Es war einmal ein gewöhnlicher Schultag

Es war einmal ein gewöhnlicher Schultag

An einem gewöhnlichen Schultag, ein gewöhnlicher Junge wachte aus seinen gewöhnlichen Träumen, stieg aus sein gewöhnliches Bett, ging ins gewöhnliche Badezimmer, wusch sich wie gewöhnlich, zog seine gewöhnlichen Kleider an und ass sein gewöhnliches Frühstück.

Der gewöhnliche Junge putzte seine gewöhnlichen Zähne, gab seiner gewöhnlichen Mutter einen Kuss und ging in seine gewöhnliche Schule.

Und während er durch die gewöhnlichen Strassen ging, vorbei an die gewöhnlichen Geschäften und überquerte die gewöhnlichen Strassen, der gewöhnliche Junge fasste seine gewöhnlichen Gedanken.

 Als er in seine gewöhnliche Schule ankam, spielte der gewöhnliche Junge ein gewöhnliches Fussballspiel mit seinen gewöhnlichen Schulkameraden, bis die gewöhnliche Glocke klingelte.

Der gewöhnliche Junge ging in sein gewöhnliches Klassenzimmer und setze sich an seinen gewöhnlichen Tisch.

Dann passierte was sehr Ungewöhnliches…

»Guten Morgen alle miteinander!« sagte eine sehr ungewöhnliche Figur, die ins Zimmer hereinkam. »Ich bin Mr. Gee, euer neue Lehrer. Jetzt kennt ihr mich nicht und ich kenne euch auch nicht. Darum, um euch besser kennen zu lernen, habe ich eine Idee gehabt…

Und er sagte weiter, während er aus seine Tasche Papier zog:

»In unserer allerersten Stunde will ich, dass ihr ein bisschen Musik zuhört, und dass ihr in euren Köpfen Bilder entstehen lasst. Verstanden?«

Und die gewöhnlichen Kinder zischten:

»Er spinnt!«

»Bei ihm tickt’s bestimmt nicht richtig.«

»Aber was redet er?«

»Musik?«

»Bilder?«

Mr. Gee sagte:

»Augen zu, Ohren auf und hört genau hinzu.« Und die Musik fing an.

Eine schwungvolle, rollende, stürmische Musik, die in dem ganzen Zimmer prallte.

Sie hörte plötzlich auf und Mr. Gee sagte:

»Sagt, woran die Musik euch erinnert hat.«

Ein Mädchen schrie:

»An laufende Pferde!«

Ein anderer sagte:

»Nein, es waren Rennautos!«

Und der gewöhnliche Junge sagte:

»Sir, ich habe Elefanten gesehen. Es waren Tausende!«

»Ja, sagte Mr. Gee. Ist es nicht unglaublich? Jetzt will ich, dass ihr alle versucht aufs Papier zu übertragen, was ihr gehört habt. Fängt an zu schreiben!«

Die Musik wurde lauter und leiser, tanzte und tauchte und der gewöhnliche Junge fing an zu schreiben.

Er verwendete Wörter, die er nicht völlig verstand und die Geschichte machte nicht viel Sinn, das machte aber nichts und das hat ihn nicht gestört. Er schrieb so schnell wie möglich, doch nie schnell genug – es gab einfach zu viel zu erzählen. Es war, als ob einen Staudamm in seinem Kopf gebrochen hätte und die Wörter sprudelten … und die Wörter waren wie Spielzeuge und er war verloren, verloren in seinem Spiel – das Geschichten-Erzählen-Spiel.

Und es war aussergewöhnlich…

Was war mit den anderen Kindern? Manche schrieben Geschichten mit Riesen und andere Zaubergeschichten. Einige erzählten von mutigen Mädchen, andere von Jungs mit einer blitzförmigen Narbe am Stirn. Manche erdichteten nur, weil die Musik ihnen nichts sagte und Pauline Crawford lies Comics.

Einige schrieben Geschichten, die sie glaubten, sie würden dem Lehrer gefallen, manche verwandelten sich in Helden, andere in Bösewichten und andere dachten, das wäre alles nur ein Blödsinn und Billy Pearson schlief ein – »Vielleicht zu träumen« meinte Mr. Gee.

Am Ende dieses ungewöhnlichen Schultages, sah der gewöhnliche Junge Mr. Gee, der in sein Auto einstieg.

»Sir«, sagte der gewöhnliche Junge, »diese war die beste Stunde, die ich je gehabt habe. Ich habe mich nie so zuvor gefühlt. Es war Zauberei!«

»Denkst du immer noch, ich spinne?«, sagte Mr. Gee und lächelte.

Der gewöhnliche Junge errötete.

»Ich kann kaum darauf warten, heute Abend deine Geschichte zu lesen«, sagte Mr. Gee, »Also, bis morgen!«

Und er verschwand in einer Rauchwolke durch die Schultore.

Und als es Schlafzeit wurde, zog der gewöhnliche Junge sein gewöhnliches Pyjama, putzte seine gewöhnlichen Zähne und ging wie gewöhnlich ins Badezimmer, gab seinen gewöhnlichen Eltern einen Gutenachtkuss und ging schlafen in sein gewöhnliches Bett…

und er hatte aussergewöhnliche Träume.

Colin McNaughton: Once upon an Ordinary School Day.
London, 2004, Andersen Press

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