Die Altwarenhändler

Die Altwarenhändler

Waldemar Graubär handelte mit Altwaren. Auf fünf Inseln betrieb er seine Geschäfte. Waldemar hatte ein Segelboot, damit fuhr er von Insel zu Insel und kaufte allen alten Plunder zusammen, den er kriegen konnte. Oft bekam er bei Entrümpelungen auch ganze Bootsladungen geschenkt. Manchmal waren gute Stücke darunter, aber der Großteil dieser Gegenstände war nicht viel wert.

Der Bär hätte einen Geschäftsteilhaber, einen Partner – ein Schnabeltier, Fedor mit Namen. Fedor half Waldemar beim Verladen des Gerumpels und auf See war er der Steuermann des Bootes. Einmal im Monat segelten die beiden mit einer vollen Bootsladung zur Hauptinsel und verkauften ihre Altwaren auf dem Flohmarkt. Den Gewinn teilten sie sich. Es blieb zwar nicht viel übrig, aber es reichte für die beiden zum Leben.

Bei einer solchen Fahrt zwischen den Inseln hatten Waldemar und Fedor einmal ein seltsames Erlebnis. Es war gegen Abend und es ging fast kein Wind. Das Boot bewegte sich nur langsam. Plötzlich plätscherte es neben dem Boot und ein unheimlich aussehender Meeresbewohner tauchte auf. Das Wesen war halb Fisch, halb Mann. Es schwamm näher und deutete immer wieder auf Waldemar. In seiner rechten Hand hielt es eine schöne Perle. »Was möchtest du denn von mir?«, fragte der Bär. Das Wesen zeigte wieder auf ihn, dann auf sich und aufs Wasser. »Ich soll ins Wasser kommen?«, fragte Waldemar. Der Meeresbewohner schüttelte heftig den Kopf. Die beiden brauchten eine Weile, bis Waldemar endlich herausfand, was der seltsame Fischmann wollte. Den Spiegel wollte er haben, der hinter Waldemar lag! Der Bär reichte ihm den Spiegel hinunter und der Fischmann gab ihm dafür die Perle.

»Nein! Halt!«, rief Waldemar. »Die Perle ist viel zu kostbar!«

Aber da war das Fischwesen mit dem Spiegel schon untergetaucht. Seither warfen Waldemar und Fedor bei jeder Fahrt an jener Stelle alle alten Spiegel, die sie an Bord hatten, ins Wasser. Den seltsamen Fischmann aber haben sie nie mehr gesehen.

Erwin Moser: Mario der Bär.
Weinheim, 2005, Parabel

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