift selber heraussuchen. Vielleicht findet jeder von euch ein anderes Thema.«

Ralf weiß gleich, was sein Thema ist. Zu Hause schreibt er:

Der Wald stirbt aus. Weiterlesen

Der Kreis der 99

Es war einmal ein König, der hatte einen Diener, der sehr glücklich war. Jeden Morgen weckte er den König, brachte ihm das Frühstück und summte dabei fröhliche Spielmannslieder. In seinem Gesicht zeichnete sich ein breites Lächeln ab, und seine Ausstrahlung war stets heiter und positiv. Eines Tages schickte der König nach ihm.
»Diener«, sagte er. »Was ist das Geheimnis deiner Fröhlichkeit?« Weiterlesen