6. Dez. – Ein Geschenk vom Nikolaus

Ein Geschenk vom Nikolaus

Es schneit… und schneit, bis hohe Schneeberge die Häuser zudecken. Im Dorf ist es weiß, kalt und still.

Der Krämer kann seine Ware nicht verkaufen, die Bäckersfrau kein Brot. Großvater Gregor möchte seine Ziegen füttern, doch der Weg zum Stall ist verschneit. Und weil es keine Post auszutragen gibt, schreibt sich der Briefträger selbst einen Brief. In jedem Haus warten Kinder auf den Nikolaus.

Anne und Mich hauchen Gucklöcher in die Eisblumen am Fenster.

»Der Nikolaus findet heute bestimmt nicht zu uns!«, sagt Micha.

»Doch«, wiederspricht Anne.

»Nie!«, sagt Micha. »Der Schnee liegt viel zu hoch!«

Da wünscht sich Anne, dass der Nikolaus den Schnee einfach fortpustet.

Anne und Micha hauchen Gucklöcher in die Eisblumen am Fenster.

»Der Nikolaus findet heute bestimmt nicht zu uns!«, sagt Micha.

»Doch«, widerspricht Anne.

»Nie!«, sagt Micha. »Der Schnee liegt viel zu hoch!«

Da wünscht sich Anne, dass der Nikolaus den Schnee einfach fortpustet.

Der Wunsch fliegt raus aus dem Dorf, über die Felder, durch den Wald, bis ans Ohr vom Nikolaus. „Na, wenn das so ist, muss unbedingt etwas geschen!«, murmelt der Nikolaus.

Der Nikolaus denkt nach: Äpfel, Nüsse, Schokolade und Lebkuchen sind diesmal nicht so wichtig. Ein Schaukelpferd? Auch das nicht.
Da erinnert sich der Nikolaus an ein altes, unansehnliches Ding.

»Das ist es!«, jubelt er.

Es raschelt und knistert.

Das alte Ding muss gut verpackt werden.

Als endlich alles bereit ist, zieht der Nikolaus sich warm an, denn er hat einen weiten Weg vor sich: Durch den Wald, über die Felder, mitten ins eingeschneite Dorf.

Mich lauscht: War da draußen nicht ein Keuchen? Ein Stapfen im Schnee?

»Der Nikolaus ist hier!«, flüstert Anne.

Es stimmt. Auf dem Dorfplatz steht ein geheimnisvoller Sack. Hat ihn der Nikolaus hergeschleppt? Auf Skiern? Auf einem Schlitten?
Niemand hat es gesehen.
Auch die anderen Leute haben den Sack entdeckt.
»Wem gehört er? Was kann da drinnen versteckt sein?«, fragen sie.
Schnell versuchen sie, einen Weg durch die Schneeberge zu graben. Großvater Gregor muss ja endlich seine Ziegen füttern! Und alle wollen zuerst beim Sack sein.

Auch die Kinder schaufeln mit.

Mit roten Wangen stehen nun alle vor dem Sack und rätseln.

»Es könnte ein kleiner Elefant sein!«

»Ein Ofen?«

»Ein Fass voll Himbeersaft?«

»Ein Sack voll Heu für meine Ziegen«, sagt Großvater Gregor.

»Ein Postpacket«, sagt der Briefträger.

»Am besten, wir packen das Ding aus«, sagt Micha.

Was für eine Überraschung! Im Sack steckt eine Schachtel, gut verpackt und verschnürt. Und darin steckt eine kleine Schachtel, darin eine noch viel kleinere, eine ganz, ganz kleine Schachtel — das Geschenk wird immer winziger und der Papierberg immer höher…

Zum Schluss liegt da nur ein unscheinbares Päckchen.

»Schöne Bescherung. So ein kleines Geschenk können wir nicht einmal teilen«, murren die Leute enttäuscht.

Endlich ist es ausgepackt.

»Waas? Eine Teekanne?«, fragen alle erstaunt.

»Eine Teekanne ist immerhin gut zum Tee-Kochen«, sagt Anne.

»Aber wo?«

»Bei mir«, sagt der Großvater Gregor, »da wird es richtig warm in der Stube.«

Jeder bekommt eine Schale voll Tee.

Die Gäste teilen Äpfel und Kekse aus. Anne und Micha holen den Nussknacker und einen Korb voll Nüsse aus ihrem Keller.

Der Briefträger haucht ein Guckloch in die Eisblumen am Fenster.

»Wir sollten dem Nikolaus einen Dankbrief schreiben«, sagt er.

Beim Heimgehen sagt Micha zu Anne: »Das war wirklich ein wunderbarer Nikolaus-Abend!«

»Ja«, sagt Anne. »Du, Micha, es schaut aus, als hätte der Nikolaus den Schnee weggepustet!«

Dorothea Lachner: Ein Geschenk vom Nikolaus.
Zürich: Nord-Süd Verlag 2000

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