Die Geschichte von dem Kind und Schmidts Pflaumen

Einmal hat ein Kind im Garten gespielt.

Es hat ganz allein gespielt, denn seine Mutter hat gerade an diesem Tag sehr viel zu tun gehabt. Sie hat nur manchmal aus dem Fenster nach dem Kind gesehen und sich gefreut, weil das Kind so schön gespielt hat.

Da sind Oma Schmidt und Opa Schmidt von nebenan in ihren Garten gekommen. Oma Schmidt hat zwei Körbe gehabt, und Opa Schmidt hat eine lange Leiter getragen. Sie sind zu dem großen Pflaumenbaum in ihrem Garten gegangen.

Das Kind ist ganz schnell zum Zaun gelaufen und hat ihnen zugesehen.

»Was machst du denn?« hat es gerufen, als Opa Schmidt die Leiter an den Baum gelehnt hat.

»Ich will in den Baum steigen!« hat Opa Schmidt geantwortet und dem Kind zugewinkt.

»Und was machst du dann?«

»Dann will ich oben im Baum die Pflaumen pflücken«, hat Opa Schmidt entgegnet und ist auf die Leiter gestiegen.

Oma Schmidt ist unten geblieben und hat ihm zugeschaut. »Sei ja vorsichtig!« hat sie hinauf in den Baum gerufen.

»Er fällt schon nicht«, hat das Kind die Oma Schmidt getröstet. »Und wenn er fällt, dann fährt die Mutti ihn bestimmt gleich mit dem Auto ins Krankenhaus.«

»Darf ich ein bisschen zu euch kommen?« hat das Kind dann gefragt und gleich darauf ganz laut nach seiner Mutter geschrien.

»Darf ich ein bisschen zu Oma Schmidt in den Garten?« hat es laut gefragt, als seine Mutter ans Fenster gekommen ist.

»Stört Sie das Kind auch nicht?« hat die Mutter gefragt.

»Nicht im geringsten!« hat Opa Schmidt gerufen. Da erst hat ihn die Mutter im Pflaumenbaum entdeckt.

Das Kind aber ist an der einen Stelle, wo man durch den Zaun hindurchschlüpfen kann, in den Nachbargarten gekommen und hat sogleich angefangen, der Oma Schmidt zu helfen. Sie musste nämlich die Pflaumen auflesen, die vom Baum heruntergefallen waren. Und das Bücken fiel ihr recht schwer.

»Warte, Oma Schmidt!« hat das Kind gerufen schnell alle Pflaumen aufgelesen und in den Korb gelegt. Es wurden immer mehr. Denn Opa Schmidt hat nicht nur Pflaumen gepflückt, sondern auch an den Ästen gerüttelt. Da sind viele Pflaumen heruntergefallen.

Danach ist er mit zwei vollen Eimern die Leiter heruntergestiegen und hat sie in den Korb geleert. Da war der eine Korb fast voll.

Sie haben so lange Pflaumen gepflückt und aufgelesen, bis beide Körbe voll waren. Da ist die Oma Schmidt ins Haus gelaufen und hat noch zwei leere Waschkörbe geholt.

Vier Körbe waren schließlich voll mit Pflaumen. Und der große Pflaumenbaum war leer.

Und das Kind hat der Oma Schmidt fleißig geholfen, die Pflaumen aufzulesen, die heruntergefallen waren.

»Danke schön!« hat der Opa Schmidt zum Schluss gesagt, als er mit der Oma alle vier Körbe hintereinander in den Keller getragen hat. Dabei konnte das Kind nicht helfen, denn sie waren zu schwer. Der Opa hat immer einen Henkel genommen und die Oma den anderen. Die Oma hat ganz schön geschnauft dabei.

Dann hat der Opa Schmidt nach dem Geldbeutel in seiner Hosentasche gegriffen und wollte dem Kind fünf Mark schenken.

»Du hast uns so fleißig geholfen«, hat er gesagt.

Aber das Kind hat nur den Kopf geschüttelt und ist ganz schnell durch den Zaun in seinen Garten zurückgeschlüpft.

»Danke schön!« hat ihm die Oma Schmidt nachgerufen. Und das Kind hat sich gefreut.

Am Abend aber, als sie alle gerade am Tisch gesessen waren und zu Abend essen wollten, da hat es plötzlich an der Haustür geklingelt. Und die Oma Schmidt ist hereingekommen und hat dem Kind einen runden, ganz frisch gebackenen Pflaumenkuchen mit viel Zucker obendrauf gebracht.

Da hat sich das Kind so gefreut, dass es an diesem Abend weder Schnittkäse noch warme Fleischwurst, weder Marmelade noch Quark mit Schnittlauch gegessen hat. Nur Pflaumenkuchen mit viel Zucker obendrauf. So lange, bis der Kuchen fast alle und das Kind mehr als satt war.

Dann durften sein Vater und seine Mutter auch davon probieren.

Rolf Krenzer: Freue dich auf jedem Tag.
Würzburg: Echter, 1998

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Über kindg

Guten Tag! Wir sind kein Verein oder Institution; nur eine Gruppe Freunde, die an Gymnasien und Universitäten unterrichtet. Dieses Projekt ist aus reinen pädagogischen Gründen entstanden und hat überhaupt keine finanziellen Interessen.
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