Weihnachten in aller Welt – Polen

Heute ist die letzte Chorprobe vor dem Weihnachtsfest. Als Roman und Agnes vor den anderen Kindern die Kirche verlassen, ist es dunkel und es schneit ein wenig. Nachdem sie ein Stück gelaufen sind, sagt Agnes zu ihrem Bruder: „Warte mal, ich muss mir das Schuhband zubinden.“

Roman bleibt stehen. Er schaut um sich und fragt: „Was ist das?“ Weiterlesen

Havermanns Baumkuchen

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Mitte der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts arbeitete ich in einer kleinen Konditorei in einer großen Stadt.

lch war einer von drei angestellten Konditoren. Besonders in der Vorweihnachtszeit konnten wir uns über ausreichende Beschäftigung nicht beklagen. Unser Arbeitstag hatte oft zwölf Stunden, und unser Chef, kurz vor der Rente stehend, ein ausgewiesener Fachmann, groß gewachsen und noch mit einer athletischen Figur ausgestattet, organisierte professionell den Arbeitsablauf. An die Zeitabläufe gebunden, leisteten wir Tag für Tag unser Pensum mit Achtung und Distanz zu unserem Chef und Inhaber der Konditorei. Meine Arbeit bestand darin, in dieser Vorweihnachtszeit die bestellten Baumkuchen auf der sich drehenden Walze der Baumkuchenmaschine Schicht für Schicht zu backen und die ausgekühlten Baumkuchenringe des Vortages je nach Bestellung in bestimmter Größe nach Anzahl der Ringe mit temperierter Kuvertüre (helle, dunkle) und mit weißem Fondant (diese Ringe wurden vorher mit kochender Aprikosenmarmelade bestrichen) zu überziehen. Weiterlesen

Das Kornwunder (Geschichten vom heiligen Nikolaus)

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Der Platz rund um den Ziehbrunnen war einmal der fröhlichste Platz in Myra gewesen. Hier trafen sich die Frauen. Sie trugen große, bauchige Krüge auf dem Kopf und redeten und lachten miteinander. Ihre Kinder spielten auf den Steinstufen des Brunnens oder jagten hinter den Tauben her. Manchmal ritt ein Händler vorbei, der seine beladenen Esel am Seil führte. Laut gackernd stob das Hühnervolk davon, wenn ihm einer der Esel zu nahe kam. Nikolaus liebte dieses Durcheinander.
Aber Myra, die schöne Stadt, hatte sich verändert und mit ihr der Platz am Brunnen. Denn die Menschen warteten verzweifelt auf den Regen. Viele Wochen, sogar Monate, warteten sie bereits. Immer wieder schauten sie zum Himmel empor, dessen Blau fast durchsichtig war und von einem Ende der Welt zum anderen reichte. Unbarmherzig brannte die Sonne aus der wolkenlosen Höhe herunter. Weiterlesen

Der Weihnachtsbaum der zu früh dran war

Olli ist Nachtwächter auf einem Bauhof. Olli ist gern Nachtwächter. Seit seine Frau vor zwei Jahren gestorben ist, lebt er allein. Manche alten Freunde fragen ihn: »Ist das nicht langweilig, Olli, die ganze Nacht rumgehen, rumstehen und rumsitzen?«
»Nein«, antwortet Olli dann. »Ich spreche nachts mit dem alten Baukran oder mit dem Lastwagen, der hinten auf dem Hof steht. Die haben viel gesehen und viel erlebt. Da vergehen die Stunden wie im Fluge. Der LKW ist zum Beispiel vor drei Jahren noch in Timbuktu gewesen, das liegt…«
»Hör auf, Olli«, lachen dann die Freunde, »du spinnst mal wieder.«
Nur Elli, das kleine Mädchen, das in der Wohnung unter Olli wohnt, die hört Ollis Nachtgeschichten gern. Sie fragt ihn: »Olli, mit wem hast du letzte Nacht gesprochen?« Dann erzählt er von der Wüstenstadt Timbuktu, von dem großen gelben Fluss in China und von dem schneebedeckten Kilimandscharo mitten in Afrika. Weiterlesen

Der blaue Junge

der blaue junge

Weit draußen hinter den Sternen ist alles ganz anders als hier. Und noch weiter draußen ist alles noch ganz anders als dort, wo alles ganz anders ist als hier.
Aber wenn man ganz weit fliegen würde, ganz weit, ganz fern, dorthin, wo alles ganz anders ist als überall, dort wäre es vielleicht dann wieder fast genauso wie hier.
In dieser fernen Gegend ist vielleicht ein Planet, so groß wie unsere Erde, und auf diesem Planeten leben vielleicht Leute, die fast genauso aussehen wie wir, nur dass sie blau sind und ihre Ohren zuklappen können, wenn sie nichts hören wollen. Weiterlesen

Du kannst es doch

Immer, wenn Tina in der Schule etwas vorlesen sollte, bekam sie es mit der Angst. Dabei hatte sie diesmal zu Hause wirklich geübt. Ihre Mutter hatte gesagt: „Du musst üben, Kind!“ Und da hatte Tina sich hingesetzt und die ganze Geschichte gelesen, erst leise, dann laut: „Eine Stadtmaus ging spazieren und kam zu einer Feldmaus. Die legte ihr zu essen vor, was sie nur konnte…“ Weiterlesen

Jakob betet

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Vor dem Schlafengehen läuft Jakob noch einmal durch den Garten.

Erschaut den Apfelbaum an.

„Den hast du schön gemacht, wirklich wahr“, sagt Jakob.

Er riecht an den Rosen.

„Die hast du auch schön gemacht.“

Er kostet ein paar Erdbeeren.

„Mmm! Die hast du am schönsten gemacht. Danke“, sagt Jakob.

Dann geht er ins Haus.

Die Großmutter bringt ihn ins Bett.

„Und jetzt beten wir“, sagt die Großmutter.

„Ich habe schon gebetet“, sagt Jakob.

Lene Mayer-Skumanz