Wann ist endlich Weihnachten? – Der kleine Bär und das Weihnachtsgeheimnis I

Der kleine Bär und das Weihnachtsgeheimnis

Am Abend liegt der kleine Bär in seinem warmen Bett und kann nicht einschlafen.

„Wann ist denn endlich Weihnachten?”, fragt er Mutter Bär.

„Du musst noch ein bisschen Geduld haben, mein kleiner Bär. Ich werde dir jeden Abend eine Geschichte erzählen, und wenn ich dir 24 Geschichten erzählt habe, dann ist Weihnachten.”

„Ist dann wirklich Weibnachten?”, fragt der kleine Bär.

Mutter Bär nickt. Sie krault dem kleinen Bären den Rücken.

„Nun schlaf gut, kleiner Bär!”

* * *

Mutter Bär zündet eine Laterne an und stellt sie ans Fenster. Heute erzählt sie von einem Blinden.

Der Blinde

Als der kleine Bar nachts über das Feld wanderte, sah er einen Feuerschein in der Ferne. Wie er näher kam, erkannte er einen Mann mit einer brennenden Fackel in der Hand.
„Wer bist du?“, fragte der kleine Bär den Fremden.
„Ich bin ein Blinder“, sagte der Mann, „und gehe nach Bethlehem.“
„Aber wie kannst du denn den Weg finden?“, staunte der kleine Bär.
Da lächelte der Blinde. „Hast du nicht meine Fackel gesehen?“
Der kleine Bär nickte.
„Jeder, der meine Fackel sieht, begleitet mich ein Stück!“, sagte der Blinde.
Zaghaft ergriff der kleine Bär seine große Hand und immer schneller wurde sein kleiner Schritt. Über ihnen aber leuchtete der Stern.

Als Mutter Bär die Geschichte beendet hat, stellt sie die Laterne neben sein Bett. „Immer, wenn du durch die Dunkelheit gehst, kleiner Bär, nimm ein Licht mit, dann findest du den Weg!“

***

Eines Abends fragt der kleine Bär, ob Mutter Bär nicht eine Geschichte von einem Engel wisse. Mutter Bär überleg eine Welle, dann beginnt sie zu erzählen.

Der Engel mit einem Flügel

Als der kleine Bär in der Nacht von einem sonderbaren Traum erwachte, sah er vor sich auf dem Weg einen Engel gehen. Der Lichtschein des Sterns fiel direkt auf ihn.
„Wohin gehst du?“, fragte der kleine Bär.
„Nach Bethlehem!“, antwortete der Engel. Da erst bemerkte der kleine Bär, dass der Engel nur einen Flügel hatte.
Wie schwer muss das Gehen für einen Engel sein!, dachte der kleine Bär.
Mit einem Flügel kann er ja nicht fliegen! Da hörte er eine leise Stimme hinter sich: „Auch ich habe nur einen Flügel und will nach Bethlehem zu dem Kind, das alles heilt!“
Erstaunt drehte sich der Heine Bär um. „Du auch?“, rief er überrascht.
Im selben Augenblick aber umarmten sich die beiden Engel und riefen froh „Wie gut, dass wir uns gefunden haben, zu zweit können wir nach Bethlehem fliegen!“

Als Mutter Bär die Geschichte beendet hat, legt sie ihren großen Arm um den kleinen Bären: „Sind wir nicht auch oft Engel mit nur einem Flügel!“, sagt sie. Der kleine Bär aber ist schon eingeschlafen.

Antoine Schneider: Wann ist endlich Weihnachten? 24 Adventsgeschichten.
Zürich: NordSüd 2006

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