Archiv der Kategorie: Gedichte

Weihnachtsgedicht

Einmal, o Herz, halte ein!
Hinter Öchslein und Eselein
flimmert ein wärmender Schein.

Auch deine Brust war ein Stall,
Tiere darin ohne Zahl,
drüber die Sterne  im All –

Siehe in Armut und Not
vor dir das Gottesbrot,
Trost gegen Teufel und Tod.

Mensch – du Gebilde aus Lehm –
sei du sein Bethlehem!

Franz Theodor Csokor

Die wundersame Reise [ Gedicht ]

Die wundersame Reise

Zauberhafter Schnee,
Da kommst du gestoben,
Als ich am Fenster steh’.
Ich blicke nach oben
Zu dem Weiß in den Bäumen,
Und ich komme ins Träumen.

Wundersame Fee,
Du schickst deine Flocken.
Ich glaube, ich versteh’ –
Sie sollen mich locken, Weiterlesen

Balkanische Zeit

Balkanische Zeit

Wieder schießen die Redner ins Kraut
die schönen Sprüche in Uniform und Zylinder
feiern Auferstehung im Namen der Freiheit
Porzellanglocken bimmeln zum heiteren Sterben
an Särgen ist kein Mangel Weiterlesen

klassenlos

klassenlos

im lärm von
drei dutzend spatzen
ein einziger
buchfink

dass der sich
nicht schämt

Werner Dürrson

Karlhans Frank (Hrsg.) : Menschen sind Menschen. Überall. – P.E.N.-Autoren schreiben gegen Gewalt
München, C. Bertelsmann Taschenbuch, 2002

P.E.N. steht für »Poets, Essayists, Novelists«. Es ist kein gewöhnlicher Verein, in dem jeder Mitglied werden kann. Wer in den P.E.N. aufgenommen werden will, kann sich nicht selbst bewerben. Er muss vorgeschlagen und zugewählt werden, muss nicht nur als Autor anerkannt sein, sondern auch gegen Militarismus, Rassenhetze und Völkerhass sein, sich nachweislich für Frieden und Menschenrechte einsetzen. Es ist eine literarische Ehrung, Mitglied des P.E.N. zu werden. Weiterlesen

Dezembernacht

Dezembernacht

Feldhüter haben in einem Geräteschuppen
(Steckrübenacker, Pflaumenbäume, Flußwind)
Eine Geburt aufgespürt, hier unzulässig.
Flüchtlinge gehören ins Lager und registriert.
Der Schafhirt kam dazu, ein junger Mann
Der ging mit einem Stecken übers Mondfeld. Weiterlesen

Die Reise aus dem Morgenland – T. S. Eliot

Geschichten von Josef

Die Reise aus dem Morgenland

„Wohl einen kalten Anweg hatten wir,
War grad die schlimmste Zeit im Jahr
Für eine Reise, eine so lange Reise:
Die Wege tief, das Wetter harsch,
Mitten im ärgsten Winter.“
Und die Kamele fußkrank, wundgelaufen, mürrisch,
Legten sich in den Schnee, der ringsum schmolz.
Es gab Zeiten, da uns die Sommerpalais reuten
In den Berglehnen, die Terrassen, und der Sorbet,
Kredenzt von seidnen Mädchen. Weiterlesen