Die Babuschka

Die Babuschka

Der kleine Engel musste niesen.

»Hatschi!«, nieste er und dann gleich noch einmal: »Hatschi!« Jedes Mal puffte er den Esel ins Kreuz und der kleine Hase zuckte zusammen vor Schreck. »Du hast aber einen bösen Schnupfen«, mümmelte er.

»Hatschi«, nieste Hatschi. »Den hab ich schon vom Himmel mitgebracht. In der Steppe war es dann sehr kalt und deshalb… hatschi, hatschi!«

Seine Nase wurde dick und rot vom vielen Putzen und seine Augen glänzten fiebrig. Er fühlte sich gar nicht wohl und sehnte sich sehr nach seinem Federbett und einer Wärmflasche an den Füßen.

Es war ihm völlig gleichgültig, wohin ihn der Esel trug.

Sie durchquerten Felder und Wiesen, stiegen über Hügel, wateten durch seichte Bäche und kamen an Dörfern vorbei.

Hinter einem kleinen Haus am Waldrand hängte eine Frau Wäsche auf.

»Hatschi, guten Tag!«, grüßte der kleine Engel sie niesend.

Die Bäuerin betrachtete verwundert den Esel mit seinem Reiter und das Häschen in seinen Armen.

»Du hast aber einen bösen Schnupfen«, sagte sie. »Wie heißt du denn?«

»Hatschi«, antwortete der kleine Engel.

»Liebe Zeit, da muss etwas getan werden. Du kannst ja nicht einmal mehr reden vor lauter Erkältung.«

Während  sie den  Esel  und das  Häschen im Stall  unterbrachte und  Hatschi  in  ihr Haus

führte, redete sie und redete und redete: »Ich bin Babuschka, musst du wissen, und mein Mann ist der Jossip. Kinder haben wir leider keine. Komm, leg dich ins Bett! Ich deck dich zu. Das Haus ist unser eigenes. Wir haben eine Kuh, zwei Ziegen, fünf Hühner und ein Pferd. Ich koche dir einen Tee und tue Honig rein. Ja, Bienen haben wir auch. Und außerdem mache ich Wasser heiß, und du hängst deinen Kopf über den Dampf. Das wird dir gut tun, dann ist der Schnupfen gleich vorbei. Zum Schluss noch etwas Eukalyptussalbe in die Nase, dann hört sie gleich auf zu laufen. Du gefällst mir. Willst du nicht bei uns bleiben? Wir hätten gern einen Sohn. Für den Esel und den Hasen reicht das Futter auch noch. Fühlst du dich schon besser? Ich glaub, deine Nase ist schon nicht mehr so rot, wie sie war.«

Hatschi überließ sich ihrem Geschwätz. Er schwitzte unter der warmen Decke, trank den Tee mit Honig, hielt seinen Kopf über den Dampfkessel, ließ sich die Salbe unter die Nase schmieren und weigerte sich nur, seine Jacke auszuziehen, damit sie seine Flügelchen nicht entdeckte. Er hatte keine Lust zu erklären, wer er war.

»Nein«, sagte er, als sie einen Augenblick Pause machte. »Ich kann nicht hier bleiben, weil ich den Auftrag habe, denjenigen, der mir begegnet, zum Geburtstag des Christkinds einzuladen.«

»Bin ich dir nicht auch begegnet?«, fragte die Babuschka.

»Ja«, antwortete Hatschi. »Hiermit lade ich dich und Jossip, deinen Mann, herzlich ein. Vielleicht seid ihr so nett und nehmt euch des kleinen Hasen an. Er will noch einen Kräuterstrauß sammeln. Ich kann nicht auf ihn warten.«

»Ich backe dem Christkind Weihnachtsplätzchen!«, rief die Babuschka fröhlich. »Die isst es bestimmt gern.«

Und weil dem kleinen Engel von allen süßen Sachen die Weihnachtsplätzchen am besten schmeckten, fand er ihren Plan sehr gut.

Der kleine Hase war glücklich, so nette Reisebegleiter gefunden zu haben, die Babuschka war glücklich, weil sie für ihn sorgen durfte, der Esel, weil er nicht gern im Stall stand, und Hatschi, weil er endlich seinen Schnupfen los war.

»Auf Wiedersehen!«

»Auf Wiedersehen!«

Der kleine Engel kletterte auf den Rücken des Esels. Er winkte noch lange zurück.

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