Dr. Rabe

Dr. Rabe

Dr. Rabe hatte an diesen feuchtkalten, windigen Herbsttagen viel zu tun.

Viele Bewohner des Landstrichs waren krank geworden. Dr. Rabe eilte den ganzen Tag und oft bis in die Nacht hinein von Patient zu Patient, verteilte seine Arzneien und gab nützliche Ratschläge. Die Eule litt unter Kopfschmerzen, der alte Igel hatte in seiner feuchten Laubhöhle einen starken Husten bekommen, das Wildschwein klagte über Kreuzschmerzen und der Hase hatte Ohrensausen. Es hatte den Anschein, als ob sämtliche Bewohner des Landes krank geworden seien. Aber Dr. Rabe ging sehr sparsam mit seiner Medizin um. Er wusste, dass oft nur beruhigende Worte oder ein anregendes, freundliches Gespräch genügten, um die Leiden seiner Patienten zu lindern oder sogar ganz zum Verschwinden zu bringen. Dr. Rabe war an diesem Tag schon etwas müde von den vielen Krankenbesuchen, jetzt war er auf dem Heimweg. Das Wetter machte auch ihm zu schaffen. Wegen des starken Windes konnte er nicht fliegen und die Tasche schien von Schritt zu Schritt schwerer zu werden.

Als er am Baumhaus der Katzenfamilie vorbeikam, öffnete sich die Tür und Kater Mikl trat heraus. Er rief etwas und winkte heftig. Aha, schon wieder ein Patient, dachte Dr. Rabe und eilte ins Baumhaus. Das jüngste Kätzchen der Familie war plötzlich krank geworden. Es wollte nichts essen und klagte über Magenschmerzen. Dr. Rabe untersuchte kurz das Kätzchen, dann lächelte er. Schnell fand er heraus, dass es bloß zu viel Schokolade gegessen hatte. Am nächsten Tag würde es wieder gesund sein. Er blieb noch eine Weile bei der Katzenfamilie und trank mit ihr Tee. Inzwischen war es Abend geworden und der Wind hatte sich gelegt. Dr. Rabe verabschiedete sich von den Katzen und ging müde, aber zufrieden, endlich nach Hause.

Erwin Moser: Das Findelkind.
Weinheim, 2004, Parabel

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