Bruder Jan

 Mein Bruder Jan ist Schwester. Eigentlich ist er Zivi. Er macht seinen Zivildienst und arbeitet in einem Krankenhaus wie eine Krankenschwester. Er bringt den Patienten das Essen, füttert die Schwerkranken, die nicht allein essen können, macht die Betten, wäscht die Kranken, gibt auch mal eine Spritze und >schwenkt die Nachttöpfe<, wie er sich ausdrückt.

Am liebsten unterhält er sich mit den Patienten. Die freuen sich natürlich, denn meistens haben die Schwestern dazu keine Zeit. Jan ist, glaube ich, sehr beliebt bei den Kranken und auch bei den Schwestern. Alle sagen Jan zu ihm, auch die Patienten. Eigentlich müssten sie ihn doch Bruder Jan nennen, denn die Schwestern heißen Schwester Brigitte, Schwester Helga oder Schwester Annemarie.

Jan sagt nie >Oma< und >du< zu den alten Patientinnen, sondern spricht sie mit ihrem Namen an und sagt> Sie<.

„Ich habe eine eigene liebe Oma”, sagt er, „und alte Leute muss man höflich behandeln, gerade wenn sie krank und hilfsbedürftig sind.“

Eine alte Frau möchte immer, dass er den Arm um sie legt, sie stützt und füttert. Eigentlich könnte sie noch allein essen, aber in seiner Gesellschaft macht es ihr mehr Spaß. Wenn er Zeit hat, hilft er ihr gern. Dann strahlt sie ihn an.

Eine andere Patientin, die manchmal ein bisschen wirr im Kopf ist, ruft immer laut nach ihm. „Jan, Jan!“, schallt es durch die Gänge. Überall auf der Station kann man das Rufen hören und alle ziehen Jan mit seiner Verehrerin auf.

Am Wochenende ist Jan zu Hause und erzählt von der alten Frau, die ihn immer ruft. Ich sage:„Vielleicht hat sie am Montag deinen Namen wieder vergessen.“

Aber am Montag hat die Kranke Jans Namen nicht vergessen und ruft weiter nach ihm.

 

Antje Burger

Karin Schupp (Hrsg.): 200 Kurze Geschichten.

Lahr: Kaufmann 1999

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Alptraum – Gudrum Pausewang

Alptraum

So was hab ich kürzlich geträumt: Ich war im Ausland. Es muss ein afrikanisches Land gewesen sein, denn die Leute dort waren Schwarze. Wir waren die einzigen Weißen, wo immer wir uns auch aufhielten.
So ein Traum wäre nichts Besonderes. Nicht wert, erwähnt zu werden. Ich hab schon oft geträumt, ganz allein zwischen Eskimos, Indianern oder Chinesen zu sein. Anregende Träume. Oft sogar aufregende Träume, schön abenteuerlich.
Aber dieser Traum zwischen den Schwarzen war ganz anders. Ein Angsttraum! Denn wir – meine Eltern, mein Bruder Michael und ich – waren dort nicht als Touristen, sondern als Asylbewerber!
Ich weiß nicht, weshalb wir in diesem Traum aus Deutschland hatten flüchten müssen. Krieg? Hunger? Eine zweite Hitlerzeit? Jedenfalls waren wir auf der Flucht und suchten in diesem Land der Schwarzen Schutz. Ich fühlte es ganz deutlich: Wir waren Bittsteller.
Und genau so wurden wir auch behandelt. Schließlich hatten wir ja unser Haus und unser Auto nicht bei uns, nicht mal unser Geld. Wir waren arm. Als Mutti auf der Post Weiterlesen

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Hans und der Fußball

Am Nachmittag spielt Hans mit dem Fußball. Die Mutter arbeitet, der Vater arbeitet, und Hans kann alles tun, was er will. Fast alles. Gewisse Dinge sind verboten. Fußball spielen zum Beispiel.
»Du wirst doch einsehen, Hans«, sagte die Mutter erst vorgestern, »dass du zwar mit dem Ball spielen darfst, aber nicht überall und nicht jederzeit. Das verstehst du sicher. Das geht einfach nicht. Hab’ ich Recht, Vater?«
Wenn die Mutter Hans etwas verbietet, holt sie sich immer Rückendeckung beim Vater.
Hab’ ich Recht, Vater? Hans weiß, dass der Vater immer zur Mutter hält, und dass die Mutter immer derselben Ansicht ist wie der Vater. Sie halten gegen ihn zusammen, bilden eine hohe Mauer, die fast alles abwehrt, was für Hans lebenswichtig ist. Gegen sie hat er keine Chance.
Wenn es um den Fußball geht, hält der Vater erst recht zur Mutter. Denn beim Fußballspielen werden Hans’ Kleider schmutzig, er kann sich die Hosen zerreißen, und die Mutter hat weiß Gott anderes zu tun, als nur zu waschen und zu flicken. Außerdem sind Jungenhosen teuer. Aber diese Dinge sind leider unvermeidlich. Wenn Hans Torwart spielt, muss er sich auf den Ball werfen.
Es ist nicht ganz einfach, mit sich selbst Torwart zu spielen, aber Hans hat dieses Problem gelöst. Er tritt den Ball gegen Weiterlesen

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Die Geschichte von dem Kind und Schmidts Pflaumen

Einmal hat ein Kind im Garten gespielt.

Es hat ganz allein gespielt, denn seine Mutter hat gerade an diesem Tag sehr viel zu tun gehabt. Sie hat nur manchmal aus dem Fenster nach dem Kind gesehen und sich gefreut, weil das Kind so schön gespielt hat.

Da sind Oma Schmidt und Opa Schmidt von nebenan in ihren Garten gekommen. Oma Schmidt hat zwei Körbe gehabt, und Opa Schmidt hat eine lange Leiter getragen. Sie sind zu dem großen Pflaumenbaum in ihrem Garten gegangen.

Das Kind ist ganz schnell zum Zaun gelaufen und hat ihnen zugesehen.

»Was machst du denn?« hat es gerufen, als Opa Schmidt die Leiter an den Baum gelehnt hat.

»Ich will in den Baum steigen!« hat Opa Schmidt geantwortet und dem Kind zugewinkt. Weiterlesen

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Alt-Salzburger Weihnacht

Alt-Salzburger Weihnacht

Linde Schuller

Über Salzburg fällt Schnee. Durch das rötlichwarme Dunkel eines früh ermatteten Wintertages lässt sich das schöne Antlitz der Stadt nur ahnen wie ein Frauengesicht hinter dichten Schleiern.

Hätte die wuchtige Feste ihre Silhouette nicht durch allerlei schneeichtes Putzwerk an Zinnen und Türmen betont, man sähe sie heute gar nicht und selbst die düstere Wand des Mönchsberges hängt weniger drohend, unwirklicher, einem riesigen, weißgetupften, von unsichtbarer Hand ständig bewegten Vorhang gleich, abgerückt hinter den Häusern der Gstättengasse.

Mählich runden sich die Giebel und Simse unter den kühlen Daunen und nur was im leichtsinnigen Flockenreigen über der Salzach niedertänzelt, wird von den frostig grünen Wellen verschlungen.

Die steinernen Heiligen auf den Türmen der Kollegienkirche tragen Pelerinen von glitzerndem Hermelin und lächeln – Mittler zwischen Himmel und Erde – abgeklärt und wissend auf die geduckt hineilenden Menschen nieder, die, den Blick nach innen gekehrt, heimzu eilen, ihr Weihnachtswunder zu erleben.

Unter den Dombögen, wo, von flackernden Ölfunsen spärlich beleuchtet, die letzten Herrlichkeiten des Christkindelmarktes feilgeboten werden, tappen die Verkäufer frierend von einem Fuß auf den anderen. Nicht einmal das Gluthäferl unter dem Schemel will heute genügen gegen die beißende Kälte.

„Komm schon endlich, Wolferl, komm! Wir haben’s eilig!” „Ja, Frau Mutter! Weiterlesen

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Ich werde dich beschützen

Ich werde dich beschützen

Florian sitzt neben Daniela.

Die Kindergärtnerin teilt Blätter aus, große weiße Zeichenblätter.

„Heute dürft ihr euch verwandeln. Was möchtet ihr für ein Tier sein?“

„Eine Giraffe.“

„Ein Tiger.“

„Ein Häschen.“ Weiterlesen

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Karolins Schutzengel

»Karolin, kommst du? Wir wollen jetzt los!« Karolin hörte, wie ihre Eltern sich unten im Flur die Mäntel anzogen.

»Ich hab keine Lust«, maulte sie leise und schaute aus dem Fenster. Draußen nieselte es. Trotz der Festbeleuchtung wirkten die Straßen trist und düster. »Tolles Weihnachtswetter!«, murmelte sie vor sich hin. »Genau richtig für einen Besuch auf dem Weihnachtsmarkt.«

»Karolin…!«, rief ihr Vater, diesmal etwas lauter. »Was ist bloß in letzter Zeit mit dem Kind los. In fünf Tagen ist Weihnachten, da war sie doch sonst immer so aufgeregt.«

Karolin seufzte. Bisher hatte sie die Vorweihnachtszeit ja auch immer sehr schön gefunden, doch in diesem Jahr war alles anders. Es war das erste Jahr ohne Opa. Karolin fühlte, wie ihr Tränen in die Augen stiegen. O nein, bloß nicht wieder heulen, dachte sie und schluckte den dicken Kloß hinunter, der ihr plötzlich im Hals steckte.

»Karolin, wo bleibst du denn?« Ihre Eltern wurden langsam ungeduldig.

»Ja, ja!» Hastig wischte sich Karolin mit dem Handrücken über die Augen. »Ich komme gleich!«

Als Opa noch lebte, war ihr das Wetter immer egal gewesen. Gemeinsam waren sie auch im Winter durch die umliegenden Wälder gestreift, hatten Tiere beobachtet und so manches Abenteuer erlebt. Opa war ihr bester Freund gewesen. Auf ihn hatte sie sich immer verlassen können. Ach Opa! Karolin fühlte, wie sich nun doch eine verräterische Träne ihre Wange hinunterschlich.

»Karolin, wir wollen endlich los!« Erschrocken fuhr sie herum. Ihre Mutter stand direkt hinter ihr. Karolin hatte sie gar nicht kommen hören. »Kind, du weinst ja.« Weiterlesen

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Wann ist endlich Weihnachten? – Der Bettler – Der Birnbaum – Der Räuber

Am 8. Dezember fragt der kleine Bär neugierig: „Und was geschieht heute?” „Das wirst du gleich hören”, antwortet Mutter Bär und beginnt zu erzählen.

Der Bettler

Immer dichter fielen die Schneeflocken auf das Land. Immer mühsamer wurde es für den kleinen Bären, seinen Weg zu finden.

Als er in einer Hütte Unterschlupf suchen wollte, entdeckte er einen Mann.

Er war in lauter Lumpen gehüllt.

Was für ein armer Mann!, dachte der kleine Bär. Er sieht so hungrig aus.

Er nahm sein Nikolaussäckchen und hielt es dem Bettler hin. „Es wird dich stärken, eigentlich war es für das Kind bestimmt”, sagte der kleine Bär.

Da ging ein Lächeln über das müde Gesicht des Bettlers. „Es bekommt auch davon!”, sagte er und verschwand. Weiterlesen

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Der Traumgeist und das Kind

Eines Nachts stand ein schaurig heulender Traumgeist im Kinderzimmer: »Ich bin der schrecklichste Traumgeist der Welt! Huahuaaa!«

»Es gibt keine Geister«, antwortete das Kind und gähnte. »Das hat mein Papa gesagt.«

»Oha!«, fistelte der Traumgeist mit grausiger Stimme. »Auch Väter irren sich manchmal. Sieh mich an!«

»Mein Papa nicht.« Das Kind öffnete nicht einmal die Augen.

Der Traumgeist wusste nicht, wie ihm geschah. So etwas war ihm noch nie passiert! Sollte er sich das etwa gefallen lassen? Schließlich war er der schrecklichste Traumgeist der Welt!

»Ich kann mich in einen kopflosen Ritter verwandeln!«, drohte er und begann sogleich, als Ritter ohne Kopf herumzuklirren.

»Ich war auch einmal ein Ritter. An Fasching. Hat Spaß gemacht«, murmelte das Kind und schlief weiter.

»Dann komme ich als böser Drache!«, fauchte der Geist. »Tausend Meter weit speie ich meine Feuerstöße aus!«

»Einen Drachen habe ich schon«, sagte das Kind. »Der fliegt ganz weit im Wind. Kannst du auch fliegen?«

»Oha, oha, oho!« Der Traumgeist begann sich zu ärgern. »Aber eine Gifthexe«, grummelte er, »hast du nicht, oder?«

»Hexen sammeln Krauter und helfen armen Menschen.«

»Nicht alle Hexen sind gut!«

»Mein Papa hat gesagt…«

»Dein Papa, dein Papa!« Der Traumgeist dachte erregt nach, wie er das Kind doch noch mit einem bösen Traum erschrecken konnte. »Wie wäre es mit einem Saurier?«, fragte er schließlich lahm. »Auffressen wird er dich, mit Haut und Haaren!«

»Saurier fressen Blätter«, lachte das Kind. »Außerdem sind die längst ausgestorben.«

Der Traumgeist war den Tränen nahe. »Hat das auch dein Papa gesagt?«

»Das haben wir schon im Kindergarten gelernt!« Das Kind setzte sich auf. »Soll ich dir eine Sauriergeschichte erzählen?«

»N-n-nein!« Der Traumgeist war sehr nervös geworden, rupfte an seinen Haaren, klapperte mit den Zähnen und trommelte auf seinem Bauch herum.

»Du solltest jetzt schlafen«, sagte da das Kind zu dem schrecklichsten Traumgeist der Welt. »Schlafen ist gesund, und morgen wird es dir bestimmt wieder besser gehen.«

»H-h-hat das auch dein Papa gesagt?«, stammelte der Traumgeist.

»Nein, meine Mutti«, antwortete das Kind, drehte sich um und schlief so tief ein, dass es durch nichts mehr aufzuwecken war.

Elke Bräunling: Da wird die Angst ganz klein – Mutmachgeschichten.
Limburg: Lahn-Verlag 1998

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Ich habe fast keine Angst, Mama! (ein Arztbesuch)

Ich habe fast keine Angst, Mama!

„Heute müssen wir zum Arzt“, sagt Mama.

Lisa mag den Arzt. Sie kennt ihn gut.

Aber sie fürchtet sich vor einer Spritze.

*

Lisa spielt Ärztin.

Ihre Stofftiere sitzen im Wartezimmer.

Der Teddy hat den Arm gebrochen. Die Katze hat die Pfote verletzt. Die Puppe Anna soll eine Spritze bekommen.

Lisa macht die Tür auf.

„Der nächste, bitte!“ sagt sie. Die Puppe Anna ist die nächste.

Lisa guckt der Puppe in den Mund.

„Weit aufmachen“, sagt Lisa, „und aaaa sagen!“

Lisa zieht Anna den Pullover aus. Sie horcht die Puppe ab.

„Tief ein- und ausatmen“, sagt sie. „So ist es gut.“

Nun muss Anna sich hinlegen. Lisa drückt ihr fest auf den Bauch.

„Tut das weh?“ fragt sie.

„Ich muss dich noch impfen, damit du nicht krank wirst.“

Lisa gibt der Puppe eine Spritze.

„Brav“, sagt sie, „du hast gar nicht geweint.“

Anna bekommt ein Stück Traubenzucker als Belohnung.

Der Teddy ist der nächste. Er jammert und weint.

„Du brauchst einen Gipsverband“, sagt Lisa und wickelt den Arm fest ein.

„Gleich ist es wieder gut.“

Lisa will dem Teddy noch in den Mund gucken.

Aber er macht den Mund nicht auf.

„Ist nicht so wichtig“, sagt Lisa.

Sie horcht ihn ab, dann darf er gehen.

Die Katze hat sich eine Pfote eingeklemmt.

Die Pfote blutet. Die Katze miaut.

Lisa holt ein großes Pflaster und klebt es auf die Pfote. Dann ist die Katze fertig.

Lisa bringt sie hinaus.

„Der nächste, bitte!“ Ruft sie.

Da sitzt Mama im Wartezimmer.

„Ich habe mir den Finger geschnitten“, sagt sie.

Mama bekommt einen dicken Verband um den Finger.

„Ich brauche auch eine Spritze“, sagt sie.

Lisa gibt ihr die Spritze.

„Au“, sagt Mama, „das hat gepikst.“

Am nächsten Tag gehen Mama und Lisa zum Arzt.

„Ich habe fast keine Angst, Mama“ sagt Lisa.

 

Jutta Modler; Franz Hoffmann: Ich habe fast keine Angst, Mama!
Wien: Herder Verlag, 1993

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Weihnachtsgedicht

Einmal, o Herz, halte ein!
Hinter Öchslein und Eselein
flimmert ein wärmender Schein.

Auch deine Brust war ein Stall,
Tiere darin ohne Zahl,
drüber die Sterne  im All -

Siehe in Armut und Not
vor dir das Gottesbrot,
Trost gegen Teufel und Tod.

Mensch – du Gebilde aus Lehm -
sei du sein Bethlehem!

Franz Theodor Csokor

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Varenka

Varenka

Vor langer Zeit lebte in den weiten Wäldern Russlands eine Witwe. Sie hieß Varenka. Ihr kleines Haus stand tief in den Bäumen, wo selten jemand hinkam. Es war ganz aus Holz gebaut.

Varenka hatte alles, was sie brauchte: einen Tisch, Stühle, Kästen für Brot und Käse und Geschirr. In der Ecke hing eine Ikone und Varenka sorgte immer für frische Waldblumen. Nachts schlief sie, wie alle einfachen Leute in Russland, auf dem warmen Ofen.

Varenka lebte zufrieden in ihrem kleinen Haus. Doch eines Tages kam eine Gruppe Leute zu ihr. In großer Aufregung riefen sie: »Varenka, wir sind in Eile! Im Westen wütet ein schrecklicher Krieg. Die Soldaten kommen jeden Tag näher. Pack deine Sachen zusammen und fliehe mit uns, bevor dir etwas zustößt!«

Varenka erschrak. Krieg! Soldaten! Angst ergriff sie.

Dennoch sagte sie zu den Leuten: »Wer wird die müden Wanderer stärken, wenn ich mit euch komme? Wer nimmt sich der Kinder an, die sich im Wald verirren? Und wer wird sich um die Tiere und Vögel kümmern, wenn der Winter kommt mit Schnee und Eis? Nein, ich muss bleiben. Doch ihr, meine Freunde, beeilt euch und zieht weiter. Gott möge euch beschützen!« Weiterlesen

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Als meine Oma uns einmal besuchte, brachte sie Orangen mit; mir gab sie drei Orangen, meinem Bruder aber nur zwei. Er ging in sein Zimmer und weinte. Ich gab aber nicht nach, sondern aß genussvoll meine drei Orangen.

Auch beim nächsten Besuch brachte Oma mir drei und meinem Bruder nur zwei Orangen mit. Diesmal wollte ich ihm eine abgeben, er tat aber, als würde er es nicht bemerken. Ich legte ihm die Orange auf den Tisch und ging wieder hinaus. Weiterlesen

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Solche Häuser und andere Häuser – will­kom­men hei­ßen

Solche Häuser und andere Häuser

Eva, Usch und Daniel gehen die Straße entlang und klingeln an den Häusern.

„Guten Tag”, sagen sie zu Herrn Max. „Dürfen wir reinkommen?”

„Was? Ihr? Jetzt?”, ruft Herr Max und schlägt die Tür zu „Unverschämtheit! In meinem Haus will ich meine Ruhe haben!”

Eva, Usch und Daniel klingeln bei Frau Eise. „Dürfen wir reinkommen?”, fragen sie. Weiterlesen

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Die Weihnachtsmäuse

Die Weihnachtsmäuse

Erwin Moser

Im Haus der Familie Horvath gab es einen kleinen Raum, den alle Familienmitglieder »Speisekammer« nannten. Aber eigentlich war er mehr ein Abstellraum, ein Besenkammerl. Früher, zu Großvaters Zeiten, als es noch keine Kühlschränke gab, war er eine richtige Speisekammer gewesen. Nun waren die Regale der Speisekammer mit leeren Flaschen, alten Schuhen, vergilbten Zeitungen, leeren Kartons und anderem Krimskrams gefüllt. Nur in einem Fach stand noch eine lange Reihe von Marmeladegläsern.

Im Dezember, als die Tage und Nächte immer kälter geworden waren, hatten sich zwei Hausmäuse vom Dachboden in dieser Speisekammer einquartiert. Die Kälte hatte sie heruntergetrieben. Irgendwie hatten sie einen Weg in die Speisekammer gefunden. Wie – das wussten nur die Mäuse selber. Für Menschen wird es ewig unverständlich bleiben, wie Mäuse in geschlossene Räume eindringen können. Das ist das große Geheimnis des Mäusevolkes ! Weiterlesen

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Julia bei den Lebenslichtern

„Oma?“
Leise öffnet Julia die Tür zu Omas Zimmer. Es ist schon Mittag und Oma liegt noch immer im Bett. Nicht einmal die Vorhänge hat zur Seite gezogen. Auf Zehenspitzen geht Julia ins Zimmer. Sie sieht, dass Omas Augen geschlossen sind. Ihr Kopf ist ein wenig zur Seite gerutscht, als hätte sie sich den Hals verrenkt. Noch nie hat Oma im Bett gelegen und geschlafen, wenn Julia von der Schule nach Hause gekommen ist!
„Oma, warum sagst du nichts?“
Julia erschrickt über ihre Stimme in dem stillen, dämmringen Raum.
„Oma, du bist doch nicht krank?“
Aber Oma antwortet nicht.
Plötzlich hat Julia Angst – Angst, dass etwas Schreckliches mit Oma passiert ist.
Sie läuft ins Wohnzimmer und wählt Mamas Nummer.
„Julia? Du weißt doch, dass du nicht im Büro anrufen sollst!“
Mamas Stimme klingt ungeduldig und gereizt.
„Ja.“ Julia schluckt. „Es ist wegen Oma“, sagt sie flüsternd. „Oma liegt im Bett, und sie antwortet nicht.“ Weiterlesen

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Zwei halten zusammen

»Du gehst mir echt auf die Nerven!« schimpft Helmut. »Das hier ist nichts für dich! Das ist nur was für Große!«

Der Rummelplatz ist nichts für fünfjährige Knirpse, selbst wenn sie in der Straße hinter den Schießbuden wohnen, genau dort, wo auch Helmut wohnt.

Aber Marko lässt sich nicht vertreiben. Er stapft hinter dem anderen her. Wenn er stehen bleibt, bleibt auch Marko stehen.

»Was rennst du mir denn andauernd nach?«

»Ich renn’ dir nicht nach«, behauptet Marko. »Ich geh’ mit dir. Du gehst nur zu schnell!«

»Ich will nicht, dass du mit mir gehst, verstanden?«

Marko bleibt stehen. Er schiebt seinen kleinen runden Bauch vor, den das Leibchen mit dem kirschengroßen Loch und den vielen Eis- und Marmeladenflecken nur bis zum Nabel bedeckt. Er steckt die Händen tief in die Hosentaschen und verzieht die Mundwinkel nach unten, dabei wirft er Helmut seinen beleidigten Trotz-Blick zu. Weiterlesen

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Die Neinsagerin

»Hallo«, ruft Leonie und zieht ihre rote Jacke aus. Sie ist gerade aus dem Kindergarten gekommen. Dann erzählt sie immer, was sie erlebt und gespielt hat. »Stell dir mal vor, Mama«, sagt Leonie und macht es sich auf dem grünen Sofa bequem, »wir haben eine Neue im Kindergarten.« Leonies Mama stellt Bananen und Mandarinen auf den Couchtisch. »Wie heißt sie denn?«, fragt sie und flicht Leonie den Zopf neu. »Jette, sie hat mit ihren Eltern für ein Jahr in Island gelebt«, erzählt Leonie.

»Das ist ja interessant«, sagt Mama. Der Zopf ist fertig.

»Die hatten da keinen Kindergarten. Kannst du dir das vorstellen?«, meint Leonie. »Jette hat immer alleine gespielt, weil die anderen Kinder ganz weit weg gewohnt haben.« »Das muss sie ja jetzt nicht mehr«, meint ihre Mama. Weiterlesen

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Han Gan und das Wunderpferd

Han Gan und das Wunderpferd

Der kleine Han Gan tat nichts lieber als zeichnen.

Doch seine Eltern waren so arm, dass er sich weder Tuschpinsel noch Papier leisten konnte. Um sie zu unterstützen, trug er für einen Gastwirt Speisen aus. Dafür bekam er ein wenig Geld.

Eines Tages brachte er dem berühmten Maler Wang Wei das Essen.

Gerade, als er gehen wollte, sah er hinter dem Haus Pferde auf einer Weide. Sie waren so wunderschön, dass er sie auf der Stelle in den Sand zeichnen musste.

Wang Wei wurde auf ihn aufmerksam und sah sich die Zeichnung genau an. Dann forderte er den Jungen auf am nächsten Tag wiederzukommen. Weiterlesen

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Ein neues Leben im zwölften Stock

Ein neues Leben im zwölften Stock

Wir wohnen in der Trabantenstadt. Dort wurden vor wenigen Jahren in kürzester Zeit mindestens ein Dutzend Wohnsilos aus dem Ackerboden gestampft. Als ich geboren wurde, lebten hier am Rande der Großstadt noch kleine Bauern. Heute sind sie alle Millionäre, seitdem sie ihre Felder und Mooswiesen als Bauland an die Wohnungsbaugesellschaft verkaufen durften. Uns stört es nicht, dass dort, wo wir jetzt wohnen, vor einem Jahrzehnt noch Kühe und Schafe gegrast haben. Wer zu uns zu Besuch kommt, der denkt vielleicht, so wie heute hätte es hier schon seit Jahren ausgeschaut. Aber Pustekuchen! So etwas nennt man Fortschritt. Papa sagt oft, dass wir froh sein könnten, im Jahrhundert der Technik zu leben, in dem alles auf Fortschritt und Verbesserung der Lebensqualität ausgerichtet wäre. Was er damit meint, lässt sich in ein oder zwei Sätzen gar nicht erklären. Jedenfalls dürfen auch wir an diesem Fortschritt teilhaben, seitdem wir aus unserer alten Behelfsheimsiedlung in den zwölften Stock von einem dieser Wohnsilos umgezogen sind. Papa meinte, wir sollen uns jetzt das Leben so angenehm wie möglich machen. Was er damit sagen wollte? Nun: Kein Zank mehr, kein Streit und so weiter! Weiterlesen

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Lasse will nicht aufräumen

»Komm mal bitte!«, ruft Mama. Warum klingt sie denn so sauer? Als Lasse seine Tür öffnet, schimpft sie: »Überall im Flur liegt euer Spielzeug rum! Räum das bitte sofort auf. Nachher kommt Besuch.« Lasse guckt. Stimmt. Im Flur liegen viele Spielsachen. Er sagt: »Die gehören fast alle Sina. Dann soll sie die auch wegräumen. Ich gehe jetzt zu Jonas.«

Mama erklärt: »Sina ist bei Rike. Sie kann das nicht wegräumen. Außerdem … die Bilderbücher hier gehören dir. Die Ritterburg auch. Die Comics … das sind deine. Also räum auf!«

»Aber nur, was mir gehört«, sagt Lasse. »Sina soll ihre Sachen selber wegräumen.« Lasse ärgert sich. Es stört ihn schon lange, was er alles für seine kleine Schwester tun soll. Mama ärgert sich auch. Sie sagt: »Der Besuch kommt bald. Und ich muss noch staubsaugen. Du räumst das jetzt weg!« Weiterlesen

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Die Geschichte des weisen Nathan

Vor langer Zeit befreundeten sich in Jerusalem zwei Männer, die so verschieden voneinander waren, dass sich jedermann wunderte, der davon hörte.

Der eine war Saladin, der Sultan von Babylon, der andere Nathan, ein frommer Jude.

Saladin war im Volk berühmt für seine Tapferkeit, mit der er seine Feinde besiegte. Von Nathan aber erzählten sich die Leute, dass er unermesslich reich und geizig sei.

Das kam so:

Der verschwenderische Sultan war eines Tages in Geldnot geraten. Seine Schatzkammern waren leer. Ungeduldig erwartete er eine große Summe Geldes aus Ägypten. Doch die Karawane, die es ihm hätte bringen sollen, war anscheinend in einem Wüstensturm umgekommen oder von Räubern überfallen worden. Weiterlesen

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Die Riesin

Es war einmal eine junge Riesin. Sie lebte zurückgezogen am Waldrand, denn sie fürchtete, die Menschen zu erschrecken. Einmal war ihr eine Pilzsammlerin begegnet, die hatte die Riesin angestarrt und war ängstlich davongerannt.

Oft stand die junge Riesin an einem hoch gelegenen Fenster ihres Hauses und dachte daran, was ihre Mutter, eine normal große Frau, gesagt hatte:

»Ein Riese, das geht noch. Aber eine Riesin? Du wirst einsam sein im Leben. Kein Mädchen nimmt dich zur Freundin, denn deine Größe jagt Angst ein. Kein Bursche wird sich in dich verlieben. Männer wollen, dass Frauen zu ihnen aufschauen.«

Da geschah es, dass ein Förster in ihrer Nähe am Waldrand ein Blockhaus baute. Oft blickte er zu seiner Nachbarin hinüber.

Das Gesicht am Fenster, im ersten Stock gefiel ihm. An einem Morgen, ehe er in den Wald ging, winkte er zu ihr hinauf. Weiterlesen

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Das Geheimnis des friedlichen Kriegers

In einer Stadt, gar nicht weit von hier, saß ein Junge am Küchentisch und starrte aus dem Fenster. Es war ein frischer Herbstmorgen. Danny Morgan blickte nachdenklich auf die neue Umgebung. Den vertrauten Garten und die alten Freunde gab es nicht mehr, und heute sollte er zum ersten Mal in die Eastside-Schule gehen. Er war aufgeregt und neugierig, und gleichzeitig hatte er Angst.
„Iss dein Frühstück, Danny!” rief die Mutter aus dem Nebenzimmer. „Der Nachbarjunge, der dich zur Schule bringt, muss jeden Moment kommen!”
Es klingelte, und Danny schüttete den Rest seiner Haferflockensuppe in den Ausguss.
„Hier sind deine Pausenbrote”, sagte die Mutter und gab ihm eine neue Brotdose. Es klingelte wieder.
„Machst du die Tür auf?” fragte sie lächelnd.
Danny ging langsam in den Flur, öffnete und erblickte ein Mädchen, ungefähr in seinem Alter.
„Hallo,” sagte sie, „ich heiße Joy.”
„Du hast doch gesagt, dass es ein Junge ist”, zischte Danny seiner Mutter zu. Weiterlesen

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Das kleine Weihnachtsfest

Das kleine Weihnachtsfest

Agnes S. Turnbull

Margaret Greaves winkte noch einmal, und zum letztenmal, von der obersten Stufe der Haustreppe, als Henrys Taxi über die vereiste Straße davonschlich. Dann schloß sie mit einem Kälteschauer die Tür und ging niedergeschlagen ins Wohnzimmer zurück.

Wieder einmal war ein Weihnachtsfest mit seinen sogenannten »festlichen« Tagen vorbei. Und nie vorher hatte sie sich so müde an Körper und Geist, so im Innersten enttäuscht gefühlt.

Wie stets hatte sie auch diesmal den großen Tagen mit einer beinahe kindlichen Spannung entgegengeblickt. Hank würde von der Universität, Penny von ihrem College heimkommen und Cecily und ihr Mann Bill aus der Stadt ins Elternhaus. Weiterlesen

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Wann ist endlich Weihnachten? – Der kleine Bär und das Weihnachtsgeheimnis I

Der kleine Bär und das Weihnachtsgeheimnis

Am Abend liegt der kleine Bär in seinem warmen Bett und kann nicht einschlafen.

„Wann ist denn endlich Weihnachten?”, fragt er Mutter Bär.

„Du musst noch ein bisschen Geduld haben, mein kleiner Bär. Ich werde dir jeden Abend eine Geschichte erzählen, und wenn ich dir 24 Geschichten erzählt habe, dann ist Weihnachten.”

„Ist dann wirklich Weibnachten?”, fragt der kleine Bär.

Mutter Bär nickt. Sie krault dem kleinen Bären den Rücken.

„Nun schlaf gut, kleiner Bär!”

* * *

Mutter Bär zündet eine Laterne an und stellt sie ans Fenster. Heute erzählt sie von einem Blinden.

Der Blinde

Als der kleine Bar nachts über das Feld wanderte, sah er einen Feuerschein in der Ferne. Wie er näher kam, erkannte er einen Mann mit einer brennenden Fackel in der Hand. Weiterlesen

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Das Paket des lieben Gottes

Das Paket des lieben Gottes
Bertolt Brecht (1898-1956)

Nehmt eure Stühle und eure Teegläser mit hier hinter an den Ofen und vergeßt den Rum nicht. Es ist gut, es warm zu haben, wenn man von der Kälte erzählt.
Manche Leute, vor allem eine gewisse Sorte Männer, die etwas gegen Sentimentalität hat, haben eine starke Aversion gegen Weihnachten. Aber zumindest ein Weihnachten in meinem Leben ist bei mir wirklich in bester Erinnerung. Das war der Weihnachtsabend 1908 in Chicago. Ich war Anfang November nach Chicago gekommen, und man sagte mir sofort, als ich mich nach der allgemeinen Lage erkundigte, es würde der härteste Winter werden, den diese ohnehin genügend unangenehme Stadt zustande bringen könnte. Als ich fragte, wie es mit den Chancen für einen Kesselschmied stünde, sagte man mir, Kesselschmiede hätten keine Chancen, und als ich eine halbwegs mögliche Schlafstelle suchte, war alles zu teuer für mich. Und das erfuhren in diesem Winter 1908 viele in Chicago, aus allen Berufen.
Und der Wind wehte scheußlich vom Michigansee herüber durch den ganzen Dezember, und gegen Ende des Monats schlossen auch noch eine Reihe großer Fleischpackereien ihren Betrieb und warfen eine ganze Flut von Arbeitslosen auf die kalten Straßen. Weiterlesen

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Der Weihnachtsbaum der zu früh dran war

Der Weihnachtsbaum der zu früh dran war

Olli ist Nachtwächter auf einem Bauhof. Olli ist gern Nachtwächter. Seit seine Frau vor zwei Jahren gestorben ist, lebt er allein. Manche alten Freunde fragen ihn: »Ist das nicht langweilig, Olli, die ganze Nacht rumgehen, rumstehen und rumsitzen?«
»Nein«, antwortet Olli dann. »Ich spreche nachts mit dem alten Baukran oder mit dem Lastwagen, der hinten auf dem Hof steht. Die haben viel gesehen und viel erlebt. Da vergehen die Stunden wie im Fluge. Der LKW ist zum Beispiel vor drei Jahren noch in Timbuktu gewesen, das liegt…«
»Hör auf, Olli«, lachen dann die Freunde, »du spinnst mal wieder.«
Nur Elli, das kleine Mädchen, das in der Wohnung unter Olli wohnt, die hört Ollis Nachtgeschichten gern. Sie fragt ihn: »Olli, mit wem hast du letzte Nacht gesprochen?« Dann erzählt er von der Wüstenstadt Timbuktu, von dem großen gelben Fluss in China und von dem schneebedeckten Kilimandscharo mitten in Afrika. Weiterlesen

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Das schönste Martinslicht

Das schönste Martinslicht

Martin ist sehr stolz auf seine Laterne. Sie ist viereckig und aus blauer Pappe geschnitten und geklebt. Die vier Seitenfelder sind aus durchsichtigem gelben Papier. Darauf sind eine Sonne, ein Mond, ein Stern und der heilige Martin auf seinem Pferd gemalt.

Und diese Laterne hat Martin selbst gemacht! Anton, Vaters Gehilfe, hat ihm nur die Pappe zugeschnitten und Ulis Vater hat ihm das Pferd und den Reiter vorgezeichnet.

Nun schaukelt die schöne Laterne an einem langen Stock vor Martin her.

Alle Kinder aus der Lindenstraße wollen sich um sechs Uhr abends vor Herrn Bierbachs Laden treffen und dort mit dem Martinssingen anfangen. Sie bekommen jedes Jahr von Herrn Bierbach besonders leckere Sachen. Fast alle sind schon da. Da kommen andere Kinder Sie gehen gleich in Herrn Bierbachs Laden und singen. Weiterlesen

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Als Sosu sein Dorf rettete – Meshack Asare

Als Sosu sein Dorf rettete

Irgendwo auf einem schmalen Landstreifen zwischen Meer und Lagune liegt ein kleines Dorf.
Auf der einen Seite rollen die Wellen der offenen See über die Landzunge und auf der anderen Seite glitzert das flache Wasser der Lagune.
Die Meeresbrandung nagt am Strand und knabbert ihn Stück für Stück ab. Deshalb wurde das Dorf im Laufe der Jahre kleiner, so erzählt man sich. Die Lagune dagegen wächst. Wenn das Meerwasser in sie hineinspült, schwillt sie an. Doch bevor sie das Dorf überflutet, fließt das Wasser überraschend wieder ab. Denn die Lagune ist eine freundliche Mutter, glauben die Menschen dort. Und das Meer, so sagen sie, wird erst dann Ruhe geben, wenn die Lagune es heiratet und mit ihm eins wird. Trotzdem wollen die Menschen ihr Dorf nicht verlassen. Alles ist gut, finden sie, solange das Meer um die Lagune wirbt. Denn das Meer sorgt dafür, dass ihre Fischernetze stets gefüllt sind, während die Lagune ihnen andere Leckereien wie Austern und Muscheln liefert. Und auf dem fruchtbaren Boden wächst Getreide und Gemüse, das sie auf dem Markt verkaufen können. Weiterlesen

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Jakob redet mit dem Vater

Jakob redet mit dem Vater

„Vati“, sagt Jakob, „unser Religionslehrer sagt, dass alle Menschen Kinder Gottes sind.“
„Da hat er recht, dein Religionslehrer“, sagt der Vater.
„Aber“, sagt Jakob, „wenn du ein Kind Gottes bist und ich ein Kind Gottes bin, dann sind wir beide doch Brüder?“
„So betrachtet“, sagt der Vater, „sind wir Brüder.“
„Aber als Brüder“, sagt Jakob, „sind wir da nicht gleich viel wert?“
„Natürlich sind wir gleich viel wert“, sagt der Vater. „Frag nur die Mutti, wer von uns beiden ihr mehr wert ist. Ich wette, da wird sie sich schwer tun —„
„Aber du kannst vieles besser als ich“, sagt Jakob. „Rechnen und Schuhe putzen zum Beispiel.“ Weiterlesen

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Don’t bully me: a personal diary

Don’t bully me: a personal diary

Sunday morning 7.30
Dear Diary
Had a bad dream last night. I was running… and running. There was this huge tiger chasing me. I was running faster and faster but I couldn’t get away. It was getting closer and then … I woke up.
I held Flo in my arms. She makes me feel safe – she knows what’s going on. I can tell her. Keep having bad dreams. Didn’t use to be like that. I used to have loads of friends – like Sara and Jenny. Sara asked me to go to the shops but…
School’s been HELL since SHE came. I hate hate HATE her!!! I hate hate HATE her!!!

Sunday evening 20.15
Dear Diary
Went to Grandad’s.
Lucy came and we climbed the big tree. We played pirates. School tomorrow. Don’t think I can face it. Go to school and see HER! SHE’LL be waiting. I KNOW she will. Even when she isn’t there I’m scared she’ll come round a corner. Or hide in the toilets like a bad smell. Teachers never check what’s going on in there! If ONLY I didn’t have to go. My cat Flo thinks I’ll be ok. Weiterlesen

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A Shelter in Our Car

A Shelter in Our Car

Police cars are coming closer! The sirens hurt my ears and the lights blind my eyes. I jump up, really, really frightened.
“Shhh, Zettie, lie down,” Mama says. “We don’t want to be noticed.”
We sink between the clothes on the back seat of the car. “Mama, it’s creepy sleeping in our car,” I whisper.
“I know,” she says. “Things happen in the city. Police cars are always on some kind of chase.”
She holds me close until the sirens stop.
When all is quiet, Mama drives down Chandler Avenue and parks in front of a courtyard apartment house. Its garden is filled with flowers – bougainvilleas, roses, hibiscus – in the streetlight, their colors as bright as the flowers in the yard we left behind in Port Antonio. Mama and I love parking in this spot.
For weeks, a For Rent sign has hung in one of the windows. We asked about it last week, but the owner told us he’d only rent to someone with a steady job. And he wants the first and last months’ rent, which Mama doesn’t have. Weiterlesen

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The Cats in Krasinski Square

The Cats in Krasinski Square

The cats come from the cracks in the Wall, the dark corners, the openings in the rubble.
They know I can offer only a gentle hand, a tender voice.
They have no choice but to come.
They belonged once to someone.
They slept on sofa cushions and ate from crystal dishes.
They purred, furrowing the chests, nuzzling the chins of their beloveds.
Now they have no one to kiss their velvet heads. I whisper, “I have no food to spare.”
The cats don’t care.
I can keep my fistful of bread, my watery soup, my potato, so much more than my friend Michal gets behind the Wall of the Ghetto.
The cats don’t need me feeding them.
They get by nicely on mice. Weiterlesen

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Christmas in the trenches

Christmas in the trenches

The only thing separating the two armies on that cold December night in 1914 was a barren stretch of muddy ground called No Man’s Land. It was in this setting that the miracle began.

A faint sound of singing cut through the frosty air.

Stille Nacht, heilige Nacht…

Then other voices joined in.

Silent night, holy night.

For a brief time the enemies stopped fighting and behaved as friends. As many as 100,000 soldiers are assumed to have participated in what became known as the unofficial Christmas Truce.

It was a grand human moment. Weiterlesen

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Hiroshima No Pika – The Flash of Hiroshima – Toshi Maruki

Hiroshima No Pika

(The Flash of Hiroshima)

That morning in Hiroshima the sky was blue and cloudless. The sun was shining. Streetcars had begun making rounds, picking up people who were on their way to work. Hiroshima’s seven rivers flowed quietly through the city. The rays of the midsummer sun glittered on the surface of the rivers.

In Tokyo, Osaka, Nagoya, and many other Japanese cities there had been air raids. The people of Hiroshima wondered why their city had been spared. They had done what they could to prepare for an air raid. To keep fire from spreading, they had torn down old buildings and widened streets. They had stored water and decided where people should go to avoid the bombs. Everyone carried small bags of medicine and, when they were out of doors, wore air-raid hats or hoods to protect their heads.

Mii was seven years old and lived in Hiroshima with her mother and father. She and her parents were breakfasting on sweet potatoes, which had been brought in the day before by cousins who lived in the country. Mii was very hungry this morning, and exclaimed about how good the sweet potatoes tasted. Her father agreed that they made a delicious breakfast, though they weren’t the rice he preferred. Weiterlesen

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Wachsam, aber nicht beunruhigt

Wachsam, aber nicht beunruhigt

 Komisch, dass man jetzt, wo jeder Haushalt seine eigene Interkontinentalrakete hat, kaum noch darüber nachdenkt. Anfangs wurden sie noch wahllos ausgegeben. Da war es noch aufregend: Ein Bekannter bekam ein Schreiben von der Regierung, und eine Woche später lud ein Laster die Rakete ab. Dann musste jedes Eckhaus eine haben, dann jedes zweite Haus, und jetzt würde es merkwürdig aussehen, wenn man beim Geräteschuppen oder der Wäscheleine keine Rakete stehen hätte. Weiterlesen

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Der Indianerkönig – der 4. Heilige König

Der Indianerkönig

Viele Menschen, große und kleine, kennen die Geschichte der Heiligen Drei Könige. Was aber von dem Indianerhäuptling Silbermond erzählt wird, das ist weit weniger bekannt.
Silbermond lebte am Rand eines Berglandes im weiten Amerika. Eines Nachts sah er am Himmel einen weißen Stern. Der zog einen Schweif aus Goldstaub hinter sich her. Silbermond kannte den Sternenhimmel gut, doch so etwas hatte er nie zuvor gesehen. Er rief sein Volk zusammen und sagte: »Ein neuer Stern ist aufgegangen. Ich bin sicher, es ist der Stern eines großen Königs. Ich will mich aufmachen und dem neuen König huldigen.« Er nahm viele Geschenke mit. Drei Lamas bekamen Krüge mit Wasser und Öl und Honig auf den Rücken geladen. Auch Maisbrot und Trockenfleisch trugen sie und ein Armband aus kostbarer Jade, einen Beutel mit Goldkörnern und einen bunt gewebten, warmen Umhang.
Silbermond sagte: »Lebt wohl.« Sein Bruder Schneller Hirsch gab ihm noch einen Rat mit auf den Weg: »Schau nicht links, schau nicht rechts, scher dich um nichts, sonst kommst du nie ans Ziel.« Die Mutter aber nahm einen Schmuck mit einer schimmernden Perle von ihrem Hals, legte Silbermond diesen um und sagte: »Das ist mein eigener Brautschmuck. Er soll dich erinnern, dass du jedem hilfst, der deine Hilfe nötig hat.« Weiterlesen

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Angst im Bauch

Angst im Bauch

»Puh, war das ein Schreck!« Dana stopfte sich einen Schokoriegel in den Mund. »Mir zittern alle Glieder. So etwas aber auch!« Sie redete und kaute, stöhnte und zitterte. Dem Schokoriegel folgte ein Stück Kuchen, ein Joghurt, eine Essiggurke und ein Becher Erdbeermilch, und langsam hörte das Zittern auf.
»War wirklich ein Riesenschreck!«, sagte Dana und wischte sich den Mund ab. »Ich hab vielleicht ‘ne Angst gehabt!«
»Oh, mein Armes!«, rief Danas Mutter aufgeregt. »Das ist ja schrecklich. Möchtest du vielleicht ein Spiegelei haben? Dann geht es dir bestimmt gleich besser.«
»Ein Spiegelei?« Dana sah ihre Mutter erfreut an. »Ja, das wäre genau das Richtige, um diesen schrecklichen Traum zu vergessen!« Weiterlesen

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Zen Air – eine Weihnachtsgeschichte

Zen Air

Nein, nein, das hat nichts mit Zen-Buddhismus zu tun, ist auch keine neue Fluglinie, etwa zu den buddhistischen Klöstern in China oder Japan, wo neuerdings auch westliche Interessenten die Kunst der Kontemplation lernen wollen. Vielmehr ist ZEN AIR eine Weihnachtserfindung meiner damals sechsjährigen Schwester. Sie hatte nämlich die glorreiche Idee, dass wir eigentlich zusammen spielen könnten. Das war bei uns beiden eigentlich nicht üblich, denn bei fünf Jahren Altersunterschied (ich war elf) gehen die Interessen doch weit auseinander. Später, als ich an der Universität auch Vorlesungen über Kinder- und Jugendpsychologie hörte, erfuhr ich, dass gerade diese Zahl der Jahre die zwischenmenschliche Kommunikation am meisten blockiere.
Aber nun hatte meine Schwester vorgeschlagen, ich könnte ihr doch für ihren Kaufladen die Ware mit meiner elektrischen Eisenbahn liefern. Ja, das war wirklich eine tolle Idee; ich wäre darauf nicht gekommen. Und mit der Spur Null, die es heute leider nicht mehr gibt, war das auch kein Problem. Da hatte es in den Waggons genügend Stauraum. Weiterlesen

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Eine feine Bescherung! – Evelyne Stein-Fischer

Eine feine Bescherung!

Andere Kinder kriegen morgen Geschenke. Ich krieg eine Schwester. Eine winzige, runzlige, stinkende. Als wäre ich den Eltern nicht genug!

Ich hab so ein neugeborenes Baby vor ein paar Monaten bei meiner Tante gesehen. Damals dachte ich mir: Sieht dem Orang-Utan-Baby im Zoo ziemlich ähnlich. Wenn Mama bloß nicht auf die Idee kommt, ein Baby zu produzieren. Bums! War es auch schon so weit. Die Eltern haben es erst mal für sich behalten, das Geheimnis. Als sie’s mir dann gesagt haben, mit Glitzeraugen und Strahlelächeln, war Weihnachten noch weit. Und jetzt entschließt sich diese doofe Irgendwerschwester wahrscheinlich genau morgen auf die Welt zu kommen und Mama liegt im Krankenhaus, weil sie heute Morgen schon dachte, es ist so weit. Der Arzt hat ihr geraten, gleich dazubleiben, sollten Komplikationen auftreten, und weil der Weihnachtsstress zu Hause jetzt nicht gerade das Beste sei. Stress hab ich!

Wer will schon mit zehn so einen schreienden fremden Zwerg in seinem Zimmer? Das ist vielleicht eine feine Bescherung! Weiterlesen

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Der einsame Weihnachtsmann

Der einsame Weihnachtsmann

Renate Riebschläger

Noch drei Tage bis Heiligabend und alle Miet-Weihnachtsmänner sind ausgebucht. Auch Nachbarn, Freunde und Verwandte feiern selbst und haben keine Zeit oder sind unserer Enkelin schon zu vertraut.

Doch für die kleine fünfjährige Hanna muss unbedingt ein Mann mit rotem Mantel und weißem Bart aufgetrieben werden.

Hanna glaubt noch ganz fest an den Weihnachtsmann und träumt seit Tagen von ihm. Ohne seine Anwesenheit würde ihre heile Weihnachtsmannwelt ins Wanken geraten.

Unsere letzte Hoffnung ist unser Nachbar Willi. Weiterlesen

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Lebkuchen mit Liebe gebacken

Mit Liebe gebacken

Peter Schneiderhan

«Lebkuchenherzen! Ganz frisch und lecker! Mit Liebe gebacken!», ruft das Mädchen mit den schwarzen Zöpfen und reibt die klammen Hände. «Duftende Lebkuchen! Mit kostbaren Gewürzen! Und viel Liebe gebacken!»
Doch niemand bleibt stehen. Kein Mensch nimmt Notiz von der jungen Lebkuchenbäckerin. Zu unscheinbar steht das Mädchen in einer schummrigen Ecke des Weihnachtsmarktes. Nur eine einzige rote Kerze klebt auf dem Pflaster vor dem brüchigen Weidenkorb und verstreut ihr flackerndes Licht.
Dutzende sorgfältig geformter Lebkuchenherzen jeder Größe liegen für kleine und große Leckermäuler bereit. Herzen, mit Zuckerguss verziert. Herzen, mit Mandelkernen oder kandierten Früchten gespickt. Herzen, mit glänzender Schokolade überzogen. Keines gleicht dem anderen. Weiterlesen

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Christkindlmarkt – Jutta Treiber

Christkindlmarkt

Jutta Treiber

Wie jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit besuchten wir den Christkindlmarkt auf dem Hauptplatz. Dieses Jahr war er sehr schön gestaltet. Das behaupteten zumindest mein Vater und meine Mutter. Es gab einen großen Christbaum, es gab eine Krippe mit lebensgroßen Figuren und in dem Stall liefen echte Schafe und Ziegen hemm. Meine Mutter war davon hellauf begeistert. Mein Vater war von den Ständen mit Punsch und Glühwein offensichtlich mehr angetan. Ich fühlte mich ein wenig fehl am Platz. Für den Krippen-Kinderkram zu groß, für Punsch und Glühwein ganz offensichtlich zu klein. Irgendwie werden zehnjährige Jungen an einem Christkindlmarkt nicht sehr gut bedient.

Ich stellte mich zuerst in die Punsch- und Glühweinabteilung, aber die Männer, die dort standen, schienen schon etwas besäuselt zu sein und ihre Gespräche waren eher eine Aneinanderreihung von Urlauten als eine intelligente Unterhaltung, also wandte ich mich dann doch der Mutter-Kinderkram-Krippenabteilung zu und beobachtete die Schafe, ebenfalls Urlaute ausstießen. Weiterlesen

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4. Dez. – Barbaras Starke Blüten

Barbaras Starke Blüten

Barbara Veit

Als Barbara am 4. Dezember aufwachte, war es ein Tag wie jeder andere. Papa war schon zur Arbeit gegangen, Mama sagte, dass sie sich beeilen musste… schon wieder zu spät dran! Dann war Mama auch weg und Barbara steckte das Pausenbrot in ihre Schultasche, zog langsam ihre Jacke an, zog sie wieder aus und setzte sich an den Frühstückstisch. Sie war müde, denn letzte Nacht hatte sie viel zu lange unter der Bettdecke gelesen. Mit der Taschenlampe, damit niemand was merkte!

Eigentlich hatte sie keine Lust, in die Schule zu gehen. Aber sie musste! Nur noch fünf Minuten wollte sie hier sitzen, eine Banane essen und an Harry Potter denken. Wenn sie einen Zauberbesen hätte, dann könnte sie zur Schule fliegen und außerdem würde sie viel lieber Zaubern lernen als Mathe!

Gerade als sie das letzte Stückchen Banane in den Mund steckte, klingelte das Telefon.

»Mmmpf«, sagte sie und: »Hallo!«

»Was heißt hier >mmmpf, hallo<!- fragte eine tiefe Stimme.

»Dddas heißt… Entschuldigung, hier ist Barbara!«, murmelte Barbara verlegen. Weiterlesen

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4. Dez. – Barbara und die Bergleute

Barbara und die Bergleute

Willi Fährmann

Der alte Antonius Faller hatte damals damit angefangen, den Schacht in die Erde zu treiben und die Kohlen zu fördern. Er nannte seine Grube »Fröhliche Morgensonne«. Später sind seine Söhne August und Andreas und noch ein paar andere junge Männer aus der Fallerfamilie mit ihm eingefahren. Sie haben gute Kohlenflöze gefunden und viel von dem schwarzen Gold ans Tageslicht gebracht. Der Antonius Faller kannte sich gut aus da unten im Schacht und brachte seinen Söhnen und den anderen Männern alles bei, was ein Bergmann können muss. Er war ein starker Mann und konnte einen eisernen Nagel mit der bloßen Hand krumm biegen.

Aber schließlich ist er alt geworden. Die schwere Arbeit und die ständige Feuchtigkeit da unten vor der Kohle, die haben ihm den Rücken krumm gezogen und das Atmen schwer gemacht. Seine Söhne haben ihm eines Tages die Hacke aus der Hand genommen und gesagt: »Vater, du hast genug gearbeitet. Bleib zu Hause und mache dich nicht kaputt.« Weiterlesen

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6. Dez. – Ein Geschenk vom Nikolaus

Ein Geschenk vom Nikolaus

Es schneit… und schneit, bis hohe Schneeberge die Häuser zudecken. Im Dorf ist es weiß, kalt und still.

Der Krämer kann seine Ware nicht verkaufen, die Bäckersfrau kein Brot. Großvater Gregor möchte seine Ziegen füttern, doch der Weg zum Stall ist verschneit. Und weil es keine Post auszutragen gibt, schreibt sich der Briefträger selbst einen Brief. In jedem Haus warten Kinder auf den Nikolaus.

Anne und Mich hauchen Gucklöcher in die Eisblumen am Fenster.

»Der Nikolaus findet heute bestimmt nicht zu uns!«, sagt Micha.

»Doch«, wiederspricht Anne.

»Nie!«, sagt Micha. »Der Schnee liegt viel zu hoch!«

Da wünscht sich Anne, dass der Nikolaus den Schnee einfach fortpustet. Weiterlesen

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6. Dez. – Die Legende von Nikolaus und Jonas mit der Taube

Die Legende von Nikolaus und Jonas mit der Taube

Schon viele Monate brannte die Sonne Tag für Tag auf die Erde. Das Gras färbte sich braun und raschelte dürr im Wind. Auf den Feldern verdorrte das Korn. Selbst an den großen Bäumen begann das Laub zu welken. Keine Wolke zeigte sich am Himmel. Es wollte und wollte nicht regnen. Die Wasserstellen waren längst ausgetrocknet. Nur die tiefsten Brunnen spendeten noch Wasser. Die Frauen schöpften daraus. In Krügen trugen sie das kostbare Wasser auf ihren Köpfen heim. Die Tiere fanden nicht ein grünes Kraut. Auch die Menschen litten Hunger. Über das ganze Land verbreitete sich eine Hungersnot.

In der Stadt Myra waren die Vorratskammern längst leer. Selbst für viel Geld gab es keinen Bissen mehr zu kaufen. Die Kinder weinten und schrien nach Brot. Doch die Mütter konnten ihnen nicht einmal eine harte Kruste geben.

Die Ratten liefen bereits am hellen Tag durch die Straßen und suchten in den Gossen nach Nahrung. Sie fanden nichts.

Da näherten sich eines Tages drei Schiffe dem Hafen am Meer. Sie kamen aus der fernen Stadt Alexandria. Schwer beladen waren sie und lagen tief im Wasser. Sie wollten Korn in die Kaiserstadt Konstantinopel bringen. Weiterlesen

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13. Dezember – Weihnachten in aller Welt – Schweden

Schweden

13. Dezember

In den dunklen Tagen der Vorweihnachtszeit stehen in Schweden Lichterpyramiden in den Fenstern. Ihr Licht soll weithin leuchten und die Dunkelheit vertreiben. Auch Britta und Mats sitzen hinter erleuchteten Fenstern. An diesem Nachmittag wollen sie aus Stroh Weihnachtsböcke basteln, wie sie in schwedischen Häusern stehen. Als Britta ihren fertigen Julbock mit dem gekauften vergleicht, der ihr als Vorlage diente, rümpft sie die Nase.

Sie fragt ihren Bruder: „Findest du, dass unsere Julböcke komisch aussehen?“

Mats kichert. „Ja! Sie sehen aus wie ulkige Saurier. “

“Seufzend bindet Britta ihrem Stroh-Saurier eine rote Schleife um den Hals und sagt: „Du bleibst jetzt so, wie du bist.“

In diesem Augenblick geht die Tür auf. Mutter kommt nach Hause. Weiterlesen

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Malins Weihnachtsgeschenk

Malins Weihnachtsgeschenk

Hans Peterson

Die Schule war in einem kleinen roten Haus. In diese Schule ging Malin. Sie war neun Jahre alt. Am zweiten Juli hatte sie Geburtstag. Mitten im Sommer.

Malin hatte ein Geheimnis. Aber das erzählte sie niemandem.

Ja, eine Weile hatte sie sogar zwei Geheimnisse. Das eine hätte sie fast Johan erzählt. Das war, als das erste Schuljahr vorbei war. Alle in der Klasse hatten ihre Sonntagskleider an. Die Lehrerin trug ein Kleid mit Blumen drauf. In einer Vase steckte ein großer Strauß Flieder. Der duftete durch das ganze Schulzimmer.

Malin hätte fast geweint. Der Sommer war so lang. Es würde lange dauern, ehe die Schule wieder anfing. Sie musste einfach nach vorn gehen und die Lehrerin ganz fest umarmen.

Dann gingen sie zur Kirche. Dort spielte Anderson auf der Orgel. Malin wusste, dass es Anderson war. Obwohl sie ihn nicht sehen konnte.

Und er spielte so, dass die ganze Kirche voll Musik war. So etwas Wunderbares hatte Malin noch nie gehört. Weiterlesen

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