Peter und Luna

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Peter und Luna A4 PDF

Peter bedeutete Stein, aber er hatte den Kopf ständig in den Wolken.

Luna bedeutete Mond, aber sie sah aus wie ein Stein.

Seit er in einem Buch gelesen hatte, dass der Mond ein großer Stein war, der am Himmel schwebt, war Peter wie verzaubert.

Eines Nachts, als er spazieren ging, um den Mond zu betrachten, stolperte Peter, der nie auf den Boden schaute, über einen Stein. Da entdeckte er, dass die Steine vom Mond gefallen waren und bestimmt Heimweh hatten.

Seitdem sammelte Peter jede Nacht kleine Steine, die er aufeinander stapelte, um dem Mond so nahe wie möglich zu sein.

*

Eines Nachts, als Peter eine Handvoll Steine trug, kreuzte ein schöner Stein seinen Weg.

Peter sah, dass es eine Schildkröte war, aber da ihr Panzer wie ein großer grüner Mond aussah, nannte Peter sie Luna.

Luna liebte es, wenn Peter sie auf die Steine legte. Von dort aus hat sie die Welt in ihrer Unendlichkeit erfassen können, vom Mond beleuchtet.

Peter liebte diesen schönen Stein, Luna, und fand es lustig, wie sie ihm überall hin folgte.

Und so wuchsen sie zusammen, Peter und Luna.

Wenn Peter reiste, zog sich Luna in ihren Panzer zurück. Sie ging nicht einmal essen. Sie war traurig wie der Himmel ohne Mond.

Aber wenn Peter zurückkehrte, strahlte Luna vor Freude.

*

Eines Tages, als Peter aus dem Urlaub in der Stadt zurückkam, hatte er allerhand Neuigkeiten zu erzählen. Er hatte Rolltreppen, Panoramalifte und so viele schöne Menschen gesehen, dass er große Lust bekam, dort zu wohnen.

Peter konnte seine Freundin nirgends finden und fragte nach ihr. Man sagte ihm, seit Wochen sei sie nicht aus dem Panzer herausgekommen.

Peter rief nach ihr.

Luna kam nicht heraus.

Er vermisste seine Freundin sehr.

In der Nacht brachte Peter Luna zu den anderen Steinen. Da begriff er, dass auch Schildkröten Heimweh haben.

Luna hatte sich verändert: Sie hat heimkehren wollen.

Peter liebte Luna.

Luna sah jetzt aus wie ein Stein.

Nach: Odilon Moraes: Pedro e Lua.

São Paulo: Cosac & Naify, 2004

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