III Bei den Großeltern – Rolf Krenzer

Micha und das Osterwunder – Rolf Krenzer

Bei den Großeltern

Sie waren heute alle zum Essen bei den Großeltern eingeladen. Rut öffnete, als Tomas an die Tür klopfte.

»Mara, unsere Enkelkinder aus Kana sind da«, rief Joschija und eilte zur Tür.

Daniel und Ester waren zunächst etwas schüchtern, als sie so plötzlich ihren Großeltern gegenüberstanden. Doch der Großvater sah mit seinem langen weißen Bart genauso aus, wie Daniel und Ester ihn sich vorgestellt hatten. Nun schaute er sie lange an, nickte und legte ihnen zart die Hände auf den Kopf. »Ich segne euch beide, Ester und Daniel«, sagte er. »Gott sei Lob und Dank, dass ich euch endlich sehen und bei mir zu Hause begrüßen darf.«

Micha sah, dass sein Großvater Tränen in den Augen hatte. So sehr freute er sich.

Die Großmutter nahm die Enkelkinder ohne alle Umschweife in die Arme, drückte sie fest an sich und gab jedem einen herzhaften Kuss. Kein Wunder, dass sich die beiden schon bald wie daheim fühlten.

»Du hast viel zu viel vorbereitet«, rief Marta und legte Mara den Arm um die Schulter. »So viel gutes Essen auf einmal. Das können wir gar nicht alles aufessen.«

»Wartet’s nur ab«, sagte Joschija, lachte und wies jedem seinen Platz am Tisch zu. »Eigentlich sollte jeder einen Ehrenplatz erhalten«, meinte er, »aber so viele Ehrenplätze haben wir gar nicht an unserem Tisch.« Er zeigte auf Tomas. »Du setzt dich mit Marta an meine rechte Seite. Jonatan und Rut habe ich öfter bei mir. Ihr müsst heute mit meiner linken Seite vorlieb nehmen. Mein Sohn David ist immer bei mir. Er kann heute ausnahmsweise noch ein Stück weiter zur Seite rücken.«

»Und die Großmutter?«, fragte Micha. »Sie sitzt doch immer neben dir.«

»Heute sitzt sie mir gegenüber«, meinte der Großvater. »Dann haben wir alle Kinder um uns herum.«

David brachte zwei Krüge voll Wasser herein, sodass alle genügend Wasser hatten, um sich vor dem Essen die Hände zu waschen. So reichten sie Wasser und Tücher weiter, bis alle bereit zum Essen waren.

Zuerst stellte Mara zur Feier des Tages frisches Weizenbrot auf den Tisch. Rut hatte es heute Morgen in dem kleinen Ofen gebacken, in dem trockenes Gras, Stroh und Holzkohle für die notwendige Hitze gesorgt hatten. Weizenbrot gab es nur selten. Sonst begnügten sich die beiden so wie die meisten Leute mit einfachem Gerstenbrot.

Dann brachte Mara einen großen Topf mit einem Schmorgericht. Begeistert rief Micha »Ah«, als er entdeckte, dass es Hammelfleisch mit Linsen war. Und außerdem gab es noch ein besonderes Festtagsessen: gebratene Tauben.

Als alle Speisen auf dem Tisch standen, segnete Joschija alles, was sie essen wollten. »Großer Gott, heiliger Gott«, sprach er, »du hast uns heute zusammengeführt und wir sind dir so dankbar dafür. Du gibst uns immer wieder neu zu essen und zu trinken. Wenn wir nun davon essen, wollen wir nie vergessen, dir für deine Gaben zu danken.« Dann hob er seine Hände und breitete sie über den Speisen aus.

»Gelobt sei Gott«, sagte Mara.

»Gelobt sei Gott«, sagten sie darauf alle gemeinsam.

Nun reichte der Großvater den Korb mit dem frischen Weizenbrot herum. Jeder brach sich ein Stück ab und reichte das Brot weiter. Alle bedienten sich aus dem großen Topf. Man musste immer warten, bis man an der Reihe war. Als alle satt waren, erhob sich Joschija noch einmal und sprach ein Dankgebet.

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Rolf Krenzer: Micha und das Osterwunder.
Gabriel Verlag: Stuttgart 2003

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