Das Badewannendampfschlittentaxi

Das Badewannendampfschlittentaxi

Markus Eisbärs liebste Jahreszeit war der Winter. Ganz klar. Eisbären mögen es gerne kalt. Je kälter, desto besser. Wäre es anders, dürften die Eisbären ja nicht Eisbären heißen. Sie müssten dann Sonnenbären oder Hitzebären heißen!

Der Eisbär Markus lebte im Gebirge. Im Sommer zog er sich auf die höchsten Berge zurück, ganz hoch oben, wo immer Eis und Schnee liegt. Markus war meistens einsam. Und im Winter, wenn der Schnee bis in die Täler hinunter lag, fühlte er sich erst recht einsam, denn die anderen Tiere lebten dann in ihren warmen Höhlen und wagten sich erst wieder heraus, wenn der Frühling kam. Markus Eisbär sehnte sich sehr nach Gesellschaft. Er hatte die Einsamkeit gründlich satt.

Eines Tages hatte er eine Idee! Im Winter bleiben alle zu Hause, weil sie im tiefen Schnee nicht gehen können, dachte er, und weil es ihnen zu kalt ist. Ich werde ein Fahrzeug bauen, mit dem man durch den tiefsten Schnee fahren kann. Ein Schneeauto! Einen dampfbetriebenen Schlitten mit bequemen Sitzen, und dann besuche ich alle Tiere und mache mit ihnen Fahrten durch die Berge und bin nicht mehr allein!

Auf einem Schrottplatz suchte sich Markus Eisbär die Bestandteile für sein Fahrzeug zusammen: ein Fass, eine Badewanne, ein Paar Ski, Räder, Autositze, ein Lenkrad und noch einige Dinge und baute damit das Badewannendampfschlittentaxi. Es sah sehr seltsam aus, dieses Gefährt, und niemand wusste eigentlich, weshalb es funktionierte. Am wenigsten wahrscheinlich Markus Eisbär selber. Aber es fuhr ganz fantastisch! Kein Berg war ihm zu steil, keine

Eisfläche zu glatt und keine Schneewehe zu tief. Markus‘ Badewannendampfschlittentaxi kannte keine Hindernisse. In diesem Winter hielten nur wenige Tiere in den Bergen Winterschlaf. Fast alle wollten in Markus Eisbars wundervollem Taxi befördert werden. Familie Schneehase besuchte Familie Murmeltier, der Braunbär ließ sich zum Mäuseschloss fahren, zwei Haselmäuse besuchten ihre Verwandten im Tal, ein Igel ließ sich ganze drei Tage lang durch die Berge kutschieren, und so ging das den ganzen Winter hindurch. Markus war immer ausgebucht. Das Badewannendampfschlittentaxi rauchte zwar furchtbar, und leise war es auch nicht gerade, doch das störte die Fahrgäste nicht. Und Markus war in diesem Winter der glücklichste Bär der Welt!

Erwin Moser: Ein seltsamer Gast.
Weinheim, 1988,Belz Verlag

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