Archiv der Kategorie: Kurzgeschichten

Du kannst es doch

Immer, wenn Tina in der Schule etwas vorlesen sollte, bekam sie es mit der Angst. Dabei hatte sie diesmal zu Hause wirklich geübt. Ihre Mutter hatte gesagt: „Du musst üben, Kind!“ Und da hatte Tina sich hingesetzt und die ganze Geschichte gelesen, erst leise, dann laut: „Eine Stadtmaus ging spazieren und kam zu einer Feldmaus. Die legte ihr zu essen vor, was sie nur konnte…“ Weiterlesen

Der seltsame Zweig

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Die kleine Meise wundert sich. Sie hat scharfe Augen. Saß da nicht eben eine Raupe am Birnbaum? Kroch langsam den Zweig hinauf? Natürlich, die kleine Meise hat es genau gesehen.
Aber auch die kleine Spannerraupe hat die Meise gesehen. Die kleine dicke Raupe will einmal ein Schmetterling werden. Sie hat noch viel vor. Sie muss noch sehr wachsen. Die Meise darf sie nicht verschlucken.
Gefahr! Die kleine Raupe spürt es sofort.
Sie klammert sich mit den Hinterbeinen fest an den Ast. Dann richtet sie den Leib starr auf und streckt ihn aus. So sieht sie wie ein kleiner brauner Zweig aus.
Die Raupe ist ein Zweig geworden, ein braunes Ästchen. Die kleine Meise guckt. Sie wartet. Nichts rührt sich. Die kleine Raupe bleibt starr und steif.
Die Meise schilpt, schließlich fliegt sie davon. Zweige! Nein, das ist kein gutes Futter. Zweige sind viel zu hart.
Die kleine Raupe rollt sich wieder zusammen und kriecht weiter den Ast hinauf. Sie will ein Schmetterling werden. Und sie kann gut Theaterspielen. Eine schlaue kleine Raupe.

Lisa-Marie Blum

Vater werden

Gillian - Doll Original Watercolour PaintingDaniel wünscht sich zu Weihnachten eine Puppe.
Sie soll Schlafaugen haben.
Er möchte sie abends ins Bett bringen und sie zudecken.
Sie soll lange Haare haben.
Er möchte sie kämmen und ihr einen Zopf flechten.
Sie soll bewegliche Arme und Beine haben.
Er möchte sie an- und ausziehen.
Die Eltern wundern sich.

„Möchtest du nicht lieber eine Eisenbahn?“ fragt die Mutter.
„Oder einen Baukasten?“ meint der Vater.
Sie machen sich Sorgen.
„Ein Junge, der mit Puppen spielt, wird kein richtiger Mann“, sagt der Vater.
Doch Daniel bleibt dabei.
Er wünscht sich zu Weihnachten eine Puppe.
„Warum eigentlich?“ fragt die Mutter.
Daniel besinnt sich.
„Ich möchte auch ein Vater werden“, sagt er.

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Der Nussbaum

Im Garten grub ein alter Mann.
Ein junger Mensch kam vorbei und fragte: »Was tust du da, alter Mann?«
»Ich pflanze einen Nussbaum«, sagte der Alte. »Im Sommer spendet er Schatten. Im Herbst schenkt er Nüsse. Gibt es Schöneres und Besseres als einen Nussbaum?«
Der junge Mensch lachte. »Und weißt du auch, wie lange es dauert, bis dein Nussbaum Schatten und Nüsse schenkt? Du wirst es nicht mehr erleben, alter Mann.«
»Ich weiß es«, nickte der Alte. »Ich nicht — aber meine Enkel.«

Chinesisches Volksgut

Der Laubfrosch

frosch

Ich hab einen Laubfrosch,
dem füttre ich jeden Tag Fliegen.
Die braucht er,
ist doch klar,
ist doch’n Laubfrosch.

Bisher
hab ich mir nichts bei gedacht.
Aber gestern
kam Tante Reinhild.
Die sagt, ich bin grausam.
Und wenn sie ein Kind hätt,
dem tat sie verbieten,
Fliegen zu fangen
für einen Mörderfrosch.

Was nu?
Soll ich ihn weiter füttern?
Oder soll ich ihn einfach
verhungern lassen?

~Tilde Michels

 

Laubfrosch

Die Sonne scheint immer

Eine ganze Woche ist es herrlich warm gewesen. Sieben Tage lang. Jeden Morgen, wenn Jakob und Lena aufwachten, stand die Sonne leuchtend hell zwischen dem neuen Hochhaus und der Kirche.

Aber heute ist alles anders. Heute ist der Himmel grau. Weiterlesen

Der Stern mit dem Schweif

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SLIDESHARE

Der kleine Bär und das Weihnachtsgeheimnis A4

Am Abend liegt der kleine Bär in seinem warmen Bett und kann nicht einschlafen.

„Wann ist denn endlich Weihnachten?“, fragt er Mutter Bär.

„Du musst noch ein bisschen Geduld haben, mein kleiner Bär. Ich werde dir jetzt eine Geschichte erzählen.“

Es war einmal ein kleiner Bär, so einer wie du. Der entdeckte eines Nachts über seiner Höhle am Himmel einen hellen Stern mit einem langen Schweif. Weiterlesen

Bruder Jan

 Mein Bruder Jan ist Schwester. Eigentlich ist er Zivi. Er macht seinen Zivildienst und arbeitet in einem Krankenhaus wie eine Krankenschwester. Er bringt den Patienten das Essen, füttert die Schwerkranken, die nicht allein essen können, macht die Betten, wäscht die Kranken, gibt auch mal eine Spritze und >schwenkt die Nachttöpfe<, wie er sich ausdrückt. Weiterlesen

Wann ist endlich Weihnachten? – Der Bettler – Der Birnbaum – Der Räuber

SLIDESHARE

Der kleine Bär und das Weihnachtsgeheimnis A4 PDF

Am 8. Dezember fragt der kleine Bär neugierig: „Und was geschieht heute?“ „Das wirst du gleich hören“, antwortet Mutter Bär und beginnt zu erzählen.

Der Bettler

Immer dichter fielen die Schneeflocken auf das Land. Immer mühsamer wurde es für den kleinen Bären, seinen Weg zu finden.

Als er in einer Hütte Unterschlupf suchen wollte, entdeckte er einen Mann.

Er war in lauter Lumpen gehüllt.

Was für ein armer Mann!, dachte der kleine Bär. Er sieht so hungrig aus. Weiterlesen

Der Traumgeist und das Kind

Eines Nachts stand ein schaurig heulender Traumgeist im Kinderzimmer: »Ich bin der schrecklichste Traumgeist der Welt! Huahuaaa!«

»Es gibt keine Geister«, antwortete das Kind und gähnte. »Das hat mein Papa gesagt.«

»Oha!«, fistelte der Traumgeist mit grausiger Stimme. »Auch Väter irren sich manchmal. Sieh mich an!« Weiterlesen

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Als meine Oma uns einmal besuchte, brachte sie Orangen mit; mir gab sie drei Orangen, meinem Bruder aber nur zwei. Er ging in sein Zimmer und weinte. Ich gab aber nicht nach, sondern aß genussvoll meine drei Orangen.

Auch beim nächsten Besuch brachte Oma mir drei und meinem Bruder nur zwei Orangen mit. Diesmal wollte ich ihm eine abgeben, er tat aber, als würde er es nicht bemerken. Ich legte ihm die Orange auf den Tisch und ging wieder hinaus. Weiterlesen

Solche Häuser und andere Häuser – will­kom­men hei­ßen

Eva, Usch und Daniel gehen die Straße entlang und klingeln an den Häusern.

„Guten Tag”, sagen sie zu Herrn Max. „Dürfen wir reinkommen?”

„Was? Ihr? Jetzt?”, ruft Herr Max und schlägt die Tür zu „Unverschämtheit! In meinem Haus will ich meine Ruhe haben!”

Eva, Usch und Daniel klingeln bei Frau Eise. „Dürfen wir reinkommen?”, fragen sie. Weiterlesen

Wann ist endlich Weihnachten? – Der kleine Bär und das Weihnachtsgeheimnis I

SLIDESHARE

Der kleine Bär und das Weihnachtsgeheimnis

Am Abend liegt der kleine Bär in seinem warmen Bett und kann nicht einschlafen.

„Wann ist denn endlich Weihnachten?”, fragt er Mutter Bär.

„Du musst noch ein bisschen Geduld haben, mein kleiner Bär. Ich werde dir jeden Abend eine Geschichte erzählen, und wenn ich dir 24 Geschichten erzählt habe, dann ist Weihnachten.”

„Ist dann wirklich Weibnachten?”, fragt der kleine Bär.

Mutter Bär nickt. Sie krault dem kleinen Bären den Rücken.

„Nun schlaf gut, kleiner Bär!”

* * *

Mutter Bär zündet eine Laterne an und stellt sie ans Fenster. Heute erzählt sie von einem Blinden.

Der Blinde

Als der kleine Bar nachts über das Feld wanderte, sah er einen Feuerschein in der Ferne. Wie er näher kam, erkannte er einen Mann mit einer brennenden Fackel in der Hand. Weiterlesen

Jakob redet mit dem Vater

„Vati“, sagt Jakob, „unser Religionslehrer sagt, dass alle Menschen Kinder Gottes sind.“
„Da hat er recht, dein Religionslehrer“, sagt der Vater.
„Aber“, sagt Jakob, „wenn du ein Kind Gottes bist und ich ein Kind Gottes bin, dann sind wir beide doch Brüder?“
„So betrachtet“, sagt der Vater, „sind wir Brüder.“
„Aber als Brüder“, sagt Jakob, „sind wir da nicht gleich viel wert?“
„Natürlich sind wir gleich viel wert“, sagt der Vater. Weiterlesen

Oma lebt weiter – Max Bolliger

„Erkennst du sie?“ fragt der Vater.

Judith betrachtet ein Kind nach dem andern.

„Das muss Oma sein, da, in der zweiten Reihe.“

„Ja“, sagt die Mutter. „Das ist Oma. Das Mädchen mit den beiden dicken Haarzöpfen, auf die sie als Kind so stolz war.“

„Wie alt ist dieses Klassenfoto?“ fragt Judith. Weiterlesen

Das Bauchweh – Nasrin Siege

Das Bauchweh

Nasrin Siege

Andreas hat Bauchweh. Er hat zu viel Kuchen gegessen. Mama zaubert das Bauchweh weg: »Das Bauchweh ist wie ein kleiner Vogel. Das Bauchweh fliegt ganz hoch, auf die Spitze eines Baumes. Dann fällt das Bauchweh runter in den Fluss. Plumps! Ein Krokodil kommt angeschwommen und frißl das Bauchweh auf. Das hätte es lieber nicht tun sollen, denn danach bekommt es ganz doll Bauchweh. >Aua, aua!< schreit es. Seine Mutter kommt ganz aufgeregt angeschwommen und sagt zu ihm: >Dann spuck’s doch aus!< Das tut es, und dann hat es kein Bauchweh mehr. Das Bauchweh schwimmt weiter – wie ein kleiner Fisch. Wer es frisst, bekommt selber Bauchweh. Nur Andreas und das Krokodil haben kein Bauchweh mehr.«

Zärtlichkeiten:
Die Arme ausbreiten
Märchen erzählen
Blätter sammeln
Bauchweh wegstreicheln Weiterlesen

Der kleine Bruder – Afrika

Der kleine Bruder

Ein Märchen der Kaffern

Ein Knabe wohnte bei seiner großen Schwester. Wenn sie die Kühe melken gingen, schlug sie ihn mit dem Stock, mit dem sie die Kälber von den Kühen jagte. Wenn er Milch bekam, so war es nur ein kleiner Schluck, der mit Wasser verdünnt wurde, und nachts musste er draußen in der Asche schlafen.

Da sagte eines Tages der Bulle zu ihm: »Komm zu mir, wenn du die Kälber hütest. Ich werde dir zu essen geben.« Und als der Knabe die Kälber hütete, ging er zum Bullen. Der hieß ihn, in einen seiner Hufe hineinzukriechen. Er kroch hinein und fand Nahrung und einen Topf. Damit kam er wieder heraus, kochte sich das Essen, aß und reinigte den Topf, den er dann wieder in den Huf des Bullen brachte. Dann trieb er die Kälber zusammen und ging nach Hause. Weiterlesen

Jakob nimmt sich etwas vor

Susi kommt mit verweinten Augen in die Schule.

„Was ist los?” fragt Jakob.

„Mein Meerschweinchen ist gestorben”, sagt Susi. „Mein Sebastian mit dem schwarzen Fleck auf der Nase.”

„Oje”, sagt Jakob. „Und jetzt bist du traurig.”

Susi nickt.

„Kannst du deine Eltern nicht bitten, dass sie dir ein neues kaufen?” fragt Max. Weiterlesen

Auf dem Markt

mJakob geht auf den Markt.

Er sieht eine Frau mit einem Nylonsackerl voll Orangen.

Das Sackerl platzt, die Orangen rollen über die Straße. Jakob rennt hin und will der Frau die Orangen aufheben.

„Wirst du sie liegen lassen, du Lauser“, schimpft die Frau.

Jakob lässt die Orangen liegen.

„Jesus“, sagt er, „gelt, manchmal will man helfen, aber sie glauben’s einem nicht.“

Lene Mayer-Skumanz (Hrsg.): Jakob und Katharina.
Wien: Herder Verlag 1986

Schenken – ungewöhnliche Geschenke

Schenken

Von den Ostereiern, die Jakob mit Zwiebelschalen gefärbt hat, ist eines, das schönste, noch übrig. Jakob rennt damit zu Kathi. Kathi ist im Hof und gießt die Blumenkistchen mit dem Petersilsamen.

„Kathi, Kathi!“ ruft Jakob. „Gib acht, so ein schönes Ei hast du noch nie gesehen!“

„Gib du acht!“ ruft Kathi, aber da ist Jakob schon über die Schaufel und den Sack mit Blumenerde gestolpert. Das Ei fällt ihm aus der Hand und zerbricht.

„Schade“, sagt Katharina. „Es muss ein schönes Ei gewesen sein.“

„Mein schönstes“, sagt Jakob. „Ah — ich ärgere mich. Gackikrawutschi! Gackikrawutschi!“ Weiterlesen

Ist das Freiheit?

Ist das Freiheit?

 

 

Carlos ist eines von rund 40 Millionen Kindern, die allein in den Straßen der lateinamerikanischen Städte leben, weil sie kein Zuhause haben. Viele von ihnen haben zwar noch Eltern, aber diese sind so arm, dass sie nicht für ihre Kinder sorgen können. Seit fünf Jahren verdient sich Carlos seinen Lebensunterhalt als Schuhputzer. Es war für ihn nicht immer leicht, zu überleben.

 

Das größte Problem für mich ist das Schlafen. Es ist gar nicht so einfach, einen sicheren Platz zu finden, wo man in Ruhe gelassen wird. Ich will mich keiner Bande anschließen und zu stehlen anfangen — das hat einfach keine Zukunft. Aber weil ich bei keiner Bande bin, habe ich auch niemanden, der mich beschützt. Und manchmal ist es schrecklich, auf der ganzen Welt keinen Menschen zu haben, der einen gernhat. Man muss wirklich stark sein, um das auszuhalten.

An manchen Tagen habe ich das Gefühl, dass mich alle Menschen hassen. Sie schauen mich wütend an, wenn ich frage „Schuheputzen?“ Manche beschimpfen mich auch, weil ich schmutzig bin. Weiterlesen

Schutzengel mein – Max Bolliger

angel in the sky

„Schutzengel mein, der du mich begleitest,
alle meine Schritte leitest. Ich danke dir. Amen.“
„Amen“, sagt auch die Mutter. „Und nun schlaf gut.“
Plötzlich richtet sich David nochmals auf.
„Es gibt gar keine Engel“, sagt er.
„Warum?“ fragt die Mutter und setzt sich auf sein Bett. Weiterlesen

Die Geschichte von dem Kind und dem Bild – R. Krenzer

Die Geschichte von dem Kind und dem Bild

Einmal hat ein Kind ein Bild gemalt. Es hat lange gebraucht, bis es fertig war. Und das Kind hat alle Buntstifte benutzt, die es besaß. Dann ist es zu der Oma gegangen und hat ihr das Bild gezeigt.
»Was ist das?« hat das Kind die Oma gefragt.
»Ein schönes buntes Bild«, hat die Oma gesagt.
»Aber was ist es?« hat das Kind erneut gefragt.
Das hat die Oma nicht gewusst.
Da hat das Kind den Opa gefragt.
»Das ist fast ein Picasso«, hat der Opa gesagt und dabei gelächelt.
»Was ist fast wie ein Picasso?« hat das Kind darauf den Opa gefragt.
»Ein Maler«, hat der Opa geantwortet. Weiterlesen

Auf dem Faschingsfest

fas„Warum heulst du, Susi?“ fragt Jakob.

„Weil die Kathi grauslich zu mir war“, schluchzt Susi.

Ihre kleine Krone aus Goldpapier sitzt schief auf ihrem Haar. Die Wimperntusche ist von den Wimpern auf die Wangen geflossen, und ihre Augen sind vom Weinen rot.

Du bist manchmal auch grauslich zu Katharina, will Jakob sagen. Aber er überlegt es sich und fragt: „Was hat die Kathi dir denn getan?“ Weiterlesen

Nur ein alter Topf – Sioux-Indianer

Nur ein alter Topf

Ein alter Medizinmann der Dakota (Sioux-Indianer), Lame Deer, hat versucht, einem weißen Freund die Art des indianischen Denkens zu erklären. Das Sioux-Wort »Wakan Tanka«, das er dabei verwendet, bedeutet »Schöpferkraft«, »Großer Geist«.

Was siehst du hier, mein Freund? Nur einen gewöhnlichen alten Kochtopf, verbeult und schwarz vom Ruß. Er steht auf dem Feuer, auf diesem alten Holzofen da, das Wasser darin brodelt, und der aufsteigende Dampf bewegt den Deckel. Im Topf ist kochendes Wasser, Fleisch mit Knochen und Fett und eine Menge Kartoffeln.

Es scheint, als hätte er keine Botschaft für uns, dieser alte Topf, und du verschwendest bestimmt keinen Gedanken an ihn. Außer, dass die Suppe gut riecht und dir bewusst macht, dass du hungrig bist. Weiterlesen

Hannas schönstes Weihnachtsgeschenk

Hannas schönstes Weihnachtsgeschenk

Die Weihnachtsferien sind vorüber. Die Kinder sitzen am ersten Kindergartentag mit Tante Martina im Sesselkreis. „Was war denn euer schönstes Weihnachtsgeschenk?“, fragt sie.
„Ich habe einen Gameboy bekommen und sieben Spiele dazu!“, schreit Andreas sofort.
Auch Michael kann es kaum mehr erwarten: „Eine Ritterburg mit einem richtigen Burgverlies und Kanonen, die echt schießen.“
„Eine neue Barbie“, sagt Katharina und hält die Puppe hoch, damit sie alle sehen können. „Und ein neues Barbiehaus.“
„Ich auch!“ „Ich auch!“ fallen Vanessa und Julia ein. Weiterlesen

Sollte es das Christkind gewesen sein?

Sollte es das Christkind gewesen sein?

Es war einmal eine gute Frau, die sich zu Weihnachten eine Ehre daraus machte, arme Kinder zu beschenken. Schon lange vor dem Fest fing sie an, Kuchen zu backen, um sie in der Kirche vor der Krippe zu verteilen.

Als sie mit ihrer Arbeit fertig war, erfüllte ein herrlicher Duft das Haus und drang bis auf die Straße hinaus. In Reih und Glied standen die Kuchen auf einem langen Tisch. Ihr Anblick erfüllte die gute Frau mit Stolz und Freude.

Da klopfte es plötzlich an die Tür. Vor der Tür stand ein fremdes Kind und schaute sie bittend an. „Gibst du mir einen Kuchen?“, fragte es. Weiterlesen

Der Junge und sein Vorurteil

Der Junge und sein Vorurteil

Elisabeth Alexander

Vorübergehend war das Telefonhäuschen außer Betrieb. Verärgert trat der Junge gegen die Tür und freute sich über den Krach. Es goss in Strömen, und sein Anorak war völlig durchnässt.

Er stieg wieder auf sein Fahrrad und suchte das nächste Häuschen. Da war jemand drin. Als der Junge nahe davor stand, sah er, dass es ein Ausländer war. Er ließ ihm mindestens noch zwei Minuten, dann pochte er gegen die Tür. Weiterlesen

Jakob malt ein Weihnachtsbild

beautiful-Jakob zeichnet und malt für Weihnachten.
Tante Helli wünscht sich ein Kripperl mit Jesuskind, Esel und Ochs.
Onkel Fritz wünscht sich Hirten auf dem Weg nach Betlehem.
Die Omama hätte gern einen Engel, der freundlich dreinschaut und „Fürchtet euch nicht“ sagt.
Jakob zeichnet eine Sprechblase vor den Mund des Engels und schreibt: Weiterlesen

Advent – Lene Mayer-Skumanz

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„Jakob“, sagt die Mutter. „Bitte gib den Brief für mich auf.“

„Ich mag jetzt nicht“, sagt Jakob.

Er malt Holzfiguren an: ein Glocke, einen Engel, einen Stern. Die will er zu Weihnachten auf den Christbaum hängen.

„Mutti“, ruft Jakob, „bitte wasch mir den Pinsel aus.“

Die Mutter wäscht den Pinsel aus.

Da fällt Jakob der Brief ein. Weiterlesen

Herr Bärmann wird nachdenken

„Hoppla! Stolpere nicht mit den Flaschen!“, ruft Herr Bärmann Sebastian nach. „Du bist ja heute ganz geschwind unterwegs!“

„Ich war an der Quelle, Wasser holen für meine Freunde aus der Stadt“, keucht Sebastian. „Die werden jeden Moment da sein. Dann fahren wir Pizza backen nach Hinteregg. Ich bin schon ganz aufgeregt.“

„Gib her, ich helfe dir tragen“, sagt Herr Bärmann. „Also ist Anna im Anmarsch, was?“ Weiterlesen

Was fällt uns bei Weihnachten ein?

Was fällt uns bei Weihnachten ein?

Die Lehrerin nimmt die Kreide und schreibt mit großen Buchstaben WEIHNACHTEN mitten auf die Wandtafel. Dann holt sie die Schachtel mit den bunten Tafelkreiden aus dem Lehrertisch, öffnet sie und legt sie auffordernd auf den Schülertisch in der ersten Reihe. Als sie sich dann hinsetzt, blickt sie ihre Schüler erwartungsvoll an.

Zunächst sind alle ganz still. Dann aber steht Tina auf und nimmt die rote Kreide.

„Nikolaus“ schreibt sie an die Tafel. Viele lachen laut, und die Lehrerin schmunzelt. Jetzt geht Sabine zur Tafel und schreibt mit grüner Kreide: Christbaum. Weiterlesen

Die Einladung – Lene Mayer-Skumanz

Die Mutter schreibt eine Liste von Namen. Jakob liest: Omama, Uroma, Tante Liesl und Onkel Jakob, Onkel Peter, Eva und Tommi, Frau Altbauer.

„Die laden wir alle zu deiner Erstkommunion ein“, sagt die Mutter. „Und nachher zu einem guten Mittagessen. Es soll ein schönes Fest werden.“

„Fein!“ sagt Jakob.

Zuerst ruft er seinen Taufpaten an, den Onkel Jakob. Onkel Jakob freut sich über die Einladung, er wird sehr gern kommen. Weiterlesen

Das Klavier im Wald

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Das Klavier im Wald – PDF

„Mutti“, sagt Jascha einmal, „bitte stell mir das Klavier in den Wald. Ich möchte für die Waldtiere spielen, weil die nie Musik haben.“

So kam das Klavier in den Wald. Mitten auf eine Lichtung. Und Jascha spielte einige Waldsonaten des berühmten Komponisten Violetti. Da versammelten sich Tauben, Meisen, Eichhörnchen und Rehe um sie.

Die Vögel blieben am längsten und versuchten mitzusingen und mitzupfeifen, mitzuzwitschern und mitzuturteln. Weiterlesen

Der durstige Elefant

Der durstige Elefant

In einem südlichen, heißen Land lebten mehrere Mäusefamilien in einem großen Haus. Es war das einzige Haus im Umkreis von vielen Kilometern. Die Gegend rundherum war karg und trocken. Es wuchsen nur wenige Bäume dort, dafür aber umso mehr Disteln. Es war ein unwirtliches Land. Auch gab es viele gefährliche Tiere in den Bergen und sogar Räuberbanden, die von Zeit zu Zeit Dörfer und einzeln stehende Häuser überfielen. Doch das Haus der Mäuse hatte dicke Mauern und eine starke Eichentür und sie fühlten sich dahinter sicher.

Eines Tages bekamen die Mäuse von einem Vogel die Nachricht, dass die Räuberbande des gefürchteten roten Wolfs im Anmarsch sei. Weiterlesen

Die Farben des Herbstes

Die Farben des Herbstes

Die Malerin Rosa Maus malte fast alle ihre Bilder im Atelier. Nur im Herbst verließ sie ihr Atelier, um auch im Freien zu malen. Der Herbst war Rosas liebste Jahreszeit. Da gab es so viele überraschende Farbschattierungen in der Landschaft.

Nun, eines schönen Tages im November packte die Malerin Leinwand, Staffelei und Farben zusammen und wanderte zu einem stillen Gebirgssee in der Nähe ihres Hauses. Sie kannte dort einen schönen, ebenen Platz auf einem Felsen, von dem aus sie den gesamten See mit den Wäldern und Bergen im Hintergrund überblicken konnte. Dort stellte sie ihre Staffelei mit der Leinwand auf und begann mit großzügigen Pinselstrichen zu malen. Weiterlesen

Die Altwarenhändler

Die Altwarenhändler

Waldemar Graubär handelte mit Altwaren. Auf fünf Inseln betrieb er seine Geschäfte. Waldemar hatte ein Segelboot, damit fuhr er von Insel zu Insel und kaufte allen alten Plunder zusammen, den er kriegen konnte. Oft bekam er bei Entrümpelungen auch ganze Bootsladungen geschenkt. Manchmal waren gute Stücke darunter, aber der Großteil dieser Gegenstände war nicht viel wert.

Der Bär hätte einen Geschäftsteilhaber, einen Partner – ein Schnabeltier, Fedor mit Namen. Fedor half Waldemar beim Verladen des Gerumpels und auf See war er der Steuermann des Bootes. Einmal im Monat Weiterlesen

Dr. Rabe

Dr. Rabe

Dr. Rabe hatte an diesen feuchtkalten, windigen Herbsttagen viel zu tun.

Viele Bewohner des Landstrichs waren krank geworden. Dr. Rabe eilte den ganzen Tag und oft bis in die Nacht hinein von Patient zu Patient, verteilte seine Arzneien und gab nützliche Ratschläge. Die Eule litt unter Kopfschmerzen, der alte Igel hatte in seiner feuchten Laubhöhle einen starken Husten bekommen, das Wildschwein klagte über Kreuzschmerzen und der Hase hatte Ohrensausen. Es hatte den Anschein, als ob sämtliche Bewohner des Landes krank geworden seien. Aber Dr. Rabe Weiterlesen

Der Skiflieger

Der Skiflieger

Es war im tiefsten Winter. Überall lag hoher Schnee und oben im Gebirge pfiff ein eisiger Wind um das Häuschen der Katze Caterina. Sie hatte in ihrem Kohleofen gut eingeheizt und in den Zimmern war es mollig warm. Am liebsten saß Caterina am Fenster, um die atemberaubende Aussicht genießen zu können.

Caterinas Häuschen stand nämlich dicht an einem Felsbruch und sie konnte weit in das flache Land hineinsehen. Einmal besuchte sie Benno, der Bär. Er hatte Caterina ein Glas Honig mitgebracht und nun saß er neben ihr am Fenster. »Also, dieser tiefe Abgrund – ehrlich gesagt, mich gruselt es!«, sagte er. »Der Ausblick ist zwar traumhaft schön, aber ich weiß nicht, ob ich mich in diesem Haus auf Dauer wohl fühlen könnte. Hast du keine Angst, dass dich eines Tages ein Sturm samt dem Häuschen davonwehen könnte, Cati?« Weiterlesen

Warum es keinen Krieg geben kann – Chinesisches Märchen

Warum es keinen Krieg geben kann

Chinesisches Märchen

Als der Krieg zwischen den beiden benachbarten Völkern unvermeidlich war, schickten die feindlichen Feldherrn Späher aus, um zu erkunden, wo man am leichtesten in das Nachbarland einfallen könnte. Und die Kundschafter kehrten zurück und berichteten ungefähr mit den gleichen Worten ihren Vorgesetzten: es gäbe nur eine Stelle an der Grenze, um in das andere Land einzubrechen.

„Dort aber“, sagten sie, „wohnt ein braver kleiner Bauer in einem kleinen Haus mit seiner anmutigen Frau. Sie haben einander lieb, und es heißt, sie seien die glücklichsten Menschen auf der Weit. Sie haben ein Kind. Wenn wir nun über das kleine Grundstück in Feindesland einmarschieren, dann würden wir das Glück zerstören. Also kann es keinen Krieg geben.“

Das sahen die Feldherrn denn auch wohl oder übel ein, und der Krieg unterblieb, wie jeder Mensch begreifen wird.

Ernst Penzoldt

Kurtmartin Magiera (Hrsg.): Die Nacht im Dezember – Texte zur Geburt des Herren.
o.O., 1968, Butzon & Bercker