Als Oma seltsam wurde

Eines Tages, ganz plötzlich, wurde meine Oma seltsam und geizig. Ich war sechs Jahre alt, und manchmal passte sie tagsüber auf mich auf. Sie wohnte in einem Dorf vor der Stadt. Es war Donnerstag und ich wartete. Ich ging im Garten herum und herum.

Bald würde das Bäckerauto kommen und hupen. Oma würde ein rundes Brot kaufen und Kekse. Ich durfte mir jedes Mal einen eigenen Keks aussuchen. So war es immer.

Ich wartete und wartete. Und zwischendurch schoss ich mit meinem Flitzebogen, den ich aus einem Kleiderbügel und einem Gummiband gebaut hatte.

Dann endlich hörte ich das Bäckerauto kommen. Es hupte.

Ich lief rein zu Oma. Sie saß in der Küche und schlief.

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»Das Bäckerauto kommt!«, rief ich. »Beeil dich.«

Sie sah mich verwirrt an.

»Wer bist du?«, fragte sie.

»Ich«, sagte ich.

Sie nickte abwesend. Weiterlesen

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Leb wohl, lieber Dachs

 

Der Dachs war verlässlich, zuverlässig und immer hilfsbereit. Er war auch schon sehr alt, und er wusste fast alles. Der Dachs war so alt, dass er wusste, er würde bald sterben.

Der Dachs fürchtete sich nicht vor dem Tod. Sterben bedeutete nur, dass er seinen Körper zurückließ. Und da sein Körper nicht mehr so wollte wie in früheren Tagen, machte es dem Dachs nicht allzu viel aus, ihn zurückzulassen. Seine einzige Sorge war, wie seine Freunde seinen Tod aufnehmen würden. Er hatte sie schon vorbereitet und ihnen gesagt, irgendeinmal würde er durch den Langen Tunnel gehen. Er hoffe, sie würden nicht zu traurig sein, wenn seine Zeit gekommen war.

Eines Tages beobachtete Dachs, wie der Maulwurf und der Frosch den Hügel hinunterliefen. Während er ihnen nachsah, fühlte Dachs sich ungemein alt und müde. Nichts hätte er sich mehr gewünscht, als mit seinen Freunden umherzutollen. Doch er wusste, dass seine alten Beine es nicht erlaubten. Er schaute den beiden lange zu und freute sich, dass sie so vergnügt waren.

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Als er nach Hause kam, war es schon spät. Er sagte dem Mond gute Nacht und zog die Vorhänge vor der kalten Welt draußen zu. Langsam näherte er sich dem wärmenden Feuer, das tief unter der Erde auf ihn wartete. Er aß sein Abendbrot und setzte sich dann an den Schreibtisch, um einen Brief zu schreiben. Als er fertig war, ließ er sich im Schaukelstuhl neben dem Kamin nieder. Er schaukelte sanft hin und her und war bald eingeschlafen.

Und er hatte einen seltsamen, doch wundervollen Traum, wie er ihn nie zuvor geträumt hatte.

Dachs lief. Zu seiner höchsten Überraschung lief er munter dahin. Vor ihm öffnete sich ein langer Tunnel. Seine Beine trugen ihn kräftig und sicher dem Tunnel entgegen. Er brauchte keinen Spazierstock mehr, also ließ er ihn liegen. Dachs lief leicht und behende, schneller und immer schneller durch den langen Gang, bis seine Pfoten den Boden gar nicht mehr berührten. Er fühlte, wie er kopfüber stürzte, wie er hinfiel und sich überschlug, aber er tat sich überhaupt nicht weh. Er fühlte sich frei. Es war, als wäre er aus seinem Körper herausgefallen.

Am folgenden Tag versammelten sich seine Freunde vor dem Eingang am Dachsbau. Sie machten sich Sorgen, weil der Dachs nicht wie sonst herausgekommen war, um ihnen einen guten Morgen zu wünschen.

Der Fuchs eröffnete ihnen die traurige Nachricht. Er sagte, dass Dachs tot sei. Dann las er ihnen den Brief vor. Darin stand nur: »Bin durch den Langen Tunnel gegangen. Lebt wohl, Dachs.«

Alle Tiere hatten den Dachs lieb gehabt, und alle waren sehr betrübt. Besonders der Maulwurf fühlte sich allein und verlassen und furchtbar unglücklich.

Abends im Bett musste der Maulwurf immer an Dachs denken.

Tränen liefen ihm über die samtene Nase hinab, bis die Bettdecke klatschnass war, die er zum Trost fest umklammert hielt. Draußen begann es zu schneien. Bald deckte eine dicke Schneeschicht die Behausungen der Tiere zu, in denen sie es die kalten Monate hindurch warm und gemütlich hatten. Der Schnee begrub das Land unter sich, aber er konnte die Traurigkeit nicht begraben, die die Freunde des Dachses erfüllte.

Der Dachs war immer zur Stelle gewesen, wenn ihn einer brauchte. Die Tiere wussten nicht, wie sie jetzt ohne ihn zurecht kommen sollten. Dachs hatte ihnen gesagt, sie sollten nicht traurig sein. Aber das war schwer. Als es anfing, Frühling zu werden, besuchten die Tiere einander oft und redeten von der Zeit, als Dachs noch lebte.

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Der Maulwurf konnte besonders geschickt mit der Schere umgehen. Und nun erzählte er, wie Dachs ihn einst gelehrt hatte, aus einem zusammengefalteten Bogen Papier eine Maulwurfskette auszuschneiden. Er erinnerte sich, wie sehr er sich gefreut hatte, als ihm sein Meisterstück gelungen war: eine ganze lange Kette von Maulwürfen, die sich an den Pfoten hielten.

Der Frosch war ein glänzender Schlittschuhläufer. Er erinnerte sich, wie Dachs ihm geholfen hatte, die ersten unsicheren Schritte auf dem Eis zu tun. Dachs hatte ihn behutsam über das Eis geführt, bis er sich sicher genug fühlte, um allein darüber hinzuflitzen.

Der Fuchs dachte an die Zeit, als er ein junges Füchslein war. Und wie es ihm nicht und nicht gelingen wollte, einen ordentlichen Krawattenknoten zu binden. Schließlich hatte ihm Dachs gezeigt, wie man es machte. Der Fuchs konnte jetzt alle möglichen Arten von Krawattenknoten schlingen und noch ein paar dazu, die er selbst erfunden hatte. Und Natürlich war seine Krawatte immer tadellos gebunden.

Der Dachs hatte Frau Kaninchen sein Spezialrezept für Lebkuchen gegeben und ihr gezeigt, wie man Lebkuchenkaninchen backte. Frau Kaninchen war in der ganzen Gegend für ihre Kochkunst berühmt. Als sie von ihrer ersten Kochstunde bei Dachs erzählte, konnte sie beinah den köstlichen Duft frisch gebackener Lebkuchen schnuppern.

Jedes der Tiere bewahrte eine besondere Erinnerung an Dachs – irgendetwas, was er sie gelehrt hatte, und was sie jetzt ausnehmend gut konnten. Dachs hatte jedem von ihnen ein Abschiedsgeschenk hinterlassen, das sie wie einen Schatz hüteten. Mit ihren verschiedenen Gaben konnten sie alle einander helfen.

Mit dem letzten Schnee schmolz auch die Traurigkeit der Tiere dahin. Sooft der Name des Dachses fiel, kam einem von ihnen eine neue Schmunzelgeschichte in den Sinn.

An einem warmen Frühlingstag wanderte der Maulwurf über den Hügel, wo er den Dachs zum letzten Mal gesehen hatte. Hier wollte er dem Freund für sein Abschiedsgeschenk danken.

»Danke, Dachs«, sagte er leise. Er war überzeugt, dass ihn der Dachs hörte. Und – vielleicht war es auch so.

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Der Aufsatz

aufsZum Geburtstag bekam Pedro einen Fußball geschenkt. Pedro maulte, weil er einen aus weißem und schwarzem Leder wollte, so einen wie die, mit denen die richtigen Fußballer spielten. Dieser aus Plastik war ja viel zu leicht.

»Wenn man mit dem ein Tor köpfen will, fliegt er gleich ganz weg. Das ist ja eher ein Vogel als ein Ball.«

»Umso besser«, sagte sein Vater. »Dann kriegst du wenigstens kein Kopfbrummen.«

Und er legte einen Finger auf die Lippen und bedeutete Pedro still zu sein, damit er Radio hören könne.

Im letzten Monat, seit die Straßen voller Soldaten waren, hatte Pedro bemerkt, dass sein Vater sich abends in seinen Lieblingssessel vors Radio setzte, die Antenne aus dem grünen Apparat zog und aufmerksam Nachrichten hörte, die von weit her kamen. Manchmal kamen auch Freunde, die sich auf den Boden hockten, wie die Schlote rauchten und ihre Ohren aufsperrten. Weiterlesen

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Der Punkt: Kunst kann jeder

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 Kunst kann jeder

Der Kunstunterricht war vorbei, aber Ina saß wie festgeklebt auf ihrem Stuhl.

Ihr Zeichenblatt war leer.

Inas Lehrerin beugte sich über das leere Blatt Papier.

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»Oh! Ein Eisbär im Schneesturm«, sagte sie.

»Sehr witzig!«, sagte Ina. »Ich kann einfach nicht malen!«

Ihre Lehrerin lächelte.

»Mal einfach irgendwas und sieh, was passiert.«

Ina schnappte sich einen Stift und knallte ihn mit voller Wucht auf das Papier. Weiterlesen

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Der Hase mit den himmelblauen Ohren

HaseEs war einmal ein kleiner Hase mit himmelblauen Ohren. Als er merkte, dass die Ohren der anderen Hasen nicht die gleiche Farbe hatten, fing er an, sich zu schämen. Er ging ihnen aus dem Weg und spielte lieber mit sich allein. Sein einziger Freund war der Mond am Himmel. Er klagte ihm seinen Kummer, doch der Mond blieb stumm. Ich will in die Welt hinauswandern, wo mich niemand kennt, dachte der kleine Hase.

Er machte sich auf den Weg, und nur der Mond begleitete ihn. Aber wo er auch hinkam, erregten seine Ohren Neugier, und überall wurde er ausgelacht. Ich gehöre nirgends dazu, dachte der kleine Hase, und schuld an meinem Unglück sind die himmelblauen Ohren. Weiterlesen

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Der Bus von Rosa Parks

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Der Bus von Rosa Parks

Großvater hat es Ben schon lange versprochen, und heute ist es endlich soweit: Er fährt mit ihm nach Detroit, wo er ihm „etwas zeigen” will.

„Aber was schauen wir uns denn an, Großvater?”, fragt Ben während der Fahrt tausendmal.
„Warte nur, du wirst schon sehen”, antwortet der. „Sei nicht so ungeduldig.”

Ben liest die Worte laut vor: HEN-RY FORD MU-SE-UM.
Das Ford-Museum! Heilige Bimbam! Großvater ist wirklich unglaublich. Da sind sie stundenlang mit dem Bus gefahren, nur um alte Autos anzugucken. Seit wann ist Großvater denn ein Autofan? Er hat doch nicht mal einen Führerschein!
„Nicht doch, das ist nicht einfach ein Automuseum! Hier kannst du die Geschichte Amerikas erleben! Und jetzt quengel nicht weiter herum, sondern komm mit mir!” Weiterlesen

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Küssen ist doof

Küssen ist doof

Es ist Wochenende, und beim Frühstück machen es sich Tim und Papa richtig gemütlich. Mit Tischdecke, Kakao, Brötchen, Marmelade, Wurst und Käse! Weil Wochenende ist, darf Tim so viel Schokocreme essen, wie er will.
»Lecker«, sagt er glücklich.
»Morgen kommt Tante Ulla«, erzählt Papa.
»Oh nein!«, ruft Tim und lässt sein Brötchen fallen. »Ich verstecke mich, damit sie mich nicht findet.«
Tim krabbelt schon mal unter den Tisch, um zu gucken, ob die Tischdecke ihn auch gut versteckt. Da krabbelt Papa zu ihm unter den Tisch.
»Tante Ulla ist doch ganz nett«, sagt er.
»Ja, schon«, sagt Tim. »Aber die küsst mich immer ab. Das mag ich nicht. Und ihr Lippenstift ist so klebrig!« Tim schüttelt sich.
»Da hast du recht. Das ist nicht schön«, meint Tims Papa und setzt sich wieder auf seinen Stuhl.
»Ich verstecke mich und komme erst wieder heraus, wenn Tante Ulla weg ist«, ruft Tim. »Dann muss ich auch nicht ihre blöde Torte essen. Davon wird mir immer schlecht.«
»So schlimm ist Tante Ulla nun auch nicht«, meint Papa. »Sie hat dich sehr lieb.«
Tim krabbelt wieder unter dem Tisch hervor. Er überlegt. »Ich hab sie auch ganz lieb. Aber nicht den Lippenstift und die Torte auch nicht.«
»Ich habe eine Idee«, sagt Papa da. »Was wäre, wenn Tante Ulla dich nie wieder küsst und du nie wieder ihre Torte essen musst?«
»Dann ist Tante Ulla meine allerliebste Lieblingstante«, antwortet Tim. »Mit ihr macht es am allermeisten Spaß, Feuerwehr zu spielen. Außerdem kennt sie die besten Lügengeschichten.«
Papa lacht. »Bessere als meine?«
Tim grinst und nickt. Dann fragt er: »Was soll ich denn machen, damit Tante Ulla mich nicht mehr küsst?«
»Das ist nicht einfach«, meint Papa und gießt sich noch etwas Kaffee ein.
»Nun sag schon, Papa«, drängelt er.
»Wenn Tante Ulla morgen klingelt«, sagt Papa, »dann machst du die Tür auf und sagst nein, wenn sie dich küssen will.«
»Das kann ich nicht«, meint Tim. »Ich will nicht, dass Tante Ulla traurig ist.«
»Sie ist aber noch trauriger, wenn du dich versteckst«, meint Papa. »Du musst versuchen, ganz lieb nein zu sagen, dann ist Tante Ulla bestimmt nicht traurig.«
Tim sitzt ganz ruhig auf seinem Stuhl und überlegt. Dann steht er plötzlich auf: »Das mache ich.«
Papa klopft ihm anerkennend auf die Schulter.
»Ich will morgen unbedingt mit Tante Ulla Feuerwehr spielen, und mein neues Dinosaurierbuch will ich ihr auch zeigen.«
»Du schaffst das«, meint Papa und schlägt die Zeitung auf. Tim nickt, jetzt freut er sich richtig auf morgen. Weiterlesen

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