Lachgesichter in der Griesgramstraße

Lachgesichter in der Griesgramstraße

Seit kurzem wohnt Peter in der Griesgramstraße. Natürlich heißt diese Straße anders, aber Peter hat ihr diesen Namen gegeben, weil die Leute alle so griesgrämig dreinblicken. Selbst die Kinder sind abweisend und feindselig, und Peter traut sich nicht sie anzusprechen. So ist er nachmittags immer alleine und langweilt sich. Und das Heimweh, das tut dann natürlich besonders weh.

Eines Nachts träumt Peter von bunten Lachgesichtern. Sie stehen überall in den Fenstern und lachen hell und bunt auf die dunkle Griesgramstraße hinaus. Es ist ein schöner Traum, und am nächsten Tag muss Peter immer wieder an die Lachgesichter denken. Ab und zu huscht sogar ein Lächeln über sein Gesicht. Und auf einmal hat er eine Idee: Er wird sich so ein buntes Lachgesicht basteln! Wie in seinem Traum soll es fröhlich auf die Straße hinauslachen.

Als Peter an diesem Tag nach Hause kommt, lässt er die Langeweile einfach vor der Haustür stehen. Aus Pappe und Leuchtpapier bastelt er ein Lachgesicht und klebt es ans Fenster. Und als es draußen dämmert, stellt er vorsichtig auch eine brennende Kerze aufs Fensterbrett. Das sieht lustig aus. Und auch ein bisschen feierlich.

Peters Eltern staunen, als sie von der Arbeit kommen. Ein buntes Lachen leuchtet ihnen schon von weitem entgegen. »Wie schön!«, freuen sie sich.

Auch ein paar Griesgramstraßenbewohner bleiben überrascht vor dem Lachgesicht stehen. »Na so was!«, brummt einer, und ein anderer meint muffig: »Was gibt es denn heutzutage noch zu lachen?«

Am nächsten Abend leuchten drei Lachgesichter den Griesgramstraßenbewohnern entgegen: eins von Peters Fenster, eins vom Fenster des Nachbarhauses und ein anderes vom Haus gegenüber. Und während sich die Leute noch mehr wundern, freut sich Peter wie ein Schneekönig. Ja, er lacht selbst so fröhlich wie sein Lachgesicht. Vielleicht, ja vielleicht würde ja doch noch alles gut werden! Und gespannt wartet er auf den nächsten Abend. Wie viele Lachgesichter würden dann wohl auf die gar nicht mehr so griesgrämige Griesgramstraße hinauslachen?

Nun, ich kann es euch verraten: Von Tag zu Tag sind es mehr geworden, und von Tag zu Tag haben sich auch mehr Griesgramstraßenkinder zugelächelt. Und wie die Geschichte weitergeht, kannst du dir denken.

Elke Bräunling: Da wird dia Angst ganz klein.
Limburg: Lahn Verlag 1998

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