Kindersklaverei – eine Realität

17. April. 2001
Aus unbekannter Zeitung

COTONOU. Ein seit Donnerstag im Golf von Guinea vermisstes Schiff mit Kindersklaven an Bord ist wieder aufgetaucht. (…)

Die Bucht von Guinea ist wegen ihres schwül-heißen Klimas berüchtigt, und unter den Missionaren galt sie früher als „Grab des weißen Mannes“, weil hier viele durch tropischen Krankheiten starben. In den letzten Tagen ist die Bucht von Guinea Schauplatz der Odyssee eines Schiffes mit Kinderarbeitern, die vom bettelarmen Staate Benin in die wohlhabenderen Länder Kamerun und Gabun verschickt werden sollten.

Das mysteriöse Schiff unter nigerianischer Flagge namens Etireno war zuletzt am Donnerstag in Douala in Kamerun gesehen und von der Hafenbehörde abgewiesen worden, danach fehlte jede Spur von ihm. Bei Hilfsorganisationen wurde die Sorge laut, der Kapitän könne sich auf hoher See seiner Passagiere entledigen. Der moderne Sklavenhandel ist zumindest theoretisch strafbar.

Tage vor der Ankunft in Douala war das Sklavenschiff bereits im Hafen Owendo abgewiesen worden, der nahe von Libreville liegt, der Wirtschaftsmetropole des reichen Ölförderstaates Gabun. Die Angaben über die Zahl der Kinder sind sehr widersprüchlich und reichen von 30 bis 250. Eine Verantwortliche der Unicef in Libreville, die vom gabunesischen Transportminister die Information erhalten hatte, sagte, es seien 250 nigerianische Kinder an Bord. Vom Ursprungshafen Cotonou in Benin heißt es, das Schiff sei am 30. März mit 139 Fahrgästen, darunter sieben Kinder, abgefahren. Möglich ist allerdings, dass unterwegs Kinder aufgenommen worden sind. Im Hafen von Cotonou stehen mittlerweile Rotes Kreuz und Unicef bereit, um die gestrandeten Kinderarbeiter aufzunehmen und zu versorgen. Es wird damit gerechnet, dass die sanitären Bedingungen an Bord miserabel sind und die Kinder nach dieser wochenlangen Odyssee erkrankt oder unterernährt sein könnten. „Alle Welt wartet auf das Schiff, doch es ist noch nicht in unserer Küstennähe, und es antwortet nicht auf unsere Funkmeldungen“, sagte Leutnant Charles Ségbey von der Hafenbehörde in Cotonou.

Die Reise von Douala nach Cotonou dauert vier Tage, das Schiff musste also bereits am Montag angekommen sein, doch war es zweifelhaft, ob es überhaupt in den Heimathafen zurückkehrt oder besser einen der sieben in Nigeria liegenden Häfen ansteuert.

Die Irrfahrt des Sklavenschiffes wirft ein Licht auf den in weiten Teilen Afrikas noch verbreiteten Handel mit Kinderarbeitern. Besonders aus Mali und Benin werden immer noch Kinder von ihren Familien an Agenten verkauft, die sie mitnehmen und auf den Kakaoplantagen in Kamerun oder Elfenbeinküste oder in Privathaushalte nach Gabun oder Nigeria weiterverkaufen.

Im Süden Benins werden Kinder für umgerechnet 30 bis 45 Mark von ihren Eltern verkauft, die Menschenhändler verkaufen sie später für 600 bis 900 Mark weiter. Laut Marc Beziat vom Komitee gegen die moderne Sklaverei (CCEM) ist der Sklavenhandel in Benin von „beachtlicher Größenordnung“. 1995 seien 117 Kinder an den Grenzen des Landes abgefangen worden, drei Jahre später seien es schon 1058 gewesen. Manchen der kleinen Zwangsarbeitern gelingt es, nach vielen Jahren ein bisschen Geld zu sparen und nach Hause zurückzukehren.

Benin gehört zu den ärmsten Staaten Afrikas, das jährliche Bruttosozialprodukt pro Kopf liegt bei nur 380 US-Dollar.

Von Christoph Link

17. April. 2001
Unbekannter Zeitung

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