Herr Bärmann wird nachdenken

Herr Bärmann wird nachdenken

„Hoppla! Stolpere nicht mit den Flaschen!“, ruft Herr Bärmann Sebastian nach. „Du bist ja heute ganz geschwind unterwegs!“

„Ich war an der Quelle, Wasser holen für meine Freunde aus der Stadt“, keucht Sebastian. „Die werden jeden Moment da sein. Dann fahren wir Pizza backen nach Hinteregg. Ich bin schon ganz aufgeregt.“

„Gib her, ich helfe dir tragen“, sagt Herr Bärmann. „Also ist Anna im Anmarsch, was?“

„Anna und ihre Freunde“, sagt Sebastian. „Hoffentlich klappt alles. Hoffentlich vertragen wir uns alle. Ich kenn ja die anderen kaum. Aber Anna hat gesagt: Meine Freunde sind auch deine Freunde, und deine Freunde sind meine Freunde.“

„Ja, das wünscht man sich, wenn man einander mag“, brummt Herr Bärmann. „Oft klappt es ja auch wirklich.“ Er stellt zwei Flaschen vor den Eingang zur Stiege Drei.

„Viel Spaß euch allen!“

„Wollen Sie mitkommen?“, fragt Sebastian. „Ich lade Sie ein zum Pizzabacken und Pizzaessen. Weil Sie doch auch mein Freund sind, oder?“

„Bin ich das?“

„Sie helfen mir immer. Sie haben mich noch nie im Stich gelassen. Ich glaube. Sie sind mein Freund. Dann sind auch meine Freunde Ihre Freunde.“

„Nicht so schnell“, sagt Herr Bärmann. „Wer weiß, wen du sonst noch als Freund daherschleppst, dessen Freund ich dann werden soll.“

„Stefan, Kenan und Pierre von hier“ sagt Sebastian. „Und Anna, Jakob und Katharina, Rudi und Achmet aus der Stadt. Die werden Sie alle mögen! Sonst ist außer meinen und Annas Eltern und dem kleinen Florian niemand dabei… Außer… Sagen Sie, Herr Bärmann, haben Sie vielleicht Angst vor Jesus?“

„Wie bitte?!“, fragt Herr Bärmann.

„Weil auch Jesus mein Freund ist“, sagt Sebastian. „Und Annas Freund. Und weil er dabei ist, bei allem, was wir unternehmen. Also, man kann ihn nicht weglassen, verstehen Sie? Und wenn er unser Freund ist um Freunde auch Ihre Freunde sind, dann… dann…

„Dann kriege ich irgendwie mit ihm zu tun, meinst du?

„Na, eigentlich schon, oder? Auf eine freundliche Art, natürlich“, sagt Sebastian.

„Ich werde darüber nachdenken“, sagt Herr Bärmann „Und ich fahre gern mit euch, weil ja ein Auto mehr dabei so vielen Pizzabäckern sehr praktisch ist.“

Lene Mayer-Skumanz: Anna und Sebastian.
Wien, Herder Verlag, 2003

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