Ja sagen, Nein sagen – gar nicht so einfach!

Jungen raufen, Mädchen halten Händchen.

Jungen raufen, Mädchen halten Händchen.

Stimmt das?

Pauline ist mit Regina und Nicki befreundet. Auf dem Schulhof gehen die drei meistens Arm in Arm in einer langen Reihe. Mit Regina ist Pauline noch ein bisschen mehr befreundet. Manchmal gehen die beiden zu zweit und halten sich an der Hand. Das ist ein schönes warmes Gefühl, findet Pauline.

Rasmus ist mit Dimitar befreundet. Wenn Dimitar morgens um die Ecke getrabt kommt, freut er sich. „Hey, Dimi!”, schreit er dann und knufft seinen Freund in die Seite. „Hey, Rasmus, du Ganove!”, brüllt Dimitar und haut Rasmus auf den Rücken. Manchmal fangen die beiden dann gleich an zu raufen und kugeln gemeinsam über den Boden.

Jasper ist der beste Freund von Paul. Wenn Paul Jasper sieht, haut er ihm auch auf den Rücken. Jasper mag das eigentlich nicht. Am liebsten würde er Pauls Hand nehmen. Aber dann boxt er ihn doch lieber in die Seite.

Gut – schlecht!

Was stimmt denn nun?

gutRaufen kann gut sein:

Wenn Rasmus und Dimitar miteinander raufen, geht es ihnen gut. Sie fühlen dann, dass sie echte Freunde sind.

schlechtRaufen ist schlecht:

Wenn Kurt mit Stella rauft, tut er ihr weh. Stella mag das nicht.

Auch Luis, Ludger, Robert, Jasper und Uli mögen nicht raufen. Jasper kriegt dabei sogar richtig Angst, seit er sich bei so einer Rauferei den Arm gebrochen hat. Monatelang konnte er da nicht mehr Geige spielen.

gutHändchenhalten ist gut:

Pauline und Regina gehen gerne Hand in Hand. Jasper würde schrecklich gerne mit Paul Hand in Hand gehen, aber er traut sich nicht.

schlechtHändchenhalten ist schlecht:

Wenn Mama Lea von der Schule abholt, nimmt sie Lea manchmal an die Hand. Lea fühlt sich dann überhaupt nicht wohl.

gutSchmusen ist schön:

Für Robert gibt es nichts Schöneres, als zu Hause mit seinem Papa zu kuscheln. Papa riecht immer so gut. Mit Papa auf der Couch fühlt Robert sich pudelwohl.

schlechtSchmusen ist schrecklich:

Wenn Tante Olga zu Besuch kommt, nimmt Nicki Reißaus. Tante Olga drückt Nicki immer so fest, dass sie keine Luft mehr bekommt. Und jedes Mal gibt sie Nicki einen Schlabberkuss auf die Wange. An der Backe klebt dann immer eine Spur rosafarbener Lippenstift. Außerdem riecht Tante Olga nach Maiglöckchenparfüm. Brrr!

Ja sagen, Nein sagen – gar nicht so einfach!

Ich muss nicht raufen!

Ich muss mich nicht küssen lassen, wenn ich nicht will!

Ich darf mich in den Arm nehmen lassen, auch wenn die anderen dann kichern!

• Wenn ich nicht umarmt werden will, darf ich NEIN! sagen!

• Wenn ich im Bad bin und Mama will unbedingt auch rein, darf  ich NEIN! sagen!

• In meinem Zimmer darf ich auch mal ganz allein sein!

• Wenn Tante Biggi mich küssen will, darf ich JA! sagen. Tante Biggi habe ich schrecklich gern. Sie duftet auch immer so gut. Wenn Onkel Theo sieht, wie ich Tante Biggi küsse, will er auch einen Kuss. Ich mag Onkel Theo nicht küssen. Er lacht immer so laut und hat einen kratzigen Bart. Ich darf NEIN! sagen zu Onkel Theo. Auch wenn Onkel Theo nicht versteht, warum Tante Biggi einen Kuss kriegt und er nicht.

• Ich darf mit meiner besten Freundin ein Geheimnis haben und muss es nicht erzählen, auch wenn mich alle danach fragen, ich sage NEIN!

Ja oder Nein!

Wie fühlt sich das an?

Ja

  • Wenn ich mit Papa kuschele, fühlt sich wein Bauch ganz warm an, so als wäre er voll warmem Vanillepudding. (Robert)
  • Wenn Oma mich umarmt, hab ich das Gefühl, ich liege in einer weichen Wolke. Sie duftet nach Rosenseife und frisch gebackenem Kuchen. (Silja)
  • Wenn ich mit Papa auf den Fußballplatz gehe und unsere Mannschaft ein Tor schießt, hebt Papa mich hoch und drückt mich ganz fest an sich. Ichquietsche dann vor freude und fühle mich stark wie ein Löwe. (David)
  • Manchmal gibt Mama mir kleine Küsse in den Nacken, dann kitzelt meine Haut, als würden tausend Marienkäferchen darüber laufen. Besonders über den Rücken. (Jasper)
  • Opa riecht nach Pfeifentabak und hat meistens eine dicke, kratzige Wolljacke an. Wenn er mich in den Arm nimmt, habe ich das Gefühl, mir kann nichts mehr passieren (Regina)
  • Wenn Tante Biggi mir über die Wange streichelt, fühlt es sich an, als ob mich ein Schmetterling berührt. Ihre Hand ist ganz kühl und glatt und trotzdem weich. (Lea)
  • Mit meiner Freundin habe ich ein Geheimnis. Es gehört nur uns. Wir sagen es keinem. Wenn ich daran denke, werde ich ganz kribbelig vor Vergnügen. (Lisa)

Nein!

  • Tante Olgas Schlabberküsse fühlen sich eklig an. Als ob eine Schnecke über meine Backe kriecht. Hinterher muss ich mir immer den Lippenstift abwischen. Brr! (Nicki)
  • Wenn Papa mich in den Arm nimmt, hebt er mich manchmal hoch, wie ein Baby. Ich finde das doof. (Bernd)
  • Wenn Onkel Thorsten zu Besuch kommt, drückt er mich so fest, dass es wehtut. Ich mag das nicht. (Stella)
  • Der große Bruder von meiner Freundin ist immer ganz cool. Aber wenn keiner zuguckt, versucht er, mir einen Kuss zu geben. Mir ist das unheimlich. (Pia)
  • Wenn Oma mich in den Arm nimmt, ist es erst schön, aber dann hört sie gar nicht mehr damit auf. Ich kriege keine Luft mehr und werde ganz zappelig. Am liebsten würde ich wegrennen. (Paul)
  • Till aus der 6. klasse hat mich überredet, mit ihm zusammen im Supermarkt zu klauen. Ich wollte das gar nicht. Till sagt, es ist unser Geheimnis, wenn ich es verrate, passiert was Schlimmes. Mir wird ganz schlecht, wenn ich daran denke. (Ludger)

*

Wenn sich etwas für dich nicht gut anfühlt, hast du immer das Recht, Nein! zu sagen. Auch wenn die anderen dann vielleicht beleidigt sind.

Jemand, der dich gern hat, wird dein Nein! akzeptieren und dich nicht bedrängen.

Dagnar Geisler: Das bin ich von Kopf bis Fuß.
Bindlach:  Loewe Verlag 2005
Auszüge

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