Der Punkt: Kunst kann jeder

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 Kunst kann jeder

Der Kunstunterricht war vorbei, aber Ina saß wie festgeklebt auf ihrem Stuhl.

Ihr Zeichenblatt war leer.

Inas Lehrerin beugte sich über das leere Blatt Papier.

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»Oh! Ein Eisbär im Schneesturm«, sagte sie.

»Sehr witzig!«, sagte Ina. »Ich kann einfach nicht malen!«

Ihre Lehrerin lächelte.

»Mal einfach irgendwas und sieh, was passiert.«

Ina schnappte sich einen Stift und knallte ihn mit voller Wucht auf das Papier. Weiterlesen

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Der Hase mit den himmelblauen Ohren

HaseEs war einmal ein kleiner Hase mit himmelblauen Ohren. Als er merkte, dass die Ohren der anderen Hasen nicht die gleiche Farbe hatten, fing er an, sich zu schämen. Er ging ihnen aus dem Weg und spielte lieber mit sich allein. Sein einziger Freund war der Mond am Himmel. Er klagte ihm seinen Kummer, doch der Mond blieb stumm. Ich will in die Welt hinauswandern, wo mich niemand kennt, dachte der kleine Hase.

Er machte sich auf den Weg, und nur der Mond begleitete ihn. Aber wo er auch hinkam, erregten seine Ohren Neugier, und überall wurde er ausgelacht. Ich gehöre nirgends dazu, dachte der kleine Hase, und schuld an meinem Unglück sind die himmelblauen Ohren. Weiterlesen

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Der Bus von Rosa Parks

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Der Bus von Rosa Parks

Großvater hat es Ben schon lange versprochen, und heute ist es endlich soweit: Er fährt mit ihm nach Detroit, wo er ihm „etwas zeigen” will.

„Aber was schauen wir uns denn an, Großvater?”, fragt Ben während der Fahrt tausendmal.
„Warte nur, du wirst schon sehen”, antwortet der. „Sei nicht so ungeduldig.”

Ben liest die Worte laut vor: HEN-RY FORD MU-SE-UM.
Das Ford-Museum! Heilige Bimbam! Großvater ist wirklich unglaublich. Da sind sie stundenlang mit dem Bus gefahren, nur um alte Autos anzugucken. Seit wann ist Großvater denn ein Autofan? Er hat doch nicht mal einen Führerschein!
„Nicht doch, das ist nicht einfach ein Automuseum! Hier kannst du die Geschichte Amerikas erleben! Und jetzt quengel nicht weiter herum, sondern komm mit mir!” Weiterlesen

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Küssen ist doof

Küssen ist doof

Es ist Wochenende, und beim Frühstück machen es sich Tim und Papa richtig gemütlich. Mit Tischdecke, Kakao, Brötchen, Marmelade, Wurst und Käse! Weil Wochenende ist, darf Tim so viel Schokocreme essen, wie er will.
»Lecker«, sagt er glücklich.
»Morgen kommt Tante Ulla«, erzählt Papa.
»Oh nein!«, ruft Tim und lässt sein Brötchen fallen. »Ich verstecke mich, damit sie mich nicht findet.«
Tim krabbelt schon mal unter den Tisch, um zu gucken, ob die Tischdecke ihn auch gut versteckt. Da krabbelt Papa zu ihm unter den Tisch.
»Tante Ulla ist doch ganz nett«, sagt er.
»Ja, schon«, sagt Tim. »Aber die küsst mich immer ab. Das mag ich nicht. Und ihr Lippenstift ist so klebrig!« Tim schüttelt sich.
»Da hast du recht. Das ist nicht schön«, meint Tims Papa und setzt sich wieder auf seinen Stuhl.
»Ich verstecke mich und komme erst wieder heraus, wenn Tante Ulla weg ist«, ruft Tim. »Dann muss ich auch nicht ihre blöde Torte essen. Davon wird mir immer schlecht.«
»So schlimm ist Tante Ulla nun auch nicht«, meint Papa. »Sie hat dich sehr lieb.«
Tim krabbelt wieder unter dem Tisch hervor. Er überlegt. »Ich hab sie auch ganz lieb. Aber nicht den Lippenstift und die Torte auch nicht.«
»Ich habe eine Idee«, sagt Papa da. »Was wäre, wenn Tante Ulla dich nie wieder küsst und du nie wieder ihre Torte essen musst?«
»Dann ist Tante Ulla meine allerliebste Lieblingstante«, antwortet Tim. »Mit ihr macht es am allermeisten Spaß, Feuerwehr zu spielen. Außerdem kennt sie die besten Lügengeschichten.«
Papa lacht. »Bessere als meine?«
Tim grinst und nickt. Dann fragt er: »Was soll ich denn machen, damit Tante Ulla mich nicht mehr küsst?«
»Das ist nicht einfach«, meint Papa und gießt sich noch etwas Kaffee ein.
»Nun sag schon, Papa«, drängelt er.
»Wenn Tante Ulla morgen klingelt«, sagt Papa, »dann machst du die Tür auf und sagst nein, wenn sie dich küssen will.«
»Das kann ich nicht«, meint Tim. »Ich will nicht, dass Tante Ulla traurig ist.«
»Sie ist aber noch trauriger, wenn du dich versteckst«, meint Papa. »Du musst versuchen, ganz lieb nein zu sagen, dann ist Tante Ulla bestimmt nicht traurig.«
Tim sitzt ganz ruhig auf seinem Stuhl und überlegt. Dann steht er plötzlich auf: »Das mache ich.«
Papa klopft ihm anerkennend auf die Schulter.
»Ich will morgen unbedingt mit Tante Ulla Feuerwehr spielen, und mein neues Dinosaurierbuch will ich ihr auch zeigen.«
»Du schaffst das«, meint Papa und schlägt die Zeitung auf. Tim nickt, jetzt freut er sich richtig auf morgen. Weiterlesen

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Der grüne Omnibus

Anlässlich des Internationalen Tages des Gedenkens
an die Opfer des Holocaust

Der grüne Omnibus

Theo Stemmler

Die Tage wurden kürzer, und obwohl die Mittagstemperaturen in jenem warmen September 1944 manchmal noch 25 Grad erreichten, gingen die Leute aus Waldau nicht mehr zum Dorfweiher, um dort zu baden. Die Erwachsenen brachten die Ernte ein, die Kinder gingen vormittags zur Schule und waren nachmittags mit Hausaufgaben beschäftigt — oder mit dem Einkaufen von Dingen, die ihnen ihre Mütter auf Zetteln notiert hatten.

Karl nahm sich für den Heimweg vom Fleischer viel Zeit. Er genoß die Freiheit vor dem erneuten Beginn der häuslichen Verwahrung. Trotzig ließ er das Einkaufsnetz, in dem ein Pfund Schweineleber schwappte, über die staubige Straße schleifen, verscheuchte einige Hühner, die ihm in die Quere kamen, und trat mit seinen genagelten Schuhen nach jedem erreichbaren Stein, dass Funken sprühten.

Gelegentlich blieb er stehen und wartete eine Weile, bis sich genügend Speichel in seinem Mund gesammelt hatte. Dann nahm er breitbeinig Aufstellung und ließ den schaumigen Riesentropfen in den Staub fallen. Der beim Aufschlag entstehende Knall bestätigte ihm zu seiner Freude immer wieder das Verbotswidrige seines Tuns. Spucken gehört sich nicht, und nimm gefälligst die Hand aus der Hosentasche. Weiterlesen

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Einbruch am Heiligen Abend

«Du traust dich nicht, du traust dich nicht …»

«Natürlich traue ich mich!», entgegnete Max scharf. Was war denn schon dabei? Wenn die alte Frau wirklich fast taub war, wie seine neuen Kumpel meinten, dann würde sie nicht hören, wie er durch das gekippte Fenster an der Seite des Hauses griff und den Engel von der Fensterbank nahm. Er müsste nur warten, bis die Alte auf das Klingeln seiner Kumpel hin die Haustür öffnen würde, dann blieb ihm genug Zeit zum Handeln.

«Dann mal los!», befahl Roco, der Anführer der Jungs. Max atmete tief durch. Eigentlich fand er es albern, einen Engel zu stehlen – wozu sollte das denn gut sein? Aber wenn die Gruppe ihn sonst nicht aufnahm…

Unauffällig schlenderte er an der Seite des kleinen Häuschens entlang bis zu dem gekippten Fenster. Dort stand der goldene Engel, eine Harfe in einer Hand und den Mund geöffnet, so, als singe er gerade ein Lied, das nur er hören konnte. Aus der Nähe betrachtet, war der Engel nicht mal schön – er hatte viele Schrammen, die goldene Farbe war stumpf und an manchen Stellen abgeblättert.

Max hörte, wie es an der Haustür klingelte. Er wusste nicht, welche Geschichte sich Roco ausgedacht hatte und wie viel Zeit ihm blieb. Daher griff er sofort, als er die Stimme der alten Frau hörte, die die Haustür geöffnet hatte und nun mit Roco sprach, durch das gekippte Fenster nach dem Engel. Doch er hatte sich verschätzt, er konnte die Figur nicht mal mit den Fingerspitzen berühren. Hastig zog er Weiterlesen

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Risiko für Weihnachtsmänner

Sie hatten schnellen Nebenverdienst versprochen, und ich ging hin in ihr Büro und stellte mich vor. Das Büro war in einer Kneipe, hinter einer beschlagenen Glasvitrine, in der kalte Frikadellen lagen, Heringsfilets mit grau angelaufenen Zwiebelringen, Drops und sanft leuchtende Gurken in Gläsern. Hier stand der Tisch, an dem Mulka saß, neben ihm eine magere, rauchende Sekretärin: alles war notdürftig eingerichtet in der Ecke, dem schnellen Nebenverdienst angemessen. Mulka hatte einen großen Stadtplan vor sich ausgebreitet, einen breiten Zimmermannsbleistift in der Hand, und ich sah, wie er Kreise in die Stadt hineinmalte, energische Rechtecke, die er nach hastiger Überleg und durchkreuzte: großzügige Generalstabsarbeit.

Mulkas Büro, das in einer Annonce schnellen Nebenverdienst versprochen hatte, vermittelte Weihnachtsmänner; überall in der Stadt, wo der Freudenbringer, der himmlische Onkel im roten Mantel fehlte, dirigierte er einen hin. Er lieferte den flockigen Bart, die rotgefrorene, mild grinsende Maske; Mantel stellte er, Stiefel und einen Kleinbus, mit dem die himmlischen Onkel in die Häuser gefahren wurden, in die > Einsatzgebiete<, wie Mulka sagte: die Freude war straft organisiert.

Die magere Sekretärin blickte mich an, blickte auf meine künstliche Nase, die sie mir nach der Verwundung angenäht hatten, und dann tippte sie meinen Namen, meine Adresse, während sie von einer kalten Weiterlesen

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