13. Dezember – Weihnachten in aller Welt – Schweden

Schweden

13. Dezember

In den dunklen Tagen der Vorweihnachtszeit stehen in Schweden Lichterpyramiden in den Fenstern. Ihr Licht soll weithin leuchten und die Dunkelheit vertreiben. Auch Britta und Mats sitzen hinter erleuchteten Fenstern. An diesem Nachmittag wollen sie aus Stroh Weihnachtsböcke basteln, wie sie in schwedischen Häusern stehen. Als Britta ihren fertigen Julbock mit dem gekauften vergleicht, der ihr als Vorlage diente, rümpft sie die Nase.

Sie fragt ihren Bruder: „Findest du, dass unsere Julböcke komisch aussehen?“

Mats kichert. „Ja! Sie sehen aus wie ulkige Saurier. “

“Seufzend bindet Britta ihrem Stroh-Saurier eine rote Schleife um den Hals und sagt: „Du bleibst jetzt so, wie du bist.“

In diesem Augenblick geht die Tür auf. Mutter kommt nach Hause. Nachdem sie die seltsamen Julböcke der Kinder lächelnd betrachtet hat, sagt sie: „Die alte Frau Olson macht mir Sorgen. Seitdem ihr Sohn mit seiner Familie im Ausland lebt, fühlt sie sich einsam und krank.“

Britta schlägt vor: „Ich könnte morgen als Lucia zu ihr gehen.“

Sofort sagt Mutter: „Das ist eine gute Idee. Darüber wird sich Frau Olson ganz bestimmt freuen.“

Am 13. Dezember ist in Schweden Luciatag. Lucia heißt Lichtbringerin. Es sind zwei Geschichten, die man von Lucia erzählt. Die eine berichtet von der christlichen Heiligen, deren Namensfest an diesem Tag gefeiert wird. Die andere erzählt von einer Lichterkönigin, die über die Moore gefahren kam, um den Menschen in der dunklen Jahreszeit Licht zu bringen. Für diesen Tag werden überall im Land, in Schulen, Vereinen und Büros, Lichterköniginnen gewählt. Jedes schwedische Mädchen wünscht sich, einmal Lucia zu sein. Zu Hause ist es meistens die älteste Tochter.

Morgens weckt Lucia ihre Familie in einem langen weißen Gewand. Auf dem Kopf trägt sie einen Kranz aus Immergrün, in dem Kerzen stecken. Um den Eltern und Geschwistern eine Freude zu bereiten, bringt sie ihnen das Frühstück ans Bett.

Am Vorabend des Luciatages, als die Familie beim Abendbrot sitzt, fragt Vater: „Ob mir morgen Lucia wieder einen so guten, starken Kaffee bringt?“

Darauf überlegt Mats laut: „Ob ich wohl eine heiße Milch mit Honig bekommen werde?“

Britta merkt sich die Wünsche gut, aber sie antwortet nicht.

Am nächsten Morgen zieht sie ihr Lucia-Gewand an. Gerade, als sie in der Küche die Frühstückssachen auf das Tablett stellt, kommt Mutter und hilft ihr, die Kerzen am Kranz anzuzünden. Im dunklen Flur singt Britta das Lucia-Lied, davon erwachen Vater und Mats. Vor ihnen steht eine strahlende Lucia mit dem gewünschten Frühstück.

Kurz danach packen Mutter und Britta eine Thermoskanne mit Kaffee und Esswaren in den Korb. Es ist noch dunkel und es schneit ein wenig, als sie durch die leeren Straßen bis zu dem mehrstöckigen Haus gehen. Mutter schließt die Haustür auf. Frau Olson hat ihr die Schlüssel für Notfälle gegeben.

Auf der Treppe begegnet ihnen ein junger Mann. „Guten Morgen!”, ruft er fröhlich. „Jetzt kommt doch noch eine Lucia ins Haus. Mich hat heute nur der Wecker geweckt.“

Britta lacht und schenkt ihm ein Plätzchen, eine Luciakatze.

Vor der Etagentür zündet Mutter die Kerzen am Lucia-Kranz an und sagt: „Wir wollen Frau Olson nicht erschrecken. Ich melde dich kurz an.“

Sie klopft an der Schlafzimmertür und fragt: „Darf Lucia eintreten?” Britta stimmt das Lucia-Lied an und betritt singend das Zimmer. Verwundert setzt sich Frau Olson im Bett auf und sagt gerührt: „Wie schön, dass die Lucia auch zu mir kommt.“

Jetzt hat Britta noch eine Überraschung: Sie bittet Frau Olson, mit ihrer Familie Weihnachten zu feiern. Nach dieser Einladung drückt Frau Olson ihre Hand und sagt: „Du bist eine rechte Lichtbringerin!”

Die Tage vor dem Fest sind voll froher Erwartung und mit vielen Vorbereitungen angefüllt: Die Geschäftsstraßen sind geschmückt, die Schaufenster hell erleuchtet. In den Häusern wird gebacken, der Weihnachtsschinken und andere Gerichte werden vorbereitet. Die Geschenke werden oft mehrmals verpackt. Zettel mit lustigen Wortspielen, Sprüchen und Reimen werden dazugelegt.

Als die Glocken das Weihnachtsfest einläuten, geht Frau Olson mit der Familie singend um den festlich geschmückten Weihnachtsbaum, der in der Mitte des Raumes steht. Aus dem Baum leuchten blau-gelbe Papierfähnchen hervor. Es sind die Landesfarben von Schweden. Mats kann es kaum erwarten, seine Geschenke zu sehen. Doch vor dem Auspacken muss jeder die Sprüche, die zum Geschenk gehören, laut vorlesen.

Für Frau Olson sind an diesem Weihnachtsabend zwei Briefchen das schönste Geschenk. Britta und Mats haben sie geschrieben. Darin steht ein Versprechen: Besuche bei Frau Olson – zum Plaudern und zum Helfen.

„God Jul! Frohe Weihnacht!“ Dieser Wunsch ist für Frau Olson in Erfüllung gegangen.

Rena Sack: Weihnachten in aller Welt: Mit 24 Geschichten durch den Advent.
Lahr: Kaufmann Verlag 2008

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