Der König von Rubinistan

img846Der König von Rubinistan

Das Königsschloss von Rubinistan gehörte zu den schönsten Schlössern der Welt. Es war weiß und seine Dächer waren mit Rubinen belegt. Auf den Kuppelspitzen waren kleine Monde befestigt und auf dem höchsten Turm ein Vogel.

»Der König von Rubinistan ist ein lieber und sehr kluger König«, turtelte Noahs Taube.

»Das ist gut«, sagte der kleine Engel. »Ich hab nämlich eine wichtige Botschaft für ihn.«

Die Wachen am Tor ließen sie gleich ein. Der König befand sich gerade in seinem Büchersaal. Bücher lesen war für ihn so notwendig wie essen und trinken.

Als der kleine Engel, der Esel und Noahs Taube durch die Tür kamen, hockte der König gerade auf einem großen Kissen und überlegte. Um ihn herum hockten alle seine Minister und überlegten mit ihm.

»Guten Tag«, sagte Hatschi schüchtern. Das war er, weil er zum ersten Mal einem König gegenüberstand.

»Guten Tag, kleiner Engel!«, antwortete der König. »Guten Tag, Esel! Guten Tag, Noahs Taube!«

»Woher kennst du uns?«

Hatschi sah ihn erstaunt an.

»Ab und zu lese ich in den Sternen«, erklärte ihm der König. »Und da stand geschrieben, dass ihr kommt.«

»Der König von Rubinistan ist ein berühmter Sternleser«, flüsterte ein Minister dem kleinen Engel ins Ohr. »Aber im Augenblick hat er Ärger mit dem König von Türkistan.«

»Aber wenn er so klug ist, wie man ihm nachsagt, dann muss er doch wissen, wie man Ärger aus der Welt schafft«, wisperte der kleine Engel zurück.

»Seine Klugheit nützt ihm nichts, weil der König von Türkistan nicht mehr mit ihm redet.«

»Um was geht es denn?«, fragte Hatschi.

»Es geht um einen goldenen Fußball«, erklärte ihm der Minister. »Der König von Türkistan behauptet, er gehöre ihm, und der König von Rubinistan kann beweisen, dass er schon seit mehr als hundert Jahren in seiner Schatzkammer liegt.«

»Na und?«, fragte Hatschi.

»Sie reden nicht mehr miteinander. Der König von Rubinistan spricht nicht mehr mit dem König von Türkistan und umgekehrt ist es genauso.«

»Sprechen sie auch nicht mehr mit kleinen Engeln?«, fragte Hatschi. »Ich soll ihnen nämlich eine Einladung überbringen.

»Eine Einladung?«, sagte der König gedankenverloren. »Wer lädt mich schon ein?«

»Das Christkind«, antwortete Hatschi. »Es feiert Geburtstag.«

»Ach ja.« Der König lächelte. »Ich erinnere mich an es. Ich war schon einmal bei ihm. Damals, als noch Frieden herrschte, zogen wir beide zusammen mit dem König von Opalistan zu ihm. Ein großer Stern führte uns. Ich kann mich noch gut daran erinnern. Das Christkind wohnte in einem Stall, gleich neben einem Ochsen.«

»Das stimmt«, sagte Hatschi. »In neun Tagen feiert es wieder Geburtstag und dazu soll ich jeden einladen, der mir begegnet. Auch den König von Türkistan.«

»Der muss erst noch versöhnt werden«, erklärte ihm der König von Rubinistan. »Und um ihn zu versöhnen, muss erst einmal der Streit um den goldenen Fußball geklärt werden.«

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 »Das ist doch ganz einfach«, sagte der kleine Engel. »Lasst die Mannschaft eures Landes gegen die Mannschaft des anderen Landes antreten, und wer gewinnt, dem gehört der goldene Ball.«

»Das geht nicht«, sagte der König traurig. »Warum nicht?«

»Wir haben keinen neutralen Schiedsrichter und keine Linienrichter. Und ohne die kann man kein Spiel austragen.«

Der kleine Engel beriet sich kurz mit dem Esel und Noahs Taube. Und als sie fertig beraten hatten, schlug er dem König vor, dass er Schiedsrichter sein wollte und die beiden anderen Linienrichter.

»Der kleine Engel lebe hoch!«, schrie ein Minister, und die anderen Minister schrien gleich mit: »Hoch, hoch, hoch!«

Da kletterte Hatschi wieder auf den Rücken des Esels und folgte Noahs Taube, die sie auf dem kürzesten Weg zum Königsschloss von Türkistan führte.

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