Zen-Geschichten für Kinder: Ein Pandabär im Garten – Drei kleine Weisheiten – Onkel Ry und der Mond

 

Ein Pandabär im Garten – Drei kleine Weisheiten

»MAX! Da draußen ist ein Bär!«, rief Karl.
»Ein was?«, rief Max zurück.
»Ein Bär. Er ist riesengroß. Und er ist im Garten.«
»Was tut er dort?«, fragte Max.
»Er sitzt bloß da. Er hat einen Schirm«, antwortete Karl.
»Einen Schirm?«
Als die beiden Jungen ins Freie kamen, unterhielt sich ihre Schwester Edda bereits mit ihm.
»Entschuldigt bitte, dass ich so unangekündigt hier erscheine«, sagte der Bär. »Der Wind trug meinen Schirm von meinem Garten bis in euren. Ich dachte, ich hole ihn besser, bevor er jemanden stört.«
Er sprach mit einem leichten Panda-Akzent.
Max stellte sich vor. Dann stellte Edda Karl vor, weil Karl in Gesellschaft von Bären, die er nicht kannte, schüchtern war.
Und so lernten Edda, Max und Karl Stilles Wasser kennen.

Am nächsten Tag ging Edda Stilles Wasser zum Tee besuchen.
»Hallo?«, sagte Edda, als sie das Haus betrat.
»Komm herein! Komm herein!«, rief eine Stimme aus der Ferne.
Dann hörte sie die Stimme sagen: »Ach, ja … komm heraus! Komm heraus!«
Stilles Wasser war im Garten.
Er saß in einem Zelt.
»Das ist ein Geburtstagsgeschenk von meinem Onkel Ry«, erklärte Stilles Wasser. »An seinem Geburtstag schenkt er mir immer etwas zur Feier des Tages, an dem er zur Welt kam. Ich habe solche Freude daran, dass ich vorläufig lieber hier wohne.«
Stilles Wasser lud Edda ein, sich zu ihm zu setzen.
»Du hast mir Kuchen gebracht!«, freute sich Stilles Wasser, »Das ist sehr nett von dir. Ist heute etwa dein Geburtstag?«
»Nein«, antwortete Edda.
»Meiner auch nicht«, sagte Stilles Wasser. »Aber weil es der Geburtstag meines Onkels ist, möchte ich dir ein Geschenk machen. Ich erzähle dir eine Geschichte.«

Onkel Ry und der Mond

Mein Onkel Ry lebte allein in einer kleinen Hütte, hoch oben auf einem Hügel. Er besaß nicht viel. Er lebte ein einfaches Leben. Eines Nachts entdeckte er, dass er Besuch hatte. Ein Dieb war in das Haus meines Onkels eingedrungen und durchwühlte seine wenigen Habseligkeiten.

Der Dieb hatte Onkel Ry nicht bemerkt, und als mein Onkel laut »Hallo« sagte, wäre er vor Schreck beinahe hingefallen.

Mein Onkel lächelte den Dieb freundlich an und schüttelte seine Hand.

»Willkommen! Willkommen! Wie schön, dass du mich besuchst!«

Der Dieb machte den Mund auf, weil er etwas sagen wollte, es fiel ihm aber nichts ein.

Da Ry seine Besucher nie mit leeren Händen gehen lässt, sah er sich in der winzigen Hütte nach einem Geschenk für den Dieb um. Es gab aber nichts, was er ihm schenken konnte. Der Dieb ging langsam zur Tür. Er wollte sich davonmachen.

Endlich hatte Onkel Ry eine Idee.

Er zog seinen einzigen Morgenrock aus, der alt und zerlumpt war. »Bitte«, sagte er. »Nimm den.«

Der Dieb hielt meinen Onkel für verrückt. Er nahm den Morgenrock, schoss zur Tür hinaus und flüchtete in die Nacht.

Mein Onkel betrachtete den Mond. Sein silberhelles Licht floss über die Berggipfel und hüllte alle Dinge in eine stille Schönheit.

»Armer Mann«, klagte mein Onkel. »Das Einzige, was ich ihm geben konnte, war mein zerlumpter Morgenrock. Hätte ich ihm doch diesen wunderschönen Mond schenken können.«

»Dein Onkel scheint nett zu sein«, sagte Edda. »Ich glaube nicht, dass ich meinen einzigen Morgenrock hergeben könnte.«
»Ich weiß, was du meinst«, sagte Stilles Wasser. »Es gibt aber immer noch den Mond.«
»Das war eine schöne Geschichten«, sagte Edda.
»Danke«, sagte Stilles Wasser. »Und das ist ein guter Kuchen.«
»Danke«, antwortete Edda. »Ich habe ihn selbst gebacken.«

Weiter: Der Bauer im Glück – Drei kleine Weisheiten 

Jon J. Muth: Ein Pandabär im Garten.
Sauerländer, Düsseldorf 2007

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