Weihnachten

Am Weihnachtsmorgen schien die Sonne, und der Schnee glitzerte auf den Bäumen. Noahs Taube, die auf Kundschaft ausgeflogen war, meldete dem kleinen Engel, dass es bis zu dem Haus, in dem das Christkind wohnte, nur noch fünf Hügel weit sei. Bis zum Abend wären sie dort. Sie hatte das Haus schon gesehen. Es war nicht zu verfehlen, denn direkt über seinem Dachfirst stand der große Stern am Himmel. Er war so hell, dass man ihn auch am Tag sehen konnte.

Hatschi versuchte sich das Haus vorzustellen. War es ein Stall, ähnlich dem, in dem das Christkind geboren worden war? Oder war es ein Palast wie der des Königs von Rubinistan?

Der Esel stapfte durch den Schnee und dachte an gar nichts oder höchstens daran, dass er froh war sich bald ausruhen zu können.

Die Maus schob ihr Weizenkorn von einer Backentasche in die andere, immer noch in Versuchung es selbst zu fressen.

Die Puppe zupfte an ihren Haaren herum und wünschte sich einen Spiegel herbei und Noahs Taube ruhte sich von ihrem Erkundungsausflug aus.

Nur das Rotkehlchen achtete auf den Weg und es pickte den Esel in die Ohren, wenn er eine falsche Richtung einschlug.

An einer Wegkreuzung trafen sie die Babuschka und ihren Mann, den Jossip. Die Babuschka trug einen Henkelkorb mit selbst gebackenen Weihnachtsplätzchen, in dem auch das Häschen einen Platz gefunden hatte.

»Fein, euch zu treffen«, sagte sie und zog ihr großes geblümtes Umschlagtuch etwas fester um den Kopf, weil der kalte Winterwind sie frieren ließ.

»Ganz unsererseits«, antwortete der kleine Engel höflich.

Von da an gingen sie zusammen. Am Fuß des letzten Hügels standen der Zottelhund und der Elefant. Sie stritten sich gerade, ob der Weg rechtsherum oder linksherum kürzer sei.

»Der kürzeste führt oben rüber«, gurrte Noahs Taube. Da machten sich alle an den Aufstieg. Unterwegs trafen sie noch den heiligen Nikolaus, die Gänseliesl, den Ochsen und den dummen August.

Und dann sahen sie das Haus, in dem das Christkind wohnte. Es lag friedlich am Waldrand, direkt unter dem großen Stern.

»Wir sind da«, sagte der kleine Engel. »Endlich sind wir da.«

Der Hirtenjunge mit seinem Schaf, die Gaukler mit dem Bettler, der Leierkastenmann und der Teddybär waren schon vor ihnen angekommen. Als sie vor der Tür standen und klingelten, kamen gerade der Kasperlspieler mit dem Kasperl und der Zauberer Simsalabim um die Ecke.

Es fehlten nur noch die Heiligen Drei Könige aus dem Morgenland. Sie hatten den weitesten Weg und ihre Kamele waren Schnee nicht gewohnt.

»Haben wir denn alle Platz in dem kleinen Haus?«, fragte der Elefant ängstlich. Wenn man so groß ist wie er, ist so eine Frage sehr verständlich.

Aber seine Sorge war unbegründet. Alle fanden Platz.

Der kleine Engel stellte den Tannenbaum auf den Tisch, und damit er etwas hübscher aussah, schmückte er ihn mit ein paar von seinen Haaren. Die Mutter des Christkinds befestigte rote Kerzen an seinen Zweigen und zündete sie an.

Als das Christkind mit einem Glöckchen bimmelte, begann das Fest.

Der Leierkastenmann drehte an seiner Kurbel, der Elefant trompetete und alle sangen Weihnachtslieder. Sie überreichten dem Christkind ihre Geschenke, und die, die keine hatten, erzählten von ihren guten Vorsätzen. Dann aßen sie sich satt an den Weihnachtsplätzchen von der Babuschka, die wunderbarerweise nie zu Ende gingen. Die Gaukler gaukelten und der Zauberer Simsalabim zauberte ihnen etwas vor. Der dumme August brachte sie zum Lachen und anschließend tanzte jeder mit jedem, der König von Rubinistan mit der Gänseliesl und der Elefant mit der Puppe, der kleine Engel mit Noahs Taube, der Teddybär mit dem dummen August und die Babuschka mit dem heiligen Nikolaus. Das Christkind bedankte sich für die vielen Geschenke. Es holte ein großes Paket aus der Truhe und überreichte es dem kleinen Engel.

»Das ist für den weiten Weg, den du meinetwegen zurücklegen musstest«, sagte es. »Hoffentlich macht es dir auch Spaß?«

Und als Hatschi das Paket auspackte, kam ein großer Fußball zum Vorschein und natürlich richtige Fußballschuhe, denn mit einem richtigen Fußball kann man schlecht barfuß spielen.

Da freute sich Hatschi und er konnte es kaum erwarten, wieder hinauf in den Himmel zu fliegen, um mit seinen Freunden den neuen Fußball auszuprobieren. Und alle anderen freuten sich mit ihm.

Es war ein fröhliches Fest.1

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