Archiv der Kategorie: Advent

Die Legende von der Christrose

Die Legende von der Christrose A4

Vor Zeiten, als Unfrieden im Land, auf den Straßen und im Wald herrschte, lebte hoch im Norden, im Gebirge, im dichten Wald eine Räuberfamilie.

Der Räubervater galt als friedlos, das heißt, er war eines Vergehens wegen aus der Gemeinschaft der Menschen ausgeschlossen worden – und seine ganze Familie mit ihm. Nun mussten sie alle in einer Höhle hausen, weit weg vom Licht, von Wärme, von der Gemeinschaft der Menschen.

Der Räubervater überfiel die Reisenden, die trotz aller Angst nicht vermeiden konnten, durch diesen Wald zu reisen, die Räubermutter dagegen unternahm gemeinsam mit ihren fünf Räuberkinder immer wieder Raubzüge auf Höfen, Bauernhäusern und Weilern.

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Lieber Weihnachtsengel, bitte sofort öffnen!

engel

Bitte, sofort öffnen A4

Beinahe wäre sie dem Weihnachtsengel gar nicht aufgefallen. Aber dann sah er sie doch.
Die rote Schrift, mit der jemand „Bitte sofort öffnen! Es ist total dringend!!!“ auf den Briefumschlag geschrieben hatte. Der Weihnachtsengel spitzte die Lippen. Was hatte das zu bedeuten?
Eilig öffnete er den Umschlag.
„Lieber Weihnachtsengel dies ist kein normaler Wunschzettel!“
Der Weihnachtsengel machte große Augen. Weiterlesen

Lisas erster Weihnachtsbaum

Für die kleine Maus Lisa ist es das erste Weihnachtsfest. Bunte Farben erleuchten den Himmel, und sanfte Klänge erfüllen die Luft.

Durch das Fenster eines alten Hauses fällt helles, glitzerndes Licht in die Dunkelheit. „Was ist das, Mama?“, piepst Lisa erstaunt.

„Das ist ein Weihnachtsbaum“, antwortet die Mutter. „Die Menschen hängen bunte Kugeln, Sterne und Lichter hinein.“

„Wenn wir doch auch einen so schönen Weihnachtsbaum hätten!“, seufzt die kleine Maus.

„Warum gehst du nicht einfach in den Wald und suchst dir einen?“, schlägt Mama Maus vor. „Wenn du ihn schmückst, wird er bestimmt genauso schön wie dieser hier.“

Eine gute Idee! Lisa ruft ihre Geschwister, und dann laufen sie gemeinsam zum Wald.

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Weihnachten

Am Weihnachtsmorgen schien die Sonne, und der Schnee glitzerte auf den Bäumen. Noahs Taube, die auf Kundschaft ausgeflogen war, meldete dem kleinen Engel, dass es bis zu dem Haus, in dem das Christkind wohnte, nur noch fünf Hügel weit sei. Bis zum Abend wären sie dort. Sie hatte das Haus schon gesehen. Es war nicht zu verfehlen, denn direkt über seinem Dachfirst stand der große Stern am Himmel. Er war so hell, dass man ihn auch am Tag sehen konnte. Weiterlesen

Die Maus

img856Die kleine Maus

Von nun an ritt der kleine Engel schnurstracks dem großen Stern entgegen, der über dem Haus stand, in dem das Christkind wohnte.

Deshalb ritt er fast immer nachts, weil die Sterne von der Erde aus nachts besser zu sehen sind. Weiterlesen

Der Elefant

eDer kleine Engel, der Esel und Noahs Taube wanderten weiter. Es waren nur noch sechs Tage bis Weihnachten. Sie mussten sich beeilen. Der heilige Petrus hatte die Adresse des Christkinds auf einen Zettel geschrieben. Den Zettel hatte er Hatschi gegeben und der hatte ihn in die Hosentasche gesteckt. Um sicher zu sein, dass sie sich auf dem richtigen Weg befanden, wollte er auf den Zettel schauen. Doch da stellte er fest, dass er ihn verloren hatte.

»Um Himmels willen! Was mach ich jetzt bloß?«, rief er erschrocken. Doch der Esel und Noahs Taube wussten es auch nicht. Weiterlesen

Der König von Opalistan

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Der Himmel war blau und der kleine Engel fröhlich.

Der König von Rubinistan hatte ihm die Trillerpfeife geschenkt und so trillerte er vor sich hin. So laut trillerte er, dass sich Noahs Taube manchmal mit den Flügeln die Ohren zuhielt. Sie hatte ein empfindliches Gehör. Der Esel trabte mit gespitzten Ohren. Es war warm und ringsum blühten die schönsten Kakteen.

Sie näherten sich dem Land des Königs von Opalistan. Weiterlesen

Blech-Romanze

Es gibt alte Sachen – meine Frau sagt: „Viel zu viele“ –, von denen kann ich mich nur schwer trennen. Und damit fing es an…

Gestern Morgen, als ich ins Büro gehen wollte, stand eine Blechdose neben meiner Tasche.

„Nimm sie mit und wirf sie unten in den Koloniakübel“, sagte die Beherrscherin meines Haushalts. „Weihnachten steht vor der Tür, und sie nimmt mir im Kasten zu viel Platz weg.“ Weiterlesen

Der Zottelhund

12. DezDer Zottelhund

Der kleine Engel ritt weiter und weiter und weiter.

Einmal übernachtete er in einem alten Köhlerhäuschen mitten im Wald. Er hatte es sich gemütlich gemacht. Im Herd flackerte ein Feuer, der Esel stand in der Ecke und fraß das Heu, das der Köhler im Sommer eingebracht hatte, und Hatschi kaute an einem alten Stück Brot, das in der Tischschublade liegen geblieben war. Weiterlesen

Die Gänseliesl

Die Gänseliesl PDF
img872 - Cópia

Am Rande des nächsten Dorfes traf Hatschi ein Mädchen inmitten einer Herde schnatternder Gänse.
»Das ist die Gänseliesl«, flüsterte ihm der Esel ins Ohr.
Das Mädchen weinte.
»Warum weinst du?«, fragte der kleine Engel.
»Weil das Christkind in zwei Wochen Geburtstag hat«, schluchzte das Mädchen.
»Aber das ist doch kein Grund zum Weinen. Es soll ein fröhliches Fest werden. Alle Menschen versuchen sich gegenseitig Freude zu bereiten. Alle sind lieb zueinander.«
»Das ist es ja gerade«, sagte das Mädchen. Weiterlesen

Die Babuschka

Die Babuschka

Der kleine Engel musste niesen.

»Hatschi!«, nieste er und dann gleich noch einmal: »Hatschi!« Jedes Mal puffte er den Esel ins Kreuz und der kleine Hase zuckte zusammen vor Schreck. »Du hast aber einen bösen Schnupfen«, mümmelte er. Weiterlesen

Sankt Nikolaus in Not

Skt Nikolaus

Sankt Nikolaus in Not PDF

Es war ein Abend von flaumweicher Stille und lilienreicher Friedsamkeit. Und wären die flimmernden Sterne herniedergesunken, um als Heilige in goldenen Messgewändern durch die Straßen zu wandeln – niemand hätte sich gewundert.

Es war ein Abend, wie geschaffen für Wunder und Mirakel. Aber keiner sah die begnadete Schönheit des alten Städtchens unter dem mondbeschienenen Schnee. Die Menschen schliefen. Weiterlesen

Weihnachten in aller Welt – Polen

Heute ist die letzte Chorprobe vor dem Weihnachtsfest. Als Roman und Agnes vor den anderen Kindern die Kirche verlassen, ist es dunkel und es schneit ein wenig. Nachdem sie ein Stück gelaufen sind, sagt Agnes zu ihrem Bruder: „Warte mal, ich muss mir das Schuhband zubinden.“

Roman bleibt stehen. Er schaut um sich und fragt: „Was ist das?“ Weiterlesen

Der Esel

Der Esel PDF

img825Auf dem Weg zur Erde flog der kleine Engel zuerst durch die Wolken. Am Anfang war es noch warm und hell, doch dann wurde es immer kälter und dunkler.

»Hei!«, posaunte der Wind. »Tanz Walzer mit mir!«

Er wartete die Antwort gar nicht erst ab, sondern packte und wirbelte ihn umher wie ein welkes Herbstblatt. Hatschi wurde es schwindelig. Weiterlesen

Adventskalender: Jeden Tag eine neue Geschichte!

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♥ ♥ ♥  ADVENTSKALENDER   ♥ ♥ ♥

Vom 1. Dezember bis zum 24. begleiten wir den kleinen Engel Hatschi, dem eine besondere Aufgabe erteilt wurde.
Jeden Tag eine neue Geschichte!
Gleich get es los… am 30. November!

HIER

„Von wegen Trompete üben und dabei Halleluja singen! Der kleine Engel Hatschi spielt viel lieber Fußball – bis Petrus ein Machtwort spricht: In 24 Tagen feiert das Christkind Geburtstag und es wird allerhöchste Zeit, die Einladungen zum großen Fest zu verteilen! Also fliegt Hatschi auf die Erde und lädt alle ein, die er trifft: Den Hirtenjungen und den Zauberer Simsalabim, die geschwätzige Babuschka und den dummen August, ja sogar die Konige von Opalistan und Rubistan! Am Heiligen Abend kommen alle zum Christkind, um Weihnachten zu feiern.“

Sigrid Heuck: Frohe Weihnachten, liebes Christkind!

Havermanns Baumkuchen

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Havermanns Baumkuchen

Mitte der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts arbeitete ich in einer kleinen Konditorei in einer großen Stadt.

lch war einer von drei angestellten Konditoren. Besonders in der Vorweihnachtszeit konnten wir uns über ausreichende Beschäftigung nicht beklagen. Unser Arbeitstag hatte oft zwölf Stunden, und unser Chef, kurz vor der Rente stehend, ein ausgewiesener Fachmann, groß gewachsen und noch mit einer athletischen Figur ausgestattet, organisierte professionell den Arbeitsablauf. An die Zeitabläufe gebunden, leisteten wir Tag für Tag unser Pensum mit Achtung und Distanz zu unserem Chef und Inhaber der Konditorei. Meine Arbeit bestand darin, in dieser Vorweihnachtszeit die bestellten Baumkuchen auf der sich drehenden Walze der Baumkuchenmaschine Schicht für Schicht zu backen und die ausgekühlten Baumkuchenringe des Vortages je nach Bestellung in bestimmter Größe nach Anzahl der Ringe mit temperierter Kuvertüre (helle, dunkle) und mit weißem Fondant (diese Ringe wurden vorher mit kochender Aprikosenmarmelade bestrichen) zu überziehen. Weiterlesen

Das Kornwunder (Geschichten vom heiligen Nikolaus)

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Der Platz rund um den Ziehbrunnen war einmal der fröhlichste Platz in Myra gewesen. Hier trafen sich die Frauen. Sie trugen große, bauchige Krüge auf dem Kopf und redeten und lachten miteinander. Ihre Kinder spielten auf den Steinstufen des Brunnens oder jagten hinter den Tauben her. Manchmal ritt ein Händler vorbei, der seine beladenen Esel am Seil führte. Laut gackernd stob das Hühnervolk davon, wenn ihm einer der Esel zu nahe kam. Nikolaus liebte dieses Durcheinander.
Aber Myra, die schöne Stadt, hatte sich verändert und mit ihr der Platz am Brunnen. Denn die Menschen warteten verzweifelt auf den Regen. Viele Wochen, sogar Monate, warteten sie bereits. Immer wieder schauten sie zum Himmel empor, dessen Blau fast durchsichtig war und von einem Ende der Welt zum anderen reichte. Unbarmherzig brannte die Sonne aus der wolkenlosen Höhe herunter. Weiterlesen

Der Zauberer Simsalabim

13. Dezember

Der Zauberer Simsalabim

»Heute ist schon der Dreizehnte«, sagte der kleine Engel zu sich selbst. Er war hungrig und müde. Nicht einmal zum Fußballspielen hatte er Lust, obwohl das doch seine liebste Beschäftigung gewesen war. Auch die dummen Witze des Esels ließen ihn kalt. Wenn er durch eine Stadt kam, versuchte er erst gar nicht mehr die Menschen einzuladen. Sie würden ihm doch nicht zuhören. Das hatte er inzwischen gemerkt.

Aber als er vom Auftritt des Zauberers Simsalabim hörte, beschloss er hinzugehen.

Leider durfte der Esel nicht mit in den Saal. Hatschi band ihn draußen an und witschte hinein, ohne zu bezahlen, denn das konnte er nicht. Als alle Sitze besetzt waren, klingelte es dreimal und der Auftritt begann.

Zuerst wurde es dunkel. Der Vorhang teilte sich und mit einem Donnerschlag erschien ein Mann auf der Bühne. Er stand mitten in einer Dampfwolke, war graubärtig, hatte einen Sternenmantel an und eine spitze Mütze auf dem Kopf.

»Ich, Simsalabim, bin der größte Zauberer der Welt!«, rief er. Hatschi erschien er wirklich riesengroß. Größer als der heilige Petrus, und der war schon über zwei Meter.

Aber so hatte es der Zauberer nicht gemeint. Er hatte damit nur andeuten wollen, dass er unübertroffen in seiner Zauberkunst war.

Zuerst legte er sich ein Tuch über die linke Faust, sagte: »Simsalabim, simsalabam!«, und nahm es wieder weg. Da hielt er einen Hasen in der Hand. Wenn Hatschi nicht genau gewusst hätte, dass das Häschen, das ihm über den Weg gelaufen war, bei der Babuschka lebte, hätte er geglaubt, es sei dasselbe.

Als Nächstes zauberte der Zauberer eine weiße Taube. »Simsalabim, simsalabum!«, rief er. Da kroch die Taube aus seinem Ärmel. Er warf sie in die Luft und ließ sie fliegen.

»Das ist Noahs Taube«, erklärte er dem Publikum. »Sie war die Erste, die Noah die Nachricht von der Beendigung der Sintflut überbrachte. Seither ist sie unsterblich.«

Die Taube flatterte auf den Kronleuchter in der Mitte des Saales.

»Und jetzt brauche ich jemand, der furchtlos ist und gerne mitspielt!«

Lange meldete sich niemand. Doch dann fasste sich der kleine Engel ein Herz. Er trat vor und kletterte auf die Bühne.

»Ich werde vor Ihren Augen einen Menschen verschwinden lassen!«, rief der Zauberer.

»Ich bin kein Mensch. Ich bin ein Engel«, flüsterte Hatschi. Aber das hörte niemand.

»Wohin würdest du gern reisen, Junge?«

Ohne lange zu überlegen, rief der kleine Engel: »Ins Königreich Rubinistan.« Weil er immer schon gerne mal einen echten König aus der Nähe betrachtet hätte.

»Nicht schlecht, nicht schlecht«, murmelte der Zauberer. »Das ist ziemlich weit und deshalb muss ich dir jemand mitgeben, der auf dich aufpasst.« Er sah sich um und sein Blick fiel auf die Taube im Kronleuchter. »Wärst du mit Noahs Taube einverstanden?«

»Natürlich!«,  rief Hatschi.  »Doch ich hab noch einen Wunsch.«

»Und der wäre?«

»Der Esel, der draußen vor der Türe angebunden ist, muss auch mit.«

»Gut, gut«, sagte der Zauberer.

Der Esel wurde in den Saal geholt und Hatschi musste sich mit ihm auf einen Teppich stellen. Nachdem sich die Taube zwischen die Ohren des Esels gesetzt hatte, fragte der Zauberer: »Hast du noch etwas zu sagen?«

Da fiel dem kleinen Engel seine Einladung ein und er sagte schnell sein Sprüchlein auf.

»Vielen Dank.« Der Zauberer freute sich sehr. »Ich besuche gern Geburtstagsfeste. Dann zaubere ich den Gästen etwas vor.«

Ein Trommelwirbel kündigte die große Sensation an. Es wurde noch ein bisschen dunkler auf der Bühne. Im Saal war es mucksmäuschenstill.

»Akrakadabra! Simsalabim, bam, bum!«, rief der Zauberer und schwang seinen Zauberstab über dem kleinen Engel, der Taube und dem Esel. Und schon waren alle drei verschwunden.

Sie flogen auf dem Teppich durch die Luft, schneller als der schnellste Vogel. So schnell hätte Hatschi mit seinen Flügelchen nie fliegen können. Der Teppich rauschte über die Wolken dahin und der kleine Engel sah weit hinten am Himmel seine Freunde Fußball spielen.

»Tor!«, schrie gerade einer. »Tor! Tor!« Da hüpfte Hatschi auf dem Teppich auf und ab, weil es seine Mannschaft war, die ein Tor geschossen hatte.

Sie landeten erst, als sie das Königreich Rubinistan erreicht hatten. Da kletterte der kleine Engel wieder auf den Rücken des Esels und die Taube flatterte vor ihm her, um ihm den Weg zum Königsschloss zu zeigen.

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Das Rotkehlchen

rotkehlchenDas Rotkehlchen

Es schneite wieder.

Der kleine Engel und der Esel waren weit herumgekommen. Sie waren im Norden gewesen und im Süden, im Osten und im Westen. Hatschi hatte jeden, der ihm begegnet war und der mit ihm gesprochen hatte, eingeladen. Weiterlesen

Noas Taube

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Noahs Taube

Das Königsschloss von Rubinistan lag hinter dem nächsten Berg.

»Wollen wir über ihn drüber oder um ihn herum?«, fragte Noahs Taube den kleinen Engel. Für sie war das einfach. Sie konnte fliegen. Hatschi hätte es auch gekonnt, aber seine Flügelchen steckten unter dem Kittel. Nur der Esel hatte keine Möglichkeit, sich in die Luft zu erheben. Doch weil sie alle zusammenbleiben wollten, entschieden sie sich dafür, den Berg zu umgehen. Weiterlesen

Der König von Türkistan

img848Der König von Türkistan

Der kleine Engel, Noahs Taube und der Esel näherten sich dem Palast des Königs von Türkistan. Da sprengte auf einmal ein Trupp bis an die Zähne bewaffneter Reiter aus dem Gestrüpp.

»Halt!«, schrie der Anführer. »Keinen Schritt weiter. Ihr kommt aus Rubinistan, und jeder, der von da kommt, wird von uns verhaftet!« Weiterlesen

Der Leierkastenmann

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Allmählich wurde es Zeit für den kleinen Engel. Bis Weihnachten waren es nur noch zwei Tage und der große Stern zeigte ihm, dass er noch ein gutes Stück Weg vor sich hatte. Die Puppe hatte ihn ziemlich lange aufgehalten. Er musste sich beeilen. Doch der Esel trottete seinen Eselstrab. Hatschi konnte ihn antreiben, so viel er wollte, er ging nicht schneller. Weiterlesen

Der Kasperl

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Dezember Der Kasperl

Am nächsten Tag erreichte Hatschi eine kleine Stadt. In den Straßen drängten sich die Menschen, denn der Christkindlmarkt wurde gerade eröffnet.

»Soll ich die alle einladen?«, fragte er den Esel.

»Wenn du deinen Auftrag so ausführst, wie es der heilige Petrus dir befohlen hat, dann musst du es wohl.« Weiterlesen

Der König von Rubinistan

img846Der König von Rubinistan

Das Königsschloss von Rubinistan gehörte zu den schönsten Schlössern der Welt. Es war weiß und seine Dächer waren mit Rubinen belegt. Auf den Kuppelspitzen waren kleine Monde befestigt und auf dem höchsten Turm ein Vogel.

»Der König von Rubinistan ist ein lieber und sehr kluger König«, turtelte Noahs Taube. Weiterlesen

Weihnachtsstress

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Seit Jahren schon fasste ich immer nach Weihnachten den Vorsatz, im nächsten Jahr nicht wieder in den üblichen, vorweihnachtlichen Stress zu verfallen, sondern alles etwas strukturierter und ruhiger angehen zu lassen. Weiterlesen

E-Mail für Oma

Alle in seiner Klasse hatten eine Oma, nur Michael nicht. Die meisten hatten sogar zwei und noch einen Opa dazu. Michael hatte zwar einen Opa, den Vater seiner Mutter, aber den mochte er nicht und hätte ihn gerne gegen eine Oma eingetauscht.

Gerade jetzt, kurz vor Weihnachten, war eine Oma unbezahlbar. Sein Freund Moritz hatte sich von seiner eine neue Playstation gewünscht. Seine Eltern hatten kein Geld dafür, aber die Oma hatte ihre Rente und nur ein Enkelkind. Was machte sie also? Sie erfüllte Moritz jeden Wunsch – zum Entsetzen der Eltern!

Michael hatte auch jede Menge Wünsche, die seine Eltern ihm nicht erfüllen konnten. Aber im Unterschied zu Moritz hatte er keine Oma. Und das empfand er als sehr ungerecht. Was hatte er getan, dass er ohne Oma dastand?

„Vielleicht kann man eine mieten!“, schlug Moritz hilfsbereit vor. „Mein Vater sagt, heutzutage kannst du alles mieten.“

Moritz brachte auch gleich am nächsten Tag eine Telefonnummer mit. „Wenn meine Tante abends eingeladen ist, ruft sie da an und die schicken eine Oma oder einen Opa vorbei, die auf meine kleine Cousine aufpassen.“ Weiterlesen

Wie Joschi zu seinem Meerschweinchen kam – ein Briefwechsel zwischen Joschi und dem Weihnachtsmann

Wie Joschi zu seinem Meerschweinchen kam

Roswitha Fröhlich

Seit er sechs Jahre alt war, wünschte sich Joschi ein Meerschweinchen. Aber jedes Mal, wenn er davon anfing, sagte seine Mutter: »Meerschweinchen stinken«, oder: »Meerschweinchen gehören in den Kleintierzoo«, oder: »Was soll das arme Tier in unserer Vierzimmerwohnung?«, und lauter solche Sachen.

In diesem Jahr hatte Joschi sich geschworen, dass sein Wunsch endlich in Erfüllung gehen müsse. Weiterlesen

Der kleine Igel und die rote Mütze – Slideshare

Der kleine Igel und die rote Mütze – PDF

Eiskalt pfiff der Wind über das verschneite Tal und wirbelte die Blätterdecke auf, unter der sich der kleine Igel eingekuschelt hatte.

Nun erwachte er aus seinem tiefen Winterschlaf und fror erbärmlich. Ihm war so kalt, dass er nicht wieder einschlafen konnte.

Doch plötzlich fiel etwas vom Himmel …

PLUMPS

… und landete direkt vor den Pfötchen des kleinen Igels. Es war ein bunt eingewickeltes Päckchen. Auf dem Anhänger stand:

Für den kleinen Igel, in Liebe, vom Weihnachtsmann

Aufgeregt und doch ganz vorsichtig öffnete der kleine Igel das Päckchen. Was war das?

Der Stern mit dem Schweif

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SLIDESHARE

Der kleine Bär und das Weihnachtsgeheimnis A4

Am Abend liegt der kleine Bär in seinem warmen Bett und kann nicht einschlafen.

„Wann ist denn endlich Weihnachten?“, fragt er Mutter Bär.

„Du musst noch ein bisschen Geduld haben, mein kleiner Bär. Ich werde dir jetzt eine Geschichte erzählen.“

Es war einmal ein kleiner Bär, so einer wie du. Der entdeckte eines Nachts über seiner Höhle am Himmel einen hellen Stern mit einem langen Schweif. Weiterlesen

Ein Geschenk vom Nikolaus – Slideshare

Ein Geschenk vom Nikolaus – A4

Es schneit… und schneit, bis hohe Schneeberge die Häuser zudecken. Im Dorf ist es weiß, kalt und still.

Der Krämer kann seine Ware nicht verkaufen, die Bäckersfrau kein Brot. Großvater Gregor möchte seine Ziegen füttern, doch der Weg zum Stall ist verschneit. Und weil es keine Post auszutragen gibt, schreibt sich der Briefträger selbst einen Brief. In jedem Haus warten Kinder auf den Nikolaus.

Anne und Mich hauchen Gucklöcher in die Eisblumen am Fenster. (…) Weiter lesen

 

 

Der kleine Engel

Der kleine Engel PDF

img823Es war einmal ein kleiner Engel. Wie alle kleinen Engel hatte er Pausbacken, eine Stupsnase, lockige Haare und ziemlich kleine Flügelchen. Am liebsten spielte er Fußball auf den Wolken, doch weil es dort ziemlich feucht war, hatte er dauernd Schnupfen.

»So geht das nicht weiter mit dir«, sagte der heilige Petrus eines Tages. »Immer nur Fußball spielen ist keine Beschäftigung für kleine Engel. In dreiundzwanzig Tagen hat das Christkind Geburtstag, deshalb fliegst du jetzt gleich auf die Erde und lädst dazu ein!«

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Die Gaukler

gDieses Mal kamen sie in eine große Stadt. Wenn der Esel und Noahs Taube nicht gewesen wären, hätte sich der kleine Engel ganz verloren gefühlt. Es gab viele breite Prachtstraßen und ab und zu große Plätze, enge Gassen gab es, Geschäftsstraßen und einen Park mit vielen Bäumen. Die Auslagen in den Geschäften waren wunderbar geschmückt, denn in fünf Tagen war Weihnachten, und Weihnachten war der Geburtstag des Christkinds. Viele Leute bastelten und kauften Geschenke, backten Weihnachtsplätzchen und schmückten Tannenbäume. Deshalb hatten sie für niemanden Zeit. Nicht für den Bettler an der Ecke, nicht für die Straßenmusikanten, nicht für den kleinen Engel, den Esel oder Noahs Taube. Und sie hatten auch keine Zeit für drei arme Gaukler, die sich ihr Geld auf der Straße verdienten, indem sie die Fußgänger mit kleinen Kunststücken unterhielten. Weiterlesen

Der Teddybär

Der Teddybär

Es schneite. Dicke Flocken wirbelten durch die Luft. Sie legten sich auf die Erde, bis alles weiß und zugedeckt war. Die Kinder klebten selbst gemachte Strohsterne an die Fensterscheiben und streuten den Vögeln Sonnenblumenkerne in die Futterhäuschen.

Der kleine Engel ritt immer noch durch den Wald. Lange Zeit begegnete ihm niemand, den er einladen konnte. Füchse, Dachse und Wiesel hielten ihren Winterschlaf, und die Rehe und Hirsche kamen nicht aus dem Gebüsch heraus. Weiterlesen

Der Ochse

9. DezemberDer Ochse

Durch den tiefen Schnee zu stapfen fiel dem Esel oft sehr schwer. Manchmal stieg der kleine Engel ab, damit er es leichter hatte. Um sie herum war alles weiß, feucht und watteweich. Das erinnerte ihn an seine Wolkenheimat. Er hätte so gern mal wieder mit seinen Freunden Fußball gespielt. Bei dem Gedanken daran bekam er Heimweh. Weiterlesen

Die leere Krippe

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«Hier hast du die letzte Schachtel», sagte Michael und stellte die letzte Kiste in meinen Flur. Ich untersuchte die staubigen und zerfledderten Kisten und freute mich. Dieser weihnachtliche Schmuck aus Michaels Kindheit, seit dem Tod seiner Mutter eingelagert, bedeutete für mich unsere gemeinsame Zukunft als Paar. Wir unternahmen alle Arten weihnachtlicher Aktivitäten zusammen: Feiern, Einkäufe, und jetzt Schmücken. In ein paar Monaten würden wir verheiratet sein und ich wollte unbedingt unsere eigenen Traditionen schaffen. Ich sehnte mich nach sinnvollen Ritualen, bedeutsam und einzigartig für uns beide. Weiterlesen

Malins Weihnachtsgeschenk

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Malin hatte ein Geheimnis. Aber das erzählte sie niemandem.Die Schule war in einem kleinen roten Haus. In diese Schule ging Malin. Sie war neun Jahre alt. Am zweiten Juli hatte sie Geburtstag. Mitten im Sommer.

Ja, eine Weile hatte sie sogar zwei Geheimnisse. Das eine hätte sie fast Johan erzählt. Das war, als das erste Schuljahr vorbei war. Alle in der Klasse hatten ihre Sonntagskleider an. Die Lehrerin trug ein Kleid mit Blumen drauf. In einer Vase steckte ein großer Strauß Flieder. Der duftete durch das ganze Schulzimmer. Weiterlesen

Der dumme August

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Der dumme August

Es war nicht leicht für den kleinen Engel, Abend für Abend für sich und den Esel eine Unterkunft zu finden. Manchmal suchte er sich einen Baum oder eine Höhle zum Schlafen. Einmal fand er eine alte Feldscheune, die glücklicherweise unverschlossen war. Er wühlte sich ins tiefe Heu und schlief gleich ein, während der Esel sich neben ihm satt fraß.

In dieser Nacht wurde es sehr kalt. Die Äste krachten vor Frost und die kleinen Vögel drängten sich dicht aneinander und plusterten ihr Gefieder auf, um sich gegenseitig zu wärmen. Weiterlesen

Der heilige Nikolaus

img831 - CópiaDer heilige Nikolaus

»Heute ist der sechste Dezember«, sagte der kleine Engel. Sie durchquerten gerade einen großen Wald. »Der heilige Nikolaus muss geweckt werden. Die Kinder warten auf ihn.«

»I-ja!«, antwortete der Esel. Mehr hatte er nicht zu sagen. Er war ein Morgenmuffel.

»Aber erst müssen wir ihn finden«, fuhr Hatschi fort. »Wer weiß schon, wo er wohnt?« Weiterlesen

Einbruch am Heiligen Abend

«Du traust dich nicht, du traust dich nicht …»

«Natürlich traue ich mich!», entgegnete Max scharf. Was war denn schon dabei? Wenn die alte Frau wirklich fast taub war, wie seine neuen Kumpel meinten, dann würde sie nicht hören, wie er durch das gekippte Fenster an der Seite des Hauses griff und den Engel von der Fensterbank nahm. Er müsste nur warten, bis die Alte auf das Klingeln seiner Kumpel hin die Haustür öffnen würde, dann blieb ihm genug Zeit zum Handeln.

«Dann mal los!», Weiterlesen

Alt-Salzburger Weihnacht

Alt-Salzburger Weihnacht

Linde Schuller

Über Salzburg fällt Schnee. Durch das rötlichwarme Dunkel eines früh ermatteten Wintertages lässt sich das schöne Antlitz der Stadt nur ahnen wie ein Frauengesicht hinter dichten Schleiern.

Hätte die wuchtige Feste ihre Silhouette nicht durch allerlei schneeichtes Putzwerk an Zinnen und Türmen betont, man sähe sie heute gar nicht und selbst die düstere Wand des Mönchsberges hängt weniger drohend, unwirklicher, einem riesigen, weißgetupften, von unsichtbarer Hand ständig bewegten Vorhang gleich, abgerückt hinter den Häusern der Gstättengasse. Weiterlesen

Wann ist endlich Weihnachten? – Der Bettler – Der Birnbaum – Der Räuber

SLIDESHARE

Der kleine Bär und das Weihnachtsgeheimnis A4 PDF

Am 8. Dezember fragt der kleine Bär neugierig: „Und was geschieht heute?“ „Das wirst du gleich hören“, antwortet Mutter Bär und beginnt zu erzählen.

Der Bettler

Immer dichter fielen die Schneeflocken auf das Land. Immer mühsamer wurde es für den kleinen Bären, seinen Weg zu finden.

Als er in einer Hütte Unterschlupf suchen wollte, entdeckte er einen Mann.

Er war in lauter Lumpen gehüllt.

Was für ein armer Mann!, dachte der kleine Bär. Er sieht so hungrig aus. Weiterlesen

Die Weihnachtsmäuse

Im Haus der Familie Horvath gab es einen kleinen Raum, den alle Familienmitglieder »Speisekammer« nannten. Aber eigentlich war er mehr ein Abstellraum, ein Besenkammerl. Früher, zu Großvaters Zeiten, als es noch keine Kühlschränke gab, war er eine richtige Speisekammer gewesen. Nun waren die Regale der Speisekammer mit leeren Flaschen, alten Schuhen, vergilbten Zeitungen, leeren Kartons und anderem Krimskrams gefüllt. Nur in einem Fach stand noch eine lange Reihe von Marmeladegläsern.

Im Dezember, als die Tage und Nächte immer kälter geworden waren, hatten sich zwei Hausmäuse vom Dachboden in dieser Speisekammer einquartiert. Die Kälte hatte sie heruntergetrieben. Irgendwie hatten sie einen Weg in die Speisekammer gefunden. Wie – das wussten nur die Mäuse selber. Für Menschen wird es ewig unverständlich bleiben, wie Mäuse in geschlossene Räume eindringen können. Das ist das große Geheimnis des Mäusevolkes ! Weiterlesen

Wann ist endlich Weihnachten? – Der kleine Bär und das Weihnachtsgeheimnis I

SLIDESHARE

Der kleine Bär und das Weihnachtsgeheimnis

Am Abend liegt der kleine Bär in seinem warmen Bett und kann nicht einschlafen.

„Wann ist denn endlich Weihnachten?”, fragt er Mutter Bär.

„Du musst noch ein bisschen Geduld haben, mein kleiner Bär. Ich werde dir jeden Abend eine Geschichte erzählen, und wenn ich dir 24 Geschichten erzählt habe, dann ist Weihnachten.”

„Ist dann wirklich Weihnachten?”, fragt der kleine Bär.

Mutter Bär nickt. Sie krault dem kleinen Bären den Rücken.

„Nun schlaf gut, kleiner Bär!”

* * *

Mutter Bär zündet eine Laterne an und stellt sie ans Fenster. Heute erzählt sie von einem Blinden.

Der Blinde

Als der kleine Bar nachts über das Feld wanderte, sah er einen Feuerschein in der Ferne. Wie er näher kam, erkannte er einen Mann mit einer brennenden Fackel in der Hand. Weiterlesen

Der Indianerkönig – der 4. Heilige König

Viele Menschen, große und kleine, kennen die Geschichte der Heiligen Drei Könige. Was aber von dem Indianerhäuptling Silbermond erzählt wird, das ist weit weniger bekannt.
Silbermond lebte am Rand eines Berglandes im weiten Amerika. Eines Nachts sah er am Himmel einen weißen Stern. Der zog einen Schweif aus Goldstaub hinter sich her. Silbermond kannte den Sternenhimmel gut, doch so etwas hatte er nie zuvor gesehen. Er rief sein Volk zusammen und sagte: »Ein neuer Stern ist aufgegangen. Ich bin sicher, es ist der Stern eines großen Königs. Ich will mich aufmachen und dem neuen König huldigen.« Er nahm viele Geschenke mit. Drei Lamas bekamen Krüge mit Wasser und Öl und Honig auf den Rücken geladen. Auch Maisbrot und Trockenfleisch trugen sie und ein Armband aus kostbarer Jade, einen Beutel mit Goldkörnern und einen bunt gewebten, warmen Umhang. Weiterlesen

Zen Air – eine Weihnachtsgeschichte

Zen Air

Nein, nein, das hat nichts mit Zen-Buddhismus zu tun, ist auch keine neue Fluglinie, etwa zu den buddhistischen Klöstern in China oder Japan, wo neuerdings auch westliche Interessenten die Kunst der Kontemplation lernen wollen. Vielmehr ist ZEN AIR eine Weihnachtserfindung meiner damals sechsjährigen Schwester. Sie hatte nämlich die glorreiche Idee, dass wir eigentlich zusammen spielen könnten. Das war bei uns beiden eigentlich nicht üblich, denn bei fünf Jahren Altersunterschied (ich war elf) gehen die Interessen doch weit auseinander. Später, als ich an der Universität auch Vorlesungen über Kinder- und Jugendpsychologie hörte, erfuhr ich, dass gerade diese Zahl der Jahre die zwischenmenschliche Kommunikation am meisten blockiere.
Aber nun hatte meine Schwester vorgeschlagen, ich könnte ihr doch für ihren Kaufladen die Ware mit meiner elektrischen Eisenbahn liefern. Ja, das war wirklich eine tolle Idee; ich wäre darauf nicht gekommen. Und mit der Spur Null, die es heute leider nicht mehr gibt, war das auch kein Problem. Da hatte es in den Waggons genügend Stauraum. Weiterlesen

Christkindlmarkt – Jutta Treiber

Christkindlmarkt

Jutta Treiber

Wie jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit besuchten wir den Christkindlmarkt auf dem Hauptplatz. Dieses Jahr war er sehr schön gestaltet. Das behaupteten zumindest mein Vater und meine Mutter. Es gab einen großen Christbaum, es gab eine Krippe mit lebensgroßen Figuren und in dem Stall liefen echte Schafe und Ziegen hemm. Meine Mutter war davon hellauf begeistert. Mein Vater war von den Ständen mit Punsch und Glühwein offensichtlich mehr angetan. Ich fühlte mich ein wenig fehl am Platz. Für den Krippen-Kinderkram zu groß, für Punsch und Glühwein ganz offensichtlich zu klein. Irgendwie werden zehnjährige Jungen an einem Christkindlmarkt nicht sehr gut bedient.

Ich stellte mich zuerst in die Punsch- und Glühweinabteilung, aber die Männer, die dort standen, schienen schon etwas besäuselt zu sein und ihre Gespräche waren eher eine Aneinanderreihung von Urlauten als eine intelligente Unterhaltung, also wandte ich mich dann doch der Mutter-Kinderkram-Krippenabteilung zu und beobachtete die Schafe, ebenfalls Urlaute ausstießen. Weiterlesen

4. Dez. – Barbaras Starke Blüten

Barbaras Starke Blüten

Barbara Veit

Als Barbara am 4. Dezember aufwachte, war es ein Tag wie jeder andere. Papa war schon zur Arbeit gegangen, Mama sagte, dass sie sich beeilen musste… schon wieder zu spät dran! Dann war Mama auch weg und Barbara steckte das Pausenbrot in ihre Schultasche, zog langsam ihre Jacke an, zog sie wieder aus und setzte sich an den Frühstückstisch. Sie war müde, denn letzte Nacht hatte sie viel zu lange unter der Bettdecke gelesen. Mit der Taschenlampe, damit niemand was merkte!

Eigentlich hatte sie keine Lust, in die Schule zu gehen. Aber sie musste! Weiterlesen

4. Dez. – Barbara und die Bergleute

Barbara und die Bergleute

Willi Fährmann

Der alte Antonius Faller hatte damals damit angefangen, den Schacht in die Erde zu treiben und die Kohlen zu fördern. Er nannte seine Grube »Fröhliche Morgensonne«. Später sind seine Söhne August und Andreas und noch ein paar andere junge Männer aus der Fallerfamilie mit ihm eingefahren. Sie haben gute Kohlenflöze gefunden und viel von dem schwarzen Gold ans Tageslicht gebracht. Der Antonius Faller kannte sich gut aus da unten im Schacht und brachte seinen Söhnen und den anderen Männern alles bei, was ein Bergmann können muss. Er war ein starker Mann und konnte einen eisernen Nagel mit der bloßen Hand krumm biegen.

Aber schließlich ist er alt geworden. Die schwere Arbeit und die ständige Feuchtigkeit da unten vor der Kohle, die haben ihm den Rücken krumm gezogen und das Atmen schwer gemacht. Seine Söhne haben ihm eines Tages die Hacke aus der Hand genommen und gesagt: »Vater, du hast genug gearbeitet. Bleib zu Hause und mache dich nicht kaputt.« Weiterlesen

6. Dez. – Ein Geschenk vom Nikolaus

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Ein Geschenk vom Nikolaus PDF

Ein Geschenk vom Nikolaus

Es schneit… und schneit, bis hohe Schneeberge die Häuser zudecken. Im Dorf ist es weiß, kalt und still.

Der Krämer kann seine Ware nicht verkaufen, die Bäckersfrau kein Brot. Großvater Gregor möchte seine Ziegen füttern, doch der Weg zum Stall ist verschneit. Und weil es keine Post auszutragen gibt, schreibt sich der Briefträger selbst einen Brief. In jedem Haus warten Kinder auf den Nikolaus. Weiterlesen

Das Häschen

Das Häschen

Der kleine Engel ritt durch die Berge.

Er hatte seine Flügel unter seiner Jacke versteckt, weil er nicht gleich erkannt werden wollte.

Er ritt durch tiefe Schluchten, über felsige Hänge und Pässe. Bald kamen sie in ein fruchtbares Land. Äcker und Wiesen gab es da, Wälder und Seen. Weiterlesen

Der Hirtenjunge

3. Dez Der Hirtenjunge

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Die Welt war dunkel, denn es wurde Nacht.
Der kleine Engel zitterte vor Kälte. Er war sehr froh, dass der Esel bei ihm war. Sonst hätte er sich vielleicht gefürchtet.
»Wohin reiten wir?«, fragte er.
»Wenn es dunkel wird, zünden die Hirten ihre Lagerfeuer an. Dort ist es warm und gemütlich.«
Hatschi wunderte sich. Bisher hatte er geglaubt, dass es Feuer nur in der Hölle gäbe.
Es dauerte nicht lange, da tauchte in der Ferne ein winziges Licht auf. Es wurde größer und größer, bewegte sich und flackerte. Neben dem Lagerfeuer hockte ein Hirtenjunge und spielte Flöte.
»Guten Abend«, begrüßte der kleine Engel ihn freundlich. Weiterlesen

6. Dez. – Die Legende von Nikolaus und Jonas mit der Taube

Schon viele Monate brannte die Sonne Tag für Tag auf die Erde. Das Gras färbte sich braun und raschelte dürr im Wind. Auf den Feldern verdorrte das Korn. Selbst an den großen Bäumen begann das Laub zu welken. Keine Wolke zeigte sich am Himmel. Es wollte und wollte nicht regnen. Die Wasserstellen waren längst ausgetrocknet. Nur die tiefsten Brunnen spendeten noch Wasser. Die Frauen schöpften daraus. In Krügen trugen sie das kostbare Wasser auf ihren Köpfen heim. Die Tiere fanden nicht ein grünes Kraut. Auch die Menschen litten Hunger. Über das ganze Land verbreitete sich eine Hungersnot.

In der Stadt Myra waren die Vorratskammern längst leer. Selbst für viel Geld gab es keinen Bissen mehr zu kaufen. Die Kinder weinten und schrien nach Brot. Doch die Mütter konnten ihnen nicht einmal eine harte Kruste geben. Weiterlesen

13. Dezember – Luciatag – Schweden

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In den dunklen Tagen der Vorweihnachtszeit stehen in Schweden Lichterpyramiden in den Fenstern. Ihr Licht soll weithin leuchten und die Dunkelheit vertreiben. Auch Britta und Mats sitzen hinter erleuchteten Fenstern. An diesem Nachmittag wollen sie aus Stroh Weihnachtsböcke basteln, wie sie in schwedischen Häusern stehen. Als Britta ihren fertigen Julbock mit dem gekauften vergleicht, der ihr als Vorlage diente, rümpft sie die Nase.

Sie fragt ihren Bruder: „Findest du, dass unsere Julböcke komisch aussehen?“

Mats kichert. „Ja! Sie sehen aus wie ulkige Saurier.“ Weiterlesen

Die Geschichte vom beschenkten Nikolaus

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Die Geschichte vom beschenkten Nikolaus

Alfons Schweiggert

Einmal kam der heilige Nikolaus am 6. Dezember zum kleinen Klaus. Er fragte ihn: »Bist du im letzten Jahr auch brav gewesen?« Klaus antwortete: »Ja, fast immer.« Der Nikolaus fragte: »Kannst du mir auch ein schönes Gedicht aufsagen?« – »Ja«, sagte Klaus:

»Lieber, guter Nikolaus,
du bist jetzt bei mir zu Haus,
bitte leer die Taschen aus,
dann lass ich dich wieder raus.«

Der Nikolaus sagte: »Das hast du schön gemacht.« Weiterlesen

Weihnachtswunder – auf der Intensivstation

Weihnachtswunder

Holger Wittschen

 Leon stand vor seinem Kleiderschrank und konnte sich nicht entscheiden, ob er das grün-weiße Trikot von Werder Bremen oder das weinrote von Arsenal London anziehen sollte. Schließlich griff er das neue Brasilientrikot mit Ronaldinho auf dem Rücken. Dazu eine blaue Trainingshose und passende Stutzen. Stolz betrachtete er sich vor seinem Zimmerspiegel, und Ballack, Klose und die gesamte deutsche Nationalmannschaft guckten ihm von Postern an seinen Zimmerwänden zu. Fußballer zu sein war wirklich das Größte. Weiterlesen

Liebe heißt L’Amour – ein Weihnachtsgeschenk

Liebe heißt L‘ Amour

Sabine Ludwig

Niklas drückt seine Nase an die Schaufensterscheibe. Von Puderzuckerschnee berieselt stehen da unzählige Flaschen und Fläschchen: schlanke hohe, bauchig-dicke mit goldschimmernder Flüssigkeit gefüllt. Parfüm. Tausend Sorten, mindestens. Aber nicht jedes riecht gut. Omas Parfüm hat einen scharfen, stechenden Geruch wie die Seife auf dem Zahnarztklo. Und Frau Mohn, die Lehrerin, riecht immer ganz süß nach Kirschkaugummi. Und Mama? Mama riecht einfach nach Mama, nur manchmal, wenn sie abends weggeht – »einmal in hundert Jahren« -, dann riecht sie nach L’Amour. Das heißt Liebe und ist ein ganz besonderer Duft. Niklas betritt den Laden, der ist rappelvoll mit Menschen, die in letzter Minute noch ein Weihnachtsgeschenk kaufen wollen.

»Geben Sie mir irgendwas für hundert Mark und packen Sie’s hübsch ein«, hört Niklas einen dicken Mann sagen. Und eine Frau im Pelzmantel schubst ihn unsanft beiseite: »Einmal die Antifalten-Creme mit der Dreifachwirkung!«

Niklas zupft eine der hübschen Verkäuferinnen an ihrem rosa Kittel.

»Was möchtest du denn, mein Kleiner?«

»Eine Flasche L’Amour!« Weiterlesen

Der Maronibrater

Der Maronibrater

Alfred Polgar

Der Maronibrater zählte zu den Winterfreuden der Großstadtjugend. Sein eisernes, dampfumhülltes Öfchen, aus dem es rot hervorglühte, übte gleiche Anziehungskraft auf frierende, zerlumpte, strolchende Proletarierkinder wie auf feine Kinder, die an der Hand sorgsamer Mütter und Gouvernanten gingen, so gut gefüttert wie ihre Röckchen und Handschuhe.

Der Maronibrater war ein Bild aus dem Märchenbuch der Großstadt.

Zwei Kastanien kosteten einen Kreuzer. Das war ein so unverrückbarer Preis wie etwa der der Semmel. In vielen konzentrischen Halbkreisen lagen die braunen, mild duftenden Früchte mit geschlitzter Schale auf der Ofenplatte, die großen am linken, die kleinen am rechten Flügel massiert. Tüten aus Zeitungspapier waren vorbereitet. Ineinander gesteckt sahen sie lustig aus, wie die Hütchen, die der Clown im Zirkus mit dem Kopf auffängt, eines über dem andern. Weiterlesen

Weihnachten in Ecuador

Ecuador

Juanito, kleiner Hans, wird er von allen gerufen. Er lebt am Rande von Quito, der Hauptstadt von Ecuador. Obwohl er erst zehn Jahre alt ist, arbeitet er als Schuhputzer und hilft mit dem verdienten Geld seiner Familie.

Es ist der Tag des Heiligen Abends. Juanito fährt morgens mit dem Bus in die Innenstadt. Den Holzkasten mit dem Schuhputzzeug hält er fest unter seinem Arm. Er hofft auf ein gutes Geschäft, denn er möchte gerne bunte Zuckersachen für den heutigen Abend kaufen.

Langsam schlendert Juanito durch die Straßen, sieht den Leuten auf die Schuhe und spricht sie mit freundlichen Worten an. Zwischendurch Weiterlesen

Der kleine Igel und die rote Mütze – ein Geschenk vom Weihnachtsmann

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Eiskalt pfiff der Wind über das verschneite Tal und wirbelte die Blätterdecke auf, unter der sich der kleine Igel eingekuschelt hatte.

Nun erwachte er aus seinem tiefen Winterschlaf und fror erbärmlich. Ihm war so kalt, dass er nicht wieder einschlafen konnte.

Doch plötzlich fiel etwas vom Himmel …

… PLUMPS

… und landete direkt vor den Pfötchen des kleinen Igels. Es war ein bunt eingewickeltes Päckchen. Auf dem Anhänger stand:

Für den kleinen Igel,
in Liebe,
vom Weihnachtsmann Weiterlesen

Vitamine für Herrn Sanduhr – 20. Dezember

»Wie lange noch?«, fragte Laura und öffnete das zwanzigste Türchen ihres Adventskalenders. Auf dem Bild war eine Apfelsine zu sehen. Laura lächelte und schlüpfte in ihr Bett.
»Wie oft muss ich noch schlafen?«, fragte Laura und kuschelte sich in ihre Kissen.
»Bis es Weihnachten ist, musst du noch viermal schlafen«, sagte Lauras Mutter.
»Was?«, schrie Laura. »So lange kann ich nicht warten.«
Lauras Mutter lachte.
»Warte mal ab«, sagte sie. »Ich erzähle dir eine Geschichte, dann vergeht die Zeit wie von selbst.«
Und Lauras Mutter begann zu erzählen.

Es war einmal ein Mädchen, das hieß Laura. Laura konnte nicht gut warten. Eines Tages besuchte sie Herrn Sanduhr. Ich kann doch nicht warten, bis Herr Sanduhr von alleine wieder gesund wird, dachte Laura. Ich werde ihm dabei helfen.

Herr Sanduhr war Flugkapitän wie ihr Vater und krank. Er lag mit einer dicken Grippe im Bett, hustete dauernd und die Nase lief ihm wie ein Wasserhahn. Weil Herr Sanduhr krank geworden war und keine Flugzeuge fliegen konnte, sollte Lauras Vater Heiligabend arbeiten, und das passte Laura überhaupt nicht. Sie wollte Herrn Sanduhr besuchen und ihm helfen. Weiterlesen

Die Sache mit der Tradition (Mama streikt)

 Die Sache mit der Tradition

Das hat keiner voraussehen können! Ganz ehrlich! Keiner hätte es für möglich gehalten, dass Mama ernst macht und streikt.

Dabei hat alles ganz harmlos angefangen, am Nachmittag des ersten Adventsonntags. Mama stellte eben eine Liste zusammen, wem sie dieses Jahr zu Weihnachten schreiben wollte. Papa frönte seinem Hobby und kochte. Mimo, mein kleiner Bruder, malte einen Brief. Streng geheim, wie er betonte. Sagte sich aber den Text halblaut vor: Liebes Christkind … Und ich spielte ein paar Weihnachtslieder auf dem Klavier, weil Oma jeden Augenblick aufkreuzen würde und dann eine kleine Adventfeier fällig war. Aber dann …

*

»Wo ist eigentlich Boris?«, fragt Mimo unvermittelt.

»Das Faultier schläft«, sagt Mama. Sie klingt recht sauer. Boris ist unser großer Bruder, knapp 17, ziemlich ausgeflippt und im ständigen Clinch mit den Eltern. Am meisten stoßen sie sich an seinem Hang zu schrägen Frisuren. Irokesenschnitt im Sommer, Rastalocken im Herbst. Und jetzt: Glatze.

Da kommt er auch schon zur Tür herein. Zaundürr und bleich. Klagt über einen Brummschädel und bittet Mama um ein Aspirin.

»Armer Boris!«, sagt Mimo mitleidig, klettert vom Stuhl und führt Boris wie einen Schwerkranken zum Sofa. »Mach dir’s bequemlich!« Mimo vergöttert Boris und würde alles tun, um sein Leid zu lindern. Auch wenn Boris ihm seinen neuen Namen verpasst hat. Mimo. Abkürzung für Mini-Monster. Weiterlesen

Es leuchtet hell ein Stern in dunkler Nacht

Matti hockte sich nieder und machte sich ganz klein. Sie hatten ihn zurückgelassen. Alle waren sie fortgegangen.

»Du wachst bei den Schafen«, hatte der alte Simon gesagt. »Du bist groß genug für die Wache.«

Dann waren sie einfach fortgegangen.

Tobi hatte ihm Angst gemacht und geflüstert: »Und lauf nicht weg, wenn die Wölfe kommen.«

Nun, Matti hatte Angst. Das Wolfsgeheul schallte schon seit einigen Nächten bis ins Tal hinab. Weiterlesen

Das Jesulein wird gebadet

Das Jesulein wird gebadet

Als ich ein Kind war, gab es ein Wort, das mich vom Aufwachen bis zum Einschlafen begleitete: Warum? Dieses Wort brachte mir jede Menge Schwierigkeiten. Erstens konnte ich es nicht richtig aussprechen. Ich konnte beim besten Willen kein R sagen, so verbissen ich auch übte und mir Zunge und Gaumen verrenkte. Aus Warum wurde immer wieder Walum. Natürlich nahm die Frage »Aba walum?« kein Mensch ernst, alle lächelten, wenn ich sie stellte, und sie lächelten auf eine Art, die mich wütend machte. Dazu kam, dass ich natürlich – wie alle klugen Kinder – meist genau die Fragen stellte, auf die die großen Leute selbst keine Antwort wussten, oder aber die Fragen, die ihnen peinlich waren. Dann wurden sie ungeduldig, erklärten: »Das verstehst du noch nicht, dafür bist du noch zu klein«, oder »Tut mir Leid, ich hab jetzt keine Zeit«. Manchmal sagten sie sogar: »Räum dein Zimmer auf, wie es da wieder aussieht.« Ich lernte also –wie alle klugen Kinder –, dass man auf die wichtigsten Fragen keine Antwort bekommt und selbst suchen muss. Inzwischen bin ich alt geworden und weiß, dass hinter jeder Frage noch eine Frage steht, ein riesiger Berg nach dem anderen, und die Antworten sind meist dünn gesät und nicht einmal so groß wie die Blumen auf einer Almwiese.

Ich blätterte in einem Bilderbuch, da sprang mich wieder einmal eine dieser Fragen an: Wie konnte das Christkind ein blond gelocktes Mädchen sein, wenn doch das Jesulein ein Knabe war, das sah man auf dem großen Bild in der Kirche ganz deutlich, und der erwachsene Jesus ein Mann, wenn auch ein Mann mit langen Locken und langem Kleid?

»Ist das Christkind die Schwester vom Jesukind?«, fragte ich meine Großmutter, dann die Hausmeisterin und einige andere wichtige Personen, aber ich bekam natürlich keine Antwort, nur dieses Lächeln. »Auf Ideen kommt dieses Kind«, hörte ich meine Großmutter zu meinem Vater sagen. Ihn fragte ich nicht. Wenn die anderen schon schmunzelten, würde er mich bestimmt auslachen. Es war schrecklich für mich, von ihm ausgelacht zu werden.

Wir hatten eine Krippe mit einem Jesulein aus Wachs, ein Geschenk der Schwestern aus dem Josefsheim, wo Papa Hausarzt war. Das Jesulein war staubig geworden im Laufe des Jahres, ganz grau zwischen den Fingerchen und Zehen. Ich beschloss es zu baden.

Behutsam hob ich es aus dem Stroh, legte es auf mein Bett, während ich die Krippe ordentlich abstaubte und alle Fugen und Ecken säuberte. Ich nahm jeden Strohhalm einzeln in die Hand und pustete ihn ab, bevor ich ihn zurück in die Krippe legte. Ich wusch die Windel, die auf dem Stroh gelegen war, mit Nagelbürste und Seife und drückte sie faltenfrei an den Badewannenrand. Großmutter machte das manchmal mit Taschentüchern, dann sahen sie nach dem Trocknen wie frisch gebügelt aus.

Ich füllte Wasser ins Waschbecken, prüfte mit der Hand, ob es schön warm, aber nicht zu heiß war, dann holte ich das Jesulein. Seine Windel ließ sich nicht abmachen, die war am Rücken festgeklebt. Mit der Linken hielt ich den Lockenkopf über Wasser, mit der Rechten begann ich sehr vorsichtig, die Händchen einzuseifen, dann die Füße. Durfte ich den wächsernen Popo waschen oder wäre das eine Gotteslästerung? Das Dienstmädchen unserer Nachbarn hatte die grässlichsten Geschichten über die Folgen einer Gotteslästerung erzählt.

Während ich noch überlegte, spürte ich plötzlich eine Bewegung in meiner linken Hand, als hätte ein Finger sachte an meine Handfläche geklopft. Ich schrie auf, aber da war niemand, der mich gehört hätte. Mein Herz klopfte wild, meine Knie zitterten.

»Müde bin ich, geh zur Ruh«, flüsterte ich. Ein anderes Gebet fiel mir nicht ein, und wie es weiterging, wusste ich in dem Moment auch nicht. »Müde bin ich, geh zur Ruh…«

Da war es wieder. Ganz deutlich. Fast hätte ich das Jesulein fallen lassen. Ich hob es aus dem Wasser, legte es auf ein Tuch. Mir war schlecht, das Badezimmer drehte sich wild.

»Müde bin ich, geh zur Ruh, schließe meine Äuglein zu, Vater, lass die Augen dein über meinem Bette sein …« Das Gebet war wieder da, ich konnte ausatmen. Als ich die Augen öffnete, stand die Badewanne wieder still, wie es sich gehörte, auch das Waschbecken und das Kästchen.

Beim dritten Versuch gelang es mir, das Jesulein auf dem weißen Handtuch anzusehen. Wächsern wie zuvor lag es da, das linke Bein angewinkelt, das rechte ausgestreckt, als wollte es gleich strampeln. Aber da, wo früher fünf zarte Zehen gewesen waren, war jetzt ein unförmiges Etwas.

Unser Jesulein hatte einen Klumpfuß.

Es dauerte lange, bis mir klar wurde, dass das Wachs im warmen Wasser weich geworden war.

»Das wollte ich nicht, wirklich nicht, ich hab dich doch nur schön machen wollen für Weihnachten«, sagte ich. »Sei nicht böse. Bitte sei nicht böse.«

Das Jesulein lächelte so freundlich wie zuvor.

Jetzt überfiel mich die Angst davor, was die Eltern sagen würden. Ich wagte nicht, das Jesulein abzutrocknen, dabei hätte ja noch etwas passieren können. Also hauchte ich es immer wieder an, blies die Tropfen ab. Die Windel am Badewannenrand war inzwischen getrocknet und sah wirklich wie frisch gebügelt aus.

Ich breitete die Windel auf das Stroh, legte das Jesulein darauf. »Schau, wie schön die Krippe jetzt ist«, sagte ich.

Der Klumpfuß aber war wie eine Anklage. Jeder würde ihn sehen.

Ich streute ein paar Strohhalme darüber, obwohl ich keine Hoffnung hatte, dass meine Missetat unbemerkt bleiben könnte. Dann trug ich die Krippe zurück ins Esszimmer und stellte sie auf die Anrichte.

Das Jesulein lächelte noch immer. Als ich mich wegdrehte, sah ich es aus dem Augenwinkel blinzeln. Ich habe es wirklich gesehen und der Beweis dafür ist, dass der Klumpfuß niemandem auffiel. Nicht einmal meiner Großmutter, die doch sonst alles bemerkte.

Renate Welsh

Brita Groiß; Gudrun Likar

Weihnachten ganz Wunderbar: ein literarischer Adventskalender

Wien: Ueberreuter, 2001

Das Weihnachtswunderland

Das Weihnachtswunderland

»Wie lange noch?«, fragte Laura und öffnete das fünfte Türchen ihres Adventskalenders. Auf dem Bild war ein Kamel zu sehen. Laura lächelte und schlüpfte in ihr Bett.
»Wie oft muss ich noch schlafen?«, fragte Laura und kuschelte sich in ihre Kissen.
»Bis es Weihnachten ist, musst du noch neunzehn Mal schlafen«, sagte Lauras Mutter.
»Was?«, schrie Laura. »So lange kann ich nicht warten.«
Lauras Mutter lachte.
»Warte mal ab«, sagte sie. »Ich erzähle dir eine Geschichte, dann vergeht die Zeit wie von selbst.«
Und Lauras Mutter begann zu erzählen.

Es war einmal ein Mädchen, das hieß Laura. Laura konnte nicht gut warten. Eines Tages schlenderte Laura mit ihrem Vater, dem Piloten, über den Weihnachtsmarkt. Es roch nach warmen Mandeln und Popcorn. Ein Mann hauchte seine Hände warm und schrie dabei: »Leckere Maroni. Kaufen Sie Maroni.« Laura knabberte an einem Riesenballen Zuckerwatte und hatte davon einen ganz klebrigen Mund. Am Anfang einer kleinen Gasse entdeckte sie ein Schild, auf das Kamele auf einem Karussell gemalt waren. »Zum Weihnachtswunderland« war auf dem Schild zu lesen.

Sofort lief Laura auf das Karussell zu, das genau vor einem McDonald’s aufgebaut war. Weiterlesen

Es riecht nach Schnee

»Wie lange noch?«, fragte Laura und öffnete das dreizehnte Türchen ihres Adventskalenders. Auf dem Bild waren viele kleine Schneeflocken zu sehen. Laura lächelte und schlüpfte in ihr Bett.
»Wie oft muss ich noch schlafen?«, fragte Laura und kuschelte sich in ihre Kissen.
»Bis es Weihnachten ist, musst du noch elfmal schlafen«, sagte Lauras Mutter.
»Was?«, schrie Laura. »So lange kann ich nicht warten.« Lauras Mutter lachte.
»Warte mal ab«, sagte sie. »Ich erzähle dir eine Geschichte, dann vergeht die Zeit wie von selbst.«
Und Lauras Mutter begann zu erzählen.

Es war einmal ein Mädchen, das hieß Laura. Laura konnte nicht gut warten. Eines Tages beschlossen die Schneeflocken, auf die Erde zu fallen. Weiterlesen

König, Bauer und Knecht – Weihnachtsmärchen für Erwachsene

König, Bauer und Knecht

ein Weihnachtsmärchen für Erwachsene von Max Bolliger

In der Nähe Bethlehems lebten vor zweitausend Jahren ein König, ein Bauer und ein Knecht. Wenn der König auf seinem Pferd durch die Straßen ritt, fiel der Bauer vor ihm auf die Knie und küsste den Saum seines Gewandes. Wenn der Bauer auf seinem Esel über die Felder ritt, verneigte sich der Knecht und nahm seinen Hut vom Kopf. Wenn aber der Knecht jemandem begegnete, wurde er von niemand gegrüßt. Nur ein kleiner herrenloser Hund hängte sich eines Tages an ihn und wollte nicht mehr von ihm weichen. Weiterlesen

Renn, Rolfi, renn!

»Wie lange noch?«, fragte Laura und öffnete das vierte Türchen ihres Adventskalenders. Auf dem Bild war eine Schildkröte zu sehen. Laura lächelte und schlüpfte in ihr Bett.
»Wie oft muss ich noch schlafen?«, fragte Laura und kuschelte sich in ihre Kissen.
»Bis es Weihnachten ist, musst du noch zwanzigmal schlafen«, sagte Lauras Mutter.
»Was?«, schrie Laura. »So lange kann ich nicht warten.«
Lauras Mutter lachte.
»Warte mal ab«, sagte sie. »Ich erzähle dir eine Geschichte, dann vergeht die Zeit wie von selbst.«
Und Lauras Mutter begann zu erzählen.

Es war einmal ein Mädchen, das hieß Laura. Laura konnte nicht gut warten. Eines Tages war es wieder so weit. Das große Schildkrötenrennen auf dem Weihnachtsmarkt sollte stattfinden. Während die anderen Schildkröten ihren Winterschlaf hielten, durften die jüngsten Schildkröten zeigen, was sie konnten. Weiterlesen

Als die Großmutter mit dem Nikolaus sprach

 Als die Großmutter mit dem Nikolaus sprach

Ich erzähle eine wahre Geschichte aus meiner Kinderzeit: vom Nikolaus und von der Großmutter.

Die Großmutter war klein und zart, und sie kam mir uralt vor. Das lag nicht an ihren Runzeln oder ihrem Haar mit den weißen Strähnen. Es waren die Kleider, die sie trug: immer dunkel und ganz altmodisch geschnitten. Sie hatte auch stets eine schwarze Schürze umgebunden, sogar sonntags. Die Schürze vom Sonntag war aus Seide, und sie knisterte.

Jedes Jahr Anfang Dezember kam die Großmutter angereist. Sie blieb den Winter über bei uns in der Stadt. Wenn Großmutter kam, begann für mich die Weihnachtszeit. Weiterlesen

Jakob malt ein Weihnachtsbild

beautiful-Jakob zeichnet und malt für Weihnachten.
Tante Helli wünscht sich ein Kripperl mit Jesuskind, Esel und Ochs.
Onkel Fritz wünscht sich Hirten auf dem Weg nach Betlehem.
Die Omama hätte gern einen Engel, der freundlich dreinschaut und „Fürchtet euch nicht“ sagt.
Jakob zeichnet eine Sprechblase vor den Mund des Engels und schreibt: Weiterlesen

Das schwarze Schaf

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Es läutet an der Tür. Sebastians Mama guckt durch das Guckloch. Draußen steht Herr Bärmann.

„Augenblick, Herr Bärmann! Wir kleben alle von oben bis unten! Ich wisch mir schnell die Hände sauber.“

„Ich will nicht stören, wenn Sie kleben!“, ruft Herr Bärmann.

Aber da macht sie ihm schon lachend die Tür auf. „Die Schafe, wissen Sie! Und der Sprühschnee auf den Tannenzapfenbäumen! Wir basteln an unserer Weihnachtskrippe.“ Weiterlesen

Advent – Lene Mayer-Skumanz

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„Jakob“, sagt die Mutter. „Bitte gib den Brief für mich auf.“

„Ich mag jetzt nicht“, sagt Jakob.

Er malt Holzfiguren an: ein Glocke, einen Engel, einen Stern. Die will er zu Weihnachten auf den Christbaum hängen.

„Mutti“, ruft Jakob, „bitte wasch mir den Pinsel aus.“

Die Mutter wäscht den Pinsel aus.

Da fällt Jakob der Brief ein. Weiterlesen

Was fällt uns bei Weihnachten ein?

Was fällt uns bei Weihnachten ein?

Die Lehrerin nimmt die Kreide und schreibt mit großen Buchstaben WEIHNACHTEN mitten auf die Wandtafel. Dann holt sie die Schachtel mit den bunten Tafelkreiden aus dem Lehrertisch, öffnet sie und legt sie auffordernd auf den Schülertisch in der ersten Reihe. Als sie sich dann hinsetzt, blickt sie ihre Schüler erwartungsvoll an.

Zunächst sind alle ganz still. Dann aber steht Tina auf und nimmt die rote Kreide.

„Nikolaus“ schreibt sie an die Tafel. Viele lachen laut, und die Lehrerin schmunzelt. Jetzt geht Sabine zur Tafel und schreibt mit grüner Kreide: Christbaum. Weiterlesen

Christbaum – Anselm Grün

Seit dem 16. Jahrhundert ist es in Deutschland üblich, an Weihnachten geschmückte Tannenbäume aufzustellen. Die Tanne, die auch im Winter ihr grünes Kleid behält, ist ein altes Symbol für die göttliche Kraft des Lebens, das sich auch durch die Kälte des Winters nicht besiegen läßt. Der Christbaum geht auf den alten germanischen Brauch zurück, in den Rauhnächten grüne Zweige in den Häusern aufzuhängen, um die bösen Geister abzuwehren. Dabei wurden die Dämonen in doppelter Weise abgewehrt: Die immergrüne Pflanze soll ihre Lebenskraft auf Mensch und Tier übertragen. Und das Licht soll die dunkle Winternacht erhellen und durch seinen Schein die Geister vertreiben. In der christlichen Tradition soll der Baum als immergrüner Baum und zugleich als Lichterbaum Christus in die Häuser bringen und alle Dämonen der Angst, der Feindschaft und der Eifersucht aus ihnen verbannen. Mitten im kalten und dunklen Winter will er Wärme und Licht in unsere Welt bringen. Weiterlesen

Heimlich, still und leise – Gute Taten

„Die Neigung der Menschen, kleine Dinge für wichtig zu halten, hat viel Großes hervorgebracht.”
G. C. Lichtenberg

Heimlich, still und leise

Manchmal verkleiden sich Geschenke als anonyme gute Taten und gestalten so die Welt etwas freundlicher. So wandern sie inkognito von Mensch zu Mensch.//Sabine Kumm

Siebter Dezember, sechs Uhr früh, fünf Grad minus. Es hat das erste Mal geschneit, hier und da sind schon die Schneeschieber in Aktion. Der Countdown läuft. Jetzt nichts wie raus aus dem Bett – zwischen Morgenkaffee und Büro liegen noch zwanzig Meter geschlossene Schneedecke und ein Auto, das nach der letzten Nacht im Freien sicher komplett vereist sein wird. Schöne Aussichten – eigentlich ist der Tag jetzt schon gelaufen. Doch eine halbe Stunde später die Überraschung: Irgendjemand hat bereits den Weg rund ums Haus frei geschippt, die Autoscheiben sind vom Eis befreit. Ein Versehen? Wohl eher nicht. Denn hinter dem Scheibenwischer klemmt eine Karte: „Sie sind in den Genuss einer anonymen guten Tat gekommen. Wir wünschen Ihnen noch einen schönen Tag!”

Überraschung! Weiterlesen

Spaghettifresser – Willi Fährmann

Spaghettifresser

Frau Sulzbacher hatte in der großen Pause die Aufsicht auf dem Schulhof. Aus der Ecke am Toilettengebäude schallte es im Chor:

»Spaghettifresser Tonio
hat Wanzen, Läuse und ‘nen Floh.«

Sie lief auf die Kinder zu, die in einer Traube um Tonio Zuccarelli herumstanden und ihn in die Ecke gedrängt hatten. Tonio hatte die Fäuste in die Hosentaschen gesteckt, die Schultern hochgezogen und starrte auf den Boden. Er war einen Kopf größer als die anderen Kinder der 3. Klasse.

»Spaghettifresser…«, stimmte Kalle Blum erneut laut den Spottvers an. Weiterlesen

Eine Stimme, alt und atemlos – P. Wiebe

Eine Stimme, alt und atemlos

Ella Naujokat kauerte sich seufzend vor ihrem Dauerbrenner nieder und rüttelte am Rost; sie öffnete die Ofenklappe, sah die matte Glut und griff, während sie sich wieder aufrichtete, zur Kohlenschütte, stand unschlüssig, lächelte dann und kippte die Kohlen auf die Glut. „Ich kann es mir ja diesmal leisten. An diesem Heiligen Abend will ich es mal warm haben, rundherum warm!“ sagte sie und prüfte noch mal den Zustand ihres Zimmers: das Bett in der Ecke war sehr sorgfältig gemacht, unter der Spreite wußte sie Decke und Kissen frisch überzogen; der abgetretene Teppich machte einen vorzüglichen Eindruck, nachdem sie ihn gründlich mit Waschlauge gereinigt hatte; auf dem ovalen Mahagonitisch stand der zierliche Weihnachtsbaum, geschmückt mit Lametta, zwei Kugeln und fünf roten Kerzen. „Tadellos, alles tadellos…“ sagte Ella Naujokat, setzte sich in den grünen hochbeinigen Plüschsessel, blickte auf ihre Armbanduhr, murmelte: „Noch zwanzig Minuten…“ und legte für einen Augenblick die Hand auf die Brust, als wolle sie ihr aufgeregt klopfendes Herz beruhigen. Dann drehte sie an dem Knopf ihres alten Radios, wartete, bis sich die Röhren erwärmt hatten, griff mit tastender Hand von hinten in das Gerät hinein und rüttelte sanft an der Lautsprecherröhre. Mit Unterbrechungen zuerst, doch dann ganz gut verständlich sang ein Kinderchor: „… aus einer Wurzel zart…“ Ella Naujokat summte die Melodie mit, erhob sich aus dem Sessel, zündete die Kerzen an und löschte das elektrische Licht. Weiterlesen

Der Weihnachtsweg

Dass es Großmütter gibt, ist keine Neuigkeit. Der eine nennt sie Oma, der zweite vielleicht Großmama, der dritte Großmutter oder überhaupt ganz anders. Joachim und Christine sagen „Ahnei“ zu ihrer Großmutter. Das hält man so schon seit über hundert Jahren in der Familie, dass eine Großmutter immer „Ahnei“ genannt wird. Außerdem liegt es an der Gegend, in der viele Leute zu ihren Großmüttern „Ahnei“ sagen.
Diese Ahnei ist schon so alt, dass sie kaum noch etwas sieht. Dafür kann sie kommandieren wie ein General und erzählen wie ein weitgereister Matrose. Kein Wunder, denn Ahneis Großvater fuhr vor über hundert Jahren als Kapitän zur See und brachte immer ganze Schiffsladungen voll Geschichten mit nach Hause. Einmal soll er sogar Napoleon an Bord gehabt haben, den Kaiser der Franzosen.
Besonders schön kann Ahnei in der Jahreszeit erzählen, in der die Tage kürzer werden und alles auf Weihnachten zugeht, die Natur wie der Mensch. Und am besten erzählt sie an den Adventssonntagen. Es ist immer unterhaltsam bei Ahnei, doch nie ist es so schön wie am ersten Advent. Christine und Joachim besuchen sie dann, und alle drei trinken Kakao und kosten die ersten Pfeffernüsse. Kaum haben die Kinder sich gestärkt, fängt Ahnei schon an zu befehlen. Das tut sie jedes Jahr am ersten Advent, und die beiden wissen längst, was Ahnei jetzt will: „Es hat euch geschmeckt? Also ran an die Arbeit!“
„Aber Ahnei“, sagt Joachim, „das ist doch keine Arbeit, sondern ein Vergnügen!“ Weiterlesen

Die Weihnachtsschlacht

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„Nur noch sechs Tage“, stellt Nelly fest. Sie spitzt die Lippen und versucht, „Oh du fröhliche“ zu pfeifen.

„Noch sechs Tage“, wiederholt die Mutter nachdenklich. Sie sagt es nicht fröhlich, nach einer Pause schickt sie den Seufzer nach: „Wenn nur alles schon vorüber wäre!“ Nellys Pfeifton bleibt jäh in der Luft hängen. Entgeistert schaut sie ihre Mutter an.

„Freust du dich denn nicht?“

„Schon. Aber der ganze Rummel hängt mir zum Hals heraus.“

Am Nachmittag hat Nelly frei, sie fährt mit einer Freundin Schlittschuh und gegen Abend geht sie in den großen Selbstbedienungsladen, wo die Mutter arbeitet. Da geht es zu wie in einem Bienenhaus. Die Mutter sitzt auf einem Drehsessel vor einer der sechs Kassen. Die Waren kommen auf einem Förderband auf sie zu, und während ihre rechte Hand auf den Zahlentasten liegt und tippt, dreht die linke die Waren so, dass sie die Preise ablesen kann, und legt dann ein Ding nach dem andern in einen Gitterwagen. Wenn alles getippt ist, drückt die rechte Hand die Additionstaste und reißt den Kassenstreifen ab, die linke Hand stößt den gefüllten Wagen weg, zieht den leeren zur Kasse. Weiterlesen

Wüste – Anselm Grün

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Am Zweiten Adventssonntag hören wir: „Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen!“ (Mk l,3f). Johannes tritt in der Wüste auf. Und die adventliche Stimme erklingt in der Wüste. Der Advent verheißt uns, unsere Wüste zu verwandeln, dass sie zu blühen beginnt. Die Wüste ist für uns heute ein Bild für unser Daseinsgefühl. Wir sprechen von einer Betonwüste in unseren Städten, von der Wüste in den menschlichen Herzen, wenn alles leer und öde geworden ist. Wüste ist ein Bild für die Einsamkeit, für das Alleingelassenwerden. Wüste heißt Sinnlosigkeit, ohne Beziehung sein, vertrocknet, ausgedörrt sein. Für die Mönche im 4. Jahrhundert war die Wüste der Ort der Dämonen, der Ort, an dem das Dunkle sich herumtreibt, an dem das Böse nach dem Menschen greift. Oder man kann im Blick auf heute sagen: der Ort, an dem die Zeitgeister herrschen, der Zeitgeist der Gewalt, des Mißtrauens, der Ausbeutung, der Zerstörung. Entsprechungen für das Wort Wüste sind: „öde, unbebaut, unbewohnt, einsam, wild, ungezügelt, häßlich, widerwärtig“. Mit all diesen Wörtern wird auch unser heutiger Seelenzustand beschrieben. Wir spüren in uns Einsamkeit und Leere. Wir sind unbehaust, nirgendwo zu Hause. In uns sind wilde und ungezügelte Kräfte, die unser Gesicht häßlich erscheinen lassen. Die Wüste ist der Ort, an dem wir schonungslos mit uns und unserer widerwärtigen Wirklichkeit konfrontiert werden. Weiterlesen

Stille – Anselm Grün

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Der Advent wird die stille Zeit genannt. Aber viele erleben ihn eher als hektisch und laut. Da hetzen die Leute durch die Geschäfte, um ihre Weihnachtseinkäufe zu erledigen. Und doch braucht es die Stille, damit Gott bei uns eintreten kann. Ohne Stille werden wir Gottes Kommen nicht wahrnehmen, werden wir sein Klopfen an der Türe unseres Herzens überhören.

Das deutsche Wort „still“ kommt von „stellen, unbeweglich stehen“. Es braucht also das Innehalten, um stille zu werden. Ich muß aufhören, herumzulaufen und zu hetzen. Ich muß stehenbleiben, bei mir bleiben. Wenn ich stillhalte, dann werde ich zuerst mir selbst begegnen. Da kann ich meine Unruhe nicht mehr nach außen verlagern. Ich werde sie in mir wahrnehmen. Nur wer seiner Unruhe standhält, kommt zur Stille. „Still“ hat auch mit „stillen“ zu tun. Die Mutter stillt das Kind, bringt das vor Hunger schreiende Kind zur Ruhe. So muß ich meine eigene Seele, die innerlich laut schreit, beruhigen. Wenn ich nicht mehr außen herumlaufe, dann meldet sich der Hunger meines Herzens. Weiterlesen

Stall – Anselm Grün

Christus wurde im Stall geboren. Für C. G. Jung ist das ein wichtiges Symbol geworden. Er meint, wir sollten immer daran denken, dass wir nur der Stall sind, in dem Gott geboren wird. Wir sind folglich nicht der Palast, nicht das neu erbaute und schön eingerichtete Haus, nicht das behagliche Wohnzimmer. Jeder von uns verbindet mit dem Stall andere Erfahrungen und Gefühle. Eine Frau erzählte, dass sie als Kind von der Schule immer sofort in den Stall ging. Dort hat sie sich daheim gefühlt. Der Stallgeruch vermittelte ihr ein Gefühl von Heimat und Geborgenheit. Im Stall sind Tiere, die einfach da sind. Da ist Leben, da geschieht immer wieder Geburt, aber da ist auch Sterben, da sind auch Sorgen. Im Stall ist der Alltag mit seinen Höhen und Tiefen. Die Kinder spüren eine Nähe zu den Tieren. Die Tiere lassen sich streicheln, lassen etwas an sich geschehen. Sie sind geduldiger als Menschen. Sie hören zu, was die Kinder ihnen erzählen. Und im Stall ist immer gleichmäßige Wärme. Die Tiere wärmen auch im Winter den Stall mit ihrer Körpertemperatur. Weiterlesen