Der Zauberer Simsalabim

13. Dezember

Der Zauberer Simsalabim

»Heute ist schon der Dreizehnte«, sagte der kleine Engel zu sich selbst. Er war hungrig und müde. Nicht einmal zum Fußballspielen hatte er Lust, obwohl das doch seine liebste Beschäftigung gewesen war. Auch die dummen Witze des Esels ließen ihn kalt. Wenn er durch eine Stadt kam, versuchte er erst gar nicht mehr die Menschen einzuladen. Sie würden ihm doch nicht zuhören. Das hatte er inzwischen gemerkt.

Aber als er vom Auftritt des Zauberers Simsalabim hörte, beschloss er hinzugehen.

Leider durfte der Esel nicht mit in den Saal. Hatschi band ihn draußen an und witschte hinein, ohne zu bezahlen, denn das konnte er nicht. Als alle Sitze besetzt waren, klingelte es dreimal und der Auftritt begann.

Zuerst wurde es dunkel. Der Vorhang teilte sich und mit einem Donnerschlag erschien ein Mann auf der Bühne. Er stand mitten in einer Dampfwolke, war graubärtig, hatte einen Sternenmantel an und eine spitze Mütze auf dem Kopf.

»Ich, Simsalabim, bin der größte Zauberer der Welt!«, rief er. Hatschi erschien er wirklich riesengroß. Größer als der heilige Petrus, und der war schon über zwei Meter.

Aber so hatte es der Zauberer nicht gemeint. Er hatte damit nur andeuten wollen, dass er unübertroffen in seiner Zauberkunst war.

Zuerst legte er sich ein Tuch über die linke Faust, sagte: »Simsalabim, simsalabam!«, und nahm es wieder weg. Da hielt er einen Hasen in der Hand. Wenn Hatschi nicht genau gewusst hätte, dass das Häschen, das ihm über den Weg gelaufen war, bei der Babuschka lebte, hätte er geglaubt, es sei dasselbe.

Als Nächstes zauberte der Zauberer eine weiße Taube. »Simsalabim, simsalabum!«, rief er. Da kroch die Taube aus seinem Ärmel. Er warf sie in die Luft und ließ sie fliegen.

»Das ist Noahs Taube«, erklärte er dem Publikum. »Sie war die Erste, die Noah die Nachricht von der Beendigung der Sintflut überbrachte. Seither ist sie unsterblich.«

Die Taube flatterte auf den Kronleuchter in der Mitte des Saales.

»Und jetzt brauche ich jemand, der furchtlos ist und gerne mitspielt!«

Lange meldete sich niemand. Doch dann fasste sich der kleine Engel ein Herz. Er trat vor und kletterte auf die Bühne.

»Ich werde vor Ihren Augen einen Menschen verschwinden lassen!«, rief der Zauberer.

»Ich bin kein Mensch. Ich bin ein Engel«, flüsterte Hatschi. Aber das hörte niemand.

»Wohin würdest du gern reisen, Junge?«

Ohne lange zu überlegen, rief der kleine Engel: »Ins Königreich Rubinistan.« Weil er immer schon gerne mal einen echten König aus der Nähe betrachtet hätte.

»Nicht schlecht, nicht schlecht«, murmelte der Zauberer. »Das ist ziemlich weit und deshalb muss ich dir jemand mitgeben, der auf dich aufpasst.« Er sah sich um und sein Blick fiel auf die Taube im Kronleuchter. »Wärst du mit Noahs Taube einverstanden?«

»Natürlich!«,  rief Hatschi.  »Doch ich hab noch einen Wunsch.«

»Und der wäre?«

»Der Esel, der draußen vor der Türe angebunden ist, muss auch mit.«

»Gut, gut«, sagte der Zauberer.

Der Esel wurde in den Saal geholt und Hatschi musste sich mit ihm auf einen Teppich stellen. Nachdem sich die Taube zwischen die Ohren des Esels gesetzt hatte, fragte der Zauberer: »Hast du noch etwas zu sagen?«

Da fiel dem kleinen Engel seine Einladung ein und er sagte schnell sein Sprüchlein auf.

»Vielen Dank.« Der Zauberer freute sich sehr. »Ich besuche gern Geburtstagsfeste. Dann zaubere ich den Gästen etwas vor.«

Ein Trommelwirbel kündigte die große Sensation an. Es wurde noch ein bisschen dunkler auf der Bühne. Im Saal war es mucksmäuschenstill.

»Akrakadabra! Simsalabim, bam, bum!«, rief der Zauberer und schwang seinen Zauberstab über dem kleinen Engel, der Taube und dem Esel. Und schon waren alle drei verschwunden.

Sie flogen auf dem Teppich durch die Luft, schneller als der schnellste Vogel. So schnell hätte Hatschi mit seinen Flügelchen nie fliegen können. Der Teppich rauschte über die Wolken dahin und der kleine Engel sah weit hinten am Himmel seine Freunde Fußball spielen.

»Tor!«, schrie gerade einer. »Tor! Tor!« Da hüpfte Hatschi auf dem Teppich auf und ab, weil es seine Mannschaft war, die ein Tor geschossen hatte.

Sie landeten erst, als sie das Königreich Rubinistan erreicht hatten. Da kletterte der kleine Engel wieder auf den Rücken des Esels und die Taube flatterte vor ihm her, um ihm den Weg zum Königsschloss zu zeigen.

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