Archiv der Kategorie: Dialog

Du hast angefangen! Nein, Du!

Es war einmal ein blauer Kerl, der lebte friedlich an der Westseite eines Berges, wo die Sonne untergeht.

Und auf der Osterseite, wo die Sonne aufgeht, da lebte ein roter Kerl.

Manchmal redeten die beiden Kerle miteinander durch ein Loch im Berg.

Aber gesehen haben sie sich nie.

Eines Abends rief der Blaue durch das Loch: »Siehst du, wie schön das ist? Die Sonne geht unter. Der Tag geht.«

»Der Tag geht?«, rief der Rote zurück. »Du willst wohl sagen, dass die Nacht kommt, du Schmarrer!«

»Sag nicht Schmarrer zu mir, du Holzkopf!«, fauchte der Blaue und war so sauer, dass er kaum schlafen konnte.

Der rote Kerl ärgerte sich auch so sehr, dass er genauso schlecht schlief.

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Frau Bund und Hund

Frau Bund und Hund PDF

Es ist ein sonniger und warmer Tag. Frau Bund und ihr Hund sind nicht im Park, im Bad oder im Wald. Sie sind in ihrer Wohnung.

Wie an jedem anderen Tag auch.

Frau Bund mag nämlich keine Leute treffen. Vor allem keine Nachbarn. Da muss sie grüßen, neugierige Fragen beantworten und sich anstarren lassen. Das kann Frau Bund nicht leiden.

Dem Hund Bodo ist das recht so. Er will nicht auf schmutzigen und stinkenden Straßen umherrennen. Oder noch schlimmer, sich auf ungepflegten Wiesen Flöhe einfangen. Weiterlesen

Ein Geschenk vom Nikolaus – Slideshare

Ein Geschenk vom Nikolaus – A4

Es schneit… und schneit, bis hohe Schneeberge die Häuser zudecken. Im Dorf ist es weiß, kalt und still.

Der Krämer kann seine Ware nicht verkaufen, die Bäckersfrau kein Brot. Großvater Gregor möchte seine Ziegen füttern, doch der Weg zum Stall ist verschneit. Und weil es keine Post auszutragen gibt, schreibt sich der Briefträger selbst einen Brief. In jedem Haus warten Kinder auf den Nikolaus.

Anne und Mich hauchen Gucklöcher in die Eisblumen am Fenster. (…) Weiter lesen

 

 

Lachgesichter in der Griesgramstraße

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Seit kurzem wohnt Peter in der Griesgramstraße. Natürlich heißt diese Straße anders, aber Peter hat ihr diesen Namen gegeben, weil die Leute alle so griesgrämig dreinblicken. Selbst die Kinder sind abweisend und feindselig, und Peter traut sich nicht sie anzusprechen. So ist er nachmittags immer alleine und langweilt sich. Und das Heimweh, das tut dann natürlich besonders weh. Weiterlesen

Wir verstehen uns blind

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An diesem Einkaufssamstag waren besonders viele Leute in die Fußgängerzone gekommen.

»Winterschlusverkauf! Alles um die Hälfte billiger!«, rief der Verkäufer und alle stürzten sich auf die Kleiderständer vor dem Geschäft.

»Winterschuhe fast geschenkt!«, rief der Schuhverkäufer auf der anderen Straßenseite. Weiterlesen

Küssen ist doof

Küssen ist doof

Es ist Wochenende, und beim Frühstück machen es sich Tim und Papa richtig gemütlich. Mit Tischdecke, Kakao, Brötchen, Marmelade, Wurst und Käse! Weil Wochenende ist, darf Tim so viel Schokocreme essen, wie er will.
»Lecker«, sagt er glücklich.
»Morgen kommt Tante Ulla«, erzählt Papa.
»Oh nein!«, ruft Tim und lässt sein Brötchen fallen. »Ich verstecke mich, damit sie mich nicht findet.« Weiterlesen

Die Geschichte des weisen Nathan

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Vor langer Zeit befreundeten sich in Jerusalem zwei Männer, die so verschieden voneinander waren, dass sich jedermann wunderte, der davon hörte.

Der eine war Saladin, der Sultan von Babylon, der andere Nathan, ein frommer Jude.

Saladin war im Volk berühmt für seine Tapferkeit, mit der er seine Feinde besiegte. Von Nathan aber erzählten sich die Leute, dass er unermesslich reich und geizig sei.

Das kam so:

Der verschwenderische Sultan war eines Tages in Geldnot geraten. Seine Schatzkammern waren leer. Ungeduldig erwartete er eine große Summe Geldes aus Ägypten. Doch die Karawane, die es ihm hätte bringen sollen, war anscheinend in einem Wüstensturm umgekommen oder von Räubern überfallen worden. Weiterlesen

Christmas in the trenches

Christmas in the trenches

The only thing separating the two armies on that cold December night in 1914 was a barren stretch of muddy ground called No Man’s Land. It was in this setting that the miracle began.

A faint sound of singing cut through the frosty air.

Stille Nacht, heilige Nacht…

Then other voices joined in.

Silent night, holy night.

For a brief time the enemies stopped fighting and behaved as friends. As many as 100,000 soldiers are assumed to have participated in what became known as the unofficial Christmas Truce.

It was a grand human moment. Weiterlesen

Angst im Bauch

Angst im Bauch

»Puh, war das ein Schreck!« Dana stopfte sich einen Schokoriegel in den Mund. »Mir zittern alle Glieder. So etwas aber auch!« Sie redete und kaute, stöhnte und zitterte. Dem Schokoriegel folgte ein Stück Kuchen, ein Joghurt, eine Essiggurke und ein Becher Erdbeermilch, und langsam hörte das Zittern auf.
»War wirklich ein Riesenschreck!«, sagte Dana und wischte sich den Mund ab. »Ich hab vielleicht ‘ne Angst gehabt!«
»Oh, mein Armes!«, rief Danas Mutter aufgeregt. »Das ist ja schrecklich. Möchtest du vielleicht ein Spiegelei haben? Dann geht es dir bestimmt gleich besser.«
»Ein Spiegelei?« Dana sah ihre Mutter erfreut an. »Ja, das wäre genau das Richtige, um diesen schrecklichen Traum zu vergessen!« Weiterlesen

Die lange Reise nach Hause – Wilhelm Meissel

Leo mochte nicht mehr nach Hause gehen. Zu Hause war es öde. Vater kam auch nicht mehr. Er wohnte jetzt woanders. Das hatte besondere Gründe: Vater hatte sich scheiden lassen.

Scheiden tut weh, heißt es in einem Lied. Wenn Leo seinen Vater betrachtete, den er einmal im Monat sah, war nichts von Weh in seinem Gesicht. Davon war schon mehr im Gesicht seiner Mutter zu sehen. Warum eigentlich? Sie bekam doch Geld und die Kinderbeihilfe von Vater. Trotzdem war sie unglaublich geizig mit dem Taschengeld. Weiterlesen

Fremder Mann – Waltraud Zehner

Fremder Mann 

Waltraud Zehner

Einmal im Monat kommt mein Vater,
holt mich ab, wir gehen in den Zoo.
Er kauft mir Schoko und Cola und Tierfutter
und denkt, ich bin froh.
Bei den Affen bleiben wir lange stehn.
Mein Vater schaut auf die Uhr:
Wir sollten jetzt weitergehn.
Im Gasthaus krieg ich wie immer Pizza und Eis.
Wie geht‘s in der Schule, fragt er,
hier hast du zehn Mark für Fleiß.
Einen Sonntag im Monat hat mein Vater Zeit,
einen ganzen Tag lang sind wir zu zweit,
manchmal kommt er mir vor wie ein fremder Mann,
und ich trau mich nicht zu sagen,
dass ich die Mathe nicht kann.
 

Hans-Joachim Gelberg (Hrsg.): Die Erde ist mein Haus – Jahrbuch der Kinderliteratur.
Weinheim: Beltz&Gelberg 1988

Das Bauchweh – Nasrin Siege

Das Bauchweh

Nasrin Siege

Andreas hat Bauchweh. Er hat zu viel Kuchen gegessen. Mama zaubert das Bauchweh weg: »Das Bauchweh ist wie ein kleiner Vogel. Das Bauchweh fliegt ganz hoch, auf die Spitze eines Baumes. Dann fällt das Bauchweh runter in den Fluss. Plumps! Ein Krokodil kommt angeschwommen und frißl das Bauchweh auf. Das hätte es lieber nicht tun sollen, denn danach bekommt es ganz doll Bauchweh. >Aua, aua!< schreit es. Seine Mutter kommt ganz aufgeregt angeschwommen und sagt zu ihm: >Dann spuck’s doch aus!< Das tut es, und dann hat es kein Bauchweh mehr. Das Bauchweh schwimmt weiter – wie ein kleiner Fisch. Wer es frisst, bekommt selber Bauchweh. Nur Andreas und das Krokodil haben kein Bauchweh mehr.«

Zärtlichkeiten:
Die Arme ausbreiten
Märchen erzählen
Blätter sammeln
Bauchweh wegstreicheln Weiterlesen

Jakob nimmt sich etwas vor

Susi kommt mit verweinten Augen in die Schule.

„Was ist los?” fragt Jakob.

„Mein Meerschweinchen ist gestorben”, sagt Susi. „Mein Sebastian mit dem schwarzen Fleck auf der Nase.”

„Oje”, sagt Jakob. „Und jetzt bist du traurig.”

Susi nickt.

„Kannst du deine Eltern nicht bitten, dass sie dir ein neues kaufen?” fragt Max. Weiterlesen

Ja sagen, Nein sagen – gar nicht so einfach!

Jungen raufen, Mädchen halten Händchen.

Jungen raufen, Mädchen halten Händchen.

Stimmt das?

Pauline ist mit Regina und Nicki befreundet. Auf dem Schulhof gehen die drei meistens Arm in Arm in einer langen Reihe. Mit Regina ist Pauline noch ein bisschen mehr befreundet. Manchmal gehen die beiden zu zweit und halten sich an der Hand. Das ist ein schönes warmes Gefühl, findet Pauline.

Rasmus ist mit Dimitar befreundet. Wenn Dimitar morgens um die Ecke getrabt kommt, freut er sich. „Hey, Dimi!”, schreit er dann und knufft seinen Freund in die Seite. „Hey, Rasmus, du Ganove!”, brüllt Dimitar und haut Rasmus auf den Rücken. Manchmal fangen die beiden dann gleich an zu raufen und kugeln gemeinsam über den Boden.

Jasper ist der beste Freund von Paul. Wenn Paul Jasper sieht, haut er ihm auch auf den Rücken. Jasper mag das eigentlich nicht. Am liebsten würde er Pauls Hand nehmen. Aber dann boxt er ihn doch lieber in die Seite.

Gut – schlecht!

Was stimmt denn nun?

gutRaufen kann gut sein:

Wenn Rasmus und Dimitar miteinander raufen, geht es ihnen gut. Sie fühlen dann, dass sie echte Freunde sind. Weiterlesen

Nein sagen ist manchmal ganz schön schwer!

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Nein sagen ist manchmal ganz schön schwer!

Das hört sich so einfach an: Nein sagen, wenn sich etwas nicht gut anfühlt.

Laura, die Kusine von Serafina, hat etwas erlebt, bei dem sie sich mit dem Ja-Sagen und Nein-Sagen gar nicht mehr auskannte.

Einmal war Onkel Linus zu Besuch. Er ist der Bruder von Lauras Mutter.

Laura hat sich gefreut. Onkel Linus hat Laura gezeigt, wie man im Internet surft. Er hat ihr gezeigt, wo die besten Spiele zu finden sind und wie man seine Lieblingslieder aus dem Netz herunterladen kann. Ganz nahe beieinander haben sie vor dem Computer gesessen. Laura hatte ein schönes warmes Gefühl im Magen. Onkel Linus hat einen Arm um Laura gelegt, und dann hat er angefangen, sie zu streicheln. Weiterlesen

Gleiche Rechte für Mädchen und Jungen. Ja klar!

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Gleiche Rechte für Mädchen und Jungen. Ja klar!

„Kein Kind darf, weil es ein Mädchen oder Junge ist, benachteiligt werden. Das steht in den Kinderrechten. Aber ist das nicht sowieso klar?”, wundert sich Paul. Jasper, Robert und Lea nicken.

„Und wieso muss dann immer ich beim Abwasch helfen und mein Bruder nicht?”, fragt Hannah.

„Dein Bruder ist ja noch klein”, antwortet Hazima. „Wenn er ein bisschen älter ist, muss er auch helfen, sonst ist es ungerecht.”

„Abwaschen ist Frauensache”, grinst Rasmus. Weiterlesen

In 10 minuten gibt’s essen – Achim Broger

In 10 minuten gibt’s essen

Vor dem Fußgängerüberweg an der Kreuzung bleibe ich stehen. Autos drängeln sich dicht hintereinander an mir vorbei. Meine Schultasche stelle ich neben mir auf dem Pflaster ab; sie ist heute ziemlich schwer, schwerer als sonst. Wir hatten in der zweiten Stunde Erdkunde, dafür muss ich jedes Mal den Atlas mitschleppen, der wiegt allein zwei Pfund. Kein Wunder, wenn ich mir vorstelle, dass darin alle Flüsse, Berge, Meere, Städte und Länder eingepackt sind – oder wenigstens fast alle. Da unten, in dieser Tasche neben meinen Füßen, stecken sie. Komische Vorstellung. Hoffentlich laufen die Flüsse und Meere nicht aus, sonst würden das Lesebuch und alle anderen Bücher und Hefte, die ich mithabe, nass werden… Jedenfalls ist die Tasche heute verdammt schwer. Weiterlesen

Das Wutspiel

Das Wutspiel

»Heute machen wir etwas ganz Besonderes«, sagt Frau Sommer, »wir spielen das Wutspiel.«

Sofort schreit Katharina: »Das kann Jan bestimmt total gut, der kann uns das allen vormachen.«

Jan legt die Hände vors Gesicht und dreht sich weg. Frau Sommer guckt Katharina lange an und sagt: »Du, Katharina, du kannst das sicher auch gut. Und ich fände es besser, wenn wir nicht auf jemand anderen zeigen. Wir alle spielen Wut!«

»Und wie geht das?«, will Timo wissen. Weiterlesen

Schutzengel mein – Max Bolliger

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„Schutzengel mein, der du mich begleitest,
alle meine Schritte leitest. Ich danke dir. Amen.“
„Amen“, sagt auch die Mutter. „Und nun schlaf gut.“
Plötzlich richtet sich David nochmals auf.
„Es gibt gar keine Engel“, sagt er.
„Warum?“ fragt die Mutter und setzt sich auf sein Bett. Weiterlesen

Auf dem Faschingsfest

fas„Warum heulst du, Susi?“ fragt Jakob.

„Weil die Kathi grauslich zu mir war“, schluchzt Susi.

Ihre kleine Krone aus Goldpapier sitzt schief auf ihrem Haar. Die Wimperntusche ist von den Wimpern auf die Wangen geflossen, und ihre Augen sind vom Weinen rot.

Du bist manchmal auch grauslich zu Katharina, will Jakob sagen. Aber er überlegt es sich und fragt: „Was hat die Kathi dir denn getan?“ Weiterlesen

klassenlos

klassenlos

im lärm von
drei dutzend spatzen
ein einziger
buchfink

dass der sich
nicht schämt

Werner Dürrson

Karlhans Frank (Hrsg.) : Menschen sind Menschen. Überall. – P.E.N.-Autoren schreiben gegen Gewalt
München, C. Bertelsmann Taschenbuch, 2002

P.E.N. steht für »Poets, Essayists, Novelists«. Es ist kein gewöhnlicher Verein, in dem jeder Mitglied werden kann. Wer in den P.E.N. aufgenommen werden will, kann sich nicht selbst bewerben. Er muss vorgeschlagen und zugewählt werden, muss nicht nur als Autor anerkannt sein, sondern auch gegen Militarismus, Rassenhetze und Völkerhass sein, sich nachweislich für Frieden und Menschenrechte einsetzen. Es ist eine literarische Ehrung, Mitglied des P.E.N. zu werden. Weiterlesen

Ungestillter Hunger

Ungestillter Hunger

Alles menschliche Elend kommt aus dem Geiz: das leibliche Elend, weil man sich weigert, von seinem Besitz etwas herzugeben; das Elend der Seelen, weil man sich weigert, seine Zeit und sein Herz hinzugeben.

Alle Leiden, die heftigen und die nur dumpf empfundenen, alle Bitterkeit, alle Erniedrigung, aller Kummer, aller Maß und alle Verzweiflung dieser Welt sind letztlich nichts als ungestillter Hunger; Hunger nach Friede, nach Hilfe, nach Liebe.

Der kleine Junge, der bittere Tränen vergießt, weil die Mutter in ihrer Nervosität ihn ohne Grund geohrfeigt hat, wie der allzu alte Großvater, den seine Enkel ohne Gruß und Besuch lassen; das häßliche Mädchen, das man unbeachtet im Winkel stehen läßt, wie die Gattin, die von ihrem Mann vernachlässigt wird, und die vereinsamte Frau, die ins Wasser geht; Weiterlesen

Das schwarze Schaf

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Es läutet an der Tür. Sebastians Mama guckt durch das Guckloch. Draußen steht Herr Bärmann.

„Augenblick, Herr Bärmann! Wir kleben alle von oben bis unten! Ich wisch mir schnell die Hände sauber.“

„Ich will nicht stören, wenn Sie kleben!“, ruft Herr Bärmann.

Aber da macht sie ihm schon lachend die Tür auf. „Die Schafe, wissen Sie! Und der Sprühschnee auf den Tannenzapfenbäumen! Wir basteln an unserer Weihnachtskrippe.“ Weiterlesen

An der Quelle – Lene Mayer-Skumanz

Sebastian nimmt eine Flasche. „Ich geh Wasser holen”, sagt er zu seiner Mama.
„Lieb von dir”, sagt die Mama.

Die Quelle entspringt am Waldrand, zehn Minuten von der Siedlung entfernt und in Sichtweite der Tischlerei, die Stefans Vater gehört. Sprudelnd ergießt sich das kalte Wasser in einen hölzernen Brunnentrog und weiter in den Bach hinunter. „G’sundwasser, Heilwasser”, nennen es die Leute. Sie kommen von überallher, um es zu holen, zu Fuß, mit dem Auto oder mit dem Fahrrad. Es schmeckt besser als das Wasser aus der Leitung.

Man soll es nur in Glasflaschen füllen, nicht in Behälter aus Plastik. Weiterlesen

Was fällt uns bei Weihnachten ein?

Was fällt uns bei Weihnachten ein?

Die Lehrerin nimmt die Kreide und schreibt mit großen Buchstaben WEIHNACHTEN mitten auf die Wandtafel. Dann holt sie die Schachtel mit den bunten Tafelkreiden aus dem Lehrertisch, öffnet sie und legt sie auffordernd auf den Schülertisch in der ersten Reihe. Als sie sich dann hinsetzt, blickt sie ihre Schüler erwartungsvoll an.

Zunächst sind alle ganz still. Dann aber steht Tina auf und nimmt die rote Kreide.

„Nikolaus“ schreibt sie an die Tafel. Viele lachen laut, und die Lehrerin schmunzelt. Jetzt geht Sabine zur Tafel und schreibt mit grüner Kreide: Christbaum. Weiterlesen

Weise Affen? – Karlhans Frank

Weise Affen?

Auf der Theke meiner Dorfkneipe steht eine kleine Skulptur. Sie zeigt drei Affen — einer verdeckt mit den Händen seine Augen, der zweite seine Ohren, der dritte hält sich den Mund zu. Das ist ein bekanntes Bild, und der Wirt will damit signalisieren, dass er nicht hinsieht, wenn beispielsweise ein Liebespaar knutscht, nicht hinhört, wenn ein Betrunkener über seinen Chef Schimpfworte lallt, niemandem sagt, was in seinem Lokal gesprochen wird.

Ist ja in Ordnung.

Wenn eine Frau ihr Strumpfband verliert, sollte man darüber hinwegsehen — wie es die folgende Anekdote erzählt: Weiterlesen

Das fremde Mädchen – Evelyne Stein-Fischer

Das fremde Mädchen

 

Salima heißt die Neue in der Klasse.

Sie ist kein stilles schüchternes Mädchen wie Gabi.

Salima macht sich überall bemerkbar.

Sie spricht lauter als die anderen.

Sie kleidet sich bunter als die meisten.

Und sie lässt sich von keinem etwas gefallen. Weiterlesen

Allerheiligen

„Wer von euch hat Lust“, fragt der Religionslehrer, „einen Heiligen zu zeichnen?“

Alle Kinder haben Lust, nur Toni, der nicht gut zeichnen kann, will seinen Heiligen aus Papier reißen.

Jakob zeichnet einen Mann mit braunem Mantel und brauner Kapuze. Rund um den Heiligen flattern Vögel, ein Vogel sitzt auf seiner Kapuze. Der Heilige hat einen lustigen Mund. Er lacht, vielleicht singt er sogar.

„Kennen Sie den, Herr Lehrer?“ fragt Jakob. Weiterlesen

Flora und die Geige

Flora und die Geige

Heute Vormittag ist Flora am Bahnhof angekommen. Am großen Bahnhof der großen Stadt. Gestern hat sie den ganzen Tag den langen Weg zum Bahnhof zu Fuß gemacht. Sie ist die ganze Nacht gereist. Gereist oder eher geflohen, weil es Krieg in ihrem Lande gibt.

Eine große Explosion, das Haus brach in Feuer aus und keiner war dabei, der den Brandherd löschte.

Also, schnell! Flora hat ein paar Kleidungsstücke in ihren Rucksack gestopft, dann nahm sie ihren Teddybär und, vor allem, ihren Geigenkoffer mit der Geige. Weiterlesen

Der Weihnachtsweg

Dass es Großmütter gibt, ist keine Neuigkeit. Der eine nennt sie Oma, der zweite vielleicht Großmama, der dritte Großmutter oder überhaupt ganz anders. Joachim und Christine sagen „Ahnei“ zu ihrer Großmutter. Das hält man so schon seit über hundert Jahren in der Familie, dass eine Großmutter immer „Ahnei“ genannt wird. Außerdem liegt es an der Gegend, in der viele Leute zu ihren Großmüttern „Ahnei“ sagen.
Diese Ahnei ist schon so alt, dass sie kaum noch etwas sieht. Dafür kann sie kommandieren wie ein General und erzählen wie ein weitgereister Matrose. Kein Wunder, denn Ahneis Großvater fuhr vor über hundert Jahren als Kapitän zur See und brachte immer ganze Schiffsladungen voll Geschichten mit nach Hause. Einmal soll er sogar Napoleon an Bord gehabt haben, den Kaiser der Franzosen.
Besonders schön kann Ahnei in der Jahreszeit erzählen, in der die Tage kürzer werden und alles auf Weihnachten zugeht, die Natur wie der Mensch. Und am besten erzählt sie an den Adventssonntagen. Es ist immer unterhaltsam bei Ahnei, doch nie ist es so schön wie am ersten Advent. Christine und Joachim besuchen sie dann, und alle drei trinken Kakao und kosten die ersten Pfeffernüsse. Kaum haben die Kinder sich gestärkt, fängt Ahnei schon an zu befehlen. Das tut sie jedes Jahr am ersten Advent, und die beiden wissen längst, was Ahnei jetzt will: „Es hat euch geschmeckt? Also ran an die Arbeit!“
„Aber Ahnei“, sagt Joachim, „das ist doch keine Arbeit, sondern ein Vergnügen!“ Weiterlesen

Die Kunde von Bethlehem – H. Böll

Die Kunde von Bethlehem

Die Tür war keine richtige Tür: sie war lose aus Brettern zusammengenagelt und eine Drahtschlaufe, die über einen Nagel gezogen war, hielt sie am Pfosten fest. Der Mann blieb stehen und wartete: „Es ist doch eine Schande“, dachte er, „daß eine Frau hier ihr Kind kriegen muß.“ Er nahm die Drahtschlaufe vorsichtig vom Nagel, stieß die Tür auf und erschrak: Er sah das Kind im Stroh liegen, die sehr junge Mutter hockte daneben, lächelte das Kind an – aber hinten an der Wand stand einer, den der Mann nicht richtig anzusehen wagte: das mußte einer von denen sein, die die Hirten für Engel gehalten hatten. Der dort an der Wand lehnte, hatte einen mausgrauen Kittel an und hielt in beiden Händen Blumen: schlanke gelbliche Lilien waren es. Der Mann spürte die Furcht in sich aufkommen und dachte: „Vielleicht stimmen doch die tollen Dinge, die die Hirten in der Stadt erzählt haben.“ Die junge Frau blickte jetzt auf, sah ihn freundlich und fragend an, und der Mann fragte leise: „Wohnt hier der Tischler?“ Die junge Frau schüttelte den Kopf: „Tischler ist er nicht, er ist Zimmermann.“

„Das macht ja nichts“, sagte der Mann, „eine Tür wird er ja reparieren können, wenn er Werkzeug mithat.“

„Er hat Werkzeug mit“, sagte Maria, „und Türen reparieren kann er. Das hat er in Nazareth auch gemacht.“

Sie waren also wirklich aus Nazareth. Weiterlesen

Winterspaziergang – Lene Mayer-Skumanz

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Der Weg zwischen den Raureifsträuchern ist an manchen Stellen so schmal, dass Jakob hinter Katharina geht. Kathis Stiefel drücken Muster in den Schnee: kleine gerippte Stiefelspuren, gleichmäßig links, rechts, links, rechts. Jakob stapft breitbeinig hinterher, damit er mit seinen Schuhen Kathis Spuren nicht zertritt.

Dann, zwischen den Weingärten, können sie wieder nebeneinander gehen. ,,Schau“, sagt Jakob und zeigt auf einen Zaun. „Das war einmal ein Gitterzaun, aber jetzt sind es viele kleine Zauberfenster in ein anderes Land.“ Weiterlesen

Stille – Anselm Grün

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Der Advent wird die stille Zeit genannt. Aber viele erleben ihn eher als hektisch und laut. Da hetzen die Leute durch die Geschäfte, um ihre Weihnachtseinkäufe zu erledigen. Und doch braucht es die Stille, damit Gott bei uns eintreten kann. Ohne Stille werden wir Gottes Kommen nicht wahrnehmen, werden wir sein Klopfen an der Türe unseres Herzens überhören.

Das deutsche Wort „still“ kommt von „stellen, unbeweglich stehen“. Es braucht also das Innehalten, um stille zu werden. Ich muß aufhören, herumzulaufen und zu hetzen. Ich muß stehenbleiben, bei mir bleiben. Wenn ich stillhalte, dann werde ich zuerst mir selbst begegnen. Da kann ich meine Unruhe nicht mehr nach außen verlagern. Ich werde sie in mir wahrnehmen. Nur wer seiner Unruhe standhält, kommt zur Stille. „Still“ hat auch mit „stillen“ zu tun. Die Mutter stillt das Kind, bringt das vor Hunger schreiende Kind zur Ruhe. So muß ich meine eigene Seele, die innerlich laut schreit, beruhigen. Wenn ich nicht mehr außen herumlaufe, dann meldet sich der Hunger meines Herzens. Weiterlesen

Kerze-Licht – Anselm Grün

182018-e1491733483186.pngIn der Adventszeit setzen wir uns gerne vor eine brennende Kerze, um in ihrem Licht Ruhe zu finden. Seit jeher haben Kerzen eine besondere Anziehungskraft auf Menschen ausgeübt. Das Kerzenlicht ist ein mildes Licht. Gegenüber der grellen Neonbeleuchtung erhellt die Kerze unsern Raum nur teilweise. Es läßt manches im Dunkel. Und das Licht ist warm und angenehm. Die Kerze ist keine funktionelle Lichtquelle, die alles gleichmäßig ausleuchten muß. Vielmehr spendet sie ein Licht, das von vornherein die Qualität des Geheimnisvollen, des Warmen, des Liebevollen in sich birgt. Im Kerzenlicht kann man sich selbst anschauen. Da sehe ich mit einem milden Auge auf meine oft so harte Realität. In diesem zarten Licht wage ich es, mich wahrzunehmen und mich Gott hinzuhalten. Da kann ich mich selbst annehmen. Weiterlesen

Fasten – Anselm Grün

flor-de-cerezoZur Wüste gehört das Fasten. Mose hat in der Wüste vierzig Tage gefastet. Elija mußte vierzig Tage ohne Nahrung durch die Wüste wandern, bis er am Berg Horeb Gott erfahren durfte. Jesus hat in der Wüste gefastet. Das Fasten unterstützt die Wüstenerfahrung. In den Klöstern des Mittelalters hat man vom Martinsfest, dem 11. November, bis Weihnachten gefastet. Die Adventszeit war gleichsam eine zweite Fastenzeit. Durch Fasten hat man sich auf das Kommen des Herrn vorbereitet. Auch heute gibt es viele Menschen, die sich in der Adventszeit eine Woche herausnehmen, um zu fasten. Andere verzichten in dieser Zeit bewußt auf Alkohol oder Süßigkeiten, damit sie an Weihnachten Gottes gute Gaben neu genießen können. Das Weihnachtsgebäck war früher ja bewußt eine Stärkung für den Winter. Da gab es alle köstlichen Dinge, um damit auszudrücken, daß Gott in seinem Sohn den Menschen reichlich beschenkt hat. Weiterlesen