Wie Marie das Krokodil besiegte – Elisabeth Zöller

Wie Marie das Krokodil besiegte

Mitten in der Nacht träumte Marie.

Und in ihrem Traum kamen Krokodile unter Maries Bett hervor. Sie kamen immer näher und wurden immer größer. Sie sperrten ihre Mäuler auf und schrien: »Uuaah!«

Marie wollte das Maul eines kleinen Krokodils einfach zuklappen, aber da wurde es größer und größer.

Marie wachte auf. Ob das Krokodil immer noch unter ihrem Bett saß?

Marie zog ihre Bettdecke bis zum Kinn hoch. Etwas später schielte sie vorsichtig unters Bett. Wenn das Krokodil nur nicht zuschnappte! Es hatte sich bestimmt in die hinterste, stockdunkle Ecke verzogen!

Marie wollte zu Mama und Papa. Aber dafür musste sie aus ihrem Bett heraus, und dann würde das Krokodil bestimmt zuschnappen. »Uuaah!«, machte es unter dem Bett. Das hatte Marie ganz genau gehört.

Maries Herz klopfte und klopfte.

Auf einmal knarrte die Tür von Maries Schrank. Da saß bestimmt das Flattergespenst, das so oft durch Maries Zimmer wehte. Marie saß auf ihrem Bett und bekam riesige Angstaugen. Bis sich auf einmal ihr Mund von selbst öffnete und einen riesigen Schrei in das Dunkel schickte. Wirklich riesig — so riesig, dass er größer war als all die Krokodile und Gespenster.

Den Schrei hörten Mama und Papa und kamen sofort in Maries Zimmer.

»Was ist, Marie?«, rief Mama.

»Das Krokodil, da ist es…«, stammelte Marie. »Das Riesengespenst…«

Mama und Papa schauten unter Maries Bett, hinter den Vorhängen, im Schrank, aber sie konnten kein Krokodil oder Riesengespenst finden. Mama und Papa schauten sich an. Da hatte Papa eine Idee: Er holte eine große Papierrolle, und Mama holte Farben. Sie fingen an zu malen, mitten in der Nacht.

»War es so?«, fragte Papa und malte ein großes Krokodil auf ein riesiges Blatt.

»Nein, es muss viel grüner!«, rief Marie.

»War es so?«, fragte Mama und malte große Augen.

Und dann fing auch Marie an zu malen. Sie malte auf dem Riesenblatt mit einem Riesenpinsel ein Riesenkrokodil und ein riesiges flatterndes Gespenst mit riesig geöffneten Augen.

Marie schaute müde und stolz hinab auf das riesige, schwarz umrandete Krokodil und das große, grinsende Gespenst.

»Dann wollen wir dem Krokodil jetzt zeigen, wie stark wir sind!«, sagte Mama.

»Genau, wir werden es aus diesem Zimmer vertreiben«, verkündete Papa.

»Wie denn?« Marie bekam Angst. Krokodile sind nämlich stark und gefährlich.

»Ganz einfach«, sagte Mama und machte einen Riesenriss durch das Krokodilsmaul.

»Jetzt kann das Krokodil nach niemandem mehr schnappen!«, rief Mama.

Mit aller Kraft trat Marie dem Riesenkrokodil auf seinen Riesenkrokodilsbauch.

»Wir zerreißen dich jetzt mit Karacho!« Papa riss immer weiter.

»Mit Freuden«, sagte Mama und knüllte das Gespenst zusammen.

»Mit Kraft«, rief Marie und riss mit den Händen den Riesenkrokodilsbauch hoch

»Mit Schlauheit«, sagte Papa, holte einen großen Schuhkarton und warf alle kleinen und großen Krokodilsstücke hinein.

»Mit noch mehr Kraft«, sagte Marie und stopfte mit beiden Händen das Gespenst in die dunkle Kiste.

»Mit Wucht«, sagte Mama und presste den Deckel auf den Karton.

»Mit Kraft und Mut«, sagte Marie, nahm ihr Springseil und band es fest um den Karton, um das Riesenkrokodil und das
Gespenst.

Und sie zogen durch Maries Zimmer mit dem Krokodils- und Gespensterkarton im Schlepptau. Papa blies mit dicken Backen einen Triumphmarsch, Marie klatschte mit beiden Händen den Takt, und Mama stampfte dazu. Zusammen banden sie den verschnürten Karton an die Kommode draußen im Flur.

Das Krokodil war besiegt, und Marie war auf einmal ganz furchtbar müde.

Elisabeth Zöller; Brigitte Kollog: Stopp, das will ich nicht!
Ellerman: Hamburg, 2007

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