Hannas schönstes Weihnachtsgeschenk

Hannas schönstes Weihnachtsgeschenk

Die Weihnachtsferien sind vorüber. Die Kinder sitzen am ersten Kindergartentag mit Tante Martina im Sesselkreis. „Was war denn euer schönstes Weihnachtsgeschenk?“, fragt sie.
„Ich habe einen Gameboy bekommen und sieben Spiele dazu!“, schreit Andreas sofort.
Auch Michael kann es kaum mehr erwarten: „Eine Ritterburg mit einem richtigen Burgverlies und Kanonen, die echt schießen.“
„Eine neue Barbie“, sagt Katharina und hält die Puppe hoch, damit sie alle sehen können. „Und ein neues Barbiehaus.“
„Ich auch!“ „Ich auch!“ fallen Vanessa und Julia ein.
„Ich habe eine kleine Heimorgel bekommen“, sagt Jessica bedächtig. „Ich darf sogar schon in die Musikschule gehen.“
Markus hat den alten Videorecorder von seinen Eltern bekommen. „Na ja …“, sagt Tante Martina. Sie will Markus die Freude nicht verderben, aber die Idee findet sie gar nicht gut. „Und was hast du bekommen, Sophia?“
„Zwei Tage nach Weihnachten ein Brüderchen“, freut sich Sophia. Sie hat Fotos mitgebracht, die alle Kinder anschauen dürfen.
Ein Kind nach dem anderen erzählt, was es zu Weihnachten bekommen hat.
Thomas ein ferngesteuertes Auto, Philipp einen Lego-Baukasten, Marina einen Lenkbob und Christian gleich sechs Videofilme. Nur Hanna bleibt still.
„Und du, Hanna?“, fragt Tante Martina. Was war denn dein schönstes Weihnachtsgeschenk?“
Hanna braucht lange, bis sie endlich antwortet. „Ich habe meinen Papa bekommen“, sagt sie endlich und wird rot vor Verlegenheit.
„Da freuen wir uns doch alle mit dir“, sagt Tante Martina. „Hat deine Mama wieder geheiratet?“
„Mein Papa ist im Frühling in eine andere Wohnung gezogen. Papa und Mama haben immer gestritten. Und jetzt haben sie bemerkt, dass sie doch zusammen bleiben wollen. Und zu Weihnachten ist mein Papa wieder bei uns eingezogen.“
„Du hast deinen Papa wiederbekommen“, lacht Tante Martina. „Ich kann verstehen, dass das dein schönstes Weihnachtsgeschenk ist!“
„Genau“, sagt Hanna und schlägt die Hände vor’s Gesicht. Es braucht ja keiner sehen, dass sie auf einmal weinen muss. Ob das einer versteht, wie das ist, seinen Papa zu verlieren und ihn dann plötzlich wieder zu bekommen?

(Nach R. Krenzer, Weihnachtssterne überall)

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