Archiv der Kategorie: Kinder

Lachgesichter in der Griesgramstraße

Seit kurzem wohnt Peter in der Griesgramstraße. Natürlich heißt diese Straße anders, aber Peter hat ihr diesen Namen gegeben, weil die Leute alle so griesgrämig dreinblicken. Selbst die Kinder sind abweisend und feindselig, und Peter traut sich nicht sie anzusprechen. So ist er nachmittags immer alleine und langweilt sich. Und das Heimweh, das tut dann natürlich besonders weh.

Eines Nachts träumt Peter von bunten Lachgesichtern. Sie stehen überall in den Fenstern und lachen hell und bunt auf die dunkle Griesgramstraße hinaus. Es ist ein schöner Traum, und am nächsten Tag muss Peter immer wieder an die Lachgesichter denken. Ab und zu huscht sogar ein Lächeln über sein Gesicht. Und auf einmal hat er eine Idee: Er wird sich so ein buntes Lachgesicht basteln! Wie in seinem Traum soll es fröhlich auf die Straße hinauslachen. Weiterlesen

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Colour blues

«Sag mal, Papa, wo liegt Marokko?»
«In Afrika.»
«Dort, wo es Giraffen und Nilpferde gibt?»
«Nein, etwas höher — in Nordafrika.»
«Und wer wohnt dort?»
«Araber.»
«Ich dachte, Araber leben in Arabien…»
«Naja, die Araber sind überall, sogar in der U-Bahn. Die Araber in Marokko sind Berber.»
«Aber Berber sind Barbaren, oder?»
«Nein, die Barbaren waren ganz was anderes — die waren eine Horde Invasoren.»
«Ja, aber gestern beim Fernsehen hast du dich beschwert, dass Frankreich von Arabern invadiert wird.»
«Ah ja — ist aber nicht das Gleiche. Es gibt sehr nette Weiterlesen

Wir verstehen uns blind

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An diesem Einkaufssamstag waren besonders viele Leute in die Fußgängerzone gekommen.

»Winterschlusverkauf! Alles um die Hälfte billiger!«, rief der Verkäufer und alle stürzten sich auf die Kleiderständer vor dem Geschäft.

»Winterschuhe fast geschenkt!«, rief der Schuhverkäufer auf der anderen Straßenseite. Gleich wühlten viele Hände in der Schuhtruhe. »Ich hab ihn zuerst gesehen«, rief ein junger Mann wütend und winkte mit dem linken Pelzstiefel, »geben Sie mir sofort den rechten Pelzstiefel!«

Die Leute rauften und stritten, rannten auf der Straße hin und her und suchten mit unruhigen Blicken nach Schnäppchen, die sie noch schnell vor den anderen kaufen könnten.

Niemand sah das kleine Mädchen, das neben der Telefonzelle stand und verzweifelt weinte.Plötzlich zuckte Katharina zusammen. Ein feuchtes Etwas hatte ihre rechte Hand berührt. Mit Tränen verschwommenen Augen sah Katharina einen großen Hund. Weiterlesen

Mia von nebenan

Auf den ersten Blick ist Mia ein ganz normales Mädchen. Sie wohnt in einem Kölner Vorort, geht regelmäßig zur Schule und führt nachmittags den Hund aus. Was keiner weiß: Mias Eltern sind drogenabhängig und kümmern sich nur sporadisch um sie. Es ist Mia, die den Müll wegbringt, den Abwasch macht und aufpasst, dass ihre Mutter etwas zum Frühstück bekommt. Eines Tages hat sie davon genug. Wer kümmert sich eigentlich um sie? Mit der Kraft der Verzweiflung versucht sie, eine andere Bleibe zu organisieren – bei der Oma, einem Mitschüler, der großen Schwester (…)

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Das Mädchen unter dem Dohlenbaum

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DIE DOHLEN SCHWIMMEN AM HIMMEL, DER HIMMEL IST IHR MEER

Die Dohlen wohnen in den großen Bäumen vorm Bahnhof, hoch oben in den Wipfeln. Ich muss ganz still stehen, damit sie nicht erschrecken und wegfliegen. Ich schaue zu ihnen hinauf und sehe sie auf den Zweigen schaukeln. Zwischen den grünen Blättern sehen sie wie schwarze Bälle aus.

Mama ist drinnen im Bahnhof, Fahrkarten kaufen. Wir fahren weit weg, an einen Ort, wo ich noch nie gewesen bin. Weiterlesen

Malins Weihnachtsgeschenk

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Malin hatte ein Geheimnis. Aber das erzählte sie niemandem.Die Schule war in einem kleinen roten Haus. In diese Schule ging Malin. Sie war neun Jahre alt. Am zweiten Juli hatte sie Geburtstag. Mitten im Sommer.

Ja, eine Weile hatte sie sogar zwei Geheimnisse. Das eine hätte sie fast Johan erzählt. Das war, als das erste Schuljahr vorbei war. Alle in der Klasse hatten ihre Sonntagskleider an. Die Lehrerin trug ein Kleid mit Blumen drauf. In einer Vase steckte ein großer Strauß Flieder. Der duftete durch das ganze Schulzimmer. Weiterlesen

Die Kerze

Es gab einmal eine Kerze, die allein ein Schlafzimmer nur schwach beleuchtete. Seine lange rote feurige Zunge zitterte und sie dachte:

»Ich werde bald erlöschen und sterben, und ich werde vergeblich gelebt haben, weil meine Flamme nichts Wertvolles beleuchtet hat. Ich habe keine Geburt eines Kindes erlebt, keine feurigen Küsse provoziert, und kein Dichter ließ sich von mir inspirieren, seine Verse zu schreiben. Ich hätte der kleine Leuchtturm sein können, der zwei Menschen hilft sich zu treffen, aber keine Seele hat meinen einsammen Kerzenleuchter halten wollen. Ich bin nutzlos.« Weiterlesen

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