Archiv der Kategorie: Vorurteil

Colour blues

«Sag mal, Papa, wo liegt Marokko?»
«In Afrika.»
«Dort, wo es Giraffen und Nilpferde gibt?»
«Nein, etwas höher — in Nordafrika.»
«Und wer wohnt dort?»
«Araber.»
«Ich dachte, Araber leben in Arabien…»
«Naja, die Araber sind überall, sogar in der U-Bahn. Die Araber in Marokko sind Berber.»
«Aber Berber sind Barbaren, oder?»
«Nein, die Barbaren waren ganz was anderes — die waren eine Horde Invasoren.»
«Ja, aber gestern beim Fernsehen hast du dich beschwert, dass Frankreich von Arabern invadiert wird.»
«Ah ja — ist aber nicht das Gleiche. Es gibt sehr nette Weiterlesen

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Gleiche Rechte für Mädchen und Jungen. Ja klar!

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Gleiche Rechte für Mädchen und Jungen. Ja klar!

„Kein Kind darf, weil es ein Mädchen oder Junge ist, benachteiligt werden. Das steht in den Kinderrechten. Aber ist das nicht sowieso klar?”, wundert sich Paul. Jasper, Robert und Lea nicken.

„Und wieso muss dann immer ich beim Abwasch helfen und mein Bruder nicht?”, fragt Hannah.

„Dein Bruder ist ja noch klein”, antwortet Hazima. „Wenn er ein bisschen älter ist, muss er auch helfen, sonst ist es ungerecht.”

„Abwaschen ist Frauensache”, grinst Rasmus. Weiterlesen

Weise Affen? – Karlhans Frank

Weise Affen?

Auf der Theke meiner Dorfkneipe steht eine kleine Skulptur. Sie zeigt drei Affen — einer verdeckt mit den Händen seine Augen, der zweite seine Ohren, der dritte hält sich den Mund zu. Das ist ein bekanntes Bild, und der Wirt will damit signalisieren, dass er nicht hinsieht, wenn beispielsweise ein Liebespaar knutscht, nicht hinhört, wenn ein Betrunkener über seinen Chef Schimpfworte lallt, niemandem sagt, was in seinem Lokal gesprochen wird.

Ist ja in Ordnung.

Wenn eine Frau ihr Strumpfband verliert, sollte man darüber hinwegsehen — wie es die folgende Anekdote erzählt: Weiterlesen

Das fremde Mädchen – Evelyne Stein-Fischer

Das fremde Mädchen

 

Salima heißt die Neue in der Klasse.

Sie ist kein stilles schüchternes Mädchen wie Gabi.

Salima macht sich überall bemerkbar.

Sie spricht lauter als die anderen.

Sie kleidet sich bunter als die meisten.

Und sie lässt sich von keinem etwas gefallen. Weiterlesen

Ein hartes Leben

Ein hartes Leben

Wolfgang L. war zehn, als in der Schule eines Tages bemerkt wurde, dass er gehbehindert ist. Am 13. Oktober 1940 ist er geboren. Es war also kurz nach dem Krieg, als diese merkwürdige Entdeckung gemacht wurde. Er konnte sich nicht vorstellen, wie es ist, wenn man behindert ist. Es gab so wenige. Nur manchmal sah er einen jungen Mann, in Decken verpackt, in seinem Behindertenstuhl irgendwo im Schatten sitzen und kleine Bilder malen.

Später erfuhr Wolfgang L., dass dieser Behinderte während des Krieges versteckt gehalten wurde. Deshalb hatte man ihn nicht vergast. Er hieß Josef Steinle. Aber wenn die Leute von ihm redeten, dann sagten sie nur: „Das Josefle“. Weiterlesen

Die bösen Nachbarshunde

Die bösen Nachbarshunde

Frau Hofbauer wohnte am Stadtrand. Rund im ihr Häuschen war ein Garten mit Obstbäumen, Blumenbeeten und Gemüsebeeten. Frau Hofbauer wohnte nicht allein draußen vor der Stadt. Sie hatte einen Hund, einen grauschwarzen Schnauzer, Wenn er bellte, klang es so, als würde ein mit Steinen gefülltes Blechfass einen Hang hinunterrollen. Der Hund hieß übrigens Tasso. Mit ihm unterhielt sich Frau Hofbauer, wenn sie einsam war. Frau Hofbauer war oft einsam. Denn sie hatte weder Söhne noch Töchter, noch sonst irgendwelche Verwandten, und sie war bereits so alt, dass sie nur noch schwer neue Freunde finden konnte. Sie hatte nur ihren Tasso. Den liebte sie. Wehe, wenn jemand ein böses Wort über Tasso sagte. Das machte Frau Hofbauer wütend, das trieb ihr den Zorn in die Augen und schlimme Worte in den Mund.

Frau Maier wohnte ebenfalls am Stadtrand. Auch um ihr Haus lag ein Garten, schön und gepflegt, mit Rasen und Silbertannen, Birken und Trauerweiden. Weiterlesen