Die leere Krippe

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«Hier hast du die letzte Schachtel», sagte Michael und stellte die letzte Kiste in meinen Flur. Ich untersuchte die staubigen und zerfledderten Kisten und freute mich. Dieser weihnachtliche Schmuck aus Michaels Kindheit, seit dem Tod seiner Mutter eingelagert, bedeutete für mich unsere gemeinsame Zukunft als Paar. Wir unternahmen alle Arten weihnachtlicher Aktivitäten zusammen: Feiern, Einkäufe, und jetzt Schmücken. In ein paar Monaten würden wir verheiratet sein und ich wollte unbedingt unsere eigenen Traditionen schaffen. Ich sehnte mich nach sinnvollen Ritualen, bedeutsam und einzigartig für uns beide. Weiterlesen

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Malins Weihnachtsgeschenk

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Malin hatte ein Geheimnis. Aber das erzählte sie niemandem.Die Schule war in einem kleinen roten Haus. In diese Schule ging Malin. Sie war neun Jahre alt. Am zweiten Juli hatte sie Geburtstag. Mitten im Sommer.

Ja, eine Weile hatte sie sogar zwei Geheimnisse. Das eine hätte sie fast Johan erzählt. Das war, als das erste Schuljahr vorbei war. Alle in der Klasse hatten ihre Sonntagskleider an. Die Lehrerin trug ein Kleid mit Blumen drauf. In einer Vase steckte ein großer Strauß Flieder. Der duftete durch das ganze Schulzimmer. Weiterlesen

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Die Kerze

Es gab einmal eine Kerze, die allein ein Schlafzimmer nur schwach beleuchtete. Seine lange rote feurige Zunge zitterte und sie dachte:

»Ich werde bald erlöschen und sterben, und ich werde vergeblich gelebt haben, weil meine Flamme nichts Wertvolles beleuchtet hat. Ich habe keine Geburt eines Kindes erlebt, keine feurigen Küsse provoziert, und kein Dichter ließ sich von mir inspirieren, seine Verse zu schreiben. Ich hätte der kleine Leuchtturm sein können, der zwei Menschen hilft sich zu treffen, aber keine Seele hat meinen einsammen Kerzenleuchter halten wollen. Ich bin nutzlos.« Weiterlesen

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Eine Mauer ohne Geschichte

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Eine Mauer in Trümmern bat mich, ihre Geschichte zu schreiben.

Was könnte man über eine moosigen und mit Efeu beschichteten Wand erzählen, die am Rande eines selten benutzten Weges steht? Weiterlesen

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Eine Sommernacht im Zelt

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Mama telefoniert mal wieder eine halbe Ewigkeit.
Als sie endlich ins Wohnzimmer kommt, sagt sie: „Tante Petra und Onkel Norbert möchten am Samstag nach München ins Theater. Sie würden Sophia und Maxi vorher zu uns bringen und am Sonntag wieder abholen – wenn wir einverstanden sind.“
„Natürlich sind wir einverstanden!“, rufen Lisa und Lukas sofort.
„Ich habe auch nichts dagegen“, sagt Papa. „Obwohl es bestimmt etwas anstrengend wird…“ Weiterlesen

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Als Oma seltsam wurde

Eines Tages, ganz plötzlich, wurde meine Oma seltsam und geizig. Ich war sechs Jahre alt, und manchmal passte sie tagsüber auf mich auf. Sie wohnte in einem Dorf vor der Stadt. Es war Donnerstag und ich wartete. Ich ging im Garten herum und herum.

Bald würde das Bäckerauto kommen und hupen. Oma würde ein rundes Brot kaufen und Kekse. Ich durfte mir jedes Mal einen eigenen Keks aussuchen. So war es immer.

Ich wartete und wartete. Und zwischendurch schoss ich mit meinem Flitzebogen, den ich aus einem Kleiderbügel und einem Gummiband gebaut hatte.

Dann endlich hörte ich das Bäckerauto kommen. Es hupte.

Ich lief rein zu Oma. Sie saß in der Küche und schlief.

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»Das Bäckerauto kommt!«, rief ich. »Beeil dich.«

Sie sah mich verwirrt an.

»Wer bist du?«, fragte sie.

»Ich«, sagte ich.

Sie nickte abwesend. Weiterlesen

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Leb wohl, lieber Dachs

 

Der Dachs war verlässlich, zuverlässig und immer hilfsbereit. Er war auch schon sehr alt, und er wusste fast alles. Der Dachs war so alt, dass er wusste, er würde bald sterben.

Der Dachs fürchtete sich nicht vor dem Tod. Sterben bedeutete nur, dass er seinen Körper zurückließ. Und da sein Körper nicht mehr so wollte wie in früheren Tagen, machte es dem Dachs nicht allzu viel aus, ihn zurückzulassen. Seine einzige Sorge war, wie seine Freunde seinen Tod aufnehmen würden. Er hatte sie schon vorbereitet und ihnen gesagt, irgendeinmal würde er durch den Langen Tunnel gehen. Er hoffe, sie würden nicht zu traurig sein, wenn seine Zeit gekommen war. Weiterlesen

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