Archiv der Kategorie: Dialog

Ein Geschenk vom Nikolaus

Ein Geschenk vom Nikolaus – A4

 

 

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Lachgesichter in der Griesgramstraße

Seit kurzem wohnt Peter in der Griesgramstraße. Natürlich heißt diese Straße anders, aber Peter hat ihr diesen Namen gegeben, weil die Leute alle so griesgrämig dreinblicken. Selbst die Kinder sind abweisend und feindselig, und Peter traut sich nicht sie anzusprechen. So ist er nachmittags immer alleine und langweilt sich. Und das Heimweh, das tut dann natürlich besonders weh.

Eines Nachts träumt Peter von bunten Lachgesichtern. Sie stehen überall in den Fenstern und lachen hell und bunt auf die dunkle Griesgramstraße hinaus. Es ist ein schöner Traum, und am nächsten Tag muss Peter immer wieder an die Lachgesichter denken. Ab und zu huscht sogar ein Lächeln über sein Gesicht. Und auf einmal hat er eine Idee: Er wird sich so ein buntes Lachgesicht basteln! Wie in seinem Traum soll es fröhlich auf die Straße hinauslachen. Weiterlesen

Wir verstehen uns blind

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An diesem Einkaufssamstag waren besonders viele Leute in die Fußgängerzone gekommen.

»Winterschlusverkauf! Alles um die Hälfte billiger!«, rief der Verkäufer und alle stürzten sich auf die Kleiderständer vor dem Geschäft.

»Winterschuhe fast geschenkt!«, rief der Schuhverkäufer auf der anderen Straßenseite. Gleich wühlten viele Hände in der Schuhtruhe. »Ich hab ihn zuerst gesehen«, rief ein junger Mann wütend und winkte mit dem linken Pelzstiefel, »geben Sie mir sofort den rechten Pelzstiefel!«

Die Leute rauften und stritten, rannten auf der Straße hin und her und suchten mit unruhigen Blicken nach Schnäppchen, die sie noch schnell vor den anderen kaufen könnten.

Niemand sah das kleine Mädchen, das neben der Telefonzelle stand und verzweifelt weinte.Plötzlich zuckte Katharina zusammen. Ein feuchtes Etwas hatte ihre rechte Hand berührt. Mit Tränen verschwommenen Augen sah Katharina einen großen Hund. Weiterlesen

Die Geschichte des weisen Nathan

Vor langer Zeit befreundeten sich in Jerusalem zwei Männer, die so verschieden voneinander waren, dass sich jedermann wunderte, der davon hörte.

Der eine war Saladin, der Sultan von Babylon, der andere Nathan, ein frommer Jude.

Saladin war im Volk berühmt für seine Tapferkeit, mit der er seine Feinde besiegte. Von Nathan aber erzählten sich die Leute, dass er unermesslich reich und geizig sei.

Das kam so:

Der verschwenderische Sultan war eines Tages in Geldnot geraten. Seine Schatzkammern waren leer. Ungeduldig erwartete er eine große Summe Geldes aus Ägypten. Doch die Karawane, die es ihm hätte bringen sollen, war anscheinend in einem Wüstensturm umgekommen oder von Räubern überfallen worden. Weiterlesen

Christmas in the trenches

Christmas in the trenches

The only thing separating the two armies on that cold December night in 1914 was a barren stretch of muddy ground called No Man’s Land. It was in this setting that the miracle began.

A faint sound of singing cut through the frosty air.

Stille Nacht, heilige Nacht…

Then other voices joined in.

Silent night, holy night.

For a brief time the enemies stopped fighting and behaved as friends. As many as 100,000 soldiers are assumed to have participated in what became known as the unofficial Christmas Truce.

It was a grand human moment. Weiterlesen

Die lange Reise nach Hause – Wilhelm Meissel

Die lange Reise nach Hause

Leo mochte nicht mehr nach Hause gehen. Zu Hause war es öde. Vater kam auch nicht mehr. Er wohnte jetzt woanders. Das hatte besondere Gründe: Vater hatte sich scheiden lassen.

Scheiden tut weh, heißt es in einem Lied. Wenn Leo seinen Vater betrachtete, den er einmal im Monat sah, war nichts von Weh in seinem Gesicht. Davon war schon mehr im Gesicht seiner Mutter zu sehen. Warum eigentlich? Sie bekam doch Geld und die Kinderbeihilfe von Vater. Trotzdem war sie unglaublich geizig mit dem Taschengeld. Aber nicht nur damit. Sie hatte plötzlich einen Hang zur eisernen Pflichterfüllung und holte Leo morgens viel zu früh aus dem Bett.

„Du musst rechtzeitig in der Schule sein“, sagte sie.

Aber sie sagte das mit einer Stimme, die Leo auf die Palme brachte. Mutter brüllte nicht, keifte nicht, murrte nicht. Ganz im Gegenteil. Sie war sanft, freundlich, liebenswürdig. Das hielt Leo nicht aus. Wenn er sich aber fragte, warum, konnte er keine Antwort finden. Das wurmte ihn noch mehr. Er hätte sich am liebsten die Ohren zugehalten, wenn sie ihn anredete. Gut, früher hatte ihn der Vater mit dem Wagen zur Schule geführt. Das war vorbei. Aber musste sie ihn deswegen so früh aus dem Bett jagen? Weiterlesen

Fremder Mann – Waltraud Zehner

Fremder Mann 

Waltraud Zehner

Einmal im Monat kommt mein Vater,
holt mich ab, wir gehen in den Zoo.
Er kauft mir Schoko und Cola und Tierfutter
und denkt, ich bin froh.
Bei den Affen bleiben wir lange stehn.
Mein Vater schaut auf die Uhr:
Wir sollten jetzt weitergehn.
Im Gasthaus krieg ich wie immer Pizza und Eis.
Wie geht‘s in der Schule, fragt er,
hier hast du zehn Mark für Fleiß.
Einen Sonntag im Monat hat mein Vater Zeit,
einen ganzen Tag lang sind wir zu zweit,
manchmal kommt er mir vor wie ein fremder Mann,
und ich trau mich nicht zu sagen,
dass ich die Mathe nicht kann.
 

Hans-Joachim Gelberg (Hrsg.): Die Erde ist mein Haus – Jahrbuch der Kinderliteratur.
Weinheim: Beltz&Gelberg 1988