Der durstige Elefant

Der durstige Elefant

In einem südlichen, heißen Land lebten mehrere Mäusefamilien in einem großen Haus. Es war das einzige Haus im Umkreis von vielen Kilometern. Die Gegend rundherum war karg und trocken. Es wuchsen nur wenige Bäume dort, dafür aber umso mehr Disteln. Es war ein unwirtliches Land. Auch gab es viele gefährliche Tiere in den Bergen und sogar Räuberbanden, die von Zeit zu Zeit Dörfer und einzeln stehende Häuser überfielen. Doch das Haus der Mäuse hatte dicke Mauern und eine starke Eichentür und sie fühlten sich dahinter sicher.

Eines Tages bekamen die Mäuse von einem Vogel die Nachricht, dass die Räuberbande des gefürchteten roten Wolfs im Anmarsch sei. Die Mäuse verriegelten sofort Tür und Fenster und warteten ab. Zwei Tage lang rührte sich nichts. Am dritten Tag näherte sich ein Wanderer dem Mäusehaus. Ein großer, hellhäutiger Elefant, der einen Rucksack trug. Misstrauisch beobachteten ihn die Mäuse aus dem Fenster.

»Guten Tag, ihr Kleinen!«, sagte der Elefant. »Habt ihr einen schattigen Rastplatz für einen durstigen Wanderer?«

»Wir lassen dich nicht herein!«, sagte eine Maus. »Wie sollen wir wissen, ob du nicht zur Räuberbande des roten Wolfs gehörst?«

»Ihr könnt mir glauben, ich gehöre ganz sicher nicht zu einer Räuberbande«, sagte der Elefant. »Aber ihr müsst die Tür nicht öffnen. Ich reiche euch meine zwei Flaschen hinauf und ihr füllt sie mir bitte mit kühlem Wasser. Mehr möchte ich gar nicht, dann gehe ich schon wieder.« Der Elefant holte zwei Flaschen aus seinem Rucksack und balancierte sie geschickt auf seinem Rüssel zum Fenster hinauf. Das gefiel den Mäusen sehr.

»Kannst du noch mehr solcher Kunststücke?«, fragten sie.

»O ja«, sagte der Elefant. »Ich war einmal bei einem Zirkus, da habe ich allerhand gelernt!«

Nun wussten die Mäuse, dass sie von dem Elefanten nichts zu befürchten hatten, und sie ließen ihn sofort in ihr kühles Haus, wo sie ihn aufmerksam bewirteten.

Und die Räuber? Die waren tatsächlich in der Nähe gewesen. Aber als sie gesehen hatten, wie der starke Elefant in das Haus ging, waren sie eilig weitergezogen. Mit so einem riesigen Gesellen wollten sie sich lieber nicht anlegen.

Erwin Moser: Mario der Bär.
Weinheim, 2005, Parabel

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