Archiv der Kategorie: Krieg

Der blaue Junge

der blaue junge

Weit draußen hinter den Sternen ist alles ganz anders als hier. Und noch weiter draußen ist alles noch ganz anders als dort, wo alles ganz anders ist als hier.
Aber wenn man ganz weit fliegen würde, ganz weit, ganz fern, dorthin, wo alles ganz anders ist als überall, dort wäre es vielleicht dann wieder fast genauso wie hier.
In dieser fernen Gegend ist vielleicht ein Planet, so groß wie unsere Erde, und auf diesem Planeten leben vielleicht Leute, die fast genauso aussehen wie wir, nur dass sie blau sind und ihre Ohren zuklappen können, wenn sie nichts hören wollen. Weiterlesen

Der grüne Omnibus

Anlässlich des Internationalen Tages des Gedenkens
an die Opfer des Holocaust

Der grüne Omnibus

Theo Stemmler

Die Tage wurden kürzer, und obwohl die Mittagstemperaturen in jenem warmen September 1944 manchmal noch 25 Grad erreichten, gingen die Leute aus Waldau nicht mehr zum Dorfweiher, um dort zu baden. Die Erwachsenen brachten die Ernte ein, die Kinder gingen vormittags zur Schule und waren nachmittags mit Hausaufgaben beschäftigt — oder mit dem Einkaufen von Dingen, die ihnen ihre Mütter auf Zetteln notiert hatten.

Karl nahm sich für den Heimweg vom Fleischer viel Zeit. Er genoß die Freiheit vor dem erneuten Beginn der häuslichen Verwahrung. Trotzig ließ er das Einkaufsnetz, in dem ein Pfund Schweineleber schwappte, über die staubige Straße schleifen, verscheuchte einige Hühner, die ihm in die Quere kamen, und trat mit seinen genagelten Schuhen nach jedem erreichbaren Stein, dass Funken sprühten. Weiterlesen

Risiko für Weihnachtsmänner

Sie hatten schnellen Nebenverdienst versprochen, und ich ging hin in ihr Büro und stellte mich vor. Das Büro war in einer Kneipe, hinter einer beschlagenen Glasvitrine, in der kalte Frikadellen lagen, Heringsfilets mit grau angelaufenen Zwiebelringen, Drops und sanft leuchtende Gurken in Gläsern. Hier stand der Tisch, an dem Mulka saß, neben ihm eine magere, rauchende Sekretärin: alles war notdürftig eingerichtet in der Ecke, dem schnellen Nebenverdienst angemessen. Mulka hatte einen großen Stadtplan vor sich ausgebreitet, einen breiten Zimmermannsbleistift in der Hand, und ich sah, wie er Kreise in die Stadt hineinmalte, energische Rechtecke, die er nach hastiger Überleg und durchkreuzte: großzügige Generalstabsarbeit.

Mulkas Büro, das in einer Annonce schnellen Nebenverdienst versprochen hatte, vermittelte Weihnachtsmänner; Weiterlesen

The Cats in Krasinski Square

The Cats in Krasinski Square

The cats come from the cracks in the Wall, the dark corners, the openings in the rubble.
They know I can offer only a gentle hand, a tender voice.
They have no choice but to come.
They belonged once to someone.
They slept on sofa cushions and ate from crystal dishes.
They purred, furrowing the chests, nuzzling the chins of their beloveds.
Now they have no one to kiss their velvet heads. I whisper, “I have no food to spare.”
The cats don’t care.
I can keep my fistful of bread, my watery soup, my potato, so much more than my friend Michal gets behind the Wall of the Ghetto.
The cats don’t need me feeding them.
They get by nicely on mice. Weiterlesen

Christmas in the trenches

Christmas in the trenches

The only thing separating the two armies on that cold December night in 1914 was a barren stretch of muddy ground called No Man’s Land. It was in this setting that the miracle began.

A faint sound of singing cut through the frosty air.

Stille Nacht, heilige Nacht…

Then other voices joined in.

Silent night, holy night.

For a brief time the enemies stopped fighting and behaved as friends. As many as 100,000 soldiers are assumed to have participated in what became known as the unofficial Christmas Truce.

It was a grand human moment. Weiterlesen

Hiroshima No Pika – The Flash of Hiroshima – Toshi Maruki

Hiroshima No Pika

(The Flash of Hiroshima)

That morning in Hiroshima the sky was blue and cloudless. The sun was shining. Streetcars had begun making rounds, picking up people who were on their way to work. Hiroshima’s seven rivers flowed quietly through the city. The rays of the midsummer sun glittered on the surface of the rivers.

In Tokyo, Osaka, Nagoya, and many other Japanese cities there had been air raids. The people of Hiroshima wondered why their city had been spared. They had done what they could to prepare for an air raid. To keep fire from spreading, they had torn down old buildings and widened streets. They had stored water and decided where people should go to avoid the bombs. Everyone carried small bags of medicine and, when they were out of doors, wore air-raid hats or hoods to protect their heads.

Mii was seven years old and lived in Hiroshima with her mother and father. Weiterlesen

Erikas Geschichte

Erikas Geschichte

Fünfzig Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges, im Jahr 1995, also, begegnete mir die Frau aus dieser Geschichte. Mein Mann und ich saßen in Rothenburg ob der Tauber auf einer Bank und sahen zu, wie Einsatzkräfte zerbrochene Ziegel entfernten, die vom Rathausdach heruntergefallen waren. Ein schwerer Sturm war in der Nacht zuvor durch diese wunderschöne mittelalterliche Kleinstadt gefegt und hatte überall seine Spuren hinterlassen. Ein älterer Ladenbesitzer, der in der Nähe stand, erzählte uns, dass der Sturm ebenso große Verwüstungen verursacht habe wie der letzte alliierte Luftangriff während des Krieges. Weiterlesen