Die Ostergeschichte

Die Ostergeschichte – PDF

Zum Paschafest, dem höchsten Feiertag der Juden, kommen Jesus und seine Jünger nach Jerusalem. Jesus reitet auf einem jungen Esel. Vor der Toren der Stadt warten schon viele Menschen. Sie freuen sich, dass Jesus zu ihnen kommt. Sie ziehen ihre Kleider aus und breiten sie vor ihm auf dem staubigen Boden aus, damit er überreiten kann. Auch viele Kinder sind gekommen, um Jesus mit Jubelrufen zu empfangen. Mit Palmzweigen winken sie ihm zu. Die ganze Stadt ist in großer Aufregung. Die Menschen spuren: Hier kommt der Messias, der Retter, den Gott uns versprochen hat. Gott meint es gut mit uns. Er hat Jesus geschickt, um uns Frieden und Freiheit zu bringen. Sie singen: „Gesegnet sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe.”

Jesus besucht den Tempel, um zu beten. Doch was er dort sieht, gefällt ihm gar nicht: Im Tempel geht es zu wie in einer Markthalle. Überall haben Händler ihre Tische aufgebaut, sie verkaufen Opfertiere und wechseln Geld. „Das Haus meines Vaters soll ein Haus des Gebets sein”, ruft Jesus den Händlern wütend zu. „Ihr aber macht daraus eine Räuberhöhle!” Voller Zorn stößt er die Tische um. Mit einem Strick treibt er die Händler und die Tiere aus dem Tempel. Die Tempelpriester sind erbost über das, was Jesus da tut. Sie beraten, wie sie ihm loswerden können. Denn ohne den Handel im Tempel verdienen sie kein Geld mehr. Sie beschließen, den Unruhestifter bei den Römern anzuzeigen.
Das Volk aber freut sich. Jesus macht aus dem Tempel wieder das, was Gott sich wünscht: ein Haus, in dem die Menschen zu ihm beten und ihm nahe sein können.

Jesus spürt, dass die Hohenpriester ihn an die Römer ausliefern werden und er bald sterben muss. Deshalb hält er mit seinen Jüngern ein Abschiedsmahl. Bei diesem Mahl sagt er ihnen, wie sehr er sie liebt. Als Zeichen seiner Liebe bricht er für sie das Brot und spricht: „Nehmt und esst, das ist mein Leib.” Dann nimmt er den Kelch mit Wein und sagt: „Nehmt und trinkt alle daraus. Das ist mein Blut, das ich für euch vergießen werde.” Die Jünger sind zutiefst beeindruckt. Sie spüren, dass die Liebe Jesu stärker ist als der Tod. Jesus trägt den Jüngern auf, dass sie immer, wenn sie zusammen Mahl halten, an ihn und seine Liebe denken sollen.

Nach dem Mahl geht Jesus mit seinen Jüngern hinaus zum Ölberg. Dort gibt es einen Garten, der Getsemani heißt. Jesus möchte beten, um sich auf den schweren Weg vorzubereiten, der vor ihm liegt. Er hofft, dass auch seine Jünger mit ihm wachen und beten. Doch sie sind müde und schlafen ein. Als Jesus das sieht, wird er sehr traurig. Er fühlt sich allein gelassen von seinen Freunden, denen er doch eben noch seine große Liebe gezeigt hat. Er wird sein Leben für sie geben, doch sie machen einfach ihre Augen zu und sehen nicht, wie groß seine Angst ist.

Auf einmal kommt Judas, einer der Jünger, mit einer großen Schar bewaffneter Männer in den Garten. Er geht auf Jesus zu und küsst ihn. Das ist das Zeichen, das Judas mit den Hohenpriestern vereinbart hat, um Jesus zu verraten. Dreißig Silberstücke soll er als Lohn dafür bekommen. Die Soldaten nehmen Jesus gefangen.
Da wacht Petrus auf. Als er sieht, was geschieht, will er für Jesus kämpfen. Er zieht sein Schwert und schlägt dem Diener des Hohenpriesters ein Ohr ab. Doch Jesus befiehlt Petrus, mit dem Kämpfen aufzuhören. Er berührt das Ohr des Dieners und heilt den Mann. Selbst seinen Feinden gegenüber zeigt Jesus seine große Liebe.

Die Soldaten führen Jesus zum Haus des Hohenpristers Kajaphas. Doch Kajaphas bringt ihn zu Pontius Pilatus, dem Stellvertreter des römischen Kaisers. Nur er hat die Macht, ein Todesurteil zu fällen. Die Hohenpriester möchten, dass Jesus gekreuzigt wird. Sie halten ihn für einen Unruhestifter und behaupten, er sei Gotteslästerer. Zuerst will Pilatus nicht mit der Sache zu tun haben, doch die Hohenpriester setzten ihn unter Druck. Schließlich gibt Pilatus nach und verurteilt Jesus zum Tod am Kreuz. Die Soldaten fesseln Jesus und schlagen ihn. Dann setzen sie ihm eine Dornenkrone auf und verspotten ihn.

Als Jesus gefangen genommen wurde, war Petrus noch voller Mut und wollte für Jesus kämpfen. Doch als er sich nun im Vorhof des Hohenpriesters am Feuer wärmt, spricht ihn eine Magd an und sagt: „Du bist doch auch ein Jünger von Jesus.” Petrus aber hat Angst, dass sie auch ihn gefangen nehmen, und leugnet es. Noch zweimal fragen ihn die Leute, ob er nicht auch zu Jesus gehöre. Und jedes Mal antwortet Petrus: „Ich kenne diesen Menschen nicht.” Da kräht auf einmal ein Hahn. Petrus erinnert sich an die Worte, die Jesus beim Abschiedsmahl zu ihm gesagt hat: „Noch ehe heute der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.” Da geht Petrus hinaus und weint bitterlich. Er schämt sich, weil er seinen besten Freund verraten hat.

Die Soldaten laden Jesus sein Kreuz auf die Schultern. Er soll es selbst zum Berg Golgota, dem Ort seiner Kreuzigung, tragen. Doch Jesus ist zu schwach. Immer wieder geht er unter der last des Kreuzes zu Boden. Die Soldaten schlagen ihn und zwingen ihn, wieder aufzustehen. Seine Mutter steht am Wegrand und muss zusehen, wie ihr Sohn leidet. Der Schmerz darüber bricht ihr das Herz. Einige Frauen wollen Jesus zu Hilfe eilen, doch die Soldaten halten sie davon ab. Als Jesus schließlich nicht mehr kann, zwingen sie einen Bauern, der gerade vom Feld kommt, das Kreuz bis zum Berg Golgota zu tragen.

Oben auf dem Hügel ziehen Soldaten Jesus die Kleider aus und schlagen ihn ans Kreuz. Seine Kleider verlosen sie untereinander. Jesus hat große Schmerzen, doch er fängt an zu beten. Er bittet Gott, seinen Mördern zu vergeben. Dann sagt er: „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.”
Als eine große Finsternis über das Land hereinbricht, ruft Jesus: „Es ist vollbracht!” Zur gleichen Zeit reißt im Tempel der Vorhang mitten entzwei. Die Leute spüren: Dieser Mensch, der hier gestorben ist, war Gottes Sohn. Sein Tod wird die ganze Welt verändern. Denn die Liebe Jesus ist stärker als der Tod und stärker als der Hass seiner Mörder.
Jesu Freunde nehmen seinen Leichnam vom Kreuz. Sie legen ihn in ein Felsengrab und wälzen einen schweren Stein davor.

Zwei Tage später, als das Paschafest vorüber ist, gehen einige Frauen frühmorgens zum Grab, um Jesus mit wohlriechenden Ölen zu salben. Doch als sie dort ankommen, sehen sie, dass der Stein vor dem Eingang weggewälzt ist. Sie wundern sich und gehen in das leere Grab hinein. Da sehen sie auf einmal einen Engel in einem weißen Gewand. Vor Angst fallen die Frauen vor ihm nieder. Doch der Engel spricht zu ihnen: „Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Doch er ist nicht hier; er ist auferstanden.”
Der Engel befiehlt den Frauen, zu den Jüngern zu gehen und ihnen die frohe Botschaft von der Auferstehung zu verkünden. Voller Freude gehen sie hinaus, um die Jünger zu suchen.

Am gleichen Tag machen sich zwei der Jünger auf den Weg in ihr Heimatdorf Emmaus. Traurig gehen sie nebeneinander her und reden über das, was vorgefallen ist. Da begegnet ihnen ein fremder Mann. Er geht mit ihnen und hört zu, was sie über Jesus und seinen Tod erzählen. Es ist Jesus selbst, der da mit ihnen geht, doch die Jünger erkennen ihn nicht. Aber sie hören ihm gerne zu. Er erklärt ihnen, dass alles geschehen ist, weil Gott es so wollte.

Schließlich erreichen die beiden Jünger ihr Haus. Jesus tut so, als ob er weitergehen will. Da bitten sie ihn: „Bleib doch bei uns; denn es wird bald Abend, der Tag hat sich schon geneigt.” Jesus setzt sich mit den beiden Jüngern zu Tisch. Er nimmt das Brot, das sie ihm reichen, und bricht es. Da erinnern sie sich, wie er vor seinem Tod das Brot für sie gebrochen und es ihnen gereicht hat. Auf einmal gehen ihnen die Augen auf und sie erkennen: Der Fremde ist Jesus. Er lebt! Er ist auferstanden! Und sie sind voller Freude.

Nach seiner Auferstehung hält Jesus immer wieder Mahl mit seinen Jüngern. Und er sagt zu ihnen: „Geht hinaus in die Welt und macht alle Menschen zu meinen Jüngern. Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Erzählt ihnen von mir und davon, was ich euch gesagt habe. Und vergesst nicht: Auch wenn ihr mich nicht sehen könnt, so bin ich immer bei euch und beschütze euch mit meiner Liebe bis zum Ende der Welt.”

Anselm Grün: Die Ostergeschichte.
Freiburg, Br., Basel, Wien: Herder, 2012

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