Du bist meine Freundin

Du bist meine Freundin

Inga und Luise gehen im Kindergarten in die blaue Gruppe.

»Blau ist meine Lieblingsfarbe«, meint Luise.

»Meine auch«, sagt Inga. »Und mein Lieblingstier ist eine Katze.«

»Meins auch«, sagt Luise.

So ist das eben bei besten Freundinnen.

Doch eines Tages passiert Folgendes: Die beiden Freundinnen sitzen in der Bastelecke. »Gibst du mir mal den Kleber?«, fragt Inga.

»Nein«, sagt Luise. »Ich brauch den jetzt.«

»Nur ganz kurz«, bittet Inga.

»Nein«, faucht Luise.

Komisch, denkt Inga, Luise ist schon den ganzen Tag so. »Was bastelst du da?«, fragt sie.

»Eine Papierblume für meine Oma«, grummelt Luise.

Mehr sagt sie nicht. Was ist bloß los mit Luise?

»Sollen wir uns für heute verabreden?«, schlägt Inga vor.

»Nein«, sagt Luise. »Lass mich.«

Da wird Inga ganz traurig. Sie geht alleine in die Puppenecke.

Als der Kindergarten zu Ende ist, geht Luise, ohne sich von Inga zu verabschieden. In der Hand hält sie eine wunderschöne blaue Papierblume.

Inga ist sehr traurig. Langsam zieht sie ihre Jacke an.

»Hallo, mein Schatz«, sagt ihre Mama. Sie ist gekommen, um Inga abzuholen.

»Was ist denn los?«, fragt sie, als Inga anfängt zu weinen.

»Luise mag mich nicht mehr«, schluchzt sie.

Ingas Mama nimmt sie in den Arm.

»Habt ihr euch gestritten?«, fragt sie.

»Nein«, schluchzt Inga. »Luise war ganz komisch, sie mag mich nicht mehr.«

»Ihr seid doch beste Freundinnen«, meint Ingas Mama tröstend, »natürlich mag sie dich noch.«

»Ich wollte mich heute mit ihr verabreden«, erzählt Inga. »Weißt du, was Luise gesagt hat?«

Ingas Mama schüttelt den Kopf.

»Nein hat sie gesagt«, erzählt sie. »Dann hat sie noch gesagt, dass ich sie in Ruhe lassen soll. Was habe ich denn falsch gemacht?«

»Du hast nichts falsch gemacht. Niemand hat etwas falsch gemacht«, meint Ingas Mama. Sie setzt sich einfach neben Inga auf den Boden und nimmt sie auf den Schoss. »Luise ist ganz traurig«, sagt sie.

»Genauso wie ich?«, fragt Inga. »Noch viel trauriger«, meint ihre Mama. »Ich habe vorhin Luises Mama getroffen. Sie hat erzählt, dass die Oma von Luise sehr krank ist.«

»Arme Luise«, meint Inga, »und arme Oma.«

»Ja«, meint ihre Mama. »Sie wissen nicht, ob sie wieder richtig gesund wird. Luise fährt jetzt immer nach dem Kindergarten zu ihrer Oma, um sie zu besuchen.«

Inga nickt verständnisvoll. Jetzt kann sie verstehen, warum Luise nein gesagt hat. Als letztes Jahr der Hund von Tante Klara so krank war, war Inga auch ganz traurig. Reden wollte sie da auch nicht.

»Luises Mama hat erzählt, dass Luise ihrer Oma immer schöne Geschichten erzählt«, sagt Ingas Mama.

»Das ist aber lieb«, meint Inga. »Ich glaube, dann wird ihre Oma wieder gesund. Komm, Mama«, ruft sie. »Wir gehen nach Hause und malen ein ganz buntes Bild für Luises Oma.«

Elisabeth Zöller; Brigitte Kollog: Stopp, das will ich nicht!
Ellerman: Hamburg, 2007

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