Archiv der Kategorie: Advent

Weihnachtsstress

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Seit Jahren schon fasste ich immer nach Weihnachten den Vorsatz, im nächsten Jahr nicht wieder in den üblichen, vorweihnachtlichen Stress zu verfallen, sondern alles etwas strukturierter und ruhiger angehen zu lassen. Weiterlesen

Wie Joschi zu seinem Meerschweinchen kam

Wie Joschi zu seinem Meerschweinchen kam

Roswitha Fröhlich

Seit er sechs Jahre alt war, wünschte sich Joschi ein Meerschweinchen. Aber jedes Mal, wenn er davon anfing, sagte seine Mutter: »Meerschweinchen stinken«, oder: »Meerschweinchen gehören in den Kleintierzoo«, oder: »Was soll das arme Tier in unserer Vierzimmerwohnung?«, und lauter solche Sachen.

In diesem Jahr hatte Joschi sich geschworen, dass sein Wunsch endlich in Erfüllung gehen müsse. Weiterlesen

Der kleine Igel und die rote Mütze – Slideshare

Der kleine Igel und die rote Mütze – PDF

Eiskalt pfiff der Wind über das verschneite Tal und wirbelte die Blätterdecke auf, unter der sich der kleine Igel eingekuschelt hatte.

Nun erwachte er aus seinem tiefen Winterschlaf und fror erbärmlich. Ihm war so kalt, dass er nicht wieder einschlafen konnte.

Doch plötzlich fiel etwas vom Himmel …

PLUMPS

… und landete direkt vor den Pfötchen des kleinen Igels. Es war ein bunt eingewickeltes Päckchen. Auf dem Anhänger stand:

Für den kleinen Igel, in Liebe, vom Weihnachtsmann

Aufgeregt und doch ganz vorsichtig öffnete der kleine Igel das Päckchen. Was war das?

Der Stern mit dem Schweif

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SLIDESHARE

Der kleine Bär und das Weihnachtsgeheimnis A4

Am Abend liegt der kleine Bär in seinem warmen Bett und kann nicht einschlafen.

„Wann ist denn endlich Weihnachten?“, fragt er Mutter Bär.

„Du musst noch ein bisschen Geduld haben, mein kleiner Bär. Ich werde dir jetzt eine Geschichte erzählen.“

Es war einmal ein kleiner Bär, so einer wie du. Der entdeckte eines Nachts über seiner Höhle am Himmel einen hellen Stern mit einem langen Schweif. Weiterlesen

Ein Geschenk vom Nikolaus – Slideshare

Ein Geschenk vom Nikolaus – A4

Es schneit… und schneit, bis hohe Schneeberge die Häuser zudecken. Im Dorf ist es weiß, kalt und still.

Der Krämer kann seine Ware nicht verkaufen, die Bäckersfrau kein Brot. Großvater Gregor möchte seine Ziegen füttern, doch der Weg zum Stall ist verschneit. Und weil es keine Post auszutragen gibt, schreibt sich der Briefträger selbst einen Brief. In jedem Haus warten Kinder auf den Nikolaus.

Anne und Mich hauchen Gucklöcher in die Eisblumen am Fenster. (…) Weiter lesen

 

 

Die leere Krippe

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«Hier hast du die letzte Schachtel», sagte Michael und stellte die letzte Kiste in meinen Flur. Ich untersuchte die staubigen und zerfledderten Kisten und freute mich. Dieser weihnachtliche Schmuck aus Michaels Kindheit, seit dem Tod seiner Mutter eingelagert, bedeutete für mich unsere gemeinsame Zukunft als Paar. Wir unternahmen alle Arten weihnachtlicher Aktivitäten zusammen: Feiern, Einkäufe, und jetzt Schmücken. In ein paar Monaten würden wir verheiratet sein und ich wollte unbedingt unsere eigenen Traditionen schaffen. Ich sehnte mich nach sinnvollen Ritualen, bedeutsam und einzigartig für uns beide. Weiterlesen

Malins Weihnachtsgeschenk

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Malin hatte ein Geheimnis. Aber das erzählte sie niemandem.Die Schule war in einem kleinen roten Haus. In diese Schule ging Malin. Sie war neun Jahre alt. Am zweiten Juli hatte sie Geburtstag. Mitten im Sommer.

Ja, eine Weile hatte sie sogar zwei Geheimnisse. Das eine hätte sie fast Johan erzählt. Das war, als das erste Schuljahr vorbei war. Alle in der Klasse hatten ihre Sonntagskleider an. Die Lehrerin trug ein Kleid mit Blumen drauf. In einer Vase steckte ein großer Strauß Flieder. Der duftete durch das ganze Schulzimmer. Weiterlesen

Einbruch am Heiligen Abend

«Du traust dich nicht, du traust dich nicht …»

«Natürlich traue ich mich!», entgegnete Max scharf. Was war denn schon dabei? Wenn die alte Frau wirklich fast taub war, wie seine neuen Kumpel meinten, dann würde sie nicht hören, wie er durch das gekippte Fenster an der Seite des Hauses griff und den Engel von der Fensterbank nahm. Er müsste nur warten, bis die Alte auf das Klingeln seiner Kumpel hin die Haustür öffnen würde, dann blieb ihm genug Zeit zum Handeln.

«Dann mal los!», Weiterlesen

Alt-Salzburger Weihnacht

Alt-Salzburger Weihnacht

Linde Schuller

Über Salzburg fällt Schnee. Durch das rötlichwarme Dunkel eines früh ermatteten Wintertages lässt sich das schöne Antlitz der Stadt nur ahnen wie ein Frauengesicht hinter dichten Schleiern.

Hätte die wuchtige Feste ihre Silhouette nicht durch allerlei schneeichtes Putzwerk an Zinnen und Türmen betont, man sähe sie heute gar nicht und selbst die düstere Wand des Mönchsberges hängt weniger drohend, unwirklicher, einem riesigen, weißgetupften, von unsichtbarer Hand ständig bewegten Vorhang gleich, abgerückt hinter den Häusern der Gstättengasse. Weiterlesen

Wann ist endlich Weihnachten? – Der Bettler – Der Birnbaum – Der Räuber

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Der kleine Bär und das Weihnachtsgeheimnis A4 PDF

Am 8. Dezember fragt der kleine Bär neugierig: „Und was geschieht heute?“ „Das wirst du gleich hören“, antwortet Mutter Bär und beginnt zu erzählen.

Der Bettler

Immer dichter fielen die Schneeflocken auf das Land. Immer mühsamer wurde es für den kleinen Bären, seinen Weg zu finden.

Als er in einer Hütte Unterschlupf suchen wollte, entdeckte er einen Mann.

Er war in lauter Lumpen gehüllt.

Was für ein armer Mann!, dachte der kleine Bär. Er sieht so hungrig aus. Weiterlesen

Wann ist endlich Weihnachten? – Der kleine Bär und das Weihnachtsgeheimnis I

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Der kleine Bär und das Weihnachtsgeheimnis

Am Abend liegt der kleine Bär in seinem warmen Bett und kann nicht einschlafen.

„Wann ist denn endlich Weihnachten?”, fragt er Mutter Bär.

„Du musst noch ein bisschen Geduld haben, mein kleiner Bär. Ich werde dir jeden Abend eine Geschichte erzählen, und wenn ich dir 24 Geschichten erzählt habe, dann ist Weihnachten.”

„Ist dann wirklich Weibnachten?”, fragt der kleine Bär.

Mutter Bär nickt. Sie krault dem kleinen Bären den Rücken.

„Nun schlaf gut, kleiner Bär!”

* * *

Mutter Bär zündet eine Laterne an und stellt sie ans Fenster. Heute erzählt sie von einem Blinden.

Der Blinde

Als der kleine Bar nachts über das Feld wanderte, sah er einen Feuerschein in der Ferne. Wie er näher kam, erkannte er einen Mann mit einer brennenden Fackel in der Hand. Weiterlesen

Der Indianerkönig – der 4. Heilige König

Viele Menschen, große und kleine, kennen die Geschichte der Heiligen Drei Könige. Was aber von dem Indianerhäuptling Silbermond erzählt wird, das ist weit weniger bekannt.
Silbermond lebte am Rand eines Berglandes im weiten Amerika. Eines Nachts sah er am Himmel einen weißen Stern. Der zog einen Schweif aus Goldstaub hinter sich her. Silbermond kannte den Sternenhimmel gut, doch so etwas hatte er nie zuvor gesehen. Er rief sein Volk zusammen und sagte: »Ein neuer Stern ist aufgegangen. Ich bin sicher, es ist der Stern eines großen Königs. Ich will mich aufmachen und dem neuen König huldigen.« Er nahm viele Geschenke mit. Drei Lamas bekamen Krüge mit Wasser und Öl und Honig auf den Rücken geladen. Auch Maisbrot und Trockenfleisch trugen sie und ein Armband aus kostbarer Jade, einen Beutel mit Goldkörnern und einen bunt gewebten, warmen Umhang. Weiterlesen

Zen Air – eine Weihnachtsgeschichte

Zen Air

Nein, nein, das hat nichts mit Zen-Buddhismus zu tun, ist auch keine neue Fluglinie, etwa zu den buddhistischen Klöstern in China oder Japan, wo neuerdings auch westliche Interessenten die Kunst der Kontemplation lernen wollen. Vielmehr ist ZEN AIR eine Weihnachtserfindung meiner damals sechsjährigen Schwester. Sie hatte nämlich die glorreiche Idee, dass wir eigentlich zusammen spielen könnten. Das war bei uns beiden eigentlich nicht üblich, denn bei fünf Jahren Altersunterschied (ich war elf) gehen die Interessen doch weit auseinander. Später, als ich an der Universität auch Vorlesungen über Kinder- und Jugendpsychologie hörte, erfuhr ich, dass gerade diese Zahl der Jahre die zwischenmenschliche Kommunikation am meisten blockiere.
Aber nun hatte meine Schwester vorgeschlagen, ich könnte ihr doch für ihren Kaufladen die Ware mit meiner elektrischen Eisenbahn liefern. Ja, das war wirklich eine tolle Idee; ich wäre darauf nicht gekommen. Und mit der Spur Null, die es heute leider nicht mehr gibt, war das auch kein Problem. Da hatte es in den Waggons genügend Stauraum. Weiterlesen

4. Dez. – Barbaras Starke Blüten

Barbaras Starke Blüten

Barbara Veit

Als Barbara am 4. Dezember aufwachte, war es ein Tag wie jeder andere. Papa war schon zur Arbeit gegangen, Mama sagte, dass sie sich beeilen musste… schon wieder zu spät dran! Dann war Mama auch weg und Barbara steckte das Pausenbrot in ihre Schultasche, zog langsam ihre Jacke an, zog sie wieder aus und setzte sich an den Frühstückstisch. Sie war müde, denn letzte Nacht hatte sie viel zu lange unter der Bettdecke gelesen. Mit der Taschenlampe, damit niemand was merkte!

Eigentlich hatte sie keine Lust, in die Schule zu gehen. Aber sie musste! Weiterlesen

4. Dez. – Barbara und die Bergleute

Barbara und die Bergleute

Willi Fährmann

Der alte Antonius Faller hatte damals damit angefangen, den Schacht in die Erde zu treiben und die Kohlen zu fördern. Er nannte seine Grube »Fröhliche Morgensonne«. Später sind seine Söhne August und Andreas und noch ein paar andere junge Männer aus der Fallerfamilie mit ihm eingefahren. Sie haben gute Kohlenflöze gefunden und viel von dem schwarzen Gold ans Tageslicht gebracht. Der Antonius Faller kannte sich gut aus da unten im Schacht und brachte seinen Söhnen und den anderen Männern alles bei, was ein Bergmann können muss. Er war ein starker Mann und konnte einen eisernen Nagel mit der bloßen Hand krumm biegen.

Aber schließlich ist er alt geworden. Die schwere Arbeit und die ständige Feuchtigkeit da unten vor der Kohle, die haben ihm den Rücken krumm gezogen und das Atmen schwer gemacht. Seine Söhne haben ihm eines Tages die Hacke aus der Hand genommen und gesagt: »Vater, du hast genug gearbeitet. Bleib zu Hause und mache dich nicht kaputt.« Weiterlesen

6. Dez. – Ein Geschenk vom Nikolaus

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Ein Geschenk vom Nikolaus PDF

Ein Geschenk vom Nikolaus

Es schneit… und schneit, bis hohe Schneeberge die Häuser zudecken. Im Dorf ist es weiß, kalt und still.

Der Krämer kann seine Ware nicht verkaufen, die Bäckersfrau kein Brot. Großvater Gregor möchte seine Ziegen füttern, doch der Weg zum Stall ist verschneit. Und weil es keine Post auszutragen gibt, schreibt sich der Briefträger selbst einen Brief. In jedem Haus warten Kinder auf den Nikolaus. Weiterlesen

6. Dez. – Die Legende von Nikolaus und Jonas mit der Taube

Schon viele Monate brannte die Sonne Tag für Tag auf die Erde. Das Gras färbte sich braun und raschelte dürr im Wind. Auf den Feldern verdorrte das Korn. Selbst an den großen Bäumen begann das Laub zu welken. Keine Wolke zeigte sich am Himmel. Es wollte und wollte nicht regnen. Die Wasserstellen waren längst ausgetrocknet. Nur die tiefsten Brunnen spendeten noch Wasser. Die Frauen schöpften daraus. In Krügen trugen sie das kostbare Wasser auf ihren Köpfen heim. Die Tiere fanden nicht ein grünes Kraut. Auch die Menschen litten Hunger. Über das ganze Land verbreitete sich eine Hungersnot.

In der Stadt Myra waren die Vorratskammern längst leer. Selbst für viel Geld gab es keinen Bissen mehr zu kaufen. Die Kinder weinten und schrien nach Brot. Doch die Mütter konnten ihnen nicht einmal eine harte Kruste geben. Weiterlesen

13. Dezember – Luciatag – Schweden

Schweden

13. Dezember

In den dunklen Tagen der Vorweihnachtszeit stehen in Schweden Lichterpyramiden in den Fenstern. Ihr Licht soll weithin leuchten und die Dunkelheit vertreiben. Auch Britta und Mats sitzen hinter erleuchteten Fenstern. An diesem Nachmittag wollen sie aus Stroh Weihnachtsböcke basteln, wie sie in schwedischen Häusern stehen. Als Britta ihren fertigen Julbock mit dem gekauften vergleicht, der ihr als Vorlage diente, rümpft sie die Nase.

Sie fragt ihren Bruder: „Findest du, dass unsere Julböcke komisch aussehen?“

Mats kichert. „Ja! Sie sehen aus wie ulkige Saurier.“ Weiterlesen

Die Geschichte vom beschenkten Nikolaus

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Die Geschichte vom beschenkten Nikolaus

Alfons Schweiggert

Einmal kam der heilige Nikolaus am 6. Dezember zum kleinen Klaus. Er fragte ihn: »Bist du im letzten Jahr auch brav gewesen?« Klaus antwortete: »Ja, fast immer.« Der Nikolaus fragte: »Kannst du mir auch ein schönes Gedicht aufsagen?« – »Ja«, sagte Klaus:

»Lieber, guter Nikolaus,
du bist jetzt bei mir zu Haus,
bitte leer die Taschen aus,
dann lass ich dich wieder raus.«

Der Nikolaus sagte: »Das hast du schön gemacht.« Weiterlesen

Weihnachtswunder – auf der Intensivstation

Weihnachtswunder

Holger Wittschen

 Leon stand vor seinem Kleiderschrank und konnte sich nicht entscheiden, ob er das grün-weiße Trikot von Werder Bremen oder das weinrote von Arsenal London anziehen sollte. Schließlich griff er das neue Brasilientrikot mit Ronaldinho auf dem Rücken. Dazu eine blaue Trainingshose und passende Stutzen. Stolz betrachtete er sich vor seinem Zimmerspiegel, und Ballack, Klose und die gesamte deutsche Nationalmannschaft guckten ihm von Postern an seinen Zimmerwänden zu. Fußballer zu sein war wirklich das Größte. Weiterlesen

Der Maronibrater

Der Maronibrater

Alfred Polgar

Der Maronibrater zählte zu den Winterfreuden der Großstadtjugend. Sein eisernes, dampfumhülltes Öfchen, aus dem es rot hervorglühte, übte gleiche Anziehungskraft auf frierende, zerlumpte, strolchende Proletarierkinder wie auf feine Kinder, die an der Hand sorgsamer Mütter und Gouvernanten gingen, so gut gefüttert wie ihre Röckchen und Handschuhe.

Der Maronibrater war ein Bild aus dem Märchenbuch der Großstadt.

Zwei Kastanien kosteten einen Kreuzer. Das war ein so unverrückbarer Preis wie etwa der der Semmel. In vielen konzentrischen Halbkreisen lagen die braunen, mild duftenden Früchte mit geschlitzter Schale auf der Ofenplatte, die großen am linken, die kleinen am rechten Flügel massiert. Tüten aus Zeitungspapier waren vorbereitet. Ineinander gesteckt sahen sie lustig aus, wie die Hütchen, die der Clown im Zirkus mit dem Kopf auffängt, eines über dem andern. Weiterlesen

Weihnachten in Ecuador

Ecuador

Juanito, kleiner Hans, wird er von allen gerufen. Er lebt am Rande von Quito, der Hauptstadt von Ecuador. Obwohl er erst zehn Jahre alt ist, arbeitet er als Schuhputzer und hilft mit dem verdienten Geld seiner Familie.

Es ist der Tag des Heiligen Abends. Juanito fährt morgens mit dem Bus in die Innenstadt. Den Holzkasten mit dem Schuhputzzeug hält er fest unter seinem Arm. Er hofft auf ein gutes Geschäft, denn er möchte gerne bunte Zuckersachen für den heutigen Abend kaufen.

Langsam schlendert Juanito durch die Straßen, sieht den Leuten auf die Schuhe und spricht sie mit freundlichen Worten an. Zwischendurch Weiterlesen

Der kleine Igel und die rote Mütze

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Der kleine Igel und die rote Mütze – PDF

Eiskalt pfiff der Wind über das verschneite Tal und wirbelte die Blätterdecke auf, unter der sich der kleine Igel eingekuschelt hatte.

Nun erwachte er aus seinem tiefen Winterschlaf und fror erbärmlich. Ihm war so kalt, dass er nicht wieder einschlafen konnte.

Doch plötzlich fiel etwas vom Himmel …

… PLUMPS

… und landete direkt vor den Pfötchen des kleinen Igels. Es war ein bunt eingewickeltes Päckchen. Auf dem Anhänger stand:

Für den kleinen Igel,
in Liebe,
vom Weihnachtsmann Weiterlesen

Vitamine für Herrn Sanduhr – 20. Dezember

»Wie lange noch?«, fragte Laura und öffnete das zwanzigste Türchen ihres Adventskalenders. Auf dem Bild war eine Apfelsine zu sehen. Laura lächelte und schlüpfte in ihr Bett.
»Wie oft muss ich noch schlafen?«, fragte Laura und kuschelte sich in ihre Kissen.
»Bis es Weihnachten ist, musst du noch viermal schlafen«, sagte Lauras Mutter.
»Was?«, schrie Laura. »So lange kann ich nicht warten.«
Lauras Mutter lachte.
»Warte mal ab«, sagte sie. »Ich erzähle dir eine Geschichte, dann vergeht die Zeit wie von selbst.«
Und Lauras Mutter begann zu erzählen.

Es war einmal ein Mädchen, das hieß Laura. Laura konnte nicht gut warten. Eines Tages besuchte sie Herrn Sanduhr. Ich kann doch nicht warten, bis Herr Sanduhr von alleine wieder gesund wird, dachte Laura. Ich werde ihm dabei helfen.

Herr Sanduhr war Flugkapitän wie ihr Vater und krank. Er lag mit einer dicken Grippe im Bett, hustete dauernd und die Nase lief ihm wie ein Wasserhahn. Weil Herr Sanduhr krank geworden war und keine Flugzeuge fliegen konnte, sollte Lauras Vater Heiligabend arbeiten, und das passte Laura überhaupt nicht. Sie wollte Herrn Sanduhr besuchen und ihm helfen. Weiterlesen

Es leuchtet hell ein Stern in dunkler Nacht

Matti hockte sich nieder und machte sich ganz klein. Sie hatten ihn zurückgelassen. Alle waren sie fortgegangen.

»Du wachst bei den Schafen«, hatte der alte Simon gesagt. »Du bist groß genug für die Wache.«

Dann waren sie einfach fortgegangen.

Tobi hatte ihm Angst gemacht und geflüstert: »Und lauf nicht weg, wenn die Wölfe kommen.«

Nun, Matti hatte Angst. Das Wolfsgeheul schallte schon seit einigen Nächten bis ins Tal hinab. Weiterlesen

Das Jesulein wird gebadet

Das Jesulein wird gebadet

Als ich ein Kind war, gab es ein Wort, das mich vom Aufwachen bis zum Einschlafen begleitete: Warum? Dieses Wort brachte mir jede Menge Schwierigkeiten. Erstens konnte ich es nicht richtig aussprechen. Ich konnte beim besten Willen kein R sagen, so verbissen ich auch übte und mir Zunge und Gaumen verrenkte. Aus Warum wurde immer wieder Walum. Natürlich nahm die Frage »Aba walum?« kein Mensch ernst, alle lächelten, wenn ich sie stellte, und sie lächelten auf eine Art, die mich wütend machte. Dazu kam, dass ich natürlich – wie alle klugen Kinder – meist genau die Fragen stellte, auf die die großen Leute selbst keine Antwort wussten, oder aber die Fragen, die ihnen peinlich waren. Dann wurden sie ungeduldig, erklärten: »Das verstehst du noch nicht, dafür bist du noch zu klein«, oder »Tut mir Leid, ich hab jetzt keine Zeit«. Manchmal sagten sie sogar: »Räum dein Zimmer auf, wie es da wieder aussieht.« Ich lernte also –wie alle klugen Kinder –, dass man auf die wichtigsten Fragen keine Antwort bekommt und selbst suchen muss. Inzwischen bin ich alt geworden und weiß, dass hinter jeder Frage noch eine Frage steht, ein riesiger Berg nach dem anderen, und die Antworten sind meist dünn gesät und nicht einmal so groß wie die Blumen auf einer Almwiese.

Ich blätterte in einem Bilderbuch, da sprang mich wieder einmal eine dieser Fragen an: Wie konnte das Christkind ein blond gelocktes Mädchen sein, wenn doch das Jesulein ein Knabe war, das sah man auf dem großen Bild in der Kirche ganz deutlich, und der erwachsene Jesus ein Mann, wenn auch ein Mann mit langen Locken und langem Kleid?

»Ist das Christkind die Schwester vom Jesukind?«, fragte ich meine Großmutter, dann die Hausmeisterin und einige andere wichtige Personen, aber ich bekam natürlich keine Antwort, nur dieses Lächeln. »Auf Ideen kommt dieses Kind«, hörte ich meine Großmutter zu meinem Vater sagen. Ihn fragte ich nicht. Wenn die anderen schon schmunzelten, würde er mich bestimmt auslachen. Es war schrecklich für mich, von ihm ausgelacht zu werden.

Wir hatten eine Krippe mit einem Jesulein aus Wachs, ein Geschenk der Schwestern aus dem Josefsheim, wo Papa Hausarzt war. Das Jesulein war staubig geworden im Laufe des Jahres, ganz grau zwischen den Fingerchen und Zehen. Ich beschloss es zu baden.

Behutsam hob ich es aus dem Stroh, legte es auf mein Bett, während ich die Krippe ordentlich abstaubte und alle Fugen und Ecken säuberte. Ich nahm jeden Strohhalm einzeln in die Hand und pustete ihn ab, bevor ich ihn zurück in die Krippe legte. Ich wusch die Windel, die auf dem Stroh gelegen war, mit Nagelbürste und Seife und drückte sie faltenfrei an den Badewannenrand. Großmutter machte das manchmal mit Taschentüchern, dann sahen sie nach dem Trocknen wie frisch gebügelt aus.

Ich füllte Wasser ins Waschbecken, prüfte mit der Hand, ob es schön warm, aber nicht zu heiß war, dann holte ich das Jesulein. Seine Windel ließ sich nicht abmachen, die war am Rücken festgeklebt. Mit der Linken hielt ich den Lockenkopf über Wasser, mit der Rechten begann ich sehr vorsichtig, die Händchen einzuseifen, dann die Füße. Durfte ich den wächsernen Popo waschen oder wäre das eine Gotteslästerung? Das Dienstmädchen unserer Nachbarn hatte die grässlichsten Geschichten über die Folgen einer Gotteslästerung erzählt.

Während ich noch überlegte, spürte ich plötzlich eine Bewegung in meiner linken Hand, als hätte ein Finger sachte an meine Handfläche geklopft. Ich schrie auf, aber da war niemand, der mich gehört hätte. Mein Herz klopfte wild, meine Knie zitterten.

»Müde bin ich, geh zur Ruh«, flüsterte ich. Ein anderes Gebet fiel mir nicht ein, und wie es weiterging, wusste ich in dem Moment auch nicht. »Müde bin ich, geh zur Ruh…«

Da war es wieder. Ganz deutlich. Fast hätte ich das Jesulein fallen lassen. Ich hob es aus dem Wasser, legte es auf ein Tuch. Mir war schlecht, das Badezimmer drehte sich wild.

»Müde bin ich, geh zur Ruh, schließe meine Äuglein zu, Vater, lass die Augen dein über meinem Bette sein …« Das Gebet war wieder da, ich konnte ausatmen. Als ich die Augen öffnete, stand die Badewanne wieder still, wie es sich gehörte, auch das Waschbecken und das Kästchen.

Beim dritten Versuch gelang es mir, das Jesulein auf dem weißen Handtuch anzusehen. Wächsern wie zuvor lag es da, das linke Bein angewinkelt, das rechte ausgestreckt, als wollte es gleich strampeln. Aber da, wo früher fünf zarte Zehen gewesen waren, war jetzt ein unförmiges Etwas.

Unser Jesulein hatte einen Klumpfuß.

Es dauerte lange, bis mir klar wurde, dass das Wachs im warmen Wasser weich geworden war.

»Das wollte ich nicht, wirklich nicht, ich hab dich doch nur schön machen wollen für Weihnachten«, sagte ich. »Sei nicht böse. Bitte sei nicht böse.«

Das Jesulein lächelte so freundlich wie zuvor.

Jetzt überfiel mich die Angst davor, was die Eltern sagen würden. Ich wagte nicht, das Jesulein abzutrocknen, dabei hätte ja noch etwas passieren können. Also hauchte ich es immer wieder an, blies die Tropfen ab. Die Windel am Badewannenrand war inzwischen getrocknet und sah wirklich wie frisch gebügelt aus.

Ich breitete die Windel auf das Stroh, legte das Jesulein darauf. »Schau, wie schön die Krippe jetzt ist«, sagte ich.

Der Klumpfuß aber war wie eine Anklage. Jeder würde ihn sehen.

Ich streute ein paar Strohhalme darüber, obwohl ich keine Hoffnung hatte, dass meine Missetat unbemerkt bleiben könnte. Dann trug ich die Krippe zurück ins Esszimmer und stellte sie auf die Anrichte.

Das Jesulein lächelte noch immer. Als ich mich wegdrehte, sah ich es aus dem Augenwinkel blinzeln. Ich habe es wirklich gesehen und der Beweis dafür ist, dass der Klumpfuß niemandem auffiel. Nicht einmal meiner Großmutter, die doch sonst alles bemerkte.

Renate Welsh

Brita Groiß; Gudrun Likar

Weihnachten ganz Wunderbar: ein literarischer Adventskalender

Wien: Ueberreuter, 2001

Das Weihnachtswunderland

Das Weihnachtswunderland

»Wie lange noch?«, fragte Laura und öffnete das fünfte Türchen ihres Adventskalenders. Auf dem Bild war ein Kamel zu sehen. Laura lächelte und schlüpfte in ihr Bett.
»Wie oft muss ich noch schlafen?«, fragte Laura und kuschelte sich in ihre Kissen.
»Bis es Weihnachten ist, musst du noch neunzehn Mal schlafen«, sagte Lauras Mutter.
»Was?«, schrie Laura. »So lange kann ich nicht warten.«
Lauras Mutter lachte.
»Warte mal ab«, sagte sie. »Ich erzähle dir eine Geschichte, dann vergeht die Zeit wie von selbst.«
Und Lauras Mutter begann zu erzählen.

Es war einmal ein Mädchen, das hieß Laura. Laura konnte nicht gut warten. Eines Tages schlenderte Laura mit ihrem Vater, dem Piloten, über den Weihnachtsmarkt. Es roch nach warmen Mandeln und Popcorn. Ein Mann hauchte seine Hände warm und schrie dabei: »Leckere Maroni. Kaufen Sie Maroni.« Laura knabberte an einem Riesenballen Zuckerwatte und hatte davon einen ganz klebrigen Mund. Am Anfang einer kleinen Gasse entdeckte sie ein Schild, auf das Kamele auf einem Karussell gemalt waren. »Zum Weihnachtswunderland« war auf dem Schild zu lesen.

Sofort lief Laura auf das Karussell zu, das genau vor einem McDonald’s aufgebaut war. Weiterlesen

Es riecht nach Schnee

»Wie lange noch?«, fragte Laura und öffnete das dreizehnte Türchen ihres Adventskalenders. Auf dem Bild waren viele kleine Schneeflocken zu sehen. Laura lächelte und schlüpfte in ihr Bett.
»Wie oft muss ich noch schlafen?«, fragte Laura und kuschelte sich in ihre Kissen.
»Bis es Weihnachten ist, musst du noch elfmal schlafen«, sagte Lauras Mutter.
»Was?«, schrie Laura. »So lange kann ich nicht warten.« Lauras Mutter lachte.
»Warte mal ab«, sagte sie. »Ich erzähle dir eine Geschichte, dann vergeht die Zeit wie von selbst.«
Und Lauras Mutter begann zu erzählen.

Es war einmal ein Mädchen, das hieß Laura. Laura konnte nicht gut warten. Eines Tages beschlossen die Schneeflocken, auf die Erde zu fallen. Weiterlesen

König, Bauer und Knecht – Weihnachtsmärchen für Erwachsene

König, Bauer und Knecht

ein Weihnachtsmärchen für Erwachsene von Max Bolliger

In der Nähe Bethlehems lebten vor zweitausend Jahren ein König, ein Bauer und ein Knecht. Wenn der König auf seinem Pferd durch die Straßen ritt, fiel der Bauer vor ihm auf die Knie und küsste den Saum seines Gewandes. Wenn der Bauer auf seinem Esel über die Felder ritt, verneigte sich der Knecht und nahm seinen Hut vom Kopf. Wenn aber der Knecht jemandem begegnete, wurde er von niemand gegrüßt. Nur ein kleiner herrenloser Hund hängte sich eines Tages an ihn und wollte nicht mehr von ihm weichen. Weiterlesen

Renn, Rolfi, renn!

»Wie lange noch?«, fragte Laura und öffnete das vierte Türchen ihres Adventskalenders. Auf dem Bild war eine Schildkröte zu sehen. Laura lächelte und schlüpfte in ihr Bett.
»Wie oft muss ich noch schlafen?«, fragte Laura und kuschelte sich in ihre Kissen.
»Bis es Weihnachten ist, musst du noch zwanzigmal schlafen«, sagte Lauras Mutter.
»Was?«, schrie Laura. »So lange kann ich nicht warten.«
Lauras Mutter lachte.
»Warte mal ab«, sagte sie. »Ich erzähle dir eine Geschichte, dann vergeht die Zeit wie von selbst.«
Und Lauras Mutter begann zu erzählen.

Es war einmal ein Mädchen, das hieß Laura. Laura konnte nicht gut warten. Eines Tages war es wieder so weit. Das große Schildkrötenrennen auf dem Weihnachtsmarkt sollte stattfinden. Während die anderen Schildkröten ihren Winterschlaf hielten, durften die jüngsten Schildkröten zeigen, was sie konnten. Weiterlesen

Als die Großmutter mit dem Nikolaus sprach

 Als die Großmutter mit dem Nikolaus sprach

Ich erzähle eine wahre Geschichte aus meiner Kinderzeit: vom Nikolaus und von der Großmutter.

Die Großmutter war klein und zart, und sie kam mir uralt vor. Das lag nicht an ihren Runzeln oder ihrem Haar mit den weißen Strähnen. Es waren die Kleider, die sie trug: immer dunkel und ganz altmodisch geschnitten. Sie hatte auch stets eine schwarze Schürze umgebunden, sogar sonntags. Die Schürze vom Sonntag war aus Seide, und sie knisterte.

Jedes Jahr Anfang Dezember kam die Großmutter angereist. Sie blieb den Winter über bei uns in der Stadt. Wenn Großmutter kam, begann für mich die Weihnachtszeit. Weiterlesen

Jakob malt ein Weihnachtsbild

beautiful-Jakob zeichnet und malt für Weihnachten.
Tante Helli wünscht sich ein Kripperl mit Jesuskind, Esel und Ochs.
Onkel Fritz wünscht sich Hirten auf dem Weg nach Betlehem.
Die Omama hätte gern einen Engel, der freundlich dreinschaut und „Fürchtet euch nicht“ sagt.
Jakob zeichnet eine Sprechblase vor den Mund des Engels und schreibt: Weiterlesen

Das schwarze Schaf

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Es läutet an der Tür. Sebastians Mama guckt durch das Guckloch. Draußen steht Herr Bärmann.

„Augenblick, Herr Bärmann! Wir kleben alle von oben bis unten! Ich wisch mir schnell die Hände sauber.“

„Ich will nicht stören, wenn Sie kleben!“, ruft Herr Bärmann.

Aber da macht sie ihm schon lachend die Tür auf. „Die Schafe, wissen Sie! Und der Sprühschnee auf den Tannenzapfenbäumen! Wir basteln an unserer Weihnachtskrippe.“ Weiterlesen

Advent – Lene Mayer-Skumanz

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„Jakob“, sagt die Mutter. „Bitte gib den Brief für mich auf.“

„Ich mag jetzt nicht“, sagt Jakob.

Er malt Holzfiguren an: ein Glocke, einen Engel, einen Stern. Die will er zu Weihnachten auf den Christbaum hängen.

„Mutti“, ruft Jakob, „bitte wasch mir den Pinsel aus.“

Die Mutter wäscht den Pinsel aus.

Da fällt Jakob der Brief ein. Weiterlesen

Was fällt uns bei Weihnachten ein?

Was fällt uns bei Weihnachten ein?

Die Lehrerin nimmt die Kreide und schreibt mit großen Buchstaben WEIHNACHTEN mitten auf die Wandtafel. Dann holt sie die Schachtel mit den bunten Tafelkreiden aus dem Lehrertisch, öffnet sie und legt sie auffordernd auf den Schülertisch in der ersten Reihe. Als sie sich dann hinsetzt, blickt sie ihre Schüler erwartungsvoll an.

Zunächst sind alle ganz still. Dann aber steht Tina auf und nimmt die rote Kreide.

„Nikolaus“ schreibt sie an die Tafel. Viele lachen laut, und die Lehrerin schmunzelt. Jetzt geht Sabine zur Tafel und schreibt mit grüner Kreide: Christbaum. Weiterlesen

Christbaum – Anselm Grün

Seit dem 16. Jahrhundert ist es in Deutschland üblich, an Weihnachten geschmückte Tannenbäume aufzustellen. Die Tanne, die auch im Winter ihr grünes Kleid behält, ist ein altes Symbol für die göttliche Kraft des Lebens, das sich auch durch die Kälte des Winters nicht besiegen läßt. Der Christbaum geht auf den alten germanischen Brauch zurück, in den Rauhnächten grüne Zweige in den Häusern aufzuhängen, um die bösen Geister abzuwehren. Dabei wurden die Dämonen in doppelter Weise abgewehrt: Die immergrüne Pflanze soll ihre Lebenskraft auf Mensch und Tier übertragen. Und das Licht soll die dunkle Winternacht erhellen und durch seinen Schein die Geister vertreiben. In der christlichen Tradition soll der Baum als immergrüner Baum und zugleich als Lichterbaum Christus in die Häuser bringen und alle Dämonen der Angst, der Feindschaft und der Eifersucht aus ihnen verbannen. Mitten im kalten und dunklen Winter will er Wärme und Licht in unsere Welt bringen. Weiterlesen

Heimlich, still und leise – Gute Taten

„Die Neigung der Menschen, kleine Dinge für wichtig zu halten, hat viel Großes hervorgebracht.”
G. C. Lichtenberg

Heimlich, still und leise

Manchmal verkleiden sich Geschenke als anonyme gute Taten und gestalten so die Welt etwas freundlicher. So wandern sie inkognito von Mensch zu Mensch.//Sabine Kumm

Siebter Dezember, sechs Uhr früh, fünf Grad minus. Es hat das erste Mal geschneit, hier und da sind schon die Schneeschieber in Aktion. Der Countdown läuft. Jetzt nichts wie raus aus dem Bett – zwischen Morgenkaffee und Büro liegen noch zwanzig Meter geschlossene Schneedecke und ein Auto, das nach der letzten Nacht im Freien sicher komplett vereist sein wird. Schöne Aussichten – eigentlich ist der Tag jetzt schon gelaufen. Doch eine halbe Stunde später die Überraschung: Irgendjemand hat bereits den Weg rund ums Haus frei geschippt, die Autoscheiben sind vom Eis befreit. Ein Versehen? Wohl eher nicht. Denn hinter dem Scheibenwischer klemmt eine Karte: „Sie sind in den Genuss einer anonymen guten Tat gekommen. Wir wünschen Ihnen noch einen schönen Tag!”

Überraschung! Weiterlesen

Spaghettifresser – Willi Fährmann

Spaghettifresser

Frau Sulzbacher hatte in der großen Pause die Aufsicht auf dem Schulhof. Aus der Ecke am Toilettengebäude schallte es im Chor:

»Spaghettifresser Tonio
hat Wanzen, Läuse und ‘nen Floh.«

Sie lief auf die Kinder zu, die in einer Traube um Tonio Zuccarelli herumstanden und ihn in die Ecke gedrängt hatten. Tonio hatte die Fäuste in die Hosentaschen gesteckt, die Schultern hochgezogen und starrte auf den Boden. Er war einen Kopf größer als die anderen Kinder der 3. Klasse.

»Spaghettifresser…«, stimmte Kalle Blum erneut laut den Spottvers an. Weiterlesen

Eine Stimme, alt und atemlos – P. Wiebe

Eine Stimme, alt und atemlos

Ella Naujokat kauerte sich seufzend vor ihrem Dauerbrenner nieder und rüttelte am Rost; sie öffnete die Ofenklappe, sah die matte Glut und griff, während sie sich wieder aufrichtete, zur Kohlenschütte, stand unschlüssig, lächelte dann und kippte die Kohlen auf die Glut. „Ich kann es mir ja diesmal leisten. An diesem Heiligen Abend will ich es mal warm haben, rundherum warm!“ sagte sie und prüfte noch mal den Zustand ihres Zimmers: das Bett in der Ecke war sehr sorgfältig gemacht, unter der Spreite wußte sie Decke und Kissen frisch überzogen; der abgetretene Teppich machte einen vorzüglichen Eindruck, nachdem sie ihn gründlich mit Waschlauge gereinigt hatte; auf dem ovalen Mahagonitisch stand der zierliche Weihnachtsbaum, geschmückt mit Lametta, zwei Kugeln und fünf roten Kerzen. „Tadellos, alles tadellos…“ sagte Ella Naujokat, setzte sich in den grünen hochbeinigen Plüschsessel, blickte auf ihre Armbanduhr, murmelte: „Noch zwanzig Minuten…“ und legte für einen Augenblick die Hand auf die Brust, als wolle sie ihr aufgeregt klopfendes Herz beruhigen. Dann drehte sie an dem Knopf ihres alten Radios, wartete, bis sich die Röhren erwärmt hatten, griff mit tastender Hand von hinten in das Gerät hinein und rüttelte sanft an der Lautsprecherröhre. Mit Unterbrechungen zuerst, doch dann ganz gut verständlich sang ein Kinderchor: „… aus einer Wurzel zart…“ Ella Naujokat summte die Melodie mit, erhob sich aus dem Sessel, zündete die Kerzen an und löschte das elektrische Licht. Weiterlesen

Der Weihnachtsweg

Dass es Großmütter gibt, ist keine Neuigkeit. Der eine nennt sie Oma, der zweite vielleicht Großmama, der dritte Großmutter oder überhaupt ganz anders. Joachim und Christine sagen „Ahnei“ zu ihrer Großmutter. Das hält man so schon seit über hundert Jahren in der Familie, dass eine Großmutter immer „Ahnei“ genannt wird. Außerdem liegt es an der Gegend, in der viele Leute zu ihren Großmüttern „Ahnei“ sagen.
Diese Ahnei ist schon so alt, dass sie kaum noch etwas sieht. Dafür kann sie kommandieren wie ein General und erzählen wie ein weitgereister Matrose. Kein Wunder, denn Ahneis Großvater fuhr vor über hundert Jahren als Kapitän zur See und brachte immer ganze Schiffsladungen voll Geschichten mit nach Hause. Einmal soll er sogar Napoleon an Bord gehabt haben, den Kaiser der Franzosen.
Besonders schön kann Ahnei in der Jahreszeit erzählen, in der die Tage kürzer werden und alles auf Weihnachten zugeht, die Natur wie der Mensch. Und am besten erzählt sie an den Adventssonntagen. Es ist immer unterhaltsam bei Ahnei, doch nie ist es so schön wie am ersten Advent. Christine und Joachim besuchen sie dann, und alle drei trinken Kakao und kosten die ersten Pfeffernüsse. Kaum haben die Kinder sich gestärkt, fängt Ahnei schon an zu befehlen. Das tut sie jedes Jahr am ersten Advent, und die beiden wissen längst, was Ahnei jetzt will: „Es hat euch geschmeckt? Also ran an die Arbeit!“
„Aber Ahnei“, sagt Joachim, „das ist doch keine Arbeit, sondern ein Vergnügen!“ Weiterlesen

Die Sternträger

Die Sternträger

24. Dezember 1941 / Mittwoch (Heiliger Abend)

Es soll nicht mehr gehört werden die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens. Jesaja 65,19

Tiefe Dunkelheit, als wir aufstanden. Und der Morgen – wie wahr ist dieses Wort – graute nur, um immer mehr sich umdunkelnden Stunden zu weichen. Sturm und Regen und wogende Tannenkronen, Kiefernwipfel, eine stetig wachsende Verhüllung hin zu der Heiligen Nacht, die ja nicht die fröhliche und die glückliche, sondern eben die Heilige heißt und den furchtbarsten Ernst zu bergen vermag.

Ich wüßte nicht, was diesem Tag des Heiligen Abends gefehlt hätte an all dem häuslichen Zauber, den er je und je besaß, vom Aufbauen der Gabentische an bis zum Anstecken der Lichter am Baum, von der kleinen Bescherung für die gute Bülow an bis zum Austragen der kleinen Geschenke in die Nachbarschaft, vom mittäglichen Tee im Lampenschein beim Heimkommen des Kindes bis zum Anzünden kleiner Tannenzweige, damit das ganze Haus erfüllt wäre von weihnachtlichem Duft. Weiterlesen

Die heiligen Drei Könige und der moderne Mensch – V. Sturm

Die heiligen Drei Könige und der moderne Mensch

„Als Jesus zu Bethlehem in Judäa geboren war – in den Tagen des Königs Herodes – da trafen Weise aus dem Morgenland in Jerusalem ein und sagten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Denn wir haben seinen Stern im Morgenland gesehen und sind gekommen, ihm zu huldigen. Als König Herodes dies hörte, ward er bestürzt und ganz Jerusalem mit ihm. Er versammelte alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und erkundigte sich bei ihnen, wo der Messias geboren werden sollte. Sie sagten ihm: Zu Bethlehem in Judäa; denn so steht geschrieben durch den Propheten: Du, Bethlehem im Land Juda, bist wahrlich nicht die geringste unter den Fürstenstädten Judas, denn aus dir soll der Fürst hervorgehen, der Israels, meines Volkes, Hirt sein wird. Da berief Herodes heimlich die Weisen und erforschte von ihnen genau die Zeit, wann der Stern erschienen sei; dann wies er sie nach Bethlehem und sprach: Geht hin und erkundigt euch sorgsam nach dem Kinde, und wenn ihr’s gefunden habt, gebt mir Nachricht, damit auch ich komme und ihm huldige! Sie hörten den König an und zogen hin – da siehe, der Stern, den sie im Morgenlande gesehen, zog vor ihnen her, bis er über dem Orte stehen blieb, wo das Kindlein war. Als sie den Stern sahen, hatten sie eine überaus große Freude, und als sie in das Haus getreten, sahen sie das Kind mit Maria, seiner Mutter, fielen nieder und huldigten ihm; auch taten sie ihre Schätze auf und brachten ihm Geschenke dar: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Im Traume erhielten sie Weisung, nicht zu Herodes zurückzukehren, und zogen auf einem anderen Wege in ihr Land zurück… Als Herodes erkannte, daß er von den Weisen getäuscht worden war, wurde er sehr zornig, schickte hin und ließ in Bethlehem und dessen ganzer Umgegend alle Knaben im Alter von zwei Jahren abwärts umbringen, entsprechend der Zeit, die er von den Weisen ermittelt hatte.“ Weiterlesen

Die Weihnachtsschlacht

„Nur noch sechs Tage“, stellt Nelly fest. Sie spitzt die Lippen und versucht, „Oh du fröhliche“ zu pfeifen.

„Noch sechs Tage“, wiederholt die Mutter nachdenklich. Sie sagt es nicht fröhlich, nach einer Pause schickt sie den Seufzer nach: „Wenn nur alles schon vorüber wäre!“ Nellys Pfeifton bleibt jäh in der Luft hängen. Entgeistert schaut sie ihre Mutter an.

„Freust du dich denn nicht?“

„Schon. Aber der ganze Rummel hängt mir zum Hals heraus.“

Am Nachmittag hat Nelly frei, sie fährt mit einer Freundin Schlittschuh und gegen Abend geht sie in den großen Selbstbedienungsladen, wo die Mutter arbeitet. Da geht es zu wie in einem Bienenhaus. Die Mutter sitzt auf einem Drehsessel vor einer der sechs Kassen. Die Waren kommen auf einem Förderband auf sie zu, und während ihre rechte Hand auf den Zahlentasten liegt und tippt, dreht die linke die Waren so, dass sie die Preise ablesen kann, und legt dann ein Ding nach dem andern in einen Gitterwagen. Wenn alles getippt ist, drückt die rechte Hand die Additionstaste und reißt den Kassenstreifen ab, die linke Hand stößt den gefüllten Wagen weg, zieht den leeren zur Kasse. Weiterlesen

Wüste – Anselm Grün

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Am Zweiten Adventssonntag hören wir: „Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen!“ (Mk l,3f). Johannes tritt in der Wüste auf. Und die adventliche Stimme erklingt in der Wüste. Der Advent verheißt uns, unsere Wüste zu verwandeln, dass sie zu blühen beginnt. Die Wüste ist für uns heute ein Bild für unser Daseinsgefühl. Wir sprechen von einer Betonwüste in unseren Städten, von der Wüste in den menschlichen Herzen, wenn alles leer und öde geworden ist. Wüste ist ein Bild für die Einsamkeit, für das Alleingelassenwerden. Wüste heißt Sinnlosigkeit, ohne Beziehung sein, vertrocknet, ausgedörrt sein. Für die Mönche im 4. Jahrhundert war die Wüste der Ort der Dämonen, der Ort, an dem das Dunkle sich herumtreibt, an dem das Böse nach dem Menschen greift. Oder man kann im Blick auf heute sagen: der Ort, an dem die Zeitgeister herrschen, der Zeitgeist der Gewalt, des Mißtrauens, der Ausbeutung, der Zerstörung. Entsprechungen für das Wort Wüste sind: „öde, unbebaut, unbewohnt, einsam, wild, ungezügelt, häßlich, widerwärtig“. Mit all diesen Wörtern wird auch unser heutiger Seelenzustand beschrieben. Wir spüren in uns Einsamkeit und Leere. Wir sind unbehaust, nirgendwo zu Hause. In uns sind wilde und ungezügelte Kräfte, die unser Gesicht häßlich erscheinen lassen. Die Wüste ist der Ort, an dem wir schonungslos mit uns und unserer widerwärtigen Wirklichkeit konfrontiert werden. Weiterlesen

Stille – Anselm Grün

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Der Advent wird die stille Zeit genannt. Aber viele erleben ihn eher als hektisch und laut. Da hetzen die Leute durch die Geschäfte, um ihre Weihnachtseinkäufe zu erledigen. Und doch braucht es die Stille, damit Gott bei uns eintreten kann. Ohne Stille werden wir Gottes Kommen nicht wahrnehmen, werden wir sein Klopfen an der Türe unseres Herzens überhören.

Das deutsche Wort „still“ kommt von „stellen, unbeweglich stehen“. Es braucht also das Innehalten, um stille zu werden. Ich muß aufhören, herumzulaufen und zu hetzen. Ich muß stehenbleiben, bei mir bleiben. Wenn ich stillhalte, dann werde ich zuerst mir selbst begegnen. Da kann ich meine Unruhe nicht mehr nach außen verlagern. Ich werde sie in mir wahrnehmen. Nur wer seiner Unruhe standhält, kommt zur Stille. „Still“ hat auch mit „stillen“ zu tun. Die Mutter stillt das Kind, bringt das vor Hunger schreiende Kind zur Ruhe. So muß ich meine eigene Seele, die innerlich laut schreit, beruhigen. Wenn ich nicht mehr außen herumlaufe, dann meldet sich der Hunger meines Herzens. Weiterlesen

Stall – Anselm Grün

Christus wurde im Stall geboren. Für C. G. Jung ist das ein wichtiges Symbol geworden. Er meint, wir sollten immer daran denken, dass wir nur der Stall sind, in dem Gott geboren wird. Wir sind folglich nicht der Palast, nicht das neu erbaute und schön eingerichtete Haus, nicht das behagliche Wohnzimmer. Jeder von uns verbindet mit dem Stall andere Erfahrungen und Gefühle. Eine Frau erzählte, dass sie als Kind von der Schule immer sofort in den Stall ging. Dort hat sie sich daheim gefühlt. Der Stallgeruch vermittelte ihr ein Gefühl von Heimat und Geborgenheit. Im Stall sind Tiere, die einfach da sind. Da ist Leben, da geschieht immer wieder Geburt, aber da ist auch Sterben, da sind auch Sorgen. Im Stall ist der Alltag mit seinen Höhen und Tiefen. Die Kinder spüren eine Nähe zu den Tieren. Die Tiere lassen sich streicheln, lassen etwas an sich geschehen. Sie sind geduldiger als Menschen. Sie hören zu, was die Kinder ihnen erzählen. Und im Stall ist immer gleichmäßige Wärme. Die Tiere wärmen auch im Winter den Stall mit ihrer Körpertemperatur. Weiterlesen

Magier – Anselm Grün

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Matthäus berichtet, dass nach der Geburt Jesu Magier aus dem Osten nach Jerusalem kamen. Sie wollten nach dem neugeborenen König der Juden suchen, dessen Geburt ihnen ein Stern angezeigt hatte. Die Magier dürften wohl babylonische Astrologen gewesen sein, die die Sterne erforschten und Träume deuteten. Sie waren Angehörige der persischen Priesterkaste und zeichneten sich durch übernatürliches Wissen aus. Die nach Babylon vertriebenen Juden haben den dortigen Astrologen sicher etwas von der Messiashoffung erzählt. Die altchristliche Kunst hat die Magier als Priester der Mithrasreligion dargestellt, der ernstesten Konkurrentin der jungen Kirche. Weiterlesen

Kerze-Licht – Anselm Grün

182018-e1491733483186.pngIn der Adventszeit setzen wir uns gerne vor eine brennende Kerze, um in ihrem Licht Ruhe zu finden. Seit jeher haben Kerzen eine besondere Anziehungskraft auf Menschen ausgeübt. Das Kerzenlicht ist ein mildes Licht. Gegenüber der grellen Neonbeleuchtung erhellt die Kerze unsern Raum nur teilweise. Es läßt manches im Dunkel. Und das Licht ist warm und angenehm. Die Kerze ist keine funktionelle Lichtquelle, die alles gleichmäßig ausleuchten muß. Vielmehr spendet sie ein Licht, das von vornherein die Qualität des Geheimnisvollen, des Warmen, des Liebevollen in sich birgt. Im Kerzenlicht kann man sich selbst anschauen. Da sehe ich mit einem milden Auge auf meine oft so harte Realität. In diesem zarten Licht wage ich es, mich wahrzunehmen und mich Gott hinzuhalten. Da kann ich mich selbst annehmen. Weiterlesen

Fasten – Anselm Grün

flor-de-cerezoZur Wüste gehört das Fasten. Mose hat in der Wüste vierzig Tage gefastet. Elija mußte vierzig Tage ohne Nahrung durch die Wüste wandern, bis er am Berg Horeb Gott erfahren durfte. Jesus hat in der Wüste gefastet. Das Fasten unterstützt die Wüstenerfahrung. In den Klöstern des Mittelalters hat man vom Martinsfest, dem 11. November, bis Weihnachten gefastet. Die Adventszeit war gleichsam eine zweite Fastenzeit. Durch Fasten hat man sich auf das Kommen des Herrn vorbereitet. Auch heute gibt es viele Menschen, die sich in der Adventszeit eine Woche herausnehmen, um zu fasten. Andere verzichten in dieser Zeit bewußt auf Alkohol oder Süßigkeiten, damit sie an Weihnachten Gottes gute Gaben neu genießen können. Das Weihnachtsgebäck war früher ja bewußt eine Stärkung für den Winter. Da gab es alle köstlichen Dinge, um damit auszudrücken, daß Gott in seinem Sohn den Menschen reichlich beschenkt hat. Weiterlesen