Das Findelkind – Erwin Moser

Das Findelkind

Als eines Morgens Otfried und Zita, die beiden Fischerkatzen, ihr Häuschen verlassen wollten, erlebten sie eine riesige Überraschung! Jemand hatte einen Korb mit einem kleinen Elefantenkind vor ihrer Haustür abgestellt! Einige Sekunden lang waren die beiden Katzen sprachlos. Da wachte der kleine Elefant auf und begann zu weinen.

Zita nahm den Korb und trug ihn ins Haus. »Er ist bestimmt hungrig!«, sagte sie. »Lauf schnell zum Bauern und hole eine Kanne Milch, Otfried!« Kater Otfried holte Milch, und als der Elefant getrunken hatte, schlief er wieder ein. Die zwei Katzen gaben dem Findelkind den Namen Ferdinand.

Kater Otfried fuhr mit seinem Boot weiterhin auf den See hinaus und fing Fische, die er auf dem Markt verkaufte. Doch der Elefant Ferdinand wurde schnell größer. Ein eigenes Haus musste für ihn gebaut werden, da er bald sicher nicht mehr durch die Tür der Fischerhütte passen würde! Und er aß auch so viele Bananen!

Otfried hatte große Sorgen, ob er sich das alles auf Dauer leisten konnte. Mit dem Fischfang verdiente er bei weitem nicht genug Geld, um ein eigenes Haus für Ferdinand zu bauen. Nun war es aber so, dass den Leuten im nahe gelegenen Dorf aufgefallen war, dass bei Otfried und Zita jemand Besonderes wohnte. Ferdinand trompetete nämlich sehr laut, auch in der Nacht. Es dauerte nicht lange, und viele Besucher wanderten täglich zum Fischerhaus, um den Elefanten zu sehen. Otfried und Zita glaubten, dass Ferdinand die vielen Leute nicht passen würden, aber genau das Gegenteil war der Fall! Er lachte, machte Faxen, trompetete in allen Tonlagen und unterhielt sein Publikum nach sämtlichen Regeln der Kunst. Otfried und Zita sahen nun, dass Ferdinand der geborene Zirkuselefant war! Vielleicht waren auch seine Eltern beim Zirkus gewesen? Und so kamen Otfried und Zita auf die Idee, von allen Leuten, die Ferdinand sehen wollten, eine kleine Spende zu verlangen. Mit dem Geld, das dabei zusammenkam, bauten sie Ferdinand hinter der Fischer-hütte ein Elefantenhaus.

Als der Elefant Ferdinam größer war, gab er dort jeden Abend eine Vorstellung. Und einige Zeit später gag Otfried die Fischerei ganz auf, und sie gingen alle drei zum Zirkus Zegretti, wo mit ihrer Elefantennummer viele Jahre lang ein großes Publikum begeisterten.

Erwin Moser: Das Findelkind.
Weinheim, 2004, Parabel

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